Der frühere Beringer Dorfarzt Dr. Christian Seelhofer berichtet von seiner Arbeit
und aus seinem Alltag in Zimbabwe
Stromsparen
Bei uns in der Schweiz wird ja immer vom Stromsparen geredet. Hier in Zimbabwe
haben wir eine ausgeprägte Sparsituation. Aus irgendwelchen Gründen, die niemandem recht klar sind,
werden wir in den letzten Wochen mit diesem Gut sehr knapp gehalten.
Strom bekommen wir weitgehend nur noch zwischen elf Uhr nachts und fünf Uhr morgens. Das genügt zwar noch
knapp für die Tiefkühltruhe, jedoch schon der Kühlschrank verdient seinen Namen nicht mehr. Die Batterien
werden nur noch ungenügend aufgeladen, so haben wir am Abend oft nicht mehr genügend Licht, um noch zu arbeiten, zu
lesen oder den Abend zu geniessen. Die Batterie des Computers lässt auch langsam nach und gibt nach einer Stunde den
Geist auf. So müssen wir den afrikanischen Lebensrythmus annehmen. Man geht früh ins Bett und steht am Morgen
beizeiten auf. Nicht gerade leicht für einen Nachtmenschen wie mich, der vor allem am Abend richtig Lust auf Arbeit
hat und am Morgen lieber noch länger liegen bleiben möchte. So ist es dann einfacher für mich, den Wecker auf
Mitternacht zu stellen um noch etwas zu arbeiten oder im Spital Mails zu versenden. Damit ist der Morgen dann für mich
wieder gerettet.
Im Spital haben wir auch den Rhythmus gewechselt. Tagsüber kommen viele, manchmal sehr viele Patienten. Wir
können ihnen Röntgenbilder und Laboruntersuchungen verordnen. Die Patienten werden dann irgendwo über Nacht
untergebracht. Wenn dann Strom kommt, werden Röntgenassistentin und Laborpersonal vom Nachtwächter
geweckt und geholt. Die Patienten werden zusammengetrommelt und dann wird gearbeitet bis alle Patienten ihre
Untersuchungen haben. Am Morgen liegen dann die Ergebnisse vor und wir können damit arbeiten. Ja, wir haben einen
Generator. Aber dieser ist zu schwach für Röntgenbilder und wir haben nicht genügend Diesel. Den, welchen wir haben,
brauchen wir für notfallmässige Operationen oder manchmal auch dafür, das die Computer der Administration wieder
etwas arbeiten können.
Wir sind im Moment am Bauen eines kleinen Waisenhauses. Wenn ich vom Schreiner etwas brauche heisst es: Wenn
es Strom hat, könnt ihr es in drei Tagen haben, wenn es kaum Strom hat, geht es vielleicht drei Wochen. Zum Glück
brauchen wir selber beim Bau keine Maschinen. Alles ist Handarbeit. So geht es doch flott voran.
Aber es gibt auch sonst positive Seiten. Am Abend auf dem Balkon surrt kein CD-Player, man hört keinen
Kühlschrankmotor, einzig zirpen die Grillen, hört man einige verschlafene Vogelstimmen, in der Ferne manchmal ein
Streitgebrüll eines Affen, an den Wochenenden hört man Singen aus Kirche und Missionsschule, oft bis weit in die Nacht
hinein. Und wenn ich nachts bei einem Notfall die paar hundert Meter zum Spital laufen muss, sehe ich Millionen von
Sternen, eine Milchstrasse zum Greifen, so dass ich manchmal Mühe habe, das Kreuz des Südens aus den vielen Sternen
auszumachen./p>
© Dr. Chr. Seelhofer, Dezember 2009