![]() Dr. M. Bösch & Dr. M. Thalmann Schützehüsliweg 5 CH - 8222 Beringen Tel 052 685 19 25 / Fax 052 685 36 10 |
überarbeitet am 30.7.2005 |
Der frühere Beringer Dorfarzt Dr. Christian Seelhofer berichtet von seiner Arbeit und aus seinem Alltag in Zimbabwe Kirche oder Staat?!Seit einem Jahr stehen unsere Räume für unsere Krankenschwestemschule leer. Nicht weil wir keine Anmeldungen haben. Für unseren letzten Kurs von 40 Schülern hatten wir über 10000 Anmeldungen. Auch nicht weil wir keine Schwestern brauchen. Im Spital können nur ungefähr 60% der Pflegestellen besetzt werden, da gut ausgebildetes Personal immer noch ins Ausland abwandert. Alle hier sind überlastet und warten dringend auf Nachwuchs und Hilfe durch die Praktika der Schüler. Nein, das Problem ist ein Machtstreit zwischen dem Staat und unserem Bischof, der funktionell der Eigentümer unserer Schule ist. Doppelregentschaft Nun wurde vor kurzem ein neues Ausbildungskonzept für den Krankenschwesternberuf kreiert. Wir hatten uns anzupassen und wir wollten unsere Schule mit neuem Ziel und neuer Struktur eröffnen. Der Staat als Lohnzahler hat nun die neuen Schüler ausgewählt. Die Hälfte wurde aus den politisch geschulten Jugendcamps geschickt, die andere Hälfte konnte ein Team von Krankenschwestern und Schulinstruktoren aus unserer Masvingo-Provinz selber auswählen. Obwohl das Bistum keinen Dollar an die Schule bezahlt, will nun unser Bischofpraktisch als einziger im ganzen Land -bei der Auswahl unser Schülerinnen mitreden. Er sei ja verantwortlich für das Spital und damit auch für deren Schule. Der Staat vertritt jedoch den Standpunkt, da einzig sie die Schüler bezahle, hätten keine anderen das Mitspracherecht. So wird nun hin und her diskutiert und jeder beharrt stur auf seinem Standpunkt. Der Bischof hat uns verboten, die Schule zu eröffnen. Derweil leidet unser Spital und damit die Bevölkerung an der eingeschränkten Pflege infolge Mangels an Pflegepersonal und das nur, weil die Obrigkeit Politik macht und nicht Verantwortlichkeit gegenüber kranken Menschen betreibt. In den letzten Wochen hatten wir harte Gespräche mit Bischof und Gesundheitsdirektor und beide waren engstirnig und unnachgiebig. Aber auch wir wollen nicht nachgeben. Unsere Schule ist auf längere Zeit ein ganz wichtiger Faktor und ein Garant für die Fortdauer der Qualität unseres Spitals. Die Gespräche gehen nun weiter. Wir hoffen, dass wir eine Regelung erarbeiten können, die für beide Seiten akzeptabel ist und wir dann wenigstens für den nächsten Termin Januar 06 die Schule mit einem kleinen Freudenfest wieder eröffnen können. Manchmal macht es etwas Mühe, neben der vielen Arbeit am Krankenbett, im Ambulatorium und im Operationssaal auch noch im Management des Spitals mitzuwirken. Dies ist zwar sicher notwendig, gibt aber immer noch zusätzliche Belastungen, die oft den normalen Ablauf im Spital empfindlich stören können. Alle diese verschiedenen Aufgaben machen den Tag zwar lang, aber auch interessant. © Dr. Chr. Seelhofer, 30. Juni 2005 |