Aus Fernost kam in den echziger Jahren ein Gerät in die Geschäfte, welches unter
dem Label Century-21 keine bekannten Assoziationen zu wecken vermochte,
das Gerät ist technisch aber dem Drake SSR-1 ähnlich und wohl praktisch identisch
zum Standard C-6500. Das service- und modifikationsfreundliche Gerät wurde nicht
selten als Einsteiger - Empfänger ins DXen oder als Zweitempfänger von Kurzwellenamateuren
eingesetzt und taucht gelegentlich auf dem Gebrauchtgerätemarkt auf.
Das Gerät hat mit den Abmessungen von 340 x 290 x 156 mm die Grösse eines
üblichen Stationsempfängers. Das Metallgehäuse ist sehr bedienerfreundlich zu
öffnen und lässt einem erfahrenen Bastler genügend Platz für Modifikationen;
an einem Century-21 zu arbeiten ist eine Wohltat im Vergleich damit, einen ICF-6800W
wieder zusammenzusetzen.
Das Gerät kann mit 8 UM-1 Monozellen, an 12 Volt Gleichstrom aus der Autobatterie
oder mit 220V Netzspannung betrieben werden, die Abmessungen und das Gewicht von
6,4 kg machen das Gerät portabel, aber auch nicht mehr. Einen guten Einsatzzweck
hat es beispielsweise als Zweitempfänger in unserer Alphütte gefunden, wo wir
auf 12V Solarstromversorgung angewiesen sind, in die Ferien würde ich es sonst
lieber nicht mitschleppen.
Die Frontplatte ist für ein Gerät aus den achziger Jahren einfach strukturiert,
die Bedienung trotzdem nicht ganz unproblematisch, wenn man noch nie mit einem
Gerät mit Wadley Loop - Schaltung gearbeitet hat.
In der oberen Hälfte der Frontplatte liegen links der Lautsprecher und rechts
die Abstimmelemente. Mit dem MHZ - TUNE Knopf wird das gewünschte MHZ - Band
gewählt, hier muss innerhalb der MHz - Bereichsmarkierung der inneren Rundskala
auf Rauschmaximum eingestellt werden, mit dem Abstimmknopf lässt sich dann
auf der äusseren 000 - 999 Skala die kHz - Stelle mit einer Genauigkeit von
5 - 10 KHz einstellen. Hier zeigt sich im Vergleich mit anderen Amateurgeräten
aus der gleichen Zeitperiode (wie der Trio-Kenwood 9R59DS oder R-300, den frühen
Grundig Satelliten ohne Digitalanzeige) die verbesserte Frequenzgenauigkeit
gegenüber reinen Analoggeräten , alle Geräte mit digitaler Frequenzanzeige
stellen allerdings die Wadley Loop - Technologie meist dann doch wieder in den Schatten.
Zum guten Empfang muss dann noch mit dem PRE-SELECTOR auf Signalmaximum abgestimmt
werden.
In der unteren Hälfte der Frontplatte finden sich von links die Kopfhörerbuchse,
der RF-Gain (HF-Verstärkungs-) und der AF-Gain (Lautstärke-)Regler, die Bandumschaltung
welche die einzelnen Preselektorbereiche schaltet und der Betriebsartenschalter,
mit dem im Einseitenbandbetrieb die beiden Seitenbänder separat ausgewählt werden
können. Hinter dem Regler Clarify verbirgt sich eine zum SSB- und CW-Empfang sinnvolle
Feinabstimmung.
Die Rückseite ist schlicht ausgestattet, neben der Netzkabeleinführung (kein
Steckkontakt) und der hinten angebrachten Teleskopantenne finden sich von links
die Buchsen für den Tonbandausgang, die Stummschaltung (MUTE) und der Antennen-
und Erdanschluss, sowie der Sicherungshalter.
Die Bedienung ist an sich unproblematisch, wenn man die Philosohie hinter
den auf dem Wadley Loop basierenden Empfängern kennt, kann aber einen sonst ziemlich
ins Bockshorn jagen, dass ein Empfängerdefekt vermutet werden könnte.
Mit VOLUME wird eingeschaltet, bis es aus dem Lautsprecher etwas rauscht, der
RF-GAIN gehört auf den rechten Anschlag, MODE zum Rundfunkempfang auf AM und
CLARIFY in die Mittelstellung. Soll nun beispielsweise der Österreichische
Rundfunk auf 6155 kHz empfangen werden, wird mit dem BAND Schalter der die Frequenz
überstreichende Bereich von 5 - 12 MHZ gewählt. Mit MHZ-TUNE wird etwa auf
die Mitte der Marke [ 6 ] der inneren Kreisskala abgestimmt, es sollte ein
deutliches Rauschen hörbar werden. Mit dem Hauptabstimmknopf wird auf der oberen /
äusseren Kreisskala auf 155 eingestellt, und Wien sollte hörbar werden. Mit dem
PRE-SELEKCTOR wird der Vorkreis auf Maximum abgestimmt und nochmals vorsichtig
mit MHZ-TUNE auf maximalen Ausschlag am S-Meter erhöht. Kommt es zu Verzerrungen
und Überladungserscheinungen, die vor allem an einer längeren Aussenantenne
nicht selten auftreten, kann der RF-GAIN etwas zurückgenommen werden, bis
das S-Meter etwas um 7 - 9 herum ausschlägt. Zum Empfang von SSB-Aussendungen muss
mit dem Betriebsartenschalter aus USB oder LSB gestellt und mit dem CLARIFY Regler
fein abgestimmt werden, bis die Sprache nicht mehr nach Mickey Mouse und die
Musik akzeptabel klingt, hierbei muss oft manuell der RF-Gain geregelt werden,
dafür kommt zum SSB-Empfang ein schmäleres ZF-Filter zum Einsatz.
Elektronisch arbeitet das Gerät nach dem Wadley Loop - Prinzip, das erstmals
im RA-17L von Drake breit zur Anwendung kam: von einem Mutterquarz werden
stabile Oberwellenschwingungen abgeleitet, die zu einem quarzstabilen Signal
jeweils auf jedes volle MHZ im Bereich von 45,5 - 75,5 MHz führen. Mit dem MHZ-TUNE
Drehkondensator wird auf die eine jeweils gewünschte Oberwelle abgestimmt, das Signal
mittels einem 42,5 MHz Oszillator auf eine Zwischenfrequenz von 2,5 MHz herabgemischt,
und das Signal mit einem in einem 1 MHz-Segment, in diesem Falle von 2 - 3 MHz,
linear abstimmbaren VFO gemischt. Die Skala dieses VFO kann dann von 000 - 999
beschriftet zur Einstellung der KHz-Stelle der Empfangsfrequenz herangezogen werden,
die Zwischenfrequenz wird so auf 455 kHz umgesetzt und nach Passage des ZF-Filters
und Verstärkung dem Demodulator zugeführt.
Im praktischen Einsatz besticht der Century-21 durch eine hohe Empfindlichkeit,
er kommt mit recht kurzen Behelfsantennen oder der eingebauten Teleskopantenne aus,
überlädt dafür gern an Langdraht- oder Aktivantennen, so dass abgeschwächt werden
muss. Die ZF-Filter verleihen dem Empfänger eine brauchbare Selektivität, sie
können evtl. durch schmalbandigere 455 kHz-Filter ersetzt werden.
Die Abstimmung ist mit der Notwendigkeit der Bedienung von MHZ- und kHz-Abstimmung,
Preselector und Bandschalter gelinde gesagt gewöhnungsbedürftig und rasche
Frequenzwechsel sind mühsam. Wenn ein Signal schwächelt, kann wirklich das Antennen-
Signal den Ausbreitungsbedingungen entsprechend schlecht sein, oder das Maximum
des MHz-Signals liegt nicht ganz in der Mitte, der Preselektor ist leicht verstellt,
der RF-Gain noch reduziert, etc. - so schnell ist etwas vergessen! Oftmals liegt auch
die Eichung der kHz-Skala ein bis drei kHz daneben, der Umstand kann durch
Nachtrimmen von L21 behoben werden.
Insgesamt ist der Century-21 ein Sammlergerät, als Zweitgerät zum DXen geeignet und
als Ausgangpunkt für Erfahrungen mit Gerätemodifikationen ein dankbares Opfer,
einige Century-21 habe ich auf Funkflohmärkten schon in schlechtem Zustand
angetroffen, die Unverwüstlichkeit von kommerziellen Empfängern, die nach
jahrelangem Betrieb immer noch aufs kHz stimmen und fast wie am ersten Tag
spielen, ist bei dem Preiskompromiss von Schaltungs- und Fertigungstechnik
nicht zu erreichen.
Zu erwähnen bleibt noch, das Prinzipschaltbild und Schaltung des Drake
SSR-1 und vor allem des Standard C-6500 dem des Century-21 sehr, sehr ähnlich sind.