Grundig zeigt begrüßenswerte Aktivitäten
im Bereich aufwendig- aussehender Kofferempfänger mit
DX-Appeal, gilt es doch die renommierte Satellit-Serie
würdig fortzusetzen. Flaggschiff dieser Serie bleibt der
konstruktionsmäßig antiquierte, aber leistungsfähige
Satellit 3400; als kleinere Brüder stellen sich Satellit
1400 und 2400 vor. Der hier getestete 1400 liegt
preislich günstig und bietet dem Einsteiger in die
DX-Welt vielversprechende Bedienungsmöglichkeiten. Als
überaus begrüßenswertes Novum ist die LCD-
Frequenzanzeige zu bewerten. Der minimale Stromverbrauch
erlaubt die Nutzung der begehrten Digitalanzeige auch bei
Batteriebetrieb. Vom Kofferradio- Design und Military-
Look mag Grundig sich augenscheinlich noch nicht trennen.
Auch schaltungstechnisch gibt es mit Ausnahme der
digitalen LCD- Anzeige keine Höhepunkte: Einfachsuper
auf allen Bereichen mit Ausnahme der KW-Bänder 2 - 6.
Das Gerät
Mattschwarz und mit optisch gut verteilten
Chromakzenten präsentiert sich das solide
Kunststoffgehäuse des Satellit 1400. Interessante
Detaillösung: Nach Lösen von nur vier Schrauben läßt
sich das Gerät zerlegen. Eine höchst ingeniöse
Rastmechanik hält die Teile zusammen, ohne Klirren bei
höheren Lautstärken.
Das linke Drittel der Vorderseite nehmen die Lautsprecher
ein; der getrennt zuschaltbare Hochtöner sorgt bei UKW
für hervorragenden Klang. Das imposant aussehende
Bedienfeld rechts daneben enthält nicht weniger als 17
Schalter und Einsteller: zwei Tonblenden, getrennt für
Höhen und Tiefen, darunter der Lautstärkesteller.
Dominierend in diesem Feld ist der wohltuend große
Senderstellknopf, konzentrisch mit Grob-/Feintrieb und
mit 1:5 untersetzt.
Direkt darüber findet sich das Feld für die
beleuchtbare LCD-Frequenzanzeige. Rechts dann das
Anzeigeinstrument mit besonderen Markierungen für
Batterie- bzw. Akkuzustand. Unter diesem Instrument
dienen zwei Drehknöpfe der Bereichswahl: UKW, MW, LW und
KW1 mit dem oberen Knopf, KW2-6 mit dem unteren, wobei
der obere Knopf vorher auf die Markierung KW2-6 gedreht
werden muß. Eine interessante Lösung für die
Bereichswahl, oder? Die untere Reihe der
Bedienungselemente beginnt links mit dem Ein/Aus-
Schalter, daneben Schalter für den Hochtöner, für
Batterieprüfung, Skalenbeleuchtung und Zähler ein/aus.
Letzteres ist nötig, weil das Multiplexverfahren der
digitalen Frequenzzählung leider auch Störimpulse
erzeugt. Der kleine Drehknopf rechts neben diesen vier
Schaltern erlaubt die Wahl zwischen automatischer
HF-Verstärkungsregelung und Handeinstellung. Der kleine
Drehknopf rechts außen dient der Feineinstellung bei
SSB- oder CW-Betrieb. Der Kippschalter zwischen diesen
Drehknöpfen wählt das Seitenband: KW1= LSB oben, USB
unten; KW2 - 6 = LSB unten, USB oben. Kapiert? Wir auch
nicht!
Zu erwähnen sind noch die drei Kippschalter links neben
der Digitalanzeige: Radio- oder Verstärkerbetrieb,
Rauschunterdrückung und automatische
Frequenznachstimmung bei UKW. Die großflächige
Analogskala zeigt nur sparsame Markierungen: die digitale
Frequenzanzeige erlaubt viel genauere Ablesung als jede
noch so detaillierte Analogskala. Daher sollte diese
Skala nicht überbewertet werden. Auf den KW-Bereichen
sind die Amateur- und Rundfunkbänder mit grünen
Strichen bezeichnet. Der Skalenzeiger ist silberfarben
und breit; die gesamte Skala ist flutlichtartig
beleuchtbar.
In die obere Gehäuseseite ist der Tragegriff versenkt
eingelassen. Die 144 cm lange, zweistufig ausziehbare
Teleskopantenne besitzt ein solides Dreh-/Knickgelenk.
Auf der Gehäuserückseite befinden sich das Batteriefach
und ein weiteres kleines Fach für das abnehmbare
Netzkabel.
Ferner gibt es Anschlußbuchsen für: Antenne (DIN 45 325
S, bekannt als Fernseh-Koax), Tonband Aufnahme/
Wiedergabe, Plattenspieler, externen Lautsprecher,
externe Gleichspannung 10-16 Volt und Netzkabel. Der
Sicherungshalter ermöglicht gleichzeitig das Umschalten
von 110 auf 220 Volt Netzspannung. Letztlich gibt es noch
einen kleinen Drehknopf für kapazitive Antennenanpassung
auf den KW- Bereichen und einen Schiebeschalter, der eine
Antennendämpfung von ca. 25 dB einschaltet. Eine
Kopfhörerbuchse (PL-Norm) auf der Vorderseite
komplettiert die Ausstattung des Gerätes. Zum
Lieferumfang gehören: Bedienungsanleitung, Schaltplan,
DX-Einführung (mit kräftiger Reklame für Grundig), und
auch Frequenztabellen für UKW und KW - letztere mit
kleinen Fehlern.
Betriebsergebnissen
Die verwertbare Empfindlichkeit auf den
KW-Bereichen ist besser als es die reinen Meßwerte
vermuten lassen. Insbesondere die Signaltrennung ist bei
KW2 - 6 ordentlich, die Selektionsmittel sind optimal
abgestimmt. Auf dem KW1- Bereich dagegen ist die
Empfindlichkeit nicht überragend, auch die Selektion
ließ hier sehr zu wünschen übrig. Die
Bereichsurnschaltung ist gewühnungsbedürftig, wir
konnten nicht viel Sinn in dieser Auslegung finden. Sehr
angenehm zu bedienen ist der Senderstellknopf Fein. Die
Untersetzung ist genau richtig. Dagegen konnte der
Senderstellknopf Grob nicht befriedigen; es sind sieben
komplette Umdrehungen (mindestens 14mal drehen) nötig,
um einen Bereich von Anfang bis Ende zu durchlaufen.
Außerdem ist dieser Antrieb sehr schwergängig. Bei
Tageslicht ist das Abstimminstrument schlecht lesbar, und
die silberne Grundfarbe blendet. Bei Betrieb mit
eingeschalteter Beleuchtung ist eher das Gegenteil der
Fall: die indirekte Hintergrundbeleuchtung ist angenehm.
Die Anzeigecharakteristik des S-Meters ist gut gewählt,
Flutter- und Fading- Erscheinungen werden gut zur Anzeige
gebracht. Die oberen Segmente der LCD-Anzeige sind bei
Betrieb auf dem Schreibtisch abgeschattet, wenn das
Gerät nicht mindestens 70 cm vom Bediener entfernt ist.
Die Plazierung der Sendereinstellung wurde nach einiger
Zeit als unglücklich empfunden. Das Handgelenk ermüdet:
die Höhe des Knopfes erlaubt es nicht, das Gelenk
aufzustützen. Allgemein wurde die Bedienung wegen
Umständlichkeit kritisiert. Dagegen wurde die
Empfangsleistung auf den KW-Bereichen 2 - 6 mit
"gut" bewertet; sie liegt durchaus auf der
Höhe des mit diesem Schaltungskonzept möglichen
Niveaus. Abstriche müssen jedoch bei SSB-Betrieb gemacht
werden: die Seitenbandwahl ist umständlich, der
Oszillator driftet etwas, und der Rückmischkreis muß
per Handregelung genauestens auf günstigen Arbeitspunkt
eingestellt werden. Des weiteren ist die Selektion bei
Seitenbandempfang nicht ausreichend.
Langdrahtantennen zeigten nur auf KW 1 gute Wirkung. Auf
den anderen KW-Bereichen ließ sich nur über einen
nachgeschalteten Preselector eine Verbesserung erzielen.
Die voll ausgezogene Stabantenne ist optimal angepaßt.
Sehr gut arbeitet die Schwundregelung auf allen
AM-Bereichen. Die Verstärkungsreserven bei Handregelung
sind enorm; ohne einen unzumutbaren Anstieg des
Grundrauschens zu verursachen lassen sich noch etliche
"Reserven" mobilisieren. Der NF-Teil ist
hochwertig; Frequenzbereich, Ausgangsleistung und
Regelmöglichkeiten sind gut aufeinander abgestimmt. Die
Anschlußmöglichkeiten zeugen von deutscher
Gründlichkeit. Das Gerät kann vielen
Betriebsbedingungen angepaßt werden.
Erwähnt werden soll auch der - oft wenig beachtete -
Langwellenbereich. Er brachte erstaunlich viele Sender
und war relativ immun gegen die auf diesem Bereich sonst
so häufigen Störungen. Der MW-Teil hat leider nur
Kofferradio- Niveau. Er eignet sich wegen mangelnder
Selektion nicht für ernsthaftes DXen. Ganz ausgezeichnet
ist dagegen der UKW-Tuner. Neben bemerkenswerter
Empfindlichkeit und exzellentem Signal/ Rauschverhalten
darf die mit UKW erreichbare Wiedergabequalität nicht
unerwähnt bleiben. Hat man sich erst an die Bedienung
gewöhnt, so ist ernsthaftes DXen ab 3.5 MHz gut
möglich, insbesondere wenn man sich der Handregelung der
H F-Verstärkung bedient. Auf SSB- Betrieb sollte dabei
nicht zuviel Wert gelegt werden, einmal wegen der bereits
erwähnten Schwächen dieses Teils und weiterhin wegen
der nicht vernachlässigbaren Drift des Empfängers.
Mit dem teuren Batteriestrom geht der Satellit 1400
sparsam um. 120 Betriebsstunden lassen sich problemlos
erreichen, wenn die Lautstärke in Grenzen gehalten wird.
Noch billiger ist auf die Dauer der Akkubetrieb - das
Ladeteil ist eingebaut.
Wertung und Kritik
Das Beharren der Entwickler auf dem Konzept der
Bereichsschaltung mit Verzicht auf eine Bandschaltung
verursacht die umständliche Bedienung. Die für
SSB/CW-Betrieb hier verwendete Schaltungsvariante ist so
nicht brauchbar und bedürfte einer Überarbeitung. Die
Fernseh- Normbuchse als KW-Antennenanschluß ruft
mittleres Erstaunen hervor. Der Satellit 3400 hat eine
Autoantennenbuchse! Was gibt es als nächstes bei
Grundig? "Professionals" - und mit dieser
Bezeichnung schmücken sich die Satelliten - bevorzugen
die SO-239/ PL-259 Kombination. Die sonstigen
Anschlußmöglichkeiten sind normgerecht und in ihrer
Vielzahl begrüßenswert. Wirklich zu loben ist die
Verwendung der strornsparenden LCD- Digitalanzeige. Die
durch den Multiplexbetrieb verursachten Störungen treten
nur bei 28 und 24 MHz wirklich störend in Erscheinung.
Die Betriebsanleitung weist darauf hin; in diesem Falle
kann der Zähler abgeschaltet werden. Die Frequenzanzeige
ist genau, zeigt aber gelegentlich störendes
Segmentblinken. Bei Langzeitbetrieb wurde eine erhebliche
Drift der Gesamtschaltung festgestellt: 2.6 kHz in 36
Stunden. Die Lautstärke läßt sich nicht ganz auf Null
regeln; dies stört bei Standby-Betrieb in einem sonst
ruhigen Raum. Durch Umschalten auf Phono läßt sich
dieses Problem beheben.
Für ein Gerät dieser Preisklasse ist die Selektion auf
KW 2 - 6 ordentlich, wie auch die allgemeine
Empfangsleistungen durchaus akzeptabel sind. Die
hervorragend ausgelegte AGC und die gut dosierbare
HF-Handregelung wurden bereits lobend erwähnt.
Kritikwürdig sind allein die Bedienung und der
unzulängliche SSB-Teil. Wie bei allen Grundig-Geräten
sind die Servicemöglichkeiten ausgezeichnet. Ein
weiterer Aspekt sollte nicht unerwähnt bleiben: hier ist
ein brauchbarer, wenn auch nicht hochklassiger, tragbarer
DX-Empfänger mit einem vertretbaren Preis auf den Markt
gekommen. Die enorme Vielseitigkeit dürfte dem Gerät
rasch einen guten Absatz schaffen, zumal Verarbeitung und
Schaltungskonzept wohltuend solide sind.
Schlußbemerkung
Betrachtet man die Satellitserie von den
Anfängen bis zur Gegenwart, so ist festzustellen, daß
das gleiche Schaltungskonzept mit entsprechenden
Variationen über die Jahre verfolgt wurde. Der Einsatz
von ICs im ZF-Verstärker, in NF-Endstufen und in der
Spannungsstabilisierung ist nur eine Anpassung an die
technologische Entwicklung, stellt jedoch keine echte
Neuerung dar. Unter diesem Aspekt ist auch die digitale
Frequenzanzeige zu sehen. Bekanntlich verhindern die
Bestimmungen der Bundespost in Kürze ein durchstimmbares
Empfangsgerät mit dem Bereich 0.1 - 30 MHz. So werden
die leichter bedienbaren und wirklich brauchbaren
Weltempfänger des PLL-Typs aus dem Ausland kommen.
Satellit 1400 Professional: Technische Daten und Meßwerte
Hersteller Grundig AG
Vertrieb Fachhandel
Gerätetyp tragbarer DX-Empfänger
Schaltungstyp Doppelsuper (KW 2 - 6)
Frequenzbereiche
| KW1 1.6 - 3.5 MHz |
KW2 3.5 - 7.7 MHz |
KW3 7.7 - 12.5 MHz |
| KW4 12.5 - 18.2 MHz |
KW5 18.2 - 23.5 MHz |
KW6 23.5 - 28.0 MHz |
sowie LW, MW, UKW
Frequenzanzeige digitale LCD-Anzeige, Analogskala für
alle Bereiche
Ablesegenauigkeit 1 kHz mit Digitalanzeige
Absolute Genauigkeit - 110 Hz
Frequenzstabilität bei dT von 10 °C +/- 2 kHz;
innerhalb 1 Stunde +/- 1 kHz
Besonderheiten stromsparende LCD-Digitalanzeige, sehr
gutes Kofferradio mit KW-DX-Möglichkeit
HF-Teil
Empfindlichkeit: in uV an 50 Ohm bzw. 1 KOhm bei
BC; Modulation AM, 400 Hz 30 Prozent
0,1 MHz -1,5 MHz für 26 dB S+N/N
2 MHz - 30 MHz für 6 dB S+N/N
| Frequenz (MHz) |
AM |
SSB |
| 0.5 |
20 |
- |
| 1 |
18 |
- |
| 1.5 |
18 |
- |
| 2 |
2.4 |
1.2 |
| 5 |
1.6 |
1.2 |
| 7 |
14 |
1.1 |
| 10 |
1.8 |
0.8 |
| 15 |
2.6 |
1.4 |
| 20 |
3.1 |
1.5 |
| 25 |
2.9 |
1.4 |
Trennschärfe (kHz): 7 MHz +/- 1 MHz
Spiegelfrequenzsicherheit besser als 52 dB
Zf-Festigkeit besser als 56 dB
AGC-Regelbereich ca. 65 dB
Abstimminstrument S1 = 1 uVolt, Mitte 16 uVolt, Ende 5
mVolt (acht Skalenteile)
Antennen zweistufige Teleskopantenne, 144 cm lang;
Ferritantenne für MW und LW
Abschwächer -24 dB, nur KW
Antennenanschluß Koax DIN 45 325S, kapazitive Anpassung
Sonstiges ausgezeichneter UKW-Teil: 2.1 uV / 26 dB
Empfindlichkeit; 5.1 uV / 43 dB Mutingeinsatz
NF-Teil (bei Netzbetrieb)
Leistung 2.3 Watt, 10% THD
Frequenz 40 - 18 000 Hz, +/- 3 dB
Tonblende Höhen, Tiefen, jeweils +/- 7 dB
Lautsprecher 1 Hochton, 1 Mittel/Tiefton
Anschlüsse TonbandaufnahmeAwiedergabe; Plattenspieler;
ext. Lautsprecher 4 Ohm; Kopfhörer, 6.35 mm
Klinkenbuchse
Stromversorgung Netz 110/220 Volt
Batterie sechs Monozellen oder Akku; externe Gleichspannung 10 - 16 Volt
Leistungsaufnahme Netzbetrieb 15 Watt; Batteriebetrieb 7 Watt
Maße 41 x 27 x 12 BHT in cm
Gewicht 6,1 kg mit Batterien
Besiückung 24 Transistoren, 7 ICs, 13 Dioden
FTZ-Nummer U-101
Preis ca, DM 650,-
© R. Lichte, Kurzwellenempfänger - Qual der Wahl