Die Satellit-Serie von Grundig gibt es seit
gut zwölf Jahren. Im Laufe dieser Zeit wurde der
Satellit immer größer und auch komfortabler in der
Ausstattung. Beim Satellit 3400 Professional (letzteres
wohl wegen der schwarzen Farbe?) führte diese
Entwicklung zu einem recht unhandlichen Kastenformat. Als
Koffergerät ist dieser Empfänger nicht mehr zu
bezeichnen. Die Aufteilung von FM/MW/KW in getrennte,
unabhängige HF-Einheiten scheint auf den ersten Blick -
betrachtet man die rechte Gehäuseseite - von der 2000er
Serie zu stammen. Beim Studium der Schaltpläne
fällt jedoch auf, daß hier modernste Halbleitertypen (BF
900, BF441, BC558C usw.) sowie Quarz- und Keramikfilter
Verwendung finden. Weiterhin wurde eine digitale
Frequenzanzeige in das Gerätekonzept integriert. Endlich
hat auch der SSB-Teil Platz im Gehäuse gefunden. Dazu
bietet dieser Satellit jeden wünschenswerten
Bedienungskomfort, einschließlich einer sechsstelligen
Digitaluhr.
Das Gerät
Die Vielzahl der Bedienungselemente auf der
Frontplatte beeindruckt. An Regelmöglichkeiten und
Schaltern sind - von links nach rechts - auf der unteren
Leiste vorhanden: Kopfhöreranschluß, Lautstärke,
Bässe, Höhen, Aus, Beleuchtung, Hochtonlautsprecher,
Zähler, BFO, Störbegrenzer, HF-Verstärkung,
Seitenbandwahl und Feinabstimmung. In der mittleren
Leiste sind von oben nach unten zu finden: UKW-AFC,
Signal/Batterie, Antennentrimmer, Dreifach-Bandbreite, KW
3 - 1 0-Spreizung. Die drei großen Felder in der Mitte
des Gehäuses beinhalten die visuellen Anzeigen:
Signalstärke, Zeit, Frequenz.
Die Abstimmknöpfe sind ganz rechts, und der Umschalter
für den Trommeltuner befindet sich an der rechten
unteren Gehäuseschmalseite. Mit den Drucktasten auf dem
oberen linken Geräterand lassen sich sechs UKW-Sender
abrufen, die Frequenzen sind voreinstellbar. Fernerhin
werden mit weiteren Tasten die Wellenbereiche gewählt,
die Außenantennen zugeschaltet und auf eine externe
NF-Signalquelle umgeschaltet.
Auf der Rückseite des Gerätes befinden sich
Antennenanschlüsse in alter DIN-Norm (kleiner
Vierkantstecker), als Klemmtaste und als
Autoantennenbuchse, dieses ist der einzige koaxiale
Antennenanschluß. Weiterhin sind Anschlüsse für Netz
und Batterie vorhanden sowie eine DINBuchse (5-polig)
für NF. Ebenfalls auf der Rückseite - oben links -
befinden sich die Einsteller für die sechs UKWStationen.
Für das Netzkabei ist ein Fach auf der Rückseite
vorgesehen. Bei Batteriebetrieb sind sechs Monozellen
notwendig, das Batteriefach befindet sich auf der
Unterseite des Gerätes.
Im Boden sind Gewindebuchsen (4 mm) eingelassen, um ein
sicheres Aufstellen auf einem Boot zu ermöglichen. Ein
stabilerTragebügel erleichtertden Transport. Die
unförmigen Bügel rechts und links sind - gottseidank -
abschraubbar.
Besonderheiten der Ausstattung
Dem Tester gefiel vor allem die große - 12.5 mm
- fünfstellige Digitalanzeige. Natürlich verbraucht
eine derart lichtstarke LED-Anzeige viel Strom, wir
nehmen dies aber gerne in Kauf. Auch das
Signaistärkeinstrument ist sehr gut lesbar. Die LCD-Uhr
ist beleuchtet. Die jeweils gewählten
Frequenzbereichsskalen werden illuminiert, eine
eindeutige Zuordnung ist damit gegeben.
Die bei den Satellit-Geräten stets bemängelte
Skalenteilung (zuwenig Marken auf KW 3 - 10) ist zwar
auch hier vorhanden, die digitale Frequenzanzeige läßt
dies jedoch verschmerzen. Die Bandspreizung auf KW 3 - 10
erfaßt ca. 20% des gewählten Bandes, und zwar stets den
Bereich mit den Amateur- bzw. Rundfunkbändern. Der
Antennentrimmer erlaubt ein Anpassen von Außenantennen
bei KW 3 bis 10.
Die Feinabstimmung arbeitet hervorragend präzise und ist
leichtgängig, die Plazierung der Regler ist insgesamt
sehr durchdacht. Die saubere und stabile Verarbeitung des
Gerätes konnte innen und außen,überzeugen. Die
Servicemöglichkeiten sind gut.
Dem Gerät liegen eine Bedienungsanleitung,
Sendertabellen und eine DX-Einführung bei,
Serviceunterlagen müssen angefordert werden.
Besonderheiten in der Technik
Die konsequente Aufteilung der HF-Tuner ist
nachahmenswert. Sie erlaubt eine Optimierung für den
jeweiligen Frequenzbereich. Herausragendes Merkmal dieses
Satelliten ist die dreistufige Bandbreitenumschaltung:
sie arbeitet auf allen AM-Bereichen, auch bei
SSB-Betrieb. Die Stellung breit erlaubt einen ausgezeichneten Klangeindruck bei
ungestörten Signalen auf MW, da eine NF-mäßige
Begrenzung -bei mittel und schmal wirksam - aufgehoben
wird. Die Stellung schmal ermöglicht es aus einem sonst
undurchdringlichen Gemisch von Sendern das gewünschte
Signal herauszuholen, dies natürlich auf Kosten des
Klangeindrucks. Auf KW ist diese Selektion jedoch der
Schlüssel zum Erfolg bei der Jagd nach seltenen
Stationen.
Auf den KW-Bereichen 3-10 - hier arbeitet der Satellit
als Doppelsuper - ergibt sich durch Quarzfilter,
Dreifachabstimmung und Wahl der 1. ZF von 2 MHz eine
ungewöhnlich hohe Spiegelfrequenzsicherheit.
Die Anzeige des Foldstärkeinstrumentes läßt sich wegen
der streng logarithmischen Auslegung der
Anzeigeverstärker ein gutes Abschätzen der Feldstärke
zu, die nötigen Tabellen sind vorhanden! Eben wegen
dieser Auslegung aber werden schwache Sender kaum
angezeigt. Bei automatischer HF-Regelung ist das
Instrument nicht an den Anschlag zu bringen. Der
Regelbereich bei Handregelung ist sehr groß.
Der Tunerteil für L, M, K1, K2 besitzt eine kapazitiv
abgestimmte Vorstufe, der Zwischenkreis wird induktiv
(Pi-Filter) abgestimmt.
Die Anschaltung der Außenantenne erfolgt optimal über
Spulenkopplung bei LW/MW und C-Kopplung bei K1, K2. Die
AVC wirkt auf drei Stufen und ist zugunsten einer
Handregelung abschaltbar.
Bei KW 3-10 wird eine kapazitive Dreifachabstimmung
vorgenommen. Da die einzelnen Bereiche auf dem
Trommeltuner angewählt werden, der Drehkondensator aber
fester Bestandteil der Schaltung ist, werden mit dem
jeweiligen Tunersegment die zur Frequenzwahl nötigen L/C
Komponenten zugeschaltet. Dies erlaubt getrennten
Bandabgleich.
Als 1. ZF wurde 2 MHz gewählt, ein optimaler Wert. Am
Ausgang des 1. Mischers sorgt ein steilflankiges Doppel-
Quarzfilter für die enorm gute Spiegelfrequenzfestigkeit. Die zweite ZF von 460 KHz wird
mit dem 2. Mischer in herkömmlicher Schaltung erzeugt,
der Oszillatur ist jedoch sehr stabil.
Die Bandbreitenschaltung befindet sich im Verstärkerzug
der 2. ZF. Hier wird entweder kapazitiv (breit) oder
mittels Keramikfilter (schmal) gekoppelt. Die
AM-Detekturspannung steuert den Anzeigeverstärker für
die Signalspannung. Die Aufbereitung des SSB-Signals
erfolgt mittels eines umschaltbaren (LSB/ USB) 460 kHz -
3 kHz Oszillators; auf diesen wirkt auch die
Feinabstimmung von - 820 Hz. Die Rückmischung geschieht
über eine aktive Mischstufe.
Der schaltungstechnisch recht aufwendige Störbegrenzer
(3 Transistoren, 4 Dioden und ca. 20 weitere Bauelemente)
ist wirkungsvoll und kann den Störpegel um bis zu 10 dB
reduzieren.
Der Satellit 3400 besitzt eines der besten NF-Teile, die
wir bislang einem Empfänger dieser Art gesehen haben.
Insbesondere der Störabstand - 80 dB - ist
bemerkenswert.
Der Frequenzzähler
Die als Frequenzkriterium benutzte Oszillatorfrequenz wird über jeweils eigene Trennstufen
rückwirkungsfrei ausgekoppelt. Die
ZF-Oszillatorfrequenzen werden heruntergeteilt und an den
Zähler-IC (SN 75 498) gegeben. Nach Abzug des durch die
jeweilige ZF bedingten Frequenzversatzes wird die
Empfangsfrequenz zur Anzeige gebracht. Als Referenz dient
dem Zähler ein 5.12 MHz-Quarz. Bei UKW ist die
Anzeigegenauigkeit 10 kHz, in allen AM-Bereichen 1 kHz.
Da die Referenzfrequenz ebenfalls heruntergeteilt wird
(320 kHz), ergeben sich, wie bei allen digitalen
Schaltungen, Störmöglichkeiten bei Vielfachen der Takt-
oder Referenzfrequenz. Hier liegen diese Störstellen bei
Vielfachen von 320 kHz sowie bei 87.5 MHz, 103 MHz, 6 MHz
und 14 MHz. Der Zählerbaustein ist jedoch effektiv
abgeschirmt, und im Zweifelsfall läßt sich der Zähler
abschalten. Das Handbuch weist auf diese Schwachstelle
mit lobenswerter Offenheit hin.
Sonstiges
Das Gerät besitzt ein eingebautes Netzteil für
1 10/220 Volt. Bei Accubetrieb wird dieser über eine
eingebaute Ladeautomatik geladen. Für extreme
Versorgungsspannungen von 10 - 16 V ist eine
Stabilisierung vorhanden. Wie bei allen Koffergeräten
ist der Batterieverbrauch stark von der geforderten
NF-Leistung abhängig. Die Frequenzanzeige ist eine
zusätzliche hohe Belastung.
Die eingebaute LCID Quarzuhr zeigt sechsstellig die
Uhrzeit und, nach Umschalten, für etwa 15 Sekunden den
Wochentag alphanumerisch sowie das Datum. Die Uhr ist
herausnehmbar und besitzt daher eine eigene
Spannungsquelle.
Der Satellit 3400 Professional hat die FTZ-Nummer U 101
und ist unter der Nummer C 46 060 als Funkempfänger mit
begrenztem Anwendungsbereich auf deutschen Schiffen
zugelassen.
Betriebs- und Hörtest
Das Testgerät wurde mehrere Wochen lang
zusammen mit anderen Empfängern dieser Preisklasse
betrieben. Das enorme Volumen des Satelliten erschreckt
den Tester jedesmal. Wie auch die Meßergebnisse zeigen,
braucht der 3400 keinen Vergleich in dieser Preisklasse
zu fürchten. Besonders lobenswert sind die
Bandbreitenumschaltung und der NF- Teil. Die große
Digitalanzeige wurde bereits erwähnt. Mit der
Feinabstimmung wird die Einstellung von SSB-Stationen
fast problemlos.
Der Bedienungskomfort des Gerätes ist groß; mit den
vorgesehenen Einstellmöglichkeiten kann der Hörer fast
allen Empfangssituationen gerecht werden. Außenantennen
arbeiteten auf den KW-Bereichen über Collinsfilter sehr
gut. Die Impedanz ist jedoch nicht normgerecht. Wegen der
wirklich guten Senderselektionen bei "schmal"
wurde der MW-Teil als gut eingestuft. Die nicht
überragende Empfindlichkeit des KW 3 - 10 Tuners wurde
durch die exzellente Selektion kompensiert. Auch der
rauschfreie NF-Verstärker konnte gefallen. Die Qualität
des NF-Teils machte sich bei MW schon angenehm bemerkbar,
bei UKW-Empfang war es ein Genuß hinzuhören.
Wertung und Kritik
Stark zu kritisieren ist das erforderliche
Drehrnornent zur Betätigung des Trommeltuners. Bei
Stationsjagd auf KW ist es durchaus möglich, daß 30 bis
50mal am Abend das Band gewechselt wird. Allein dieser
Faktor wäre Grund genug, sich für ein
bedienungsfreundlicheres Gerät zu entscheiden.
Geschmacksache ? Die Abstimmknöpfe sind zu klein, bei
den AM-Bereichen wäre eine noch höhere Untersetzung
angebracht. Beides ist nachrüstbar (Mentor-Knopfautomat).
Das Abstimminstrument rührt sich bei schwachen Sendern
kaum von Null weg, dazu muß erst auf Handregelung
geschaltet werden. Eine höhere Anfangsempfindlichkeit
der Anzeige wäre besser und würde auch der
vorgeschlagenen Norm entsprechen. (IARU).
Der Satellit 3400 schmückt sich mit dem Beinamen
«Professional». Wo bleibt denn dann die 52 Ohm-
Buchse für einen PL-259-Stecker -die gängige
HF-Verbindung bei uns "Professionals"? Im Auto
wurde dieser Satellit nicht getestet, es war kein LKW
verfügbar. Was soll die Autoantennenbuchse? Alle
Antennenanschlüsse sind mittel- bis hochohmig.
Die praktisch verwertbaren Empfangsleistungen auf der
Mittelwelle sind nicht so gut wie es die Werte für
Empfindlichkeit vermuten lassen. Die schwachen Stationen
sind oft von einem schwirrenden Störgeräusch begleitet,
welches nicht vom Zähler kommt. Beide Vergleichsgeräte
dieser Preisklasse zeigten einen besseren Empfang
schwacher Stationen.
Gut dagegen ist die Empfindlichkeit der KW 1/2-Bereiche.
Wie schon die Daten des KW 3-10-Tuners vermuten lassen,
handelt es sich nicht um den technisch bestmöglichen
Stand. Die Bandspreizung, verbunden mit der Bandbreiten-
Schaltung, kann diesen Faktor jedoch kompensieren.
Zu bemängeln ist bei Batteriebetrieb ein Springen der
Oszillatorfrequenz des BFO, wenn der Zähler geschaltet
wird. Die Frequenz- bzw. Skalenauflösung in den für
Amateure wichtigen 80m- und 10 m-Bändern ist schlecht.
Den 3400 als Koffergerät zu vermarkten, ist falsch, er
gehört in die Klasse der Stationsempfänger, schon wegen
des Volumens. Die Empfangsqualitäten sind der
Preisklasse angemessen, wenn auch die publizierten Daten
manchmal nicht ganz erreicht wurden. Wir haben uns
bemüht, nach DIN 45300 zu messen.
Sicherlich ist der 3400 der beste Satellit, den es je gab. Wegen des
doch veraltenden Konzepts des Trommeltuners wird es wohl
auch der letzte Satellit nach diesem Prinzip sein.
Rundherum ein Gerät mit wenig Fehl und etwas Tadel.
Technische Daten: Satellit 3400 Professional
Hersteller Grundig AG
Vertrieb Fachhandel
Gerätetyp tragbarer Stationsempfänger
Schaltungstyp Doppelsuper (KW3 - 10)
Frequenzbereiche
| KW 1: 1.60- 3.55 MHz |
KW 2: 3.25 - 5.25 MHz |
KW 3: 5.00 - 6.65 MHz |
| KW 4: 6.60 - 8.40 MHz |
KW 5: 8.20 - 10,60 MHz |
KW 6: 10.50- 13.20 MHz |
| KW 7: 12.90 - 16.40 MHz |
KW 8: 15.80 - 19.80 MHz |
KW 9: 18.30 - 23.50 MHz |
| KW10: 23.40 - 30.05 MHz |
sowie LW, MW, UKW |
Frequenzanzeige:
digitale LED-Anzeige, Analogskala für jeden Bereich
Ablesegenauigkeit +/- 1 kHz mit Digitalanzeige
Absolute Genauigkeit +/- 320 Hz
Frequenzstabilität innerhalb 1 Stunde +/- 50 Hz
Besonderheiten sehr gute Wiederkehrgenauigkeit des
Trommeltuners, durch die Bandspreizung wird innerhalb KW
3-10 jeweils ein Rundfunkband gespreizt
HF-Teil
Empfindlichkeit: in uV an 50 Ohm bzw. 1 KOhm bei
BC
0.1 MHz - 1.5 MHz für 26 dB S+ N/N
2 MHz - 30 MHz für 6 dB S+N/N
Modulation AM, 400 Hz, 30 Prozent
| Frequenz (MHz) |
AM schmal |
AM breit |
| 0.2 |
23 |
30 |
| 0.6 |
7 |
10 |
| 1 |
7 |
1 |
| 1.5 |
8 |
11 |
| 2 |
1.5 |
2.5 |
| 5 |
1.6 |
1.9 |
| 7 |
1.2 |
2.1 |
| 10 |
1.4 |
1.8 |
| 15 |
1.5 |
1.8 |
| 20 |
1.6 |
2.8 |
| 25 |
1.0 |
1.5 |
| Die SSB-Empfindlichkeiten sind
geringfügig besser |
Trennschärfe (kHz): 7 MHz +/- 1 MHz
© Rainer Lichte, Kurzwellenempfänger - die Qual der Wahl, addx