Der Satellit 700 von Grundig ersetzt die Vorläufermodelle Satellit 500 und
Satellit 650. Er wurde erstmals auf der Berliner
Funkausstellung 1991 der Öffentlichkeit vorgestellt und
ist seit Januar 1992 im Handel. Nach der Funkausstellung
verteilte Grundig Vorseriengeräte an DX-Vereinigungen
und Fachjournalisten mit der Bitte, die Geräte zu prüfen
und Mängel an Grundig zu melden, damit diese noch vor
Anlauf der Serienproduktion beseitigt werden konnten. Jürgen
Bast, Uwe Bräutigam und Charly Hardt testeten das der
ADDX zur Verfügung gestellte Exemplar und fanden auch
eine Reihe von Fehlern. Die wichtigsten waren:
- unzählige Pfeifstellen in den AM-Bereichen
- mehrere eigenerzeugte Träger
- schlechtes Großsignalverhalten
- RDS funktionierte nur bei wenigen Ortssendern
Für den jetzigen Erfahrungsbericht stand nun ein Seriengerät zur Verfügung.
Was hat Grundig nun in der Serie verbessert? Pfeifstellen
sind kaum noch zu finden. Die eigenerzeugten Träger
wurden zwar nicht ganz beseitigt, aber deutlich abgeschwächt.
Davon sind die Frequenzen 1573 und 6275 kHz sowie UKW 95,3
99,625 und 103,975 MHz betroffen. Das RDS-Teil wurde
erheblich verbessert. Leider hat sich am schlechten Großsignalverhalten
kaum etwas geändert. Es wäre schön, wenn andere Firmen
ihre neuen Geräte ebenfalls von erfahrenen Kurzwellenhörern
schon vor dem Start der Serienproduktion testen liessen.
Unterschiede zum S-500
Äußerlich unterscheidet sich der Neue kaum vom
Satellit 500. Abmessungen und Gewicht sind identisch. Der
S-700 ist an der grauen Frontplatte zu erkennen. An der
linken Seite sind nur noch drei Drehregler vorhanden. Der
Verriegelungsschalter (Lock) ist als Schiebeschalter
ausgeführt, der bei Batteriebetrieb auch zur
kurzzeitigen Beleuchtung des Displays dient. Der Line-Ausgang
ist jetzt stereotauglich (2 x Cinch). Es lassen sich zwei
externe Lautsprecher anschließen (1 x 3,5 mm Stereo-Klinkenbuchse
für Masse/rechter/linker Kanal). An der rechten Geräteseite
befindet sich unterhalb des Tuning-Knopfes ein kleines Rädchen
für die SSB-Feineinstellung (Clarify). Die
Schiebeschalter für Antenne (INT/EXT) und
Empfindlichkeit (DX/LOC) sind jetzt viel größer als
beim Satellit 500. Sie ragen weiter aus dem Gehäuse
heraus. Das Display wurde neu gestaltet, um die Vielzahl
von Funktionen darstellen zu können. Damit sind die äusserlichen
Unterschiede auch schon beschrieben. Allerdings bietet
der Satellit 700 im Vergleich zum 500er eine Reihe an zusätzlichen
"inneren Werten".
- RDS (Radio Data
System) - Anzeige des Sendernamens, der Alternativfrequenzen sowie der RDS-Fehlerrate
- 64 Senderspeicher (8stelliger Sendername
programmierbar) mit je 8 Alternativfrequenzen (= 512
Frequenzen)
- ab Werk programmierte Sender können verändert werden
- Steckplätze für drei weitere Speichermodule (EEPROMs)
- Gesamtspeicherkapazität: 2048 Frequenzen
- Kopieren von EEPROMs möglich
- Synchrondetektor mit schaltbarem Seitenband wie beim Sony ICF 2001D
- Feineinstellung für SSB (Clarify)
- Mittelwellenraster (9/10 kHz) über MENUE
umschaltbar
- Rasterabstufung mit der Taste SEARCH SELECT
innerhalb der Rundfunkbänder (LW/MW: 9/10 kHz; KW: 5 kHz)
Eine Einschränkung gegenüber dem Satellit 500 gibt es im Mittelwellenbereich: 528 -
1611 kHz (Satellit 500: 513-1611 kHz). Der Satellit 700
bietet nicht nur mehr sinnvolle Ausstattung als sein Vorgänger,
sondern ist ihm auch beim Empfang überlegen. Er ist auf
allen Bändern wesentlich ruhiger, d.h. er rauscht
weniger. Abstimmgeräusche sind zwar noch vorhanden, wie
bei fast jedem Digitalempfänger, aber sie bleiben in
erträglichem Rahmen. Die Empfindlichkeit ist besonders
auf den oberen Kurzwellenbändern höher. Obwohl die
gleichen Filter wie beim Satellit 500 eingebaut sind,
trennt er durch die schaltbaren Seitenbänder im SYNC-Betrieb
etwas besser. Eigenstörungen durch die Digitalelektronik
treten nicht mehr in dem Maße auf wie beim S-500, wo z.B.
ein grosser Teil der Langwelle durch Störungen
unbrauchbar wurde. SSB-Sendungen sind beim S-700 besser
verständlich. Die Tasten haben einen gut definierten
Druckpunkt. Der einzige Punkt, bei dem der S-700 seinen
Vorgänger nicht übertrifft, ist beim Großsignalverhalten.
Vergleich mit dem S-650
Da der Satellit 700 auch den S-650 ablöst, hier noch
ein kurzer Vergleich. Der S-650 bietet einen noch rauschärmeren
Empfang als der S-700. Voll ausspielen kann er diesen
Vorteil aber nur abends auf den oberen Bändern, wo er
schwache und ungestörte Signale noch verständlich macht,
die beim S-700 schon im Rauschen untergehen. In den
unteren, stärker belegten Bändern kommt es mehr auf
gute Trennschärfe bei noch guter Sprachverständlichkeit
an. Hier ist der Satellit 700 wegen der besseren Filter
und der Möglichkeit, die Seitenbänder beim SYNC-Betrieb
einzeln schalten zu können, dem S650 zumindest ebenbürtig,
in vielen Fällen auch überlegen. Allerdings läßt sich
mit dem kleinen Lautsprecher und der geringeren NF-Leistung
des S-700 ein grosser Raum nicht so gut beschallen wie
mit dem S-650.
Vergleich mit dem Sony ICF 2001 D
Seit Jahren gilt der ICF 2001D von Sony als das am
besten für DX geeignete Kleingerät. An diesem Ruf
konnte auch der Satellit 500 nicht kratzen. Um die Frage
zu klären, ob nun der S-700 die Empfangsleistung des
2001D erreicht, werden beide Geräte nun in einigen
Punkten gegenübergestellt.
Grundsätzlich fällt auf, daß der Sony auf allen Bändern ein deutlich höheres
Eigenrauschen aufweist. Das NF-Teil des S-700 ist - wie
man von Grundig erwarten konnte - um Klassen besser als
das des 2001D. Auffallend war, daß der Satellit 700
erstaunlich immun gegen Fernsehstörungen ist. Auf
Frequenzen, auf denen beim Sony durch das Brummen des
Zeilentrafos des Fernsehers so gut wie nichts zu hören
war, reagierte der S-700 häufig nur mit einem erhöhten
Grundrauschen. Der Sender war dann zwar verrauscht, aber
noch verständlich zu empfangen.
Synchrondetektor
Der Synchrondetektor soll - laut Bedienungsanleitung
- dann eingesetzt werden, wenn das schmale Filter nicht
ausreicht, zwei nebeneinanderliegende Sender zu trennen.
Leider funktioniert das in der Praxis nur eingeschränkt.
Bei schwachen Sendern rastet der Synchrondetektor nicht
ein. Das gleiche gilt, wenn auf beiden Nachbarkanälen
wesentlich stärkere Stationen senden. Der
Synchrondetektor des Sony ICF 2001D hat in solchen
Situationen keinerlei Probleme.
Das unerwünschte Seitenband wird im SYNC-Betrieb beim
Satellit 700 nur wenig gedämpft. So war abends Radio
Mali auf 4835 kHz mit Utility-Störungen auf dem oberen
Seitenband zu hören. Der S-700 reduzierte diese Störungen
bei SYNC LSB nur geringfügig, auf dem ICF 2001D war Mali
jedoch fast störungsfrei zu hören.
Bei Stationen mit starkem Fading bringt der
Synchrondetektor eine deutliche Empfangsverbesserung.
Verzerrungen werden stark reduziert, die Sprachverständlichkeit
nimmt zu. Im SYNC-Betrieb nimmt das Rauschen hörbar zu.
Es empfiehlt sich deshalb, beim abendlichen Empfang von
schwachen ungestörten Stationen auf den oberen Bändern,
ohne Synchrondetektor zu hören.
Lang- & Mittelwelle
Um die Empfindlichkeit in diesem Bereich beurteilen
zu können, eignet sich der Empfang schwacher Funkbaken
ganz besonders. So war die Bake auf 950 kHz abends auf
dem S-700 nur zu erahnen, während sie zur gleichen Zeit
auf dem 2001D klar und deutlich hörbar war. In Punkto
Empfindlichkeit scheint der 2001D dem Satellit hier überlegen
zu sein. Die Richtwirkung der Ferritantenne des Grundig
ist jedoch hervorragend. Tagsüber konnte der Sony seine
höhere Empfindlichkeit jedoch nicht in besseren Empfang
umsetzen, da der Satellit zwar z.T. verrauschte Signale
empfing, wegen seines guten NF-Teils aber noch eine gute
Sprachverständlichkeit lieferte. Das breite Filter des
Satellit trennt in fast allen Fällen im 9-kHz-Raster
einwandfrei. Nur auf den Nachbarkanälen der Ortssender
ist ein Übersprechen zu hören.
Kurzwelle (AM)
Die Empfindlichkeit des Satellit 700 ist besonders
auf den höheren Kurzwellenbändern sehr gut. Da sich
auch das Eigenrauschen in Grenzen hält, liefert der S-700
meist ein besseres Signal-/Rauschverhältnis als der Sony.
Bei ungestörten Sendern kann auch auf Kurzwelle oft das
breite Filter benutzt werden. Die schmale Filtereinstellung ist ein sehr guter Kompromiß zwischen
Trennschärfe und Klang. Sie trennt, außer in
Extremsituationen, Sender im 5-kHz-Raster gut. Die
Sprachverständlichkeit kann bei Einsatz des schmalen
Filters ebenfalls als gut beurteilt werden. Beim Empfang
von stärkeren Stationen in den unteren Bändern ist der
2001D wegen seines besseren Synchrondetektors dem S-700
überlegen.
In den Abendstunden treten beim S-700 mit der eingebauten
Teleskopantenne Grosssignalprobleme auf, was dazu führt,
daß große Teile der oberen Kurzwelle (z.B. das 13m-Band)
für Stunden unbrauchbar werden. Bei Einsatz des
Preselektors ADDX-PRE-1 lassen sich die Großsignaleffekte
zwar mildern, aber nicht ganz verhindern. Wird der S-700
mit einer externen Antenne betrieben, verbessert sich das
Grossignalverhalten ebenfalls stark.
Kurzwelle (SSB)
Der Empfang von SSB-Sendungen profitiert ganz
besonders von der hohen Empfindlichkeit des Satellit. So
ist tagsüber selbst bei Batteriebetrieb noch der Empfang
vieler Amateur-Stationen im 10-m Band möglich. Die
Wiedergabe ist dank Feineinstellung (Clarify) für ein
Koffergerät hervorragend. Leider ist es sehr mühsam, über
die Amateurfunkbänder zu "kurbeln". Laut
Bedienungsanleitung arbeitet die Rasterabstimmung in SSB
mit 1-kHz-Schritten. Wird aber die Taste SEARCH SELECT
gedrückt, dann schaltet das Gerät auf AM und 5-kHz-Raster
um. Also bleibt nichts anderes übrig, als das ganze Band
in 100-Hz-Schritten mit der Handabstimmung durchzustimmen.
Das Rädchen für die Feinabstimmung ist ausserdem zu
klein geraten. Es wäre sinnvoll, wenn Grundig diese
Funktion auf den großen Knopf der manuellen Verstärkerregelung
gelegt hätte. Um eine verzerrungsfreie Wiedergabe zu
erreichen, muß die Verstärkung bei SSB-Betrieb von Hand
eingestellt werden (MGC). Aufgrund der fehlerhaften
Feineinstellung ist der 2001D bei der Wiedergabe von SSB-Sendungen
dem S-700 leicht überlegen.
UKW-Empfang
Dieses Kapitel geht, wie nicht anders zu erwarten war,
ganz klar an den Satellit 700. Hohe Empfindlichkeit, gute
Trennschärfe sowie eine weitgehende Immunität gegen
Eurosignal-Durchschläge zeichnen das UKW-Empfangsteil
aus. Bei 87,6 MHz stört das Eurosignal kaum noch, ab 88
MHz aufwärts ist keine Beeinträchtigung mehr
festzustellen.
Beim Satellit 700 ist - erstmals bei einem Koffergerät -
ein RDS-Decoder eingebaut. Der Sendername wird zusätzlich
zur Frequenz auf dem achtstelligen Display angezeigt. Auf
Knopfdruck lassen sich die (vom Sender ausgestrahlten)
Alternativfrequenzen testen. Bietet eine dieser
Frequenzen besseren Empfang, dann schaltet das Gerät auf
diese Frequenz um.
Analog zum Videotext beim Fernsehen, stellt auch der
fehlerfreie RDS-Empfang beim UKW hohe Ansprüche an die
Qualität des Signals. So ist eine bestimmte
Mindestfeldstärke notwendig und das Signal muß absolut
sauber (ohne Störungen und Reflexionen) sein. Beim
Empfang mit Teleskopantenne im Haus ist es grundsätzlich
schwierig, diese beiden Voraussetzungen zu erfüllen.
Umso erstaunlicher ist deshalb, daß der Satellit 700 bei
sehr vielen, auch nur mit mittlerer Feldstärke
einfallenden Stationen nach kurzer Zeit den Stationsnamen
anzeigt. Sehr hilfreich ist dabei die RDS-Fehlerratenanzeige,
mit der sich Standort des Gerätes und Stellung der
Teleskopantenne auf besten RDS-Empfang optimieren lassen.
Klang
Schlechter Klang konnte bisher keinem Satelliten
nachgesagt werden. Beim S-500 hatte Grundig offenbar
versucht, die Bass-Stärke der großen Satelliten auch
auf dem wesentlich kleineren Lautsprecher zu erhalten. In
der Praxis mußte bei Lautsprecherbetrieb dann aber der
Bass fast ganz rausgeregelt werden, um Rückkopplungen zu
vermeiden. Das NF-Teil des S-700 wurde jetzt wesentlich
"heller" abgestimmt, ohne gleich so höhenlastig
zu klingen wie viele japanische Geräte. Rückkopplungen
konnten auch bei voll aufgedrehtem Bass nicht mehr
festgestellt werden.
Mit einem guten Kopfhörer hat das NF-Teil fast HiFi-Qualitäten.
Der Klang ist ausgewogen, räumlich und sehr natürlich.
Gleichzeitig wird auf den AM-Bereichen eine gute
Sprachverständlichkeit erreicht. Das NF-Teil des 2001D
ist auf optimale Sprachverständlichkeit und weniger auf
guten Klang ausgelegt.
Fazit
Für den erfahrenen Dxer, der auch noch die schwächsten
Stationen empfangen will, bleibt der Sony bei Koffergeräten
nach wie vor erste Wahl. Für den anspruchsvollen
Programmhörer, der ein Gerät mit gutem Empfang und
gutem Klang sucht, ist der Satellit 700 jedoch eine gute
Wahl. Der einzig schwerwiegende Fehler dieses Empfängers
ist sein relativ schlechtes Großsignalverhalten beim
Betrieb an der eingebauten Teleskopantenne. Hier sollte
Grundig dringend nachbessern. Wird der Empfänger jedoch
mit Außenantenne und/oder Anpassung mittels eines
Preselektors betrieben, dann fällt dieses Manko nicht
mehr so sehr ins Gewicht. Zu loben ist auch die
Bedienungsanleitung des Satellit 700. Sie ist sehr
detailliert, ohne den erfahrenen Kurzwellenhörer mit
Selbstverständlichkeiten zu langweilen. Viele
Abbildungen und Beispiele gestalten diese Broschüre sehr
übersichtlich. Der Preis des Satellit 700 in Höhe von
ca. DM 900.- ist gerechtfertigt. Die
Speicherplatzverwaltung mittels EEPROMs ist gut und läßt
wohl keine Wünsche offen. Pro Frequenz werden hier zusätzlich
auch die Filterstellung und die Mode-Einstellung
abgespeichert.
Zum Schluß noch vielen Dank an Uwe Bräutigam, Eberhard Körner, Peter Kruse und
Frank Röntgen, die ihre Empfänger zu Vergleichszwecken
für diesen Test zur Verfügung stellten.
© Joachim Salisch & Jürgen Bast, kurier 6 / 92
Das Beste aus Ihrem Satellit 700
Die Bedienungsanleitung des Grundig Satellit 700 ist sehr übersichtlich gehalten,
trotz der zahlreichen Funktionen des Gerätes. Auf einige
Besonderheiten, so auch auf vielfältige RDS-Zusatzfunktionen,
wird aber nicht eingegangen. Mehr darüber in diesem
Bericht.
Aber zuerst einmal zur Kurzwelle: Einige der allerersten Empfänger zeigen genau
ab 20480 kHz, besonders in den Abendstunden, zahlreiche
Geisterstationen. Hier kann man einfach und preiswert
Abhilfe schaffen: Kaufen Sie eine Koax-Buchse - keinen
Stecker, der ist geräteseitig eingebaut! - und klemmen
oder löten an den Antennenleiter in der Mitte etwa 20 cm
isolierten Draht an. Die Abschirmung, die normalerweise
geerdet wird, bleibt frei. An das andere Drahtende schließen
Sie eine Krokodilklemme an, die die Verbindung zur
Teleskopantenne herstellt. Während Sie in den hohen Bändern
empfangen wollen, verbinden Sie somit einfach den
eingebauten Antennenanschluß mit der Teleskopantenne,
die wie bisher benutzt wird der Antennenwahlschalter
bleibt auch auf eingebaute Antenne stehen. Die
Geisterstationen verschwinden fast vollständig, ohne die
Empfindlichkeit des Gerätes stärker zu beeinträchtigen.
Der "Lock"-Schalter an der linken Gehäuseseite
verriegelt die Tastenfunktionen gegen unbeabsichtigtes
Verstellen - nur das Ausschalten des Satelliten ist noch
möglich. Man hüte sich allerdings, den "Lock"-Schalter
bei eingeschaltetem Alarm einzusetzen. Das Gerät
schaltet sich dann zur Weckzeit nicht ein! Wer sich also
morgens wecken lassen möchte und über Nacht den
Satelliten mit der "Lock"-Taste verriegelt, hat
sich damit also selbst ein Bein gestellt. Das Radio-Data-System
- kurz RDS - ist eine leistungsfähige Ergänzung beim
UKW-Empfang. In Deutschland strahlen alle ARD-Sender
sowie viele Privatstationen ein unhörbares RDS-Signal
aus, das von vielen Autoradios, und auch auf dem Satellit
700, ausgewertet werden kann. Beim Grundig wird einige
Sekunden, nachdem man eine RDS-Station eingestellt hat,
der Programmname angezeigt, und auf Knopfdruck werden
alle Frequenzen eingestellt, auf denen die genannte
Station weitere Sender betreibt. Ist irgendwo der Empfang
besser als auf der Ausgangsfrequenz, stoppt der Suchlauf.
Erfreulich ist, daß RDS europaweit standardisiert ist,
also keine deutsche Spielerei im Alleingang darstellt.
Auf Reisen, wenn die Frequenzverteilung vollkommen
unbekannt ist, hat man somit viele Vorteile.
Um einen Sender durch Schwenken der Teleskopantenne optimal einstellen zu können,
hat Grundig dem Satellit 700 noch eine Prüffunktion
spendiert: Drückt man die Bandbreitentaste im UKW-Betrieb,
verwandelt sich die Tuning-Anzeige in eine Qualitätsanzeige
für RDS-Empfang: Je mehr Balken leuchten, desto besser
der Empfang. Schade nur, daß man dafür beide Hände
braucht: Eine zum Drücken der Taste, die andere zum
Schwenken der Teleskopantenne. Das können Sie ändern
mit einigen Zusatzfunktionen, die die Bedienungsanleitung
verschweigt!
Stellen Sie einen RDS-Sender ein und drücken Sie
anschliessend etwa 3 Sekunden die "Synch"-Taste.
In der Anzeige verschwindet der Stationsname, stattdessen
erscheint eine 6stellige Buchstaben- und Ziffern
Kombination. Dazu später. Neu ist, daß die Tuning -
Anzeige ständig (!) als RDS-Qualitätsanzeige
funktioniert. Während Sie sich in diesem speziellen RDS-Modus
befinden, können Sie immer abstimmen, Speicher abfragen
und belegen usw. Aus dem RDS-Modus kommen Sie durch
nochmaliges, 3 Sekunden langes Drücken der "Synch"-Taste
oder Ausschalten des Gerätes. Es gibt jedoch noch mehr
zu entdecken; Sicherlich haben Sie sich schon gefragt,
warum der Satellit 700 beim Durchstimmen der
Alternativfrequenzen so schnell "merkt", daß
ein anderer Sender mit RDS nicht der Gesuchte ist. Das
dauert meist keine Sekunde, während das Anzeigen des
Sendernamens im Display schon mal 10 Sekunden in Anspruch
nehmen kann. Der Grund: Die Rundfunksender strahlen zwei
Kennungen aus. Einmal die Senderbezeichnung, wie sie in
der Anzeige erscheint, und die sogenannte Programm-Identifikation,
kurz "PI". Die "PI" lesen Sie im
besonderen RDS-Modus in den ersten vier Stellen der
Anzeige sie wird europaweit für jedes Programm nur
einmal vergeben. Der Deutschlandfunk hat zum Beispiel D210
als "PI", WDR-1 hat D391, WDR-2 D392, WDR-4 D394,
WDR-5 Düsseldorf D695, WDR-5 Essen D795, SWF-1 D6A1, SWF-3
D3A3, Radio RPR-2 D3A9, NOS Radio-4 8204 und BRTN Radio-2
6302. Sie merken schon: Deutsche Sender beginnen mir
"D", niederländische mit "8" und
belgische mit "6". Die letzte der vier Ziffern
bezeichnet meist das Programm, beim überregionalen
Deutschlandfunk findet sich hier eine Null. Die zwei
Ziffern rechts in der Anzeige sind Verkehrsfunkhinweise.
Obwohl der Satellit 700 mit Verkehrsmeldungen, im
Gegensatz zum Autoradio, nichts am Hut hat, erfahren Sie
hiermit folgendes: "00" bedeutet, daß der
eingestellte Sender keine Verkehrsmeldungen bringt.
" 10" - er sendet welche, aber nicht zur Zeit,
"11" - gerade im Moment läuft eine
Verkehrsdurchsage. Den Wechsel von "10" zu
"11" und umgekehrt kann man sehr schön nach
den Nachrichten beobachten, wenn der berühmte "Piepton"
gesendet wird. Ein Druck auf die Bandbreitentaste
beschert Ihnen zwei jeweils zweistellige Zahlen in der
Anzeige. Hierbei wird wieder die (Qualität des Empfangs
vom Grundig ausgewertet. Die linke Zahl gibt alle 2
Sekunden an, wieviel Prozent der RDS-Daten nicht (!)
empfangen werden konnten - je höher diese Zahl ist,
desto schlechter ist also der Empfang. Weiterhin gibt die
Tuning-Anzeige folgendes bekannt: Je weniger Balken
erscheinen, desto schlechter der Empfang. Die rechte der
zwei Zahlen speichert einfach den bisher schlechtesten
gemessenen Wert. Spielen Sie ruhig und schwenken Sie die
Antenne. Ein Verdrehen der Frequenz führt zu einem ganz
neuen RDS-Einlese-Vorgang. Tun Sie das! Sie sehen, wie
aus erst acht Strichen langsam der Sendername
zusammengebastelt wird. Der enorme Vorteil: Bei extrem
schlechten RDS-Signalen bekamen Sie bisher meist
garnichts in der Anzeige zu sehen. Im besonderen RDS-Modus
nach Betätigung der USB-Taste sehen Sie zumindest
Bruchstücke des Sendernamens, die oft auch schon
weiterhelfen. Außerdem werden bei nicht-RDS-Sendern die
von Ihnen im Memo-File abgespeicherten Namen angezeigt,
sodaß sich Ihr Radio ganz herkömmlich verhält - bis
auf die dauernde RDS-Qualitätsanzeige im S-Meter. Ein
weiterer Druck auf die USB-Taste erlaubt Ihnen das
Auswerten der Daten, die auf kaum einem RDS-Radio
angezeigt werden. Sie sehen "PTY" für Programm-Typ.
Die zweistellige Ziffer sagt aus, ob Sie eine Pop-Musik-,
Klassik-, Nachrichten- oder Sportsendung hören - und
vieles mehr. Bei Klassik erscheint hier zum Beispiel die
"14". In Deutschland lesen hier die meisten
leider nur "00", denn ARD-Anstalten strahlen
eine solche Nennung noch nicht aus. Radio RPR in
Rheinland-Pfalz will damit noch dieses Jahr starten, bei
einigen niederländischen Programmen läuft die
Aussendung schon. Damit ist der Grundig Satellit 700 also
für die Zukunft gerüstet. Das "M" ganz rechts
in der Anzeige gehört zur Musik/Sprache-Erkennung. Bei
dieser Funktion lesen Sie während Musiksendungen das
"M", bei Sprache ein "S" - bei "S"
sollte sich die Lautstärke der besseren Verständlichkeit
wegen automatisch anheben. Diese Funktion ist, wie "Programm-Typ",
in Deutschland noch nicht in Betrieb.
Zum Schluß noch die "LSB"-Taste: Mit ihr können Sie die
Alternativfrequenzen einzeln abfragen, ohne den
Schnelldurchlauf wie bei der "FM/RDS-AF"-Taste.
Kurze Bestätigung bedeutet eine Frequenz aufwärts,
lange Bestätigung abwärts. Bleibt noch der Hinweis:
Durch den besonderen RDS-Modus werden keine
abgespeicherten Daten in den Memo-Files geändert, das
Umschalten in den AM-Bereich ist problemlos möglich.
Und noch etwas: Wenn man die Zifferntasten 1-6 nacheinander bei ausgeschaltetem
Gerät drückt und danach die ON/OFF-Taste, beginnt die
Grundig-Werbeaufschrift. Nach Ausschalten des Gerätes
und Wiederholung der genannten Eingabe stoppt diese
Anzeige und die Frequenzanzeige ist wieder aktiv. Und nun:
Viel Spaß beim Ausprobieren.