Der Touring CD 108 basiert
schaltungstechnisch auf der bewährten Touring
Professional - Serie, wurde aber mit einer fünfstelligen
Digitalanzeige ausgestattet, Diese Frequenzanzeige
arbeitet ausschließlich auf dem KW-Bereich und wegen des
hohen Stromverbrauchs (LED) nur nach Drücken des Knopfes
CD (Computer Display). Neben sieben Rundfunkbändern auf
KW empfängt der CD 108 noch LW, MW und UKW. Kompaktes
Format, hohe Ausgangsleistung und modernes Styling
kennzeichnen diesen praktischen Kofferempfänger.
Das Gerät
Die Vorderseite des schwarz/ silbernen Gehäuses
zeigt eine klare Teilung: Lautsprecher unten,
Analogskalen und Digitalanzeige oben. Auf der oberen
Schmalseite befinden sich die Skalen für MW, LW und UKW
zusammen mit den großflächigen Drucktasten für die
Bereichswahl. Optisch und räumlich abgesetzt findet sich
ganz rechts der rote Drucktaster für die Ein/Aus
Funktion. Die Stabantenne hat ganz links ihren Platz
gefunden; sie ist voll versenkbar und besitzt ein
Dreh-/Knickgelenk.
Drei große, halbversenkte Drehknöpfe an der rechten
Schmalseite ermöglichen getrenntes Einstellen von
Sendern auf UKW, MW/LW und KW. Dazu gehören drei
getrennt laufende Skalenanzeiger. Die Markierungen auf
den Analogskalen sind gut lesbar, aber sehr spärlich. An
der linken Schmalseite können Lautstärke, Bässe und
Höhen mit drei kleineren Drehknöpfen eingestellt
werden. Die leistungsstarke Endstufe (sieben Watt
Musikleistung) läßt sich getrennt nutzen. Zu diesem
Zweck gibt es eine DIN-Buchse und einen Umschalter TA/TB.
Zusätzlich kann man einen Zweitlautsprecher
anschließen. Der CD 108 besitzt ein eingebautes Netzteil
(110/220 Volt). Das Netzkabel ist fest angebracht und
kann im Gerät "versteckt" werden, wenn die
Möglichkeit des Batteriebetriebs genutzt werden soll.
Das Batteriefach im Boden nimmt sechs Monozellen auf. Da
die stromfressende Digitalanzeige nur kurzzeitig benutzt
wird, ergibt sich eine große Betriebsstundenzahl.
Ein stabiler, versenkbarer Tragegriff vervollständigt
die Ausstattung. Das Gerät hat die Maße 31 x 27 x 8
(BHT in cm) und wiegt mit Batterien 3.8 kg. Der CD 108
wird mit einer brauchbaren Betriebsanleitung,
Frequenztabellen und einem Schaltplan geliefert.
Betriebsergebnisse
Die eingebaute, lange (144 cm) Stabantenne ist
optimal angepaßt. Zusammen mit der praktisch
verwertbaren Empfindlichkeit und Selektion der Schaltung
waren alle gängigen Stationen auf den
KW-Rundfunkbändern gut zu empfangen. Mit der
Digitalanzeige ist die Frequenzfindung problemlos: Knopf
CD drücken, auf gewünschte Frequenz einstellen, Knopf
CD loslassen. Der Sender ist da. Die Stummschaltung der
NF während der Dauer der Digitalanzeige wurde als nicht
unpraktisch empfunden. Die Untersetzung Abstimmknopf
Skala- Digitalanzeige ist genau richtig; die doch recht
aufwendige Mechanik arbeitet spielfrei. Die digitale
Anzeige reagiert verzugslos auf die geringste Bewegung
des Abstimmknopfes. Die schaltungsbedingte Drift hält
sich in Grenzen. Das Hochformat des Gerätes ist
gewöhnungsbedürftig; die Plazierung der verschiedenen
Einsteller ist dem Design zum Opfer gefallen. Die
Frequenzeinsteller liegen zu weit oben, um längeres DXen
ohne Ermüdungserscheinungen durchführen zu können.
Sinngemäß gilt das Gleiche für den Lautstärkesteller,
der ja ebenso häufig bedient werden muß. Die Drucktaste
für die Digitalanzeige liegt mitten zwischen den
Bereichstasten und ist nur nach längerer Gewöhnungszeit
"blind" auffindbar. Die viel zu grobe Teilung
auf den Analogskalen erlaubt kaum das Abschätzen der
Frequenz, zumal die Genauigkeit der Eichung sehr zu
wünschen übrig läßt.
Die Schaltung ist für Kurzwelle etwas zu breitbandig
ausgelegt, sonst aber gut dem Verwendungszweck des
Gerätes angepaßt. AGC und Großsignalverhalten sind
für einen Empfänger dieser Preisklasse durchaus
lobenswert.
Digitalanzeige
Der Zählerbaustein für die digitale
Frequenzanzeige wurde speziell für den CD 108 entworfen,
da ein Schaltkreis, der sowohl Anforderungen nach hoher
Meßgenauigkeit und Temperaturstabilität als auch nach
geringem Stromverbrauch erfüllte, noch nicht existierte.
Die Schaltung enthält acht ICs.
Da der CD 108 als Doppelsuper ausgelegt ist, schwingt der
Oszillator 1 um die erste Zwischenfrequenz von 2.022 MHz
höher als die Empfangsfrequenz. Nach dem Oszillator
folgt hinter dem Mischer die zweite Zwischenfrequenz von
455 kHz. Im Prinzip könnte man für eine Frequenzanzeige
einfach die selektierte Eingangsfrequenz messen. Das
hätte jedoch den Nachteil, daß die Vorwahl eines
Senders, dessen Frequenz bekannt ist, nicht möglich
wäre. Aus diesem Grunde wird die Frequenz vom Oszillator
1 gemessen. Bevor das Meßergebnis jedoch angezeigt
werden kann, muß die Zwischenfrequenz von 2.022 MHz
subtrahiert werden.
Die Oszillator-Frequenz fosz gelangt über einen Vorverstärker
und Impedanzwandler zu dem Vorteiler VT, der durch 16 dividiert
(Blockschaltbild). Die Quarzzeitbasis ZBT liefert einen
Rechteckimpuls, der den Verteiler exakt für 16 ms in
Betrieb nimmt und danach wieder 16 ms lang in Null-
Stellung festhält. Hierdurch entsteht ein Tor, das für
die Dauer von 16 ms die durch 16 dividierte
Eingangsfrequenz passieren läßt. Den Ausgang CO von VT
verlassen somit pro Tor eine von der Höhe der
Eingangsfrequenz abhängige Anzahl von Impulsen.
Beispiel: Der Eingang der Empfängers ist auf 13.978 MHz
abgestimmt, so daß der 1.Oszillator auf f Eing. 13.978 MHz plus fZF 2.022 MHz gleich
16 MHz schwingt. Am Ausgang CO von VT steht darin für
die Dauer von 16 ms eine Frequenz von 16 MHz dividiert
durch 16 gleich 1 MHz an. 16 ms multipliziert mit 1 MHz
aber ergibt 16.000 Impulse. Würde man diese Impulszahl
in einen Fünfdekadenzähler mit Anzeige leiten, der
vorher auf Null gesetzt worden war, könnte man die
Oszillator-Frequenz direkt als Anzeigewert von 16.000 kHz
ablesen. Da jedoch die Eingangsfrequenz gemessen werden
soll, muß vor der Anzeige jeder Messung noch die erste
Zwischenfrequenz von 2.022 MHz subtrahiert werden. Das
bedeutet für dieses Beispiel: von den 16.000 Impulsen,
die vor der Torschaltung pro Messung geliefert worden,
müssen 2.022 abgezogen werden, um die Empfangsfrequenz
von 13.978 MHz anzeigen zu können.
Diese Subtraktion erfolgt im Vorzähler VZ, der so
beschaltet ist, daß er nach 2.022 Eingangsimpulsen einen
Ausgangsimpuls abgibt. Von den 16.000 Impulsen, die CO
passieren, werden nun vorerst 2.022 in den Vorzähler VZ
eingezählt. Erst dann gibt dieser über RS den
Hauptzähler HZ und den Übertragszähler Ü frei, so
daß die verbleibenden 13.978 Impulse eingezählt werden
können. Der Hauptzähler und der Übertragszähler
zeigen jetzt das Ergebnis "13.978 kHz" auf dem
fünfstelligen Display an.
Wertung und Kritik
Für ernsthaftes DXen ist der CD 108 nur bedingt
geeignet. Fehlende Anschluß- und
Bedienungsmöglichkeiten schränken die Verwendung dieses
Empfängers dahingehend ein, daß jederzeit
Rundfunksendungen auf den dafür vorgesehenen KW-Bändern
empfangen werden können. Die Signalstärke läßt sich wegen des fehlenden S-Meters nicht bestimmen. Zwar ist
die Empfangsleistung mit der eingebauten Stabantenne
durchaus akzeptabel; mit einer Außenantenne ließe sich
jedoch mehr erreichen. Wegen der schaltungstechnisch
vorgegebenen Spreizung der KW-Bänder wurde eine
Feinabstimmung nicht vermißt; wegen des fehlenden BFO
ist ohnehin Seitenbandempfang nicht möglich.
Die Digitalanzeige arbeitet gut und ermöglicht -
allerdings nur auf KW - das Auffinden der gewünschten
Frequenz ohne Mühe. Wie bei allen LED-Anzeigen ist die
Lesbarkeit bei hellem Außenlicht schlecht, z.B. am
Strand.
Die Ausstattung des Gerätes ist spartanisch; nur das
unbedingt Notwendige ist vorhanden. Dies ist bei dieser
Preislage nicht verwunderlich. Die Servicemöglichkeiten
sind gut; die solide Ausführung verspricht eine lange
Lebensdauer.
Zusammenfassung
DX-Möglichkeiten sind mit diesem Empfänger auf
den Rundfunkbereichen bis 21.4 MHz zwar gegeben, jedoch
schränkt die sparsame Ausstattung des CD 108 den Betrieb
als vollwertigen DX-Empfänger stark ein. So ist der
Einsatzbereich dieses Gerätes eher in mobiler
Unterhaltung zu sehen als im ernsthaften DXen. Die
Digitalanzeige ist eine begrüßenswerte Novität, die
besonders dem Newcomer die Stationsfindung erleichtert.
Format, Gewicht und Preis liegen im Bereich eines guten
Kofferradios. Dazu werden guter Klang und vielseitige
Einsatzmöglichkeiten geboten. Die Relation Preis/
Gegenwert ist durchaus akzeptabel, wenn nicht auf die
Feinheiten des DXens Wert gelegt wird. Die Verwendung als
Erstgerät für interessierte Newcomer oder als Zweit-
bzw. Familiengerät für den OM liegt auf der Hand. Wegen
der einfachen Bedienung ist dieses Gerät besonders für
ganz junge DXer zu empfehlen.
Touring CD 108: Technische Daten und Meßwerte
Hersteller Schaub-Lorenz (ITT)
Vertrieb Fachhandel
Gerätetyp Kofferradio mit KW
Schaltungstyp KW: Doppelsuper
Frequenzbereiche Rundfunkbänder: 49, 41, 31, 25, 19, 16,
12 m sowie LW, MW, UKW
Frequenzanzeige digital fünfstellig, nur KW
Ablesegenauigkeit +/- 1 kHz
Absolute Genauigkeit + 380 Hz
Frequenzstabilität bei DeltaT von 10° C +/- 2.15 kHz;
innerhalb 1 Stunde +/- 1 kHz
Besonderheiten klang- und leistungsstarkes Kofferradio
mit DX-Möglichkeit, Digitalanzeige
HF-Teil
Empfindlichkeit
0,2 - 1,5 MHz 45 uV für 26 dB S + N/N
2 - 30 MHz 3,2 uV für 6 dB S + N/N
Trennschärfe (kHz) -6 dB / -60 dB: 4.3 / 14,5 kHz
bei 7 MHz +/- 1 MHz
Spiegelfrequenzsicherheit 56 dB
Zf-Festigkeit 61 dB
AGC-Regelbereich -
Abstimminstrument -
Antennen Stabantenne, Ferritantenne
Antennenanschluß -
Sonstiges: UKW- Empfindlichkeit 2.4 uV/26 d8 S+N/N
NF-Teil
Leistung, Sinus 3.3 Watt, 10% THD Netzbetrieb
Frequenzgang 46 - 12 400 Hz, +/- 3 dB
Tonblende Höhen, Tiefen, jeweils +/- 7 dB
Störbegrenzer -
Lautsprecher 4 Ohm, 13 x 18 cm
Anschlüsse Lautsprecher, NF Ein/Aus (DIN)
Stromversorgung Netz 110/220 Volt, eingebaut
Batterie sechs Monozellen
Leistungsaufnahme ca. 7 Watt
Maße 31 x 26.5 x 8 BHT in cm
Gewicht 3.8 kg mit Batterien
Bestückung 10 ICs, 21 Transistoren, 26 Dioden
Zubehör Frequenztabelle, Schaltplan, Betriebsanleitung
FTZ-Nummer U-115
Preis ca. DM 450.-