|
Japan Radio Company Ltd., Tokyo |
|
überarbeitet am 6.7.2002 |
NRD - 5355 Jahre nach der Vorstellung des überaus erfolgreichen Stationsempfängers NRD-525 stellte die japanische Herstellerfirma JRC, welche sich im Amateurfunk- und Seefunkbereich einen hervorragenden Namen gemacht hat, mit dem NRD-535 einen Nachfolger vor, der als bedeutendste Neuerungen zum einen über eine stufenlose Bandbreitenregelung, zum andern über einen Synchrondemodulator zum ECSS-Empfang verfügte, vor. Hier bleibt anzumerken, dass vom Empfänger verschiedene Versionen existieren, nur der NRD-535DG (Europaversion) resp. 535D (US-Version, mit goldenem Schriftzug) ist von Haus aus mit der ECSS-Platine, der BWC-Platine und dem schmalen 1 kHz-ZF-Filter ausgestattet, in den frühen Geräten bis SerienNo. 56005 funktionierte die variable Bandweitenregelung BWC nur mit dem INTER-Filter im SSB-Betrieb.
Von seinen Abmessungen (33 x 13 x 28,7 cm, 9 kg) her gleicht der NRD-535 seinen Vorgängern, die anthrazit-graue Gehäusefarbe und die Aufteilung der Frontplatte mit dem Gasfluoreszenzdisplay hinter der rot-braunen Kunststoffabdeckung wurde ebenfalls beibehalten; mit weicheren Formen der Bedienelemente und abgerundeten Tasten wurde das Design auf die neunziger Jahre angepasst. Der Empfänger kann im Stationsbetrieb mit 100 - 240 V Netzstrom oder alternativ mit 12 - 16 V Gleichspannung beispielsweise von einer Autobatterie gespiesen werden. Unter einem Grill im oberen Gehäusedeckel findet sich ein Monitorlautsprecher, der immerhin zur Kontrolle dienen kann, ob das Radio wirklich "spielt", zum ernsthaften Hören muss ein externer Lautsprecher angeschlossen werden. Neben dem NVA-88 (eigentlich zum NRD-525 gehörig) hat JRC den mit einem NF-Filter ausgestatteten kostspieligen NVA-319 Lautsprecher im Angebot. Die Anordnung der Bedienelemente auf der Frontplatte
wurde leichtgradig verändert. Der dreistufige
Netzschalter mit einer Stellung zum Aktivieren des
Timerbetriebs ist nach links versetzt worden, rechts
unterhalb der Zahlentasten finden sich der Lautstärkeregler
und die Tonblende. Die Zifferntasten zur direkten
Frequenzeingabe sind unverändert an der Gerätevorderseite
hochkant angeordnet, nach längerem Betrieb mit häufigen
Frequenzeingaben riskiert man den typischen NRD- Handgelenkskrampf
(die Zifferntasten des Drake R-8 sind weiter unten
angeordnet, hier ändert sich lediglich der Charakter der
Handgelenksschmerzen...). Die sechs Tasten oberhalb des
Hauptabstimmknopfes ändern die Funktion der grossen UP/DOWN-Tasten.
Je nach Einstellung, die von einer kleinen Leuchtdiode
markiert wird, verändern diese Tasten die Frequenz,
Bandbreite, AGC-Ansprechgeschwindigkeit,
Abstimmschrittweite und -Geschwindigkeit, rufen die
Speicher auf oder aktivieren den ECSS- Betrieb. Im praktischen Einsatz zeichnet sich der NRD-535 durch seine mit den Vorgängern mindestens ebenbürtige hohe Eingangsempfindlichkeit im Kurzwellenbereich und Grossignalfestigkeit aus, das Auftreten von "Geisterstationen" als Folge von internen Mischprodukten ist dank der automatischen Preselektion und der hochliegenden ersten ZF eine Rarität. Dank der hohen Empfindlichkeit bringt der NRD-535 auch an improvisierten Drahtantennen gute Empfangsresultate und muss zum andern nicht wegen Überladung an einer richtig langen Langdrahtantenne kapitulieren. Die Möglichkeiten, Störsignale zu eliminieren, sind dank Passbandtuning und regelbarer ZF-Bandbreite sehr gut, die Güte vor allem der breiteren ZF-Filter wurde in den frühen Geräten bemängelt. Die Beschneidung der Bandbreite durch die BWC erscheint mir nicht so steilflankig, in schmalen Stellungen wird der Ton gern muffliger als mit dem Collins R-390A in der 4- resp. 2 kHz-Bandbreite. Das NF-Rauschen wurde beim NRD-535 gegenüber dem Vorgänger erheblich reduziert, dass der Empfänger so ruhig ist, ist zum Beginn richtig gewöhnungsbedürftig. Der ECSS-Betrieb mit wählbarem Seitenband - in diesem automatisierten SSB-Modus wird ein im Empfänger generiertes Trägersignal der empfangenen Seitenbandinformation zugemischt, die Verständlichkeit nimmt als Folge dieses Manövers stark zu, da das Signal nicht mehr so stark mit dem Fading des Trägersignals schwankt - ist problemlos, die Schaltung rastet zuverlässig ein. Sie ist allerdings mit Vorsicht zu bedienen, wenn zusätzlich noch mit PBS und BWC am Signal herumgefeilt wird, wenn der Empfänger die Synchronisation verliert kommt es zu einem Aufheulen. Der NRD-535 eignet sich gleichermassen zum RundfunkDX vor allem bei schwachen und durch Interferenzen beeinträchtigten Signalen wie auch hervorragend zum Empfang von CW- oder Funkfernschreibsignalen für den Utility-Dxer. Rasch nach seinem Erscheinen wurde der NRD-535 zum Referenzempfänger der meisten Tester geschlagen, bevor der Nachfolger NRD-545 und der Watkins Johnson HF-1000 mit der digitalen (DSP)-Signalverarbeitung die Bühne betraten. Wie immer nach Erscheinen des Nachfolgegerätes kann der NRD-535 als Gebrauchtgerät erworben mit einem sehr guten Preis- Leistungsverhältnis Empfänge der Spitzenklasse ermöglichen, es ist allerdings vor dem Ankauf eines gebrauchten NRD-535 darauf zu achten, ob das Gerät wirklich mit den gewünschten Optionen ausgestattet ist. Andernfalls gilt es entweder zu verzichten, kostspielig nachzurüsten (der Einbau der optionalen Platinen ist im Handbuch beschrieben) oder bzgl. des Preises zu "markten". Nachdem ich mir mit einigen Lötarbeiten ein entsprechendes serielles PC-Kabel zubereitet habe, nahm mein PC mit dem NRD-535 - als endlich die Pin-Belegung des Kabels stimmte - problemlos Kontakt auf. Mit den im Handbuch gut dokumentierten Steuersequenzen lässt sich der Empfänger mit einem Terminalprogramm ansprechen, ich setze zur Steuerung des Programm Smart NRD Control von Mark Fine ein, mit dem eine Station aus der Frequenzdatenbank auf Mausklick aus dem NRD ertönt. Die schöne Sache wird lediglich durch PC-bedingte HF-Störungen, die ganz schwache Signale beeinträchtigen können, etwas getrübt - zum richtigen DXen setze ich mich direkt an den Empfänger. weitere Lektüre: © Martin Bösch 25.7.1999
|
||||||||||||||||||||||