Gerätebeschreibung
Äusserlich stellt der R-600 eine Kreuzung zwischen R-1000
und R-2000 dar. Die Abmessungen entsprachen denen des
ersteren, und die Frontplattengestaltung ähnelt dem
letzteren. Auf eine Beschreibung der Bedienungselemente könnte
man fast verzichten, jeder Knopf, jeder Schalter und
jeder Taster sitzt genau dort, wo man ihn erwartet.
Wirklich erstklassig und durchdacht (manchmal klappt es
eben mit der Ergonomie, aber leider zu selten).
Wenn dann auch noch die viersprachige Bedienungsanleitung
so makellos wäre, wäre es zu schön um wahr zu sein.
Sie ist zwar im allgemeinen recht klar und übersichtlich
aufgebaut, will aber z.B. den Lesern weismachen, daß die - nicht
vorhandene - Digitaluhr weiterläuft, wenn der
Netzschalter ausgeschaltet ist. Nur die
Englischsprachigen werden nicht so geleimt.
Die Frequenzwahl geschieht in 1 MHz breiten Bereichen
durch einen Drehschalter (0 - 25 MHz) und den
Hauptabstimmknopf, der etwas Spiel hat, welches jedoch
auch bei SSB-Betrieb kaum stört. Die Überlappung der
Bereiche beträgt + 45 und - 40 kHz. Der niedrigste
Bereich überstreicht jedoch die Frequenzen von 140 -
1072 kHz. Die höchste einstellbare Frequenz liegt mit
26045 zwar knapp unter den zulässigen 26100 kHz, aber
nach WRTH sendet zur Zeit nur Brüssel auf 26050 kHz in
dieser Lücke. Die Frequenzanzeige leuchtet gelbgrün und
zeigt auf 1 kHz genau an. Sie ist ebenso wie das gut
lesbare S-Meter auf eine feste Helligkeit eingestellt.
Dies ist in der Praxis jedoch kein Nachteil, da die
Ablesung in der Regel akzeptabel ist. Die Betriebsart
wird mit einem Drehschalter gewählt - AM breit und
schmal, USB und LSB/CW, bei SSB-Betrieb wird automatisch
auf die schmale Bandbreite geschaltet.
Lautstärke und Tonhöhe lassen sich mit Drehknöpfen auf
die gewünschten Werte einstellen. Ein Netzschalter ist
natürlich auch vorhanden, ebenso ein Abschwächer um ca.
20 dB und ein (bei mir wieder praktisch unwirksamer) Störaustaster.
An der Vorderseite befinden sich dann nur noch Anschlüsse
für Kopfhörer und Recorder.
Die Geräterückseite ist genauso übersichtlich:
Antennenklemmanschlüsse (50 Ohm und 500 Ohm) und ein
Koaxanschluß, sowie Klemmen für Erde und Stummtastung (nur
für Betrieb in Verbindung mit einem Sender von Interesse)
und eine Buchse für einen externen Lautsprecher.
Der R 600 ist als Stationsempfänger konzipiert und verfügt
über keine eingebauten Antennen. Er lässt sich jedoch
auch an einer 12V-Batterie betreiben, wenn der beigelegte
Umrüstsatz montiert wird (warum wird so etwas nicht
gleich serienmässig eingebaut? Kraftlos darf die
Batterie natürlich nicht sein, 1 A ist ja kein
Pappenstiel. Über den obligatorischen Tragegriff und die
um 8 mm verstellbaren Vorderfüsse muß man wohl kein
Wort verlieren, doch runden sie das Gesamtbild ab.
Das Blockschaltbild weist keine Besonderheiten auf. Der R-600 ist als Dreifachsuper
mit den Zwischenfrequenzen von 40.455, 10.455 und 455 kHz
aufgebaut. Das Antennensignal gelangt direkt, bzw. bei
den 50 Ohm - Anschlüssen über einen Anpasstrafo, zu
einer Schutzsicherung und den schaltbaren (mittels
Kleinrelais!) Abschwächer zu den automatisch
umschaltenden Eingangsbandfiltern. Ob die Schutzsicherung,
die nach der Bedienungsanleitung Blitzschäden vermeiden
soll, einen Sinn hat, ist wohl mehr als fraglich. Doch
wer an die Wirkung eines Amulettes gegen Erdstrahlen und
den bösen Blick glaubt, kann ja mal versuchen, ob die
Sicherung des Vertrauens würdig ist und den R-600 vor
Blitzschäden schützt. Im Anhang siegt jedoch die
Vernunft und Kenwood nimmt die vorher gemachte Aussage
zurück. Also immer alles bis zum Ende lesen!
Wie bei Kenwood üblich, wird der gesamte Frequenzbereich
in 6 Teilbereiche aufgeteilt, d.h. es werden 6
entsprechende Bandfilter benutzt. Der 1. Oszillator
schwingt oberhalb der Empfangsfrequenz.
Die Empfindlichkeit fällt bei hohen Frequenzen kaum ab
und kann auch im Vergleich mit teueren Geräten bestehen.
So ist mein ICF-6800 W zwar meist überlegen, aber in der
Regel sind die Unterschiede nur gering.
Deshalb hatte ich in den Tropenbändern, wegen der guten
schmalen Bandbreite des R-600, mehr erwartet. Aber leider
wird oft der erhoffte Empfang ohne Abschwächer durch Überladungen
und QRM unmöglich gemacht, oder bei eingeschaltetem
Abschwächer ist das Signal nicht mehr hörbar. Es hilft
also dann nur eine Manipulation am Antenneneingang.
b) SSB Empfang
Ähnlich wie der R-2000 besticht auch der R-600 durch
eine sehr klare Wiedergabe von SSB-Signalen. Während das
ZF-Filter noch besser angepasst ist, und die Stabilität
normalen Ansprüchen genügt, kann allenfalls das Spiel
der Hauptabstimmung manchmal den Spaß am Empfang ein
bisschen trüben.
Abschlussbewertung
Für einen Preis von deutlich unter DM 1.000,-- hinterlässt
der Kenwood R-600 einen sehr erfreulichen Eindruck. Neben
der sehr guten Bedienbarkeit weiss er durch ausgeglichene
Empfangsleistungen in allen Bereichen und Betriebsarten
zu gefallen. Er braucht sich dabei hinter merklich
teureren (Geräten nicht zu verstecken. Gespart wurde
lediglich an Dingen, die mit den Empfangsleistungen
nichts zu tun haben (Uhr, Speicher). Der R-600 stellt
somit für alle DXer einen sehr guten Gegenwert dar.
Messergebnisse Kenwood R - 600
Empfindlichkeit in uV, 30 % Modulation 1 kHz bei 10 dB S+N/N
| Frequenz |
AM breit |
AM schmal |
| 0,25 MHz |
14 |
12 |
| 1 MHz |
10 |
8 |
| 4 MHz |
2,8 |
2,4 |
| 10 MHz |
4,5 |
3 |
| 25 MHz |
6 |
4 |
Spiegelfrequenzsicherheit
Frequenz
0,25 MHz: 64 dB
1 MHz: 66 dB
4 MHz: 66 dB
10 MHz: 51 dB
25 MHz: 57 dB
S-Metereichung bei 4 MHz
AM schmal
| S 1 |
7 uV |
S 7 |
30 uV |
| S 2 |
8 uV |
S 8 |
55 uV |
| S 3 |
9uV |
S 9 |
140 uV |
| S 4 |
11 uV |
S 9 + 20dB |
15mV |
| S 5 |
15 uV |
S 9 + 40 dB |
nicht erreichbar |
| S 6 |
20 uV |
|
Eigenpfeifstellen auf allen vollen MHz sowie einige weitere, alle ohne S-Meter-Ausschlag
Bandbreite in kHz
| |
AM breit |
AM schmal |
| - 6 dB |
8,9 |
2,7 |
| - 20 dB |
10,1 |
3,6 |
| - 40dB |
12,6 |
4,5 |
| - 60 dB |
15,7 |
6,1 |
Stabilität 820 Hz 2
Stunden nach Einschalten
Frequenzzählerfehler max. 250 Hz
Skalenfehler entfällt
Frequenzbereiche 140 - 26045 kHz
Stromverbrauch 16 VA bei 220 V
Abmessungen, einschließlich vorstehender Teile 304 x 122
x 239 B x H x T in mm
Gesamtvolumen 8,9 l
Gewicht 4,5 kg
Bewertung des Kenwood R-600
Empfindlichkeit: MW/LW befriedigend, KW befriedigend
Spiegelfrequenzsicherheit: MW/LW gut, KW befriedigend
S-Meter: mangelhaft
Bandbreiten: AM breit gut, AM schmal gut
Frequenzstabilität: befriedigend
Frequenzzähler: gut, Analogskala entfällt
Großsignalverhalten: befriedigend
Anpassung von Antennen: gut
Abschwächer: mangelhaft
Preselektor: entfällt
Eigenpfeifstellen: befriedigend
SSB-Betrieb: gut
Bedienbarkeit: sehr gut
UKW-Teil: entfällt
Tonqualität: ausreichend
Verarbeitung: gut
Servicefreundlichkeit: gut
Serviceunterlagen: befriedigend
Eignung als Reiseempfänger: ausreichend, wenn
Stromversorgung gesichert
Batteriekosten: entfällt
© kurier 14 / 83
weitere Lektüre:
e: Trio - Kenwood R-600, Larry Magne, WRTH 1983