Mit typisch britischem Understatement steht der handliche Empfänger freundlich
in altweiss und beige gehalten vor uns. Zunächst fällt
uns die spartanisch knappe Verwendung von Bedienelementen
auf, die sich bei Betrieb des Gerätes als völlig
ausreichend erweisen. Es zeigt sich, daß das Gerät
wirklich gut und leicht zu bedienen ist, dank der günstigen
Umschaltfunktion und besonders der kleinen
Abstimmschritte, deren Weite mit der Drehgeschwindigkeit
variiert.
Die einzelnen Betriebsarten lassen sich durch einfaches Drücken der
Taste "Filter Select" in Bandbreiten von 2,5
bis 10 kHz bei SSB und AM sowie von 400 Hz bis 2,5 kHz
bei CW schalten. Das reicht in den meisten Fällen, um Störungen
von benachbarten Frequenzen auszugrenzen.
Die Frequenzeingabe geschieht auf verschiedene Weise.
a) durch Drehen des VFO-Knopfes, wobei der MHz-Bereich
mit Drucktasten "DOWN" und "UP" rasch
voreingestellt werden kann;
b) durch die als Zubehör erhältliche Genie-Pad
Frequenztastatur zur direkten Frequenzeingabe. Anders als
bei Empfängern sonst üblich ist hier die Tastatur in
einem besonderen, abgesetzten Kästchen enthalten, das
neben das Gerät gestellt werden kann. Die Tastatur ist
eine besondere Hilfe für Sehbehinderte, die ohne
Schwierigkeiten ihre Frequenzen leicht anwählen können.
Der Empfänger verfügt überinsgesamt 30 Speicherplätze.
Auf Stellung "AM" normale Demodulation, wie gewohnt; in "AMS" wird dem selektiven Fading
zugesetzt, wenn auch mit merklich vermindertem NF-Pegel
und ohne Bestimmbarkeit des jeweiligen Seitenbandes.
Freude macht sich geradezu breit bei SSB-Betrieb - dank
der angenehmen und feinfühligen Frequenzverstimmung. In
Stellung "CW" / AL-Empfang, war der Betrieb zunächst
problemlos, bis ein Umstand eintrat, der konstruktiv
leicht behoben werden kann: bei Schrägstellung des Gerätes
durch den Bügel am Boden ändert sich die Belastung des
Bodenbleches und es überträgt nun membranartig
kapazitiv Vibrationen oder Schwingungen des Tisches oder
der Umgebung auf den Oszillator, wodurch ein Wobbeleffekt
entsteht. Dies war wohl der einzige Wermutstropfen. Die
Filter scheinen in Stufung und Qualität dem Gerät
angemessen, sicher läßt sich des Guten hier noch mehr
tun. Die von uns mit zwei Rohde & Schwarz-Geräten
gemessenen Werte wiesen - bei diesem Gerät mit kleiner
Serien-Nr. und ohne jeglichen Nachgleich - Werte aus, die
Respekt fordern. Hohe Empfindlichkeit bei geringem
Grundrauschen, sinnvolle Umschaltung der Bandbreiten,
sowohl über die Betriebsart als auch manuell - und die
vorgenannten kleinen Abstimmschritte (15,6 Hz) - bringen
hohen Nutzwert des sehr, sehr sauber aufgebauten Gerätes.
Der HF 125 hat einen zuschaltbaren Vorverstärker. der für kurze
Peitschenantennen gedacht ist - er wurde in die Messungen
mit einbezogen. Die im Handbuch genannten
Empfindlichkeitswerte von 0,7 uV für 10 dB bei F=500 kHz
bei M=0,7 machten zunächst skeptisch - wir haben, wie üblich
mit 30% Modulation gemessen und kamen zu nachstehend
aufgeführten Werten, die sich nirgendwo verstecken
brauchen:
Empfindlichkeit 1 uV - 30 %; F = 2,5 kHz
| 3 MHz 16 dB |
12 MHz 18 dB |
20 MHz 17,5 dB |
28 MHz 16 dB |
| 6 MHz 17 dB |
14 MHz 15 dB |
22 MHz 17,5 dB |
30 MHz 14 dB |
| 8 MHz 17 dB |
16 MHz 17 dB |
24 MHz 15,5 dB |
6 MHz, 0,5 uV
F4K: 10dB |
| 10 MHz 15 dB |
18 MHz 16 dB |
26 MHz 16 dB |
6 MHz, 0,5uV
F7K: 9 dB |
| Anzeige S-Meter |
UE bei 6 MHz |
UE bei 14 MHz |
| S 5 |
1 uV |
0,7 uV |
| S 7 |
5 uV |
4 uV |
| S 9 |
25 uV |
20 uV |
| S 9 +10 dB |
1000 uV |
1000 uV |
| S 9 +30 dB |
5500 uV |
4500 uV |
| S 9 +50 dB |
20000 uV |
15000 uV |
FM: 1 uV UE, 5 Khz Hub = 30dB bei 28MHz
Abschwächer: rund20 dB
Eingangsspannungen von 100 mV werden gut verkraftet.
Das Gerät ist sowohl für
den interessierten Rundfunkhörer als auch für den
Funkamateur und SWL gut geeignet. Das gilt für alle
Betriebsarten (AM, SSB, CW). Zusätzlich kann auch FM
geschaltet werden, was für den Empfang von
Amateurfunkstationen im 10 m-Band gilt (28 bis 30 MHz).
Ein besonderer Vorzug ist der Synchron-Detektor (AMS),
der selektives Fading bei Rundfunksendern reduziert und
die Empfindlichkeit steigert.
In der Grundausstattung soll der HF-125 1.095 DM kosten.
Komplett ist die Ausstattung nach unserer Meinung aber
erst, wenn auch der FM/AM-Synchrondetektor (195 DM) und
die Frequenztastatur (178 DM) mit beschafft sind. Hinzu
kommt ein entsprechendes Netzgerät, welches als Portabel
Set (bestehend aus NiCd Satz mit Lader) und aktiver
Teleskop-Antenne geliefert wird (219 DM). Die
Gesamtkosten addieren sich dann auf 1.687 DM. In dieser
Preisklasse gibt es allerdings auch kompetente Konkurrenz
auf dem Markt.
In der Amateurfunkausführung ist der Empfang von 30 kHz
bis 30 MHz mög lich, eine postalische Genehmigung mit
einem Bereich von 150 Khz bis 26,1 MHz ist bereits unter
A 637 198 V für Lowe Electronics erteilt. Ein ausführliches
Bedienhandbuch mit Schaltplänen und Anleitungen für den
Antennenbau - leider nur in Englisch - liegt jedem Gerät
bei.
© tth, weltweit hören 10 /87