Nun gibt es die ersten Seriengeräte des neuen Engländers. Grundsätzlich
bietet der HF 250 ja ein anständiges Stück Radio für
sein Geld. Er empfängt zwischen 30 kHz und 30 MHz, die
Empfangsfrequenz wird auf dem sechsstelligen Display auf
100 Hz digital angezeigt. Der Lowe arbeitet als
Doppelsuper, die erste ZF liegt auf 44,9 /45 MHz, die
zweite ZF wird auf 455 kHz gemischt.
Als Vorselektion werden Bandpässe für folgende Bereiche
geschaltet: 500 kHz - 1,7 MHz, 1,7 - 4,2 MHz, 4,2 - 11
MHz, 11 - 19 MHz und 19 - 30 MHz. Unter 500 kHz ist ein
Tiefpaßfilter im Einsatz. Als Empfangsbetriebsarten
bietet der HF 250E neben AM, LSB, USB, CW und FM
Schmalband mittels Synchrondetektor die Anwahl der
einzelnen Seitenbänder USB / LSB oder DSB, also Empfang
beider Seitenbänder unter Verwendung dieses
Synchrondetektors. Weiters steht natürlich AMS, also AM-Empfang
mittels Synch-Mode zur Verfügung. Verbesserte ZF-Filter
mit den Bandbreiten 7 - 4,5 und der neuen Bandbreite von
3,5 kHz für AM-Empfang bietet der HF 250 E ebenso, wie
die mitgelieferte Fernbedienung, die das schon fast
klassische Keypad der 150/225 - Serie ersetzt. Ein
externes 12V-Netzgerät wird ebenfalls mitgeliefert.
Am Gehäuse erkennt man den neuen Receiver nur an der
Beschriftung, ansonsten keine Änderungen - ebenso wie in
der Bedienung. Der Lautsprecher bietet einen sehr guten
Klang, die Design-Lösung zur gleichzeitigen Verwendung
als Tragegriff scheint etwas weit hergeholt. An der Rückseite
findet man - ebenfalls identisch mit dem normalen 250 -
Anschlüsse für Antennen aller Art. Es lassen sich
Drahtantennen ebenso verwenden wie eine Teleskopantenne
oder eine abgestimmt 50-Ohm-Antenne. Neben dem 3,5-mm-Lautsprecherausgang
findet man eine "Line-out"-Buchse und unverständlicherweise
auf der Rückseite(!) die Regelung des FM-Squelch. Zur
Steuerung des Lowe mittels Computer findet man am Empfänger
eine RS 232 Schnittstelle, ein einfachstes DOS Programm
ist im Lieferumfang enthalten. Diese Schnittstelle
erlaubt Datentransfer bis 4800 Baud, eine sehr schnelle
Geschwindigkeit, die z.B. der so fortschrittliche AOR
7030 nicht bietet.
Wenn man sich die Bedienung des Empfängers näher
betrachtet, kommt der so erfolgreiche Vorgänger HF 225 E
nicht schlechter weg. Die Wahl der Betriebsart mittels
Druckknopf in der auch bei anderen Empfängern nicht
unbedingt beliebten Art des karusselartigen
Weiterschaltens, erscheint kein wirklicher Fortschritt zu
sein. Auch wenn Lowe dies beim HF 150 - aufgrund seiner
Kleinheit - erfolgreich gestaltet hat: Hier war der 225
mit seinem Drehknopf wesentlich schneller zu bedienen.
Gleiches gilt für die Synch- Funktionen, die ebenfalls
nur in Reihenfolge geschaltet werden können. Der robuste
Hauptabstimmknopf arbeitet mit sehr guten
Abstimmschritten.
So werden in CW, SSB und den SynchAM Betriebsarten mit
einer Umdrehung nur 1,8 kHz bewältigt, was einer
Abstimmrate von 8 Hz entspricht. Im normalen AM-Betrieb
erreicht man 11 kHz pro Umdrehung, entsprechend 50-Hz-Schritten.
Negativ fiel hier der nicht erkennbare Schritt auf eine
schnelle Schrittweite auf, bei etwas schnellerer
Abstimmung findet man sich unvermutet 100 kHz weiter.
Hier sollte diese Steuerung vom Hersteller verbessert
werden. Dafür arbeiten die beiden anderen Drehregler Ein/Aus
- Lautstärke und der Tonregler sehr gut. Die Lautstärke
läßt sich über einen großen Spielraum auch im relativ
leisen Bereich genau regeln. Bei Kopfhörerbetrieb,
dessen Anschluß glücklicherweise mit einer 6,3-mm-Klinkenbuchse
bewerkstelligt wird, ein grobes Plus. Die Tonregelung
umfaßt nicht wie bei manch anderen Hersteller getrennte
Höhen/Tiefen Regler, arbeitet aber mit einer sehr großen
Wirkungsbreite und erzielt so fast gleichwertige, sehr
gute Ergebnisse. Weniger überzeugen konnte das über
diesen Reglern liegende S-Meter. Zu klein und schlecht
einsehbar - besonders bei Ansicht von schräg oben -
erinnert es mehr an Produkte der frühen achtziger Jahre.
Dafür ist die Genauigkeit dieses Feldstärkemessers sehr
gut, im direkten, einfachen Vergleich ohne
Messinstrumente liegen die Signalstärken identisch mit
denen des High End Profis ICOM R 9000. Und mit diesen
Empfänger wird sich der HF 250 E nun auch in der DX-Praxis
messen, wo bei vielen Hörern ja sofort die Diskussion über
bessere oder schlechtere Bedienung aufhört und nur mehr
die wahren Signale zählen.
In den internationalen Kurzwellenbändern arbeitet der
Lowe einwandfrei, die zusätzliche Filtermöglichkeit
durch das 3,5-kHz-Filter kommt hier oft auch bei gestörten
Signalen zum Einsatz. So sind abends die Nordamerikaner
mit ihren religiösen Programmen im oberen Bereich des 15
MHz Rundfunkbandes bei Verwendung einer guten
Aktivantenne (RF Systems DX-OnePro) in einwandfreier
Qualität hörbar, der R 9000 kann es nicht besser.
Selbst abends sind mit dieser Aktivantenne am Lowe im
kritischen 40-m-Amateurfunkband und im anschließenden 41-m-Rundfunkband
keinerlei selbsterzeugte Störungen zu hören. Mittels 2,2-kHz-Filter
und der verschiedenen Betriebsarten des Sychrondetektors
konnte ich so nach 00.30 UTC auf 7185 die exotischen
Signale des Kurzwellensenders aus Myanmar gut vom
Englischdienst der Voice of Russia 5 kHz tiefer trennen.
Besonders die Seitenbandumschaltung im Synch-Mode macht
sich hier bezahlt, beim ICOM konnte dasselbe Signal nur
wesentlich gestörter empfangen werden. Ähnliche
Vorteile konnte ich beim Empfang von Radio Satelite aus
Santa Cruz, Peru auf 6725 kHz aufspüren. Im 60-m-Tropenband
empfängt der Lowe HF 250 E ohne Tadel, hier macht sich
aber die fehlende Möglichkeit der Signalbehandlung durch
ein Notchfilter, bzw. durch eine Paßband-Tuning Funktion
öfters bemerkbar. Hier könnte durch ein im Bereich 1,5
- 1,8 kHz liegendes zusätzliches Filter für den
ambitionierten Tropenband - DXer sicher viel gewonnen
werden. Bei extrem schwachen Signalen überzeugte der
wesentlich teurere Profi R 9000 durch seine exzellente
Empfindlichkeit, nicht nur in den Tropenbändern. So
konnte ich die Testsendung der "HAARP ionospheric
research facility" aus Gakona, Alaska auf der
Frequenz 6990 kHz am 9. März gegen 04.45 UTC mit dem HF
250 E nur erahnen. Hier zeigte sich in der Betriebsart CW
daß ein NF Filter für diese Betriebsart hier wirklich
nichts mehr zu suchen hat. Es wurde sichtlich am falschen
Platz gespart. Am Vergleichsempfänger konnte man die
langsamen CW-Signale, wenn auch extrem schwach, "lesen".
Ganz nebenbei erfreue ich mich durch diesen Gerätetest
schon einer QSL-Bestätigung via EMail dieses seltenen
Signals aus Alaska!
Eine weitere, für viele Empfänger nicht leichte Hürde,
ist der Empfang im Mittelwellen-Bereich, werden doch bei
vielen Empfängern zumeist aus Gründen des Großsignalverhaltens
die Signale unter 1,6 MHz abgeschwächt, um lokalen MW
Sendern keine Störmöglichkeiten zu geben. Hier überzeugt
der Lowe voll. Die Verständlichkeit ist auch bei schwächeren
Sendern direkt neben den Megawatt-Giganten sehr gut. Das
4,5-kHz-Filter war hier mein Favorit, und so manches
Signal aus der Krisenregion Albanien konnte mit dem 7-kHz-Filter
hier in Salzburg fast in Ortssenderqualität gehört
werden. Empfangsversuche nach 0100 UTC auf der Suche nach
DX-Stationen aus Nordamerika wurden schnell von Erfolg
gekrönt. Die öfter hörbaren Stationen aus WNRB Boston
1510 und WTOP Washington 1500 waren an der nicht
vorzugsweise dafür ausgelegten RF Systems DX-One-pro
Aktivantenne besser aufzunehmen als am vergleichsweise
benutzen 30-m-Langdraht. Auf der weiteren Suche konnte
auf 1440 WKLV aus Blackstone, Virginia mit eindeutig
identifizierbarem Stationsjingle gehört werden, wiederum
mittels Synch Empfang. Bei der schwankenden relativ
kleinen Signalstärke leistet sich dieser
Synchrondetektor manche Schwäche und rastet zu oft aus.
Daß hierbei sich auch die Helligkeit der gesamten Gerätebeleuchtung
gleichzeitig - wenn auch wenig - mit dem Ein- bzw.
Ausrasten des Detektors ändert, wäre wohl von den Lowe
Technikern mit wenigen Handgriffen schnell zu ändern.
Oder ist hier das mitgelieferte 400-mA-Netzgerät bei den
vom Hersteller angegebenen Stromverbrauch von 400 - 500
mA etwas überfordert?
Manche Details wurden in diesen kurzen Test nicht erwähnt,
da sie mit der "normalen" Ausführung des LOWE
HF 250 ja identisch sind. Zusammenfassend fällt das
Urteil eher den mit viel Spannung erwarteten neuen Lowe
gemischt aus: Aus der Sicht der echten DX-Puristen eine
Kampfmaschine, die bei sorgfältigster Bedienung
erstklassige Empfangsergebnisse in der Betriebsart AM
bietet und wie der direkte Vorgänger HF 225 Europa von
vielen stark unterschätzt wird bzw. wurde. Nicht übersehen
kann man aber, daß dieses technische Konzept des HF 250
E sich auch von seinem Vorgänger nicht unterscheidet.
Hier wird es für Lowe noch viel zu tun geben, um einen
ausgezeichneten Ruf weiter zu rechtfertigen, den sich
dieser europäische Hersteller z.B. mit Produkten wie der
Linie des HF/PR/SP 150 erworben hat.
© Christoph Ratzer, OE2CRM
Herzlichen Dank an Herrn Doeven, Lowe Europe, für die Bereitstellung des Testgerätes.
Weitere Informationen über den HF 250 Europa in
Deutschland über SSB electronic, in Österreich
informiert Point electronics, Wien.
Technische Daten Lowe HF 250 Europa
Frequenzbereich: 30 kHz - 30 MHz
Betriebsarten: AM, SynchAM, SSB, CW, FM
Abstimmschritte 8Hz - AMS, SSB, CW (1,8 kHz pro Umdrehung)
50Hz - AM ( 11 kHz pro Umdrehung)
125Hz - FM
Filter Bandbreiten: 2,2 -
3,5 - 4.5 - 7 und 12 kHz
Selektivität: (-6/-60 dB)
2,2 kHz Filter: 2,3/3,4 Shapefaktor: 1:1,5
3,5 kHz Filter: 3,5/4,8 Shapefaktor: 1:1,7
4,5 kHz Filter: 5,8/9,7 Shapefaktor: 1:1,5
7,0 kHz Filter: 7,0/12,9 Shapefaktor; 1:2
IP 3. Ordnung: +16 dBm (20 kHz Signalabstand)
Dynamikbereich: 90dB (2,2 kHz Filter)
Antenneneingänge: 50 Ohm
via S0-239 Buchse
600 Ohm via Klemmanschluß
NF Ausgangsleistung: 1,6 W an 8 Ohm
Spannung: 12 V DC, 400 - 500 mA, Netzteil wird
mitgeliefert
Abmessungen: 280 x 105 x 205 mm, Gewicht: 2,7 kg
Marktpreise: 2000 bis ca. 2150 DM, 15000 bis ca. 18000 öS
d: Solid as a Rock - Der Komunikationsempfänger Lowe HF - 250, Harald Kuhl, Radio hören 5 / 1996
d: Erste Produktvorstellung: Lowe HF 250 KW - Stationsempfänger, Christoph Ratzer, wwh 6 / 1995
e: Lowe HF - 250, Radio Netherlands Receiver Shopping List