Im WRTH 84 ist er auf Seite 48 zu bewundern; hierzulande werden ihn KW-Freunde kaum
in die Hand bekommen. WWH ist es dank der Hilfe von
National Panasonic gelungen. ein Testgerät des RF-B 600
unter die Lupe zu nehmen.
Gerätebeschreibung
Auf den ersten Blick besticht das kompakte Format (37
x 12 cm) und das gefällige Äußere mit einer
gebrauchsgerechten Anordnung der Bedienungselemente.
Die technische Konzeption und der Aufbau zeigen dem
heutigen Stand entsprechende Merkmale. Der Empfänger
kann sowohl am Netz als auch von externen 12 V-Stromquellen
(Autobatterie) und mit eingebauten Batterien (8 Stück
plus drei Stützzellen) betrieben werden.
Das Gerät bietet den vollen Empfangsbereich von 150-30.000
kHz, (Ausnahme: 420 - 520 kHz) sowie 87.5 -108 MHz und
arbeitet auf LW, MW und FM als Einfachsuper, auf KW als
Doppelsuper mit der üblichen hohen 1. ZF von 39.940 MHz
und der folgenden 2. ZF von 450 kHz. Der verwendete PLL-Synthesizer
kann mit der "Tuning Speed"-Taste im KW-Bereich
auf nützliche und angenehme 100 Hz-Schritte umgeschaltet
werden .
Die Abstimmung erfolgt
nach Wunsch über direkten Zugriff (Eintasten der
Frequenz), als Handabstimmung über den großen Drehknopf
(wobei man, nach Bereichen unterschiedlich, zwischen zwei
Abstimmschrittweiten wählen kann), durch Aufruf der
Speichertasten (9 Kanäle) oder durch eine
Speichersuchlauf bzw. automatische KW-Zonen-Abstimmung.
Diese beiden letzten Abstimmarten bedürfen näherer Erläuterung:
Bei der Speichersuchlaufabstimmung werden nur die neun
vorprogrammierten Frequenzen je zwei bis drei Sekunden
lang abgetastet. Bei der automatischen KW-Zonen-Abstimmung
gibt es drei Möglichkeiten. Zunächst tastet man eine
Frequenz in der Mitte des interessanten Bandbereichs ein.
Nun kann man entweder manuell in 5 kHz-Schritten jeweils
150 kHz nach oben oder unten "durchlaufen"
lassen oder den automatischen Scanner einschalten, der
jedes empfangswürdige Signal zirka drei Sekunden lang
"hält", ehe er weiter absucht. Bei einer
dritten Möglichkeit ("Seek") rastet der Empfänger
beim ersten empfangswürdigen Signal ein, muß dann
allerdings manuell auf Signalmitte nachgestimmt werden.
Dieser Abstimm-Modus ist eine Novität.
Außenanschlüsse gibt es für zwei Antennen (MW und KW),
wobei bei Anschluß einer Außenantenne der eingebaute
Teleskopstab ausgeschaltet werden kann. (Gilt leider
nicht für die eingebaute Ferritantenne.) Auch der
eingebaute Lautsprecher wird bei Anschluß eines externen
Speakers oder von Kopfhörern stummgeschaltet (zusätzlicher
Ohrhöreranschluß bleibt intakt). Neben zwei Linienausgängen
für ein Bandgerät gibt es eine "Stand by"-Buchse,
die im Transceive-Betrieb mit einem Amateurfunksender den
Empfänger beim Senden auf mute legt. Für den Transport
gibt es einen Traggriff, für Tischbetrieb einen
ausklappbaren Ständer.
Praxistest
Als Vergleichsempfänger stand ein ICOM R70 zur Verfügung.
Bei Verwendung der eingebauten Stabantenne ergibt der
Empfang im Vergleich zum R70 ein deutliches
Hintergrundrauschen, das erst durch Anhängen an eine
Langdrahtantenne gemildert wird. Auffallend ist, daß das
Testgerät einen ähnlichen Dynamikbereich wie der R70
hat, also nicht leicht übersteuerbar ist, jedoch
wesentlich weniger Empfindlichkeit besitzt. Das
Nachlassen der Empfindlichkeit zeigt sich besonders
drastisch im Bereich oberhalb 20 MHz. Da beim Testgerät
keine schaltbare Signaldämpfung vorhanden ist, wird
vermutet, daß der Eingang von vornherein schaltungsmäßig
gedämpft wird. Das geht natürlich auf Kosten der
Empfindlichkeit.
Die hellgelb grell leuchtende LED-Digitalanzeige flackert
unruhig bei der Handabstimmung "slow", was seht
störend wirkt. Hingegen ist die Beleuchtung des S-Meters
nicht ausreichend. Die Hauptschwäche des Empfängers
liegt in der Trennschärfe (ZF-Filter) Während beim
Testgerät z.B. RTL und Bayerischer Rundfunk auf 6.090
bzw. 6.085 nicht einwandfrei zu trennen sind, ist dies
beim (allerdings um S 1.500.- / DM 200.- teureren) R70
mit Passband Tuning und Notchfilter einwandfrei möglich.
Noch krasser fiel der Unterschied bei einem Vergleich von
ORF Aldrans (6.000) und RIAS Berlin (6.005) auf. Auf den
Tropenbändern ist daher der Empfang wenig brauchbar.
Ebenso gibt es Schwierigkeiten beim SSB-Betrieb. ECSS ist
kaum möglich. Oberhalb von 20 MHz erscheinen beim
Durchdrehen der Handabstimmung manche Sender ein zweites
Mal und immer im Abstand der doppelten ZF (2 x 455 kHz).
Das S-Meter ist richtig skaliert und reagiert ähnlich
wie beim R70. Die Signalaufbereitung zeigt keine
besonders auffallenden Störstellen. Das breite Filter
ist nur beim MW-Empfang und fallweise verwendbar.
Zusammenfassung:
Ein
nach aktuellem Stand der Technik konzipierter
Kommunikationsempfänger für mittlere Ansprüche. Mit
kleinen Einschränkungen für den KW-Hörer geeignet.
Betrieb auf den Amateurfunkbändern kritisch.
Bedienungselemente
1 = AM-Betriebsartenwähler. 2 = AM-Bandbreitenumschalter.
3 = Autom. AMStörbegrenzung. 4 = Batterieprüfer /
Mittenabstimmung / S-Meter. 5 = Anzeige dazu. 6 =
Anzeigenbeleuchtungsschalter (für Abschaltung bei
Batteriebetrieb). 7 = Anzeige der Frequenz ein / aus (bei
Batteriebetrieb). 8 = Wellenbereichstasten. 9 = Frequenz
/ Kanalanzeige. 10 = Ein/Aus. 11 = Abstimmregler. 12 =
Umschalter für Abstimmgeschwindigkeit (Tuning Speed). 13
= Abstimmverriegelung (Frequency lock). 14 = AM RF-Regler.
15 = Höhen. 16 = Baß. 17 = Lautstärke. 18 = Kopfhörerbuchse.
19 = Lautsprecher. Nicht bezeichnet: Tastenfeld,
Speicherbelegungstasten, Scanning-Tasten.
Technische Daten
LW: 150 - 240 kHz. Empfindlichkeit: S/N 6dB, 70uV/m; 26dB,
600uV/m (bei 280 kHz). Trennschärfe: +/- 3.5 kHz (-6dB),
+/- 7 kHz (-60dB) in Stellung WIDE. +/-1.5 kHz bzw. 4 kHz
in Stellung NARROW. Spiegelfrequenzunterdrückung 35dB (bei
280 kHz).
MW: 520 - 1.610 kHz.
Empfindlichkeit: S/N 6dB, 35uV/m; 26dB, 400uV/m (bei 1.000
kHz). Trennschärfe wie LW. Spiegelfrequenzunterdrückung:
40dB (bei 1.000 kHz).
KW: 1.610 - 29.999 kHz.
Empfindlicheit (400 Hz, 30% Modulation, 50mW): S/N 6dB, 1.2uV/m
(50 Ohm) (bei 6 MHz); S/N 26dB, 10uV (50 Ohm) (bei 6 MHz).
Trennschärfe: wie LW. Spiegelfrequenzunterdrückung: 50dB
(bei 6 MHz).
UKW: 87.5 - 108 MHz.
Empfindlichkeit: 2.5uV / 75 Ohm (-3dB, Limit Sens); 2.5uV
/ 75 Ohm (S/N 26 dB). Spiegelfrequenzunterdrückung: 30dB
(bei 98 MHz). Kanaltrennung 70dB ( + /- 400 kHz).
Bestückung: 15 IC, 9 FET,
96 Transistoren.
Output: 2W (RMS max.), 1.6W (MPO).
Leistungsaufnahme: 12 W
Antennen: LW/MW/SW 50-75 Ohm / UKW 75 Ohm / KW hoch- /
niederohmig.
Abmessungen 376 mm (B), 122mm (H), 291mm (T). 4.6 kg ohne
Batterien.
Verkaufspreis in Großbritannien: 445 £
© Herbert Breichner / Leopold Kramer, wwh 10 / 84