Mit diesem Gerät fing es an, das DXen mit
einem wirklich tragbaren Allbandempfänger. Vor etwa zehn
Jahren tauchte der Urtyp des XCR-30 erstmals auf und hat
seither ungezählte Liebhaber gefunden. Dieses immer noch
aus Südafrika importierte Gerät verbirgt hinter der
bieder wirkenden Front ein leistungsfähiges Empfangsteil
mit bisher unerreichter Einfachheit der Bedienung. Der
XCR-30 empfängt AM, SSB und CW-Signale im
Frequenzbereich von 0,5 bis 30 MHz. Als Koffergerät
konzipiert und für problemlosen Batteriebetrieb
ausgelegt, wurde der "Barlow" sehr bald zum
beliebten Gerät für Weltenbummler. Robuste Konstruktion
und geringe Größe machen echten Portabel-Betrieb
möglich.
Das Geheimnis der verblüffenden Leistung des unscheinbar
aussehenden Koffergerätes liegt in der von Dr. T. L.
Wadley Mitte der fünfziger Jahre entwickelten
Schaltungsvariante, auch als Wadley- Loop bekannt. Diese
Schaltungsart liegt auch den bekannten kommerziellen
RACAL- Empfängern zugrunde. Effektiv arbeiten die
Geräte als Zweifach- Superhet, wobei für die 1. ZF
aufwärts gemischt wird. Diese Konstruktionsart wurde
später - nach Ablauf der Patentrechte - in vielen
bekannten KW-Empfängern verwendet.
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Das Verfahren ist sehr flexibel und erlaubt z.B. die
Verwendung moderner PLL-Schaltungen und Balance-
Modulationen in IC-Technik. Im XCR-30 wird jedoch mit
einem Minimum an ganz normalen Bauteilen gearbeitet,
daher ist die Servicefreundlichkeit in dieser Hinsicht
bemerkenswert.
Getestet wurde ein Gebrauchsgerät, leihweise zur
Verfügung gestellt. Dabei handelte es sich um eine
Professional-Version mit dreistufiger
Bandbreitenschaltung.
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| Die Platine |
Die Skala, einfach genial |
Das Gerät
Ein stabiles, mit schwarzem Kunstleder bezogenes
Metallblech-Gehäuse enthält das Innenleben des
Empfängers. Das Batteriefach für sechs Monozellen ist
auf der Innenseite der abklappbaren Rückwand befestigt.
Die Gerätefront besteht aus massivem
Aluminium-Druckguß. Der fest montierte Tragegriff auf
der Oberseite erlaubt sicheren Transport. Eine einfache,
aber zweckmäßige Halterung für Stationslogs und
Frequenztabellen wird mittels einer Federmechanik unter
dem Tragegriff aufgeklappt. Hier läßt sich bei Bedarf
auch noch ein UKW-Tuner aufsetzen. Die Anschlüsse für
externe Antenne und Erde befinden sich auf den
gegenüberliegenden Enden der Geräteoberseite. Dabei
handelt es sich um hierzulande gänzlich unübliche 3
mm-Buchsen. Das Gewicht von 4.3 kg überrascht zunächst,
denn mit Abmessungen von 30 x 19 x 10 (BHT in cm) ist der
XCR-30 wahrlich ein echtes Kofferradio.
Eine recht kurze (80 cm) Stabantenne ist auf der linken
Oberseite versenkt eingebaut. Sämtliche
Bedienungselemente befinden sich auf der klar
gegliederten Vorderseite. Die für die einfache
Handhabung des XCR-30 entscheidenden Frequenzeinsteller
liegen rechts und links in den oberen Ecken der
Frontplatte. Dabei handelt es sich um geriffelte,
kegelförmig abgeschrägte Einstellscheiben, die direkt
mit den jeweiligen Abstimmkondensatoren und den
dazugehörenden Skalen verbunden sind. Mit dem linken
Einsteller werden die MHz-Segmente von 0 bis 30
vorgewählt, mit dem rechten Einsteller die kHz-Zahl
innerhalb eines 1 MHz- Bandes.
Die sauber in grün markierten Trommelskalen befinden
sich hintereinem kleinen Acrylglas- Fenster in der Mitte
oben. Die effektive Skalenlänge im kHz-Bereich beträgt
24 cm für 1 MHz- Abstimmbereich. Die Sogmente der
MHz-Einstellung sind etwa 1 cm breit, die Einstellpunkte
sind nicht gerastet. Auf der kHz-Skala gibt es alle 10
kHz eine Strichmarkierung, zusätzlich Ziffern in
Abständen von 50 kHz. Die Ablesegenauigkeit kann daher 5
kHz betragen.
Der Drehknopf oben links ist mit "antenna trim"
bezeichnet, er dient der Vorselektion und der
Antennenanpassung. Die dazugehörende Skala ist - dem
Frequenzbereich entsprechend - von 0,5 bis 30 markiert.
Unter diesem Knopf sitzt der mit dem Ein/Aus- Schalter
kombinierte Lautstärkesteller. Der Drehknopf rechts oben
dient der Feinabstimmung, die Frequenzvariation beträgt
ca. 1.8 kHz. Besonders bei SSB- Empfang läßt sich
hiermit gut arbeiten. Letzter der vier symmetrisch
angeordneten Knöpfe ist der Betriebsartenschalter. Damit
können AM, LSB und USB gewählt werden. Die USB-Stellung
dient ferner der Nacheichung innerhalb eines 1
MHz-Bandes. Zu diesem Zweck wird die kHz-Skala genau auf
000 gebracht und mit einem winzigen Knöpfchen unterhalb
des ebenso winzigen Anzeigeinstrumentes auf
Schwebungsnull eingestellt.
Unter dem Betriebsartenschalter sitzt bei der
Professional- Ausführung der Bandbreitenschalter. Es
gibt drei Stellungen: 6, 3 und 1.5 kHz Bandbreite bei
jeweils -6 dB. Die Bandbreiten sind nicht markiert.
Hinter dem großen Grill in der Mitte ist der 8.6 cm
große Lautsprecher montiert. Die gesamte Schaltung
befindet sich auf einer großen, vertikal im Gerät
montierten Platine. Das Gehäuse läßt sich gut
zerlegen, auch von der Zugänglichkeit her ist der
Service ohne Problem. Die Art der Schaltung (z.B.
Luftspulen) und das verwendete Schaltungsprinzip machen
Fehlersuche und -behebung zur Arbeit für den erfahrenen
Fachmann.
An der linken Seite des Gehäuses sind Buchsen für
Kopfhörer und externes Netzteil (9 Volt DC) eingelassen.
Die Verarbeitungsqualität ist ordentlich, aber in keiner
Weise dem Neupreis des Gerätes entsprechend.
Betriebsergebnisse
Die Bedienung des XCR-30 hat ihre Tücken - oder
Feinheiten, je nach Geschmack. Es ist dringend
erforderlich, sich mit der Handhabung vertraut zu machen.
Bedienungsfehler oder auch nur Unachtsamkeiten
verschlechtern die Empfangsleistung um ganze
Größenordnungen. Zunächst sollte die - deutsche -
Bedienungsanleitung sehr sorgfältig studiert werden.
Danach wird am Gerät geübt. Hat man erst einmal das
Zusammenspiel von Antennenabstimmung (sehr scharfer
Peak), MHz-Raster (Maximum am S-Meter), kHz-Abstimmung
und Bandbreitenschaltung verstanden, so sind die
Empfangsleistungen beeindruckend. Selbst im MW-Bereich
läßt sich mit der Stabantenne arbeiten. Um hier
allerdings DXen zu können, bedarf es einer externen
Antenne, die sich bei der Originalversion leider nicht so
einfach zur Wirkung bringen läßt. Die dazu notwendige
Modifikation wird im Anhang erwähnt. Auf jeden Fall
läßt sich auch im MW- Bereich eine sehr gute
Empfindlichkeit erreichen. Die wirksame
Bandbreitenschaltung benutzt Keramikfilter älteren Typs,
die Weitabselektion ist nicht überragend. Die
Filtersteilheit ist dagegen gut. Mit neueren
Murata-Filtern der CFJ-Serie könnte allerdings bedeutend
mehr erreicht werden. Das 1.5 kHz-Filter hat unüblich
hohe Verluste, die sonst exzellente Empfindlichkeit
läßt sich mit diesem Filter bzw. dieser
Schaltkombination nicht verwerten.
Das Signalstärkeinstrument hat nur fünf einfache
Strichmarkierungen, es ist viel zu klein um deutlich
lesbar zu sein. Die Bezeichnung S-Meter ist eine starke
Obertreibung für diesen Winzling.
Zu hören ist mit dem XCR-30 ab 2 MHz ohne größeren
Antennenaufwand fast alles, Langdrahtantennen sind mit
Vorsicht zu benutzen. Es ist keinesfalls damit getan,
einfach 15 m Draht anzuklemmen. Der Barlow benötigt
einen Preselector mit Abschwächer zwischen Antenne und
Gerät.
Aber auch mit der eingebauten Stabantenne ist der XCR-30
empfangsmäßig ein Riese. Der etwas wackelige Knopf für
die so wichtige Vorabstimmung erschwert das Finden des
sehr scharfen Resonanzpunktes, die dazugehörende Skala
ist wegen ihrer logarithmischen Teilung schlecht
abzuschätzen.
Die tatsächliche Frequenzeinstellgenauigkeit beträgt
nach einiger Übung 5 kHz, eher etwas besser, da ja
zwischen den Teilungen linear interpoliert werden kann.
Das Schaltungsprinzip kompensiert Frequenzdrift durch
subtraktive und additive Mischung, die Stabilität ist
daher für ein Koffergerät ganz ausgezeichnet.
Die Ausrüstung des Gerätes ist spartanisch, es wird auf
Skalenbeleuchtung, Verstärkungseinstellung und ein
wirklich brauchbares S-Meter verzichtet. Dafür ist dies
eben ein tragbarer Kofferempfänger. NF-Leistung und
-qualität sind bescheiden, der Klirrfaktor geht ab
mittlerer Lautstärke schnell in die Höhe. Dafür ist
die NF bei SSB-Empfang überraschend sauber.
Neuere Kofferempfänger mit Digitalanzeige haben zwar
eine bessere Ablesegenauigkeit (wenn der
Referenzoszillator stimmt), sind aber in den seltensten
Fällen so schnell abzustimmen wie der XCR-30. Die
KW-Empfangsleistung dieses unscheinbaren Gerätes wird
derzeit von keinem Koffergerät deutlich übertroffen.
Allenfalls der DR-29 von Panasonic kann da
konkurrenzfähig bleiben.
Wertung und Kritik
Neben den wirklich lobenswerten
Empfangsleistungen sollen die Unzulänglichkeiten dieses
Oldtimers nicht vergessen werden. Die Bedienung erfordert
beträchtliches Geschick und muß immer sehr sorgfältig
geschehen. Das Verhalten des XCR-30 an Lanydrahtantennen
ist problematisch. Die Gesamtqualität entspricht nicht
dem Neupreis von ca. DM 800.00.
Unbrauchbares S-Meter, wackelnde Knöpfe, fehlende
Skalenbeleuchtung, schlecht angepaßter
Kopfhörerausgang, bescheidene NF-Gualität, praxisfremde
Antennenanschlüsse und relativ hoher Preis machen dieses
Gerät zu einem - wenn auch bemerkenswerten -
Außenseiter.
Derzeit gibt es mindestens ein halbes Dutzend
vergleichbarer Kofferempfänger, die fast ebensogute
Empfangsleistungen liefern, inklusive fast aller der eben
erwähnten Ausstattungsdetails. Dabei ist die Bedienung
dieser neueren Geräte zwar nicht so genial einfach wie
die des Barlow, dafür aber bedeutend sicherer.
Das ungewöhnliche Schaltungsprinzip macht den Service
problematisch; nicht jede Reparaturwerkstatt kann diesem
Gerät wieder auf die Sprünge helfen. Als
Gebrauchsgerät ist der XCR-30 manchmal recht
preisgünstig zu haben. Insbesondere für Nostalgie- Fans
ist dieser Empfänger fast unwiderstehlich. Wie das
Testgerät (Seriennummer 3584) beweist, kann auch nach
Jahren noch gute DX-Leistung erwartet werden.
Zusammenfassung
Die durchweg guten Empfangsleistungen des XCR-30
können nicht darüber hinweg täuschen, daß dieses
Gerätekonzept mittlerweile überholt ist. Neuere Geräte
bringen entsprechende Leistungen bei unproblematischer
Bedienung, genauerer Ablesung und besserem Preis/
Leistungsverhältnis. Als Gebrauchsgerät ist der XCR-30
trotzdem zu empfehlen, dann aber in der Ausführung
"Professional" mit der Dreifach-
Bandbreitenschaltung. Der Preis sollte dann um DM 450.00
liegen.
Eine gewisse Faszination kann dem Gerät nicht
abgesprochen werden. Daher dürfte so mancher XCR-30 beim
Besitzer bleiben und in stiller Abendstunde neueren PLL/
Digital/ Allband/ IC-Empfängern zeigen, was schon um
1970 möglich war.
Nachbemerkung
Die Unzulänglichkeiten in der Ausstattung
wurden bereits 1974 in einem ausführlichen Artikel in
weltweit hören behandelt. Modifikation für die
Antenneneingangsschaltung, Koax- Antennenanschluß,
Antennenanpassung im MW-Bereich, Skalenbeleuchtung und
NF-Ein-/Ausgang wurden dort beschrieben.
Barlow Wadley XCR-30: Technische Daten und Messwerte
Hersteller Barlow's Television Co., P.0. Box 23,
Natal, Rep. of South Africa
Vertrieb Fachhandel
Gerätetyp Koffergerät
Schaltungstyp Wadley Doppelsuper
Frequenzbereiche 0,5 - 30 MHz, UKW-Teil als Zusatzgerät
Frequenzanzeige analog, Rundskalen (Trommel)
Ablesegenauigkeit +/- 5 kHz
Absolute Genauigkeit +/- 1 kHz, nachstellbar
Frequenzstabilität bei dT von 10°C +/-2 kHz
innerhalb 1 Stunde +/- 1.6 kHz
Besonderheiten tragbarer echter DX-Empfänger,
Preselektor, unschlagbar einfache Analogabstimmung.
Massives Gehäuse. ProVersion: Dreifach-
Bandbreitenumschaltung. SSB/CWBetrieb.
HF-Teil
Empfindlichkeit
in uV an 50 Ohm bzw. 1 KOhm bei BC
0.1 MHz - 1.5 MHz für 26 dB S+ N/N
2 MHz - 30 MHz für 6dB S+N/N
Modulation AM, 400 Hz, 30 Prozent
| Frequenz (MHz) |
AM breit |
AM schmal |
SSB |
| 0.5 |
38 |
59 |
- |
| 1 |
34 |
51 |
- |
| 1.5 |
34 |
51 |
- |
| 2 |
1.7 |
1.9 |
0.9 |
| 5 |
1.4 |
1.5 |
0.9 |
| 7 |
1.7 |
1.9 |
0.9 |
| 10 |
1.9 |
2.7 |
1.1 |
| 15 |
2.1 |
2.0 |
1.5 |
| 20 |
2.0 |
2.1 |
1.4 |
| 25 |
1.8 |
1.7 |
1.1 |
| 30 |
1.4 |
1.8 |
0.9 |
Trennschärfe (kHz): 7 MHz +/- 1 MHz
| |
-6 dB |
-60 dB |
| breit |
6.2 |
18.6 |
| schmal |
3.5 |
10.4 |
| SSB |
2.1 |
5.8 |
Spiegelfrequenzsicherheit 59 dB
Zf-Festigkeit -
AGC-Regelbereich mehr als 60 dB
Abstimminstrument S1 = 1 uVolt, Mitte = 60 uVolt, Ende =
400 uVolt
Antennen Stabantenne 80 cm
Antennenanschluß Antenne/Erde, Buchsen 3 mm
Sonstiges: Ablesegenauigkeit/ Eichung einstellbar, sehr
wirksame Antennenanpassung, UKW-Tuner nachrüstbar
NF-Teil
Leistung, Sinus 0.4 Watt, 10% TH D
Frequenzgang 84 - 6'100 Hz, +/- 3 dB
Tonblende -
Störbegrenzer ja, eingebaut
Lautsprecher 8.6 cm Durchmesser
Anschlüsse Ohrhörer, externes Netzteil
Stromversorgung Netzteil 9 Volt
Batterie sechs Monozellen
Leistungsaufnahme ca. 2.1 Watt maximal
Maße 30 x 19 x 10 BHT in cm
Gewicht 4.3 kg
Bestückung 18 Transistoren, 11 Dioden
Zubehör Betriebsanleitung, Schaltbild
FTZ-Nummer -
Preis ca. DM 700, ca. DM 800,- Pro- Version
© R. Lichte, Kurzwellenempfänger, die Qual der Wahl