Der gesuchteste Oldtimer
Ist zweifellos der Braun T 1000 oder sein Nachfolgemodell
T 1000 CD. Für gut erhaltene Exemplare, vom Konzept her
20 Jahre alt, wird auch heute ohne Murren ein halber
Tausender auf den Tisch gelegt. Der nachfolgende
Testbericht zeigt, warum dieser Empfänger so begehrt ist.
Das Aussehen des Gerätes
fasziniert. Nun ist Formgebung eine Geschmackssache, aber
die klare, sachliche Architektur des Gehäuses und seiner
Bedienungselemente beeindruckt. Die Stabilität der
mechanischen Konstruktion setzt sich in der Elektronik
des Empfängers fort. Ohne schaltungstechnische
Kompromisse wurde hier - dem damaligen Stand der Technik
entsprechend - ein hochwertiger Weltempfänger geschaffen.
Getrennte Empfangsteile für AM und FM arbeiten auf einem
gemeinsamen NF-Teil. Sogar die Antennen sind den
Eingangsteilen fest zugeordnet. Es gibt zwei
Teleskopantennen für UKW, eine Ferritantenne für LW/MW
und eine weitere sehr lange Teleskopantenne für KW. Ein
separater Einstellknopf treibt einen eigenen Zeiger für
den UKW-Bereich. Prunkstück der Konstruktion ist der
Goldkontakt - Trommeltuner mit einzeln austauschbaren
Segmenten, ein Prinzip, das Grundig bis 1982 beibehalten
hatte.
Die Schaltung des T 1000 wurde so ausgelegt, daß sich
mit den damals verfügbaren Mitteln (L / C-Kreise) ein günstiges
Abstimmverhältnis ohne Spiegelfrequenzprobleme ergab. So
hat dieser Empfänger dann auch zwölf AM-Bereiche, davon
je zweimal LW und MW. Ähnliche Schaltungskonzepte
nutzten noch jahrelang die Satelliten und der Nordmende
Globetrotter.
Die Bedienungselemente des
T 1000 sind umfassend ausgelegt, einschließlich einer
wirksamen Bandbreitenschaltung im ZF-Teil. Die Selektion
kann durch weitere Schaltmaßnahmen im NF-Teil noch
verbessert werden. Feinabstimmung (KW-Lupe), BFO,
Antennenanpassung, HF-Verstärkung von Hand, S-Meter, -
der Braun T 1000 hat alles, was damals Stand der Technik
war.
Auch die Anschlußmöglichkeiten lassen keine Wünsche
offen: externe Antennen für FM und AM (mit Anpassung),
Erde.
Dazu im NF-Bereich Anschlüsse für Kopfhörer, externen Lautsprecher, Tonaufnahme und Tonwiedergabe. Eine
Besonderheit bietet die Stromversorgung mit dem
einsetzbaren Netzteil TN 1000. Neben Wechselspannungen
von 90- 240 Volt können beliebige Gleichspannungen im
Bereich von 6- 24 Volt angeschlossen werden. Obwohl
nominell für 12 Volt ausgelegt, arbeitet der Empfänger
auch mit 6 Volt noch zufriedenstellend. Ein großes
Batteriefach nimmt 9 Monozellen auf, davon dient eine
Zelle ausschließlich der schaltbaren Skalenbeleuchtung.
Beim Erscheinen des Empfängers im Jahre 1963 war die
Fachpresse des Lobes voll; knapp 20 Jahre später haben
wir dann dieses 12 Jahre alte Modell erneut untersucht.
Zuletzt wurde der Braun T 1000 CD für DM 998,- verkauft,
der ursprüngliche Listenpreis lag bei DM 1498,-. Ab
Mitte 1971 erhielt der Empfänger kosmetische Detailänderungen
und den Zusatz CD. Denn neben den großen Satelliten war
es vor allem dieser Empfänger, der in Konsulaten und
Botschaften rund um die Welt zu finden war.
Leistung und Eleganz
Nach dem Einsetzen der Batterien und dem Abklappen
der vorderen Gehäuseabdeckung ist der Empfänger
betriebsbereit. Die Schalter sind immer noch schwergängig,
zeigen also auch nach einigen Tausend Schaltspielen noch
keine Ermüdungserscheinungen. Dasselbe läßt sich über
den Trommeltuner sagen, er ist solide, schwergängig und
immer noch treffsicher. Die Kontaktsätze mußten
gereinigt werden, um geräuschloses Schalten zu ermöglichen.
Dieser T 1000 wurde in direktem Vergleich mit Satellit
3400, FRG 7700 und ICF 2001 betrieben, wahlweise mit Außenantennen
oder mit einer 25 m langen L-Antenne.
Zunächst zur Bedienung:
das klare, sachliche Äußere erleichtert die
Orientierung ungemein, und die Zuordnung der
Schaltfunktionen wie NF-Filter als Zugschalter am NF-Einsteller
ist praktisch. Auch mit der vorliegenden Aufteilung der
verschiedenen Knöpfe, Schalter und Skalen läßt sich
leben. Kritikwürdig bleibt jedoch die Position der
elektronischen Feinabstimmung direkt über dem sehr
winzigen S-Meter. Gerade wenn es auf ein paar Millimeter
Zeigerausschlag ankommt, verdeckt die Hand an der
Feinabstimmung die Skala des Anzeigeinstrumentes. Die
Schwergängigkeit des Bereichsschalters ist gewollt, nur
so läßt sich der Goldkontakt-Tuner sauber rasten. Mit
diesem Problem haben auch andere Firmen gekämpft.
Heutzutage würde allein diese umständliche Art der
Bereichswahl zu einer Abwertung des Empfängers führen.
Die sparsamen Skalenmarkierungen sind das wohl größte
Manko des Braun. Zwar läßt sich jeder Bereich einzeln
nacheichen, aber die Spulen auf dem Trommeltuner sind
derart vergossen, daß dies wohl nur von theoretischem
Interesse bleibt. Die Skalen sind gut lesbar; aber man
kann jedoch eine bestimmte Frequenz im KW-Bereich
allenfalls auf 25 kHz genau schätzen, wenn man zwischen
den Strichmarkierungen liegt. Damit ist der Empfänger für
heutigen DX-Einsatz uninteressant. Was diesen Empfänger
auszeichnet, ist die exzellente Leistung als SWL-Gerät.
Bei sehr niedrigem Grundrauschen und einer
ausgezeichneten AGC-Charakteristik sind SWL-Stationen in
bestechender Qualität aufnehmbar, wobei der T 1000 auch
noch ungewöhnlich empfindlich ist. Durch stufenweise
Beeinflussung der Signalaufbereitung können Störeffekte
immer weiter verringert werden. Zunächst wird der
Klangregelungsknopf gezogen; damit ergibt sich eine
Optimierung für Sprachfrequenzen mit gehörrichtiger
Lautstärkeregelung. Langt das nicht, so kann auf die
schmale ZF-Bandbreite umgeschaltet werden. Sollte dies
auch noch nicht genügen, so wird in geradezu brutaler
Weise der NF-Bereich durch Ziehen am Lautstärkesteller
auf +/-1 kHz / 6 dB eingeengt. Diese Schaltungen können
variiert werden; da es sich ausschließlich um R/C- oder
L/C-Schaltungen handelt, tritt zu keiner Zeit ein
Klingeln oder harter Klangeindruck in Erscheinung. Das NF-Signal
bleibt stets klanglich ausgewogen.
Der T 1000 ist ein
Einfachsuper, benutzt also nicht die spiegelfrequenzdämpfende
Doppelsuperschaltung. Im dichtbelegten 49m-Band wurde die
Dämpfung der Spiegelfrequenzen zu 38 dB ermittelt, ein
nicht überragender Wert. Ab ca. 17 MHz fällt dieser
Wert dann unter 25 dB. aber hier ist auch die
Bandbelegung nicht mehr so eng. Mit einem ICP 3. Ordnung
von -12 dBm kann sich der T 1000 auch heute noch in
seiner Klasse sehen lassen.
Der Überlagerungsoszillator ermöglicht prinzipiell auch
SSB-Empfang, aber diese Betriebsart ist nicht die Stärke
dieses Empfängers. Man muß doch schon recht fleißig
mit den Einstellern für BFO, Feinabstimmung und HF-Handeinstellung
jonglieren, um Amateurfunk hörbar zu machen.
Schwundmindernder ECSS-Betrieb (AM mit selektiertem
Seitenband) bleibt unmöglich; Telegrafie bringt der T
1000 dafür einwandfrei. Schließlich war der Einsatz als
Empfänger für einseitigen Sprechfunkverkehr eine der Möglichkeiten,
die der T 1000 bot, sogar mit Peileinrichtung. Dazu mußte
der Empfänger umgerüstet werden und erhielt dann die
begehrte C-Nummer des FTZ.
Externe Antennen verträgt der Braun gut, allerdings muß
dann die Teleskopantenne eingeschoben werden. Die
kapazitive Antennenanpassung zeigt gute Wirkung.
Lobenswert ist das sauber gestaltete Anschlußfeld auf
der Vorderseite, man braucht nicht im Halbdunkel hinter
dem Gerät herumzufummeln, um Antennen, Kopfhörer oder
Lautsprecher an- und umzustecken. Mit Sicherheit klingt
der Braun T 1000 besser als der Großteil modernerer Empfänger,
mit Ausnahme des Satellit 3400. Die Empfangsleistungen im
AM-Bereich sind nach wie vor ausgezeichnet, der Empfänger
ist empfindlich, trennscharf und bringt ein unglaublich
gutes Klangbild Zustande. Unter Verzicht auf die SSB-Betriebsart
war der Braun meist deutlich empfindlicher als FRG 7700
und ICF 2001. Die fehlende Treffsicherheit bei der Suche
nach bestimmten Frequenzen ist als wertbestimmender Maßstab
anzulegen. Eine Anschaffung lohnt sich daher nur für
Liebhaber derartiger Oldtimer. Es ist bedauerlich, daß
Braun den Markt verlassen hat.
Fazit
Für das Abhören der großen oder kleinen
Rundfunkstationen, wenn man also nicht gerade auf der
Suche nach Radio Kabul ist, bleibt der Braun T 1000 immer
noch ein brauchbares Gerät. Abgesehen vom
Seltenheitswert bringt dieser Oldtimer durchaus
akzeptable Leistungen. Die ungemein solide Konstruktion
zeigt im Langzeitbetrieb keinerlei Schwachstellen, und
der konservative Aufbau der Schaltung und die gute
Dokumentation machen eventuelle Reparaturen nicht zum
Alptraum. Ein Preis um DM 400,- ist für gut erhaltene
Exemplare durchaus angemessen.
Technische Daten: Braun
T 1000 (CD)
Hersteller Braun AG, Frankfurt
Vertrieb Fachhandel
Gerätetyp Kofferempfanger
Schaltungstyp Einfachsuper
Frequenzbereich LW, MW, UKW, KW von 1.5 MHz - 30 MHz
Ablesegenauigkeit +/- 25 kHz
Frequenzstabilität +/- 0.5 kHz innerhalb einer Stunde
Besonderheiten: aufwendiger Allbandempfänger in
bestechendem Design. Stark gespreizte Bereiche for LW, MW
und KW. Vielseitiqe Schalt- und Einstellmöglichkeiten.
HF-Teil
Empfindlichkeit
| Freq. |
uV |
Freq. |
uV |
| 0,15 |
174 |
5,0 |
2.6 |
| 0,5 |
162 |
7,0 |
2.5 |
| 1,0 |
84 |
10,0 |
3.2 |
| 1,5 |
71 |
15,0 |
2.7 |
| 2,0 |
2.7 |
30,0 |
3.8 |
Selektivität - 6 / - 60 dB
| breit |
schmal |
| 3,3 / 14,8 |
1,6 / 5,8 |
Spiegelfrequenzsicherheit
61 - 20 dB
AGC-Regelbereich 80 dB
Antennen Ferritantenne, 3 Teleskopantennen
Antennenanschluß 4 mm Buchsen auf der Vorderseite
Sonstiges 4 mm Buchsen auf der Vorderseite, Peilantenne
anschließbar, Feinabstimmung +/- 3 kHz. SSB/CW mit BFO.
NF-Teil
Leistung, Sinus, 10 % THD 2.1 Watt
Frequenzgang + 3 dB 71 - 13 400 Hz
Tonblende +/- 8 dB, zusätzlich L/C-Filter 1 kHz
Störbegrenzer schaltbar
Lautsprecher 4 0hm, 9 x 15cm
Anschlüsse Lautsprecher, Kopfhörer, Tonaufnahme/-wiedergabe
Sonstiges
Stromversorgung 7 x Mono, ext. Netzteil
Leistungsaufnahme 3.2 Watt
Abmessungen 36 x 24 x 13 BHT in cm, Gewicht 8.5 kg
Zubehör Handbuch, Schaltplan
FTZ-Nummer C-Nummer
Preis ca. DM 1 000,-