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Rosetta Laboratories,St. Kilda, AustraliaTestbericht WinRadio WR - 1001i
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überarbeitet am 2.2.2003 |
Rosetta WinRadio: Everything goes...!Ein Kommunikationsempfänger als PC-Steckkarte
Die Idee einen KW-Empfänger
in Form einer PC-Steckkarte zu entwickeln ist nicht mehr
ganz neu. Die US-Firma "Comfocus" hat es schon
einmal probiert und scheiterte. Der völlige Verzicht auf
ein eigenes Empfängergehäuse ist ein unkalkulierbares
Wagnis: Ist es möglich, die Empfängerkarte gegen die HF-Störungen
im PC-Gehäuse ausreichend abzublocken? Stösst eine
solche Bauform bei der anvisierten Kundschaft überhaupt
auf Akzeptanz?
Die australische Firma Rosetta-Laboratories wagt mit "WinRadio" einen neuerlichen Vorstoss in diese kleine, vielleicht zukunftsträchtige Marktnische. In Deutschland wird die Karte für etwa 900 Mark angeboten und verspricht dafür einen lückenlosen Empfang von 500 kHz bis 1300 MHz in allen Betriebsarten. Wer würde da nicht neugierig? Schon vor dem eigentlichen Test stellt sich die Frage, welche Leistungen man eigentlich erwarten soll. Liegt der Akzent von "WinRadio" im Kurzwellenbereich oder eher im VHF-UHF-Empfang? Der deutsche Pressetext nennt das australische PC-Radio einen "Breitbandempfänger der Oberklasse" - eine Formulierung, die weiter alle Fragen offen läßt. In dieser Preisklasse finden sich Scanner, die auch Kurzwelle empfangen, doch brauchbar ist der Empfang unter 30 MHz erfahrungsgemäß nicht. Empfänger, die Kurzwelle und Ultrakurzwelle in gleichem Maße beherrschen, kosten schnell das 10-fache der Rosetta-Karte. Wenn "WinRadio" einen Kurzwellenempfang bieten würde, der normalen Kurzwellen-Höransprüchen genügt und zusätzlich den gesamten Sprechfunk auf UKW brauchbar empfangen könnte, so wäre die Ausgabe von 900 Mark für ein universell einsetzbares Zweitempfangsgerät durch fortgeschrittene Wellenreiter ebenso denkbar, wie die Anschaffung durch Einsteiger, die sich nicht entscheiden können, ob sie ihr Geld lieber in einen Kurzwellenempfänger oder einen Scanner investieren sollen. Installation Eine Steckkarte in den PC zu installieren ist auch kein Grund zur Besorgnis für weniger computererfahrene Benutzer. Die Karte ist werksseitig auf die Hexadezimaladresse 180 eingestellt. Eine gute Wahl, weil die meisten Karten der Computerperipherie ohnehin nicht im unteren Adressraum konfiguriert werden. Sollte die Adresse schon von einer anderen Karte benutzt werden, bietet die Software die Möglichkeit, aus 12 weiteren Adressen eine freie ausfindig zu machen. So wird wohl kaum ein Benutzer in die Verlegenheit kommen, Drahtbrücken (Jumper) an der Platine verändern zu müssen. Man kann also Schreckgespenster wie hexadezimale Portadressierung und unterer oder oberer Adressraum getrost vergessen. Die Karte wird einfach in einen beliebigen freien 16-Bit-Steckplatz des Rechners gesteckt. Im Testfall bot sich nur ein Steckplatz direkt unterhalb der Videokarte an. Das Weißblechgehäuse der Empfängerkarte ist nur etwa 1,5 mm von den Lötstellen des Videochips entfernt. Zur Sicherheit wurde ein Stück dünne Pappe dazwischengeschoben, denn auf die lackierte Oberfläche der Radiokartenabschirmung wollte ich mich dann doch nicht verlassen. Jedenfalls steckte der Empfänger reichlich auf Tuchfühlung mit dem S3-Videoprozessor, einem PC-Bauteil mit berüchtigtem Störpotential. Auch die Software ist schnell installiert. Die Diskette enthält eine Windows- und eine DOS-Version, und die ganze Arbeit besteht darin, ein Verzeichnis der Diskette auf die Festplatte zu kopieren (DOS), oder das Installationsprogramm für Windows zu starten. Schnell noch die Wurfantenne an den Antenneneingang und den Kopfhörer an den NF-Ausgang gesteckt, und schon kann es los gehen. Erste Gehversuche Die Bedienung unterscheidet sich eigentlich nicht von der eines normalen Empfängers, mit dem Unterschied, daß man keine Knöpfe drückt oder Regler dreht, sondern nur noch mit der Maus auf die Knöpfe und Regler zeigt, die man betätigen mochte. Jeder der einmal einen Kommunikationsempfänger bedient hat, kann sofort und ohne Eingewöhnung loslegen. Selbst die meisten erweiterten Funktionen im Bereich des Speichermanagements und der Scannerprogrammierung erschliessen sich dem sachkundigen Benutzer ohne langwieriges Studium des Handbuches. Keine Frage: In der Benutzerführung und Bedienungsfreundlichkeit belegt die Windows-Software von "WinRadio", verglichen mit den zahlreichen von mir bislang getesteten Steuerprogrammen für Kurzwellenempfänger einen Spitzenplatz . DOS-Version: Ein kleines DOS-Programm zur Empfängersteuerung ist ebenfalls mit im Lieferumfang enthalten. Es beschränkt sich auf eine kurze Bedienübersicht, die alle Tasten angibt, mit der die Grundfunktionen des Empfängers gesteuert werden können. Es handelt sich um ein reines Kommando zeilen- Programm ohne jede grafische Aufbereitung. So fehlen dem Programm auch alle Suchlauffunktionen und das gesamte Frequenzspeicher-Management. An, Aus, Lautstärke, Frequenz und Betriebsart; mehr läßt sich nicht machen. Ganz sinnlos ist die DOS-Version auch für Windows-Benützer nicht, weil auf bestimmten Frequenzen die hochauflösende Grafik der Windows-Variante - je nach Rechner und Monitor - eben doch zu Empfangsstörungen führen könnte. Manchmal lohnt sich dann die Umschaltung auf die DOS-Version um dem Empfang zu verbessern. In der getesteten Gerätekonstellation konnte kein pauschales Urteil abgegeben werden, ob der Empfang unter DOS besser war als unter Windows. Manchmal hatten die Tester zwar den Eindruck, aber die Unstetigkeit von Kurzwellensignalen und die psychologische Komponente bei den Testpersonen spielen auch eine Rolle bei der Bewertung. Kurzum: Groß war der Unterschied zwischen Empfang unter DOS und Empfang unter Windows jedenfalls nicht. Allgemeines Die Technik Man würde vielleicht erwarten, daß eine Empfängerkarte kostengünstiger herzustellen ist, weil etliche technische Ressourcen des PCs mitbenutzt werden können. Die Wahrheit ist, daß nur ein Empfängergehäuse mit ein paar Schaltern und eine Stromversorgung eingespart wird. Die Rosetta-Karte arbeitet eigentlich völlig autark. Nur die Software zur Steuerung des Empfängers benutzt Systemressourcen. So kann man die Anwendung "WinRadio" schließen und selbst Windows einfach verlassen, ohne daß der Empfänger seinen Betrieb einstellt. So modern die Empfangskarte und ihre Bedienung wirken mag, die Technik ist ganz und gar konservativ. So wird jeder Kurzwellenhörer eine umschaltbare Bandbreite für AM vermissen, wenngleich das gewählte Filter einen Kompromiß zu finden versucht. In der Betriebsart SSB fühlt man sich gar 15 Jahre zurückversetzt, muß zur Demodulation des Signals doch ein BFO bemüht werden. Kurzwelle Zu meiner Überraschung blieb das erwartete Chaos von PC-erzeugten Störungen beim Empfang aus. Wie bei vielen anderen preiswerten Kurzwellenempfängern auch, ist beim Abstimmvorgang ein klopfendes Geräusch zu hören. Bei mittleren Signalstärken ist ein derartiges Klopfgeräusch während des Empfangs weiterhin unüberhörbar, erreicht aber nie einen Pegel, der zu einer Empfangsbeinträchtigung führt. Ein paar Eigenpfeifstellen habe ich gefunden, zum Beispiel bei 15.050 kHz, einige weitere werden im Handbuch vermerkt, aber ein echtes Problem resultiert daraus nicht. Die australischen Ingenieure scheinen ihre Hausaufgaben zur PC-Störungsabwehr gewissenhaft gemacht zu haben. Bei einem nächtlichen Streifzug über das 60-Meterband stolperte ich um 22.58 über ein schwaches Signal auf 4.704 kHz. Man konnte eine männliche Stimme in portugiesisch oder spanischer Sprache hören. In der Gegend senden zwei bolivianische Stationen, die beide zu seltenen Gästen in Europa gehören. Noch bevor ich diese Beobachtung mit den Sony verifizieren konnte war um 23.00 UTC Sendeschluss. Also war es doch keine Station aus Lateinamerika, aber meine Aufmerksamkeit war geweckt. Um 23.10 Uhr konnte ich Reggae-Musik auf 4.833 kHz hören. Der Sony brachte allenfalls die Ahnung, daß dort ein Trägersignal sein könnte. Auf 5.047 kHz war Togo zu hören. Hier brachte der Sony eine deutlich bessere Verständlichkeit zustande. Am folgenden Tag wurden ganz schwache Signale auf 16- und 13 Meter gesucht, um die Grenzen der Empfindlichkeit auszuloten. Die Vermutung, die australische PC-Karte könnte ebenso empfindlich sein, wie der Sony 2001D bestätigte sich. Daran zeigt sich die Ausrichtung des Empfängers an australische Empfangsverhältnisse mit niedrigen Summenspannungen am Antenneneingang. Auf stark belegten Bandbereichen zeigte der PC-Empfänger hingegen stets seine Schwierigkeiten mit dem Signalangebot fertig zu werden. Im Endeffekt blieb der Abschwächer immer angeschaltet. Ohne Abschwächer kamen selbst stark einfallende Stationen mit einem signifikant schlechten Signal-Rauschabstand herein. Während das "Rosetta WinRadio" Brodelgeräusche mitlieferte, war die Wiedergabe auf dem Sony jeweils ruhiger und klarer. Das AM-Filter liegt in seiner Bandbreite etwa bei 3,5 kHz, trennt die Stationen also knapp ein Kilohertz später voneinander, als das schmale Filter des Sony. Insgesamt ein guter Kompromiss zwischen Klang und Trennschärfe. Allerdings war es mit der Weitabselektion nicht so gut bestellt. Auf freiem Feld tauchten Stationen 10 kHz oberhalb und unterhalb der Nominalfrequenz nochmal auf und warfen ein schlechtes Licht auf die gut gemeinte Filterwahl Der SSB-Empfang in den Amateurfunkbereichen verlief -erwartungsgemäß - enttäuschend. Die Wiedergabe der Phoniesignale war einfach schlecht. Das geht zum Teil auf das Konto der mangelnden oder (wahrscheinlich) fehlenden Vorselektion. Rosettas-PC-Empfänger bringt einfach keine Ruhe in das Signalangebot. Auch die 1 kHz - Abstimmschritte sind hinderlich. In allen Lebenslagen musste das schlechte Signal-Rauschverhältnis des PC- Empfängers moniert werden. Schwierige Antennenwahl VHF-UHF-Empfang Im OIRT-Band waren einige schwache Signale auszumachen, wobei es sich aber um Geisterstationen handelte. Auf 6-Meter wurden Versuche mit einer HB9CV für 2-Meter ohne Erfolg durchgeführt. Selbst die Relaisstationen auf 2-Meter kamen nur schlecht und verrauscht. Ähnlich enttäuschend die Ergebnisse im Flugfunkbereich. Wo der "Commtel-Scanner" den Tower und ATIS aus Köln, Düsseldorf und Dortmund mit guter Verständlichkeit bringt, ist mit dem "WinRadio" trotz geeigneter Antennen nur Rauschen zu hören. Im BOS-Bereich (4m) mit einer Motorola-Stabantenne kamen die umliegenden Funkkreise zwar ausreichend verständlich, aber stets durch ein kräftiges Rauschen begleitet. Ob nun 6-, 4-, 2-Meter, oder 70- und 23-cm, die aufspürbaren Signale kamen immer lustlos, verrauscht und mit muffigen Klang aus dem Kopfhörer. Die Rauschsperre kann auf
allen Frequenzen und in allen Betriebsarten aktiviert
werden. Die Squelch- Abfallzeit läßt sich auf 0,1
Sekunde genau einstellen. Die Rauschsperre, hauptsächlich
in der Betriebsart FM genutzt, öffnet ausreichend
schnell und hinterlässt beim Schliessen keine Knack-
oder Ploppgeräusche. Die Suchlauffunktionen sind vielfältig
und umfassen das Abtasten zwischen beliebig definierbaren
Frequenzgrenzen. Der Nutzer kann bestimmen, ob bei einem
gefundenen Signal der Suchvorgang ganz gestoppt werden
soll, oder nur für eine bestimmte Zeit angehalten wird.
Auch frei einstellbar ist die Zeitspanne, die nach dem
Abfall eines Signals verstreichen soll, bis der Suchlauf
wieder startet (Delay). Erwähnenswert auch die "Auto-Write-Funktion".
Alle während eines Suchlaufs aktiv angetroffenen
Frequenzen können auf einer Speicherbank abgelegt werden.
Das bringt uns unmittelbar zum Speichermanagement: 1000
Frequenzen können mit Betriebsart gespeichert werden.
Beim manuellen Speichern von Frequenzen läßt sich neben
Frequenz und Betriebsart auch optional ein Rufzeichen
oder ein Stationsname eingeben. Unter "Memory-Recall"
eröffnet sich später ein Menü, in dem alle
gespeicherten Informationen eingesehen werden können. Um
bei 1000 Speichern die Übersicht zu behalten, können
die Speicher bestimmten Kanalgruppen zugeordnet werden.
So wird man in einer Gruppe Rundfunksender ablegen und in
einer anderen vielleicht Maritime-Stationen. Eine
Suchfunktion erlaubt den schnellen Zugriff auf die
gespeicherte Information. Nach der Eingabe PCH erscheinen
nur die Frequenzen von Scheveningen-Radio in der Auswahl,
oder nach Eingabe des Suchbegriffs "DER" nur
alle gespeicherten Frequenzen der Deutschen Welle. Ein
besonderer Leckerbissen ist die "Split-Frequency-Ablage",
die dazu dienen könnte bei Duplex-Verbindungen schnell
zwischen beiden Operationsfrequenzen hin und her zu
schalten. Eine schöne Idee, von der man angesichts der
Empfangsleistungen wohl nur selten Gebrauch machen wird. Fazit © M. Gonszolsky, kurier 11 / 1996 |
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