Als Grundig vor rund zweieinhalb Jahren den Satellit 600 auf den Markt brachte,
brach das Haus mit seinem traditionellem Konzept des
Trommeltuners. Der Mikroprozessor hielt Einzug in die
erfolgreiche Empfängerserie. Mit dem Nachfolgemodell 650
wird nun der bewährte Weg der Modellpflege fortgesetzt.
Im äußeren Erscheinungsbild fällt die Neugestaltung
des Tastenfeldes auf: Farbkodierung, zusätzliche
Beschriftung und die Aufgliederung in Funktionsgruppen
sollen die Bedienung erleichtern. Neu ist auch die Buchse
zum Anschluß einer LW-Peilantenne. Ansonsten wurde die
technische Ausstattung beibehalten .
Die Schaltung des KW-Teils
Der Satellit 650 weist ein modernes Empfängerkonzept
auf nach dem Prinzip der Aufwärtsmischung (Up-Conversion).
Die erste Zwischenfrequenz beträgt 54,5 MHz, wodurch
erreicht wird, daß Spiegelfrequenzen weit außerhalb des
Empfangsbereichs von 1,6 bis 30 MHz liegen und damit
nicht in Erscheinung treten können.
Zur Erhöhung der Großsignalfestigkeit
durchläuft das Empfangssignal eine aufwendig ausgelegte
Vorselektion bestehend aus zwei abstimmbaren
Resonanzkreisen, die von Hand oder durch einen
Mikroprozessor gesteuerten Motor eingestellt werden
ein für diese Geräteklasse sicherlich außergewöhnliches
Merkmal. Die nötige Empfindlichkeit wird durch eine in
die Vorselektion eingebettete HF-Verstärkerstufe erzielt.
Interessantes Detail am Rande: Bei Benützung der
eingebauten Teleskopantenne ist der Eingang durch eine
Glimmlampe gegen Überspannungen geschützt, was vor
allem beim Betrieb auf Schiffen in unmittelbarer Nähe
eines Senders von Bedeutung ist.
In den beiden Mischern wird der bewährte integrierte
Schaltkreis SO 42 P eingesetzt. Das Oszillatorsignal des
ersten Mischers stammt vom digitalen Frequenzsynthesizer,
das des zweiten Mischers von einem Quarzoszillator. Die
erste Zwischenfrequenz ist mit zwei Quarzfiltern bestückt.
Auf der zweiten Zwischenfrequenz von 450 kHz findet in
Bandbreitenstellung "Schmal" ein keramisches
Filter Verwendung, das in Stellung "Breit" überbrückt
wird. In der Stellung "Superbreit" wird bloß
die Bandbreite des NF-Verstärkers erweitert. In allen
drei Positionen ist ein Interferenzfilter wirksam, das
der jeweiligen HF-Bandbreite angepaßt ist.
Bei SSB-Empfang werden zusätzlich separate dreistufige
Keramikfilter für LSB und USB verwendet, wodurch das
Umschalten zwischen unterem und oberem Seitenband bei
gleichbleibender Empfangsfrequenz ermöglicht wird (ECSS-Betrieb).
Die Feineinstellung der BFO-Frequenz erfolgt durch eine
Variometerspule, was sich bei Betrieb auf Schiffen
positiv auf die Stabilität des SSB-Empfangs auswirken dürfte.
Alles in allem weist der Satellit 650 eine
fortschrittliche Signalaufbereitung auf mit zahlreichen
Schaltungsprinzipien, die man sonst nur bei wesentlich
teureren professionellen Empfängern antrifft .
Die Handhabung des Empfängers
Aufgrund der Tatsache, daß gegenüber dem Vorgängermodell
kaum Veränderungen eingetreten sind, möchte ich dem
Leser eine erschöpfende Aufzählung aller
Bedienungselemente ersparen und mich auf die während des
mehr als sechswöchigen Testbetriebs gewonnenen Eindrücke
beschränken.
Die Front ist übersichtlich
gestaltet, die Anordnung der Bedienungselemente erweist
sich als zweckmäßig und vor allem nicht zu eng: Ein
Vorteil der doch recht großen äußeren Abmessungen des
Geräts. Gewöhnungsbedürftig erscheint mir der
Netzschalter. Entgegen der üblichen Konvention ist er
zum Einschalten nach unten zu kippen.
Das in Funktionsgruppen unterteilte Tastenfeld ist
ausreichend beschriftet, so daß dessen Bedienung auch
ohne stundenlangem Studium der Betriebsanleitung gelingt,
was man heutzutage nicht von jedem Gerät behaupten kann.
Die Eingabe der Daten ist einfach zu bewerkstelligen. Für
jeden Programmiervorgang stehen 30 Sekunden zur Verfügung,
was sich in der Praxis als mehr als ausreichend erwiesen
hat.
Positiv fällt auf, daß die Mikroprozessorsteuerung mit
genügend Intelligenz ausgestattet wurde, um
verschiedenartige Eingabeformate zu erkennen. Man kann
die Frequenz in kHz oder MHz, mit Null vor dem
Dezimalpunkt oder ohne Endnullen hinter dem Dezimalpunkt
usw. eingeben. Vermißt habe ich die Möglichkeit eines
Scan-Betriebs der 32 Speicherkanäle. Dieser ist aufgrund
der mechanisch abgestimmten Vorselektion auch kaum
technisch zu realisieren, weil diese ja ständig
mitgezogen werden müßte. Für die Praxis wäre eine Art
von "elektronischem Notizbuch" sehr nützlich,
welches ein "Durchblättern" der Speicherkanäle
auf dem Display gestattet, ohne daß die gerade
eingestellte Empfangsfrequenz verändert wird. Dadurch könnte
man sich das Anlegen eines schriftlichen
Speicherverzeichnisses ersparen. Ferner konnte die
Handabstimmung mit dem magnetisch rastenden Drehknopf
nicht ganz befriedigen. Daß beim schnellen Drehen das
Gerät stumm schaltet, mag zwar einen erzieherischen Wert
haben, erweist sich aber für den geübten Hörer als
Nachteil, weil ein rasches Absuchen des Bandes dadurch
unterbunden wird. Ebenso erfordert ein rascher
Frequenzwechsel sehr viel Fingerspitzengefühl, da sich
die Abstimmschritte entsprechend der Drehgeschwindigkeit
von I kHz auf 11 kHz bzw. 111 kHz vergrößern, und man
benötigt einiges Training zum richtigen Dosieren.
Bei SSB-Betrieb machte sich die 1 kHz-Rastung vor allem
auf den Amateurfunkbändern unangenehm bemerkbar. Die
Schrittweite ist zu groß und die Feinabstimmung des BFOs
ist kein taugliches Mittel, um einen komfortablen
Suchbetrieb zu ermöglichen.
Ganz hervorragend funktioniert allerdings die Motorabstimmung der
Vorselektion. Die Mikroprozessorsteuerung arbeitet äußerst
präzise, und ein manuelles Nachstimmen ist auf den höheren
Frequenzen überhaupt nicht notwendig. Auf den
niedrigeren Frequenzen werden aufgrund der physikalisch
bedingten höheren Trennschärfe der Resonanzkreise größere
Anforderungen an die Treffsicherheit der Automatik
gestellt. Ein geringfügiges Nachstimmen führt bisweilen
zu kleinen Signalstärkeverbesserungen, die in der Praxis
aber nicht von nennenswerter Bedeutung sind.
Die Empfangsleistung im Praxisbetrieb
Der Satellit 650 verfügt über eine sauber angepaßte
eingebaute Teleskopantenne, mit der sich gute
Empfangsergebnisse erzielen lassen. Während des
Testbetriebs zeigte es sich, daß beim KW-Rundfunkempfang
eine etwa 4 Meter hohe, außen montierte Vertikalantenne
(Amateurfunk-Groundplane) in vielen Situationen nur
unerhebliche Verbesserungen der Signalstärke brachte.
Dank der aufwendigen Vorselektion konnten bei Empfang mit
der Teleskopantenne keinerlei Intermodulationsstörungen
festgestellt werden. Die Grenzen der Großsignalfestigkeit
wurden beim Empfang auf dem 13-m-Band mit der im
benachbarten Amateurband resonanten Außenantenne
erreicht. Das gesamte Band war nahezu zugestopft und nur
ein Umschalten auf die Teleskopantenne konnte Abhilfe
schaffen. Hierbei fiel auf, daß auch bei abgeschalteter,
aber angeschlossener Außenantenne ein Teil der Energie
vermutlich über den Schalter an den Eingang
durchgekoppelt wird. Möchte man ausschließlich mit der
Teleskopantenne empfangen, muß man die Außenantenne ab
klemmen.
Die dreifach umschaltbare Bandbreite ist für
Rundfunkempfang ausreichend, um Stationen im 5-kHz-Raster
sauber zu trennen, und ermöglicht auch den genußvollen
Empfang von Musiksendungen starker Sender. Dabei kommt
natürlich auch die für Grundig typische hohe Qualität
des NF-Verstärkers zum Tragen.
Für SSB-Empfang sind die Filter zu breit, um auch auf
den stark belegten Amateurfunkbändern schwache Stationen
empfangen zu können. Überhaupt hat der SSB-Teil trotz
des schaltungs- technisch nicht unerheblichen Aufwands in
der Praxis eher den Charakter einer Behelfslösung.
Unerwartet gut arbeitet der Störbegrenzer, der pulsförmige
Störungen nicht sehr hoher Frequenz recht ordentlich
unterdrückt und auch als Mittel gegen die sehr starken
Umschaltknackse beim Bedienen des Betriebsartenschalters
hilfreich ist.
Die Empfindlichkeit des Empfängers ist ausreichend und für
den Betrieb mit der eingebauten Teleskopantenne richtig
dimensioniert. Bei Verwendung größerer Außenantennen
wird in manchen Fällen ein Abschwächer zweckmäßig
sein.
Bei SSB-Empfang erfährt das Signal vermutlich bedingt
durch das zusätzliche Seitenbandfilter eine nicht
unerhebliche Dämpfung, was besonders beim Umschalten von
AM auf LSB bzw. USB (ECSS-Beteieb) unangenehm auffällt.
Wenn auch im Mittelpunkt dieses Berichts die KW stehen sollte, möchte ich doch
die hervorragende UKW-Empfangsleistung nicht unerwähnt
lassen, die in Verbindung mit einem 30-W-Verstärker und
dem Zweilautsprechersystem ein unverkennbares Merkmal des
Satellit darstellt.
Fazit
Der Satellit 650 ist nicht das, was sich ein Top-DXer
unter einem "heissen Eisen" vorstellt, kann
aber sicher jeden zufriedenstellen, der internationale
Rundfunkprogramme mitverfolgen möchte, ohne auf
Tonqualität verzichten zu wollen. Ein weiterer
Einsatzbereich, auf den der Satellit zugeschnitten ist,
findet sich im einseitigen Seefunk - Dienst (von der
Deutschen Bundespost dafür zugelassen), dessen
Anforderungen der SSB-Teil ohne weiteres erfüllt. Ganz
bestimmt liegen die Stärken dieses Empfängers nicht im
Suchbetrieb auf den Amateurfunkbändern.
Zweifellos am besten aufgehoben ist der Satellit 650 in
den Händen eines Programmhörers, der ausgerüstet
mit Hörfahrplan und WRTH sich via Tipptasten akustischen
Zugang zum Weltgeschehen verschafft.
Technische Einzelheiten:
Doppel - Überlagerungsempfänger für die AM -
Bereiche (LW, MW, KW)
Ausgangsleistung: 30 W
Wellenbereiche: FM 87,5 - 108 MHz
SW 1600 - 26 100 kHz (Satellit professional 650)
SW 1600 - 30 000 kHz (Satellit international 650)
MW 510 - 1620 kHz
LW 148 - 420 kHz
Abstimmschritte: langsam: AM: 1 kHz - Schritte, FM: 10 Khz - Schritte
schnell: LW 3 kHz- / MW 5 kHz- / SW 11 bis 111 kHz - Schritte / FM 110 kHz - Schritte
Antennen: Ferritstab für LW / MW (150 - 1620 kHz)
Teleskopantenne für KW (1440 mm) und UKW (810 mm)
Anschluss für Aussenantenne für KW / UKW (75 Ohm
koaxial), Anschluss für LW - Peilantenne
Anschlüsse für: Netzkabel mit Batterieumschalter, 10 - 16 Volt =,
Stereokopfhörer mit 6,3 mm Stecker, Aussenlautsprecher 4
Ohm, Tonbandaufnahme (7 Pol), Aussenantenne (75 Ohm)
Gewicht: 8.5 kg ohne Batterien
Abmessungen (B x H x T) 504 x 242 x 202 mm inkl. Bügel