Wenn man den Lowe HF 150 zum ersten Mal gesehen hat, fragt man sich, wo man
dieses kleine Gerät denn einordnen soll. Etwa als
Reiseradio - oder als Stationsempfänger oder als
Spielzeug für James und seine Freunde ? Dieser
Praxisbericht soll hier eine kleine Hilfe sein. Lowe hat
sich ja mit seinen Empfängern HF 125, HF 225 und HF 235
(die etwas verbesserte 19 Zoll Version des HF 225) einen
guten Namen bei Amateurfunkern und Kurzwellenhörern
gemacht, auch wenn mancher englischen Produkten mißtrauen
mag. Stets hat man einen guten Gegenwert für sein Geld
erhalten, auch wenn Werbung und Design der Empfänger
gegenüber einigen japanischen Anbietern sehr zurückhaltend
waren. Und wer es nicht weiß: Lowe ist Kenwood - Haupthändler
in Großbritannien und dort auch für Reparatur und
Service zuständig.
Als erstes fällt das ungewöhnlich kompromißlose Äußere
des nur 18,5 cm breiten und 8 cm hohen und mit Batterien
1,5 kg schweren Metallgerätes auf. Auf der Frontseite
werden hier mit dem Hauptabstimmknopf, drei kleinen
Tasten und einen kombinierten EIN - AUS / Lautstärkeregler
alle Funktionen geschaltet Der Empfänger überstreicht
durchgehend einen Bereich von 30 kHz bis 30 MHz mit den
Bandbreiten 7 und 2,5 kHz in den Betriebsarten AM, AM mit
Synchrondemodulator, LSB und USB. Es kann sowohl am Netz
mit dem mitgelieferten 12 V Netzgerät betrieben werden (falls
nicht, wie bei unserem Testgerät, ein englischer
Netzstecker montiert ist), als auch mit 8 Mignonzellen,
die an der Rückseite des Empfängers in zwei Batteriefächern
untergebracht werden können. Es lassen sich 60 Stationen
inkl. der Betriebsart speichern und über den
Hauptabstimmknopf wieder abrufen. Es stehen zwei
Antennenanschlüsse zur Verfügung, entweder über eine
PL 259 Buchse für niederohmige Antennen oder über eine
Klemmbuchse für hochohmige Drahtantennen. Des weiteren
kann für kurze Draht- oder Teleskopantennen ein
eingebauter Verstärker benutzt werden.
Der Empfänger kann mit ausgezeichneten technischen Daten
aufwarten, die sich fast mit denen des Drake R8
vergleichen lassen (siehe wwh 9/91). Der Empfänger mit
einer ersten ZF von 45 MHz und einer zweiten ZF von 455
kHz kann mit Empfindlichkeitswerten bei AM von 10 dB und
einer Modulation von 70 % von kleiner als 1 uV, bei
eingeschaltetem Antennenverstärker mit einem Wert von
kleiner als 0,3 uV aufwarten! Der Intercept-Point 3.
Ordnung liegt bei +3dBm (20 kHz).
Doch nun zur Praxis. Wenn man den Empfänger einschaltet erscheint auf dem Display
die zuletzt eingestellte Frequenz. Sonst nichts. Hier
erkennt man gleich den kompromißlosen Weg zum reinen
Empfänger, der nicht viel mit neuen Radios aus dem Hause
Sony oder Grundig gemeinsam hat. Hat man bei diesen Empfängern
versucht den Hörer mit viel Bedienungskomfort das
Einstellen der gewünschten Station zu erleichtern, sieht
man hier den umgekehrten, für viele DXer aber sicher
nicht falschen Weg einer "einfachen"
Frequenzeinstellung. Wenn man nun die Frequenz ändern möchte,
drückt man die "FAST" Taste kurz und der
Hauptabstimmknopf ändert die Frequenz in 100 kHz
Schritten. Drückt man wiederum diese "FAST"
Taste, läßt sich die Frequenz langsam verstellen; Bei
AM-Empfang wird dann mit einer Umdrehung die Frequenz um
8 kHz verändert, in SSB und mit dem AM
Synchrondemodulator ändert sich die Frequenz nur um 1kHz
pro Umdrehung. Nun haben wir die genaue Frequenz
eingestellt und wollen die Filterbandbreite oder die
Betriebsart ändern. Dies geschieht auf ähnlichem Weg
mit der "MODE" Taste. Drückt man diese Taste,
ist der HF 150 in einen anderen Modus geschaltet. Nun
lassen sich mit den beiden Tasten "MEM" und
"FAST" folgende Betriebsarten einstellen, die
auch in dieser Reihenfolge geschaltet und statt der
Frequenz am Display angezeigt werden:
für SSB:
Lsb für das untere Seitenband; 2,5 kHz
Usb für das obere Seitenband; 2,5 kHz
für AM:
A für AM; 7 kHz
An für AM; 2,5 kHz
für AM mit Synchrondemodulator:
ASCH empfängt beide Seitenbänder; 7 kHz
ASf empfängt beide Seitenbänder, mit größerem
Frequenzumfang; 7 kHz
ASL empfängt nur das untere Seitenband; 2,5 kHz
Asu empfängt nur das obere Seitenband: 2,5 kHz
Diese Betriebsarten lassen
sich mit der "FAST" Taste in eine Richtung
durchlaufen, und mit " MEM" in die
entgegengesetzte Richtung. Somit kann man ohne viele
Umwege zwischen einzelnen Betriebsarten wechseln und sich
für die gegenwärtige Empfangssituation die beste Lösung
suchen. Diese Art der Betriebsarteneinstellung wurde
praxisnäher gelöst als bei einigen neuen Empfängern höherer
Preisklassen, deren Funktionen sich nur in einer Richtung
durchlaufen lassen, womit man wohl außer den Entwicklern
solcher Geräte kaum jemand eine Freude gemacht hat.
Kommen wir endlich zum reinen Empfangsbetrieb, und der
ist eine wirkliche Freude. Wir haben den HF 150 zuerst
mit einem Sony ICF 2001 D verglichen, der ja leistungsmäßig
das obere Ende tragbarer Hobby-Geräte darstellt und auch
mit einem Synchrondemodulator ausgerüstet ist. Als
erstes haben wir an beide Geräte ein ca. 7 m langer
Draht mit Umschalter zum direkten Vergleich angeschlossen.
Hier lieferten beide Geräte ungefähr gleich starke
Signale. Radio Australia via Carnarvon auf 17670 war
gegen 06.30 mit bei den Empfängern gut zu hören, das S-Meter
des Sony zeigte ca. S7. Nun wechselte ich auf 17750, um
die Parallelausstrahlung des englischen Programmes aus
Carnarvon zu hören, und hier war durch die Störung von
Radio Moskau auf 17745 der Empfang schon wesentlich
schwieriger. Jedoch konnte mit beiden Empfängern das
ungestörtere obere Seitenband im SYNCH-Modus ausgewählt
und weiterhin das Programm verfolgt werden. Nachdem ich
mehrere stärkere Stationen auf beiden Geräten in ungefähr
gleicher Qualität wiedergeben konnte, sollten leise
Signale hier einen besseren Vergleich ermöglichen. Auf
der bekannten 15170,9 kHz war schnell RFO aus Tahiti
eingestellt, und am HF 150 mit sehr schwachem Signal zu hören.
Am Sony war die Station fast nur mehr zu ahnen. Wurde das
Signal dank des eingebauten Antennenverstärkers am HF
150 noch spürbar besser, gab es am Sony nicht mehr viel
zu verbessern, außer die Antenne zu verlängern um
vielleicht so etwas mehr Signal an den Empfänger zu
liefern. Doch hier trennten sich nun die Wege der beiden
Empfänger. Mit der nun angeschlossenen 20 m langen
Dipolantenne war am Sony nicht brauchbares mehr zu hören,
dafür ist dieses Gerät wohl doch nicht ausgelegt. Doch
am HF 150 war mit ausgeschaltetem Antennenverstärker
weiterhin klar das Musikprogramm aus Tahiti zu hören.
So habe ich daraufhin als Vergleichsgerät den fast
dreimal so teuren NRD 525 verwendet und wurde hier einige
Male sehr überrascht. Sicher, der Lowe 150 ist von
seiner Ausstattung und vom Konzept her nicht mit dem NRD
525 zu vergleichen, doch einen gewissen Reiz hatte die
Sache schon: ist der NRD 525 ein bei vielen Hobbyfreunden
beliebtes "High-End"-Gerät für den täglichen
DX-Bedarf, so könnte doch der HF 150 dasselbe für
unterwegs sein?
Hier konnte nun der HF 150 bei leiseren Signalen wie dem
aus Tallinn auf 5925 nachmittags einen gleich guten
Empfang wie der NRD 525 liefern, was sich bei anderen
Vergleichen ähnlich verhielt. Bei stärkeren
Interferenzstörungen, wie z.B. auf 7370 kHz nachmittags
bei Radio Ala aus St. Petersburg, waren Notchfilter und
Paßband-Tuning natürlich große Helfer beim NRD 525,
aber auch mit dem Synchrondemodulator blieb der HF 150
nicht weit zurück, wenn auch der NRD 525 einen volleren
Klang bei gestörten Signalen anbietet.
Abends habe ich dann versucht, im Tropenband einige nicht
alltägliche Stationen am HF 150 zu empfangen. Hier hörte
ich um 17.30 UTC Azad Kashmir Radio auf 4790 kHz mit
leisem, aber ungestörtem Signal - bis um 17.40 TWR
Swaziland mit dem bekannten Glockenzeichen auf der
gleichen QRG zu senden begann. Nun habe ich mit dem
Synchrondemodulator beide Signale zu trennen versucht, um
die englische Stationsansage zu Sendebeginn brauchbar hören
zu können. Und das gelang mitdem HF 150! Der NRD 525
lieferte mit auch in USB oder LSB keine klare Trennung
der beiden Signale. Alle anderen bekannten Sender, die
ich im Tropenband hörte, wie Mali, Benin, oder auch der
reaktivierte Sender aus Tansania auf 5050 waren in ungefähr
gleicher Qualität zu hören. Bei den schwächeren
Signalen im 90-m-Band konnte z.B. Malawi auf 2280 nicht
so gut wie am NRD 525 empfangen werden, doch für einen
Empfangsbericht hätte auch dieses Signal gereicht. Beim
Sony ICF 2001 D war hier so gut wie kein Signal
nachzuweisen. Dieser Vergleich mit dem fast dreimal so
teuren NRD 525 von JRC soll aber hier enden, da er von
der ganzen Konzeption des NRD 525 sicher zum Nachteil des
neuen Lowe ausfallen muß.
Doch weiter mit der Empfangspraxis. Eine besondere
Einstellung beim AM-Empfang sind die Betriebsarten "ASCH"
und "Asf. Bei "ASCH" Betrieb ist der
Synchrondemodulator eingeschaltet und das empfangene
Signal auf beiden Seitenbändern (DSB) wiedergegeben.
Hiermit läßt sich selektives Fading, das von einem
nicht gleichmäßigen Träger einer AM Sendung stammt und
im normalen Empfang verzerrt wird, durch den
eigenerzeugten und daher sehr stabilen Träger ersetzen
und mit besserer Qualität als mit einem Seitenband
wiedergeben. Die besten Beispiele fand ich dazu tagsüber
im 13 m Rundfunkband. Hier konnte ich z. B. All India
Radio auf 21735 kHz mit dem Englischdienst in wesentlich
besserer Qualität als in AM empfangen. Um den Empfang
von ungestörten Sendungen noch zu verbessern kann man
die "Asf Einstellung wählen. Diese wird im
ausführlichen 30seitigen (englischen) Handbuch als
"HiFi-Mode" bezeichnet. In der Tat bietet diese
Einstellung durch einen größeren Audio-Frequenzbereich
eine noch klarere Wiedergabe, allerdings nur bei ungestörten
Sendungen, da hier ja das 7 kHz Filter zum Einsatz kommt.
Der HF 150 lieferte auch im Mittelwellenbereich mit
wenigen Metern Draht gute Ergebnisse, die sich von der
Feldstärke am Grundig Satellit 650 mit der eingebauten
Ferritantenne messen lassen. Im Langwellenbereich konnte
ich am Freitag Abend das ausgezeichnete DX-Programm von
DS Kultur auf 177 kHz und am Morgen Atlantic 252 in der
gleichen Qualität wie am Satellit hören.
Nun versuchte ich noch im 15 m Amateurfunkband einige
Stationen zu hören. Hier fällt der langsame
Abstimmschritt von 1kHz pro Umdrehung negativ auf. Beim
Feinabstimmen zwischen zwei Amateurfunkern gefällt zwar
die langsame Schrittweite, aber um 100 kHz zu überbrücken,
muß man entweder zwischen dem Fast- und Normalmodus hin-
und herschalten, sich als Zubehör die Eingabetastatur
kaufen, oder lange, lange kurbeln. Die Signale der
Amateurfunker in USB waren in brauchbarer Qualität
aufzunehmen, beim Empfang von Morsesignalen wird man aber
bedingt durch das 2,5 kHz Filter die Grenzen des Lowe
erreichen. Negativ fiel auch die schlechte Bedienbarkeit
des Abstimmknopfes auf; hier sollte man sich in England
noch etwas einfallen lassen. Des weiteren wäre eine
wenigstens kurzzeitige Möglichkeit der Beleuchtung des
Displays wünschenswert, da viele Hörer wohl nicht nur
bei Tage Radio hören ...
Abschließen noch ein Blick auf das angebotene Zubehör.
Hier fällt der Tragriemen, der gleichzeitig die
Portabelantenne ist, auf. Dieser "Antennenriemen"
wird gemeinsam mit Akkusatz, einer 1,2 m langen
Teleskopantenne und einem Tragegriff unter der
Bezeichnung AK 150 angeboten. Des weiteren wird die
Tastatur des HF 225 auch für den HF 150 mit der
Bezeichnung HF 150 mit der Bezeichnung KPAD-1 angeboten.
Ein externer Lautsprecher vervollständigt das Zubehörangebot.
Fazit
Wenn ich nun nach diesem kurzen Test den neuen Lowe
HF 150 bewerten soll, muß man sich zuerst fragen: Was
will ich damit hören? Für den reinen Programmhörer
gibt es heute sicher Radios, die einfacher zu bedienen
sind und auch im Tropenbandbereich brauchbare Ergebnisse
liefern. Wenn man jedoch als ernsthafter Dxer einen
kleinen portablen Empfänger sucht, den man vielleicht
auch mit einem zusätzlichen Notchfilter an einer guten
Antenne als Stationsempfänger betreiben will, dann kommt
man spätestens nach einem Blick in die Preisliste nicht
mehr um dieses innovative Gerät herum.
© Christoph Ratzer, wwh 6 / 1992
Technische Daten
Frequenzbereich: 30 kHz - 30 MHz
Betriebsarten: AM, AM-Synchron, DSB, LSB, USB
Empfindlichkeit: AM (10 dB S+N/N) moduliert auf 70 %
Tiefe bei 1 kHz
kleiner 2 uV (50 kHz - 500 kHz)
kleiner 1 uV (500 kHz - 30 MHz)
mit Antennenverstärker: kleiner 0,3 uV (500 kHz - 30 MHz)
Empfindlichkeit: SSB ( 10 dB S+N/N) unmoduliert
kleiner 1 uV (50 kHz - 500 kHz)
kleiner 0,5 uV (500 kHz - 30 MHz)
mit Antennenverstärker: kleiner 0,2 uV (500 kHz - 30 MHz)
Spiegelfrequenzunterdrückung: größer 65 dB
Dynamikbereich: 87 dB (bei 20 kHz)
IP3 Intercept Point: +4dBm (bei 20 kHz)
1. ZF: 45 MHz, 2. ZF: 455 kHz
Ausgänge: Lautsprecher 2,0 W, 4 Ohm, Rekorder 150 - 200
mV, 5 kOhm
Strombedarf: 12 V DC, 130 - 300 mA, 220/240 V AC über
Netzgerät
Gewicht: 1,3 kg, 1,5 kg mit Batterien
Abmessungen 185 x 80 x 175 mm
Preis: ca. 1.050,- DM, ca. 8.200 öS
d: Ein neuer Empfänger: LOWE HF 150, Jürgen Semmler / tth, wwh 6 / 92
d: Lowe HF-150, Joachim Salisch, kurier 15 / 92
d: Der letzte seiner Art ? Lowe HF-150
Europa, Harald Kuhl, kurier 8/99
d: Modifikation Lowe HF-150, Mehr
Komfort für ein DX-Gerät, Thomas Adam /tte, wwh
e: Lowe HF-150, Radio Netherlands, Receiver
Shopping List
e: two British Boxes - Lowe's HF-225
& HF-150 receivers, Elton Byington, N2KXT, fine tuning's
proceedings