Seit längerer Zeit auf der Suche nach einem Zweitempfänger stiess ich
in der aktuellen Angebotsliste der Firma Helmut Singer
auf den RACAL RA-1217. Nach Studium des angeforderten
Datenblattes wollte ich es nun genau wissen und bestellte
das Gerät zum Preis von DM 995 in überholtem, voll
betriebsbereitem Zustand. Der Empfänger wurde damals
ausserdem noch ungeprüft für DM 495 sowie
teilausgeschlachtet als Ersatzteilträger für DM 199
angeboten. Den Erwerb eines ungeprüften Exemplares würde
ich jedoch nur einem sehr erfahrenen Radiobastler mit
entsprechender Werkstattausrüstung (unter anderem HF-Meßplatz)
empfehlen. Die Bedienungsanleitung (in Englisch - was
sonst) ist im Preis enthalten; eine Kopie des Service
Manuals wird gegen einen Aufpreis von DM 35 mitgeliefert.
Dieses sollte man auf jeden Fall mitbestellen, egal in
welchem Zustand man den Empfänger erwirbt und auch unabhängig
davon, ob man selbst in der Lage ist, Reparaturen
qualifiziert durchzuführen.
Allgemeines
Der Empfänger wurde von dem britischen Hersteller RACAL
vor rund dreissig Jahren als volltransistorisierter
Nachfolger der Empfängerserie RA-117 entwickelt. Zunächst
kam er in einem Tischgehäuse unter der Bezeichnung RA-217
auf den Markt und wurde dann als 19-Zoll-Version mit
identischer Technik zum RA-1217 weiterentwickelt. Ferner
gab es für die USA noch das Modell RA-6217 im gleichen
Format, jedoch mit einer anderes eingefärbten
Frontplatte und anderen Knöpfen für die
Frequenzabstimmung. Ausserdem kann je nach ursprünglichem
Anwenderwunsch die Filterbestückung variieren. Von der
Version 6217 ist ein Testbericht von Nils Schiffhauer in
seinem Buch "Oldie-Kurzwellenempfänger"
erschienen.
Das 19-Zoll-Gehäuse hat
die Abmessungen (BxHxT) 482 x 89 x 420 mm und wiegt laut
Herstellerangaben 14,2 kg. Dies scheint jedoch nur der
Mindestwert zu sein, denn mein Exemplar ist deutlich
schwerer (geschätzt 18 bis 19 Kilo; mangels passender
Waage keine genauere Angabe möglich). Zu der Tiefe des
Gerätes muß man für die Netzzuleitung, welche mit
einem speziellen Steckverbinder ausgerüstet ist, noch
einmal ca. 10 cm Raum im Shack einkalkulieren. Für die
Abwärme hingegen ist kein zusätzliches Volumen
erforderlich, da das Gerät sowieso keine Lüftungsschlitze
besitzt, sondern rundherum geschlossen ist. Es erwärmt
sich auch während stundenlangem Betrieb nicht, was auf
eine großzügige Dimensionierung des Netzteiles schließen
läßt, wie dies bei kommerzieller Technik üblich ist
bzw. üblich war. Das Gewicht des Empfängers erfordert
auch eine stabile Montage, z.B. mit Haltebügeln aus
Stahlband.
Technik
Im RA-1217 wird durch Verwendung des sogenannten Wadley-Loop
ein durchgehender Empfangsbereich von 1 bis 30 MHz
erreicht, welcher auf einer mechanisch-digitalen Anzeige
dargestellt wird. Die Ablesegenauigkeit beträgt ca. 200
Hertz Das System des Wadley-Loop (erfunden von Dr. T.L.
Wadley) beruht darauf, von einem stabilen Mutter-Oszillator
einzelne, jeweils 1 MHz breite Frequenzbereiche
abzuleiten, welche dann mit einem VFO linear abgestimmt
werden können. Auf diese Weise ist die Ablesegenauigkeit
(und damit die Chance, einen Sender korrekt einzustellen)
in den hohen Frequenzbereichen genau so gut wie z.B. im
Tropenband. Ein Eichmarkengeber erzeugt auf Wunsch alle
100 kHz ein Signal, anhand dessen die Skala geeicht
werden kann.
Eingeschaltet wird das Gerät
mit einem in der linken Hälfte der Frontplatte gelegenen
Drehschalter mit 7 Stellungen (Aus / Manuelle HF-Verstärkung
/ AGC kurz / AGC mittel / AGC lang / kalibrieren). Das
Einstellen einer Frequenz ist ausgesprochen einfach und
sollte einigen Konstrukteuren moderner Empfänger zu
denken geben. Mit dem links der Anzeige gelegenen Knopf
wird der Frequenzbereich angewählt und dann mit dem
rechten Knopf das Band "durchgekurbelt".
Erreicht man das untere Bandende, so erscheint in der
Frequenzanzeige ein Minuszeichen und man kann noch ca. 25
kHz weiter kurbeln. Das Minus signalisiert, daß die
eingestellte Frequenz 1 MHz unter der angezeigten liegt.
Sinngemäß erscheint am oberen Bandende ein Pluszeichen
und die empfangene Frequenz liegt 1 MHz über der
angezeigten. Einen kleinen Wermutstropfen hält die Sache
jedoch bereit: Hat man z.B. das 60-m-Band nach oben hin
nach Sendern abgesucht und ist man nun bei 5025 kHz (angezeigt:
04 + 025) angekommen, blockiert die Abstimmung. Um nun
noch die letzten 35 kHz des Bandes abzusuchen muß man
zunächst die KHz-Abstimmung auf den Anrang zurückstellen.
Dazu sind etwa 20 Umdrehungen nötig, denn bei einer
Umdrehung wird die Frequenz um genau 50 kHz geändert.
Dann dreht man den MHz-Knopf um eine Stellung weiter auf
5 MHz. Erst dann kann mit der Senderjagd weitergemacht
werden. Das Einstellen von Frequenzen im 5-kHz-Raster
wird durch 10 Teilstriche auf dem kHz-Knopf genial
vereinfacht, denn hiermit kann ohne Beobachtung der
Frequenzanzeige jeder Kanal im internationalen Raster der
Rundfunkbänder blitzschnell präzise abgestimmt werden.
Dies funktioniert ebenso einfach, als wenn man einem
neuen Empfänger das Raster 5 kHz einprogrammiert.
Hört man trotz korrekt
eingestellter Frequenz nichts oder zumindest nicht viel,
dann ist eventuell der Abschwächer eingeschaltet oder
man hat vergessen, den eingebauten Preselektor
abzustimmen. Dieser ist in den Bereichen 1 -2 / 2-4 / 4-8
/ 8 - 16 / 16 - 30 MHz schaltbar und wird dann mit einem
auf er gleichen Achse sitzenden Drehregler abgestimmt.
Unterhalb von Einschalter
und Preselektor ist die Kopfhörerbuchse eingebaut (Klinke
6,35 mm), ohne die man dem Empfänger keinen Ton
entlocken wird. Er besitzt nämlich keinen Lautsprecher,
und mit dem Anschluß eines externen Lautsprechers ist
das so eine Sache ... Dieser ist zwar vorhanden, aber er
ist mit anderen Ausgängen (wie z.B. 16 V Gleichspannung
für Zusatzgeräte) in einer 12-poligen Buchse
zusammengefasst, für die ich keinen Stecker habe. Dieser
muß separat bestellt werden, wenn er überhaupt noch erhältlich
ist. Diese Buchse kann jedoch relativ problemlos gegen
eine andere 12-polige ausgetauscht werden, wenn man die
Werte aus dem Service Manual beachtet. Wer dies jedoch
nur wegen des Lautsprecheranschlusses tun möchte, kann
sich die Arbeit sparen, denn der NF-Verstärker im RA-1217
gibt leider nur 10 Milliwatt an 600 Ohm Impedanz ab.
Lediglich die erste Serie bis Seriennummer 826 war mit
einem 1 Watt Verstärker ausgerüstet, welcher bei den später
produzierten Geräten nur auf besonderen Kundenwunsch
eingebaut wurde. Wer unbedingt einen Lautsprecherausgang
mit höherer Leistung benötigt, wie z.B. zum Betrieb
eines NF-Filters, kann eines der bekannten Kleinverstärkermodule
direkt an der Kopfhörerbuchse (10 Milliwatt / 600 Ohm)
anschließen (Impedanz beachten, eventuell Vorwiderstand
verwenden). Dies sind eben gewisse Abstriche, welche man
an einem kommerziell (militärisch) genutzten Equipment
machen muß. Der erstklassige Empfang - soviel vorneweg -
entschädigt aber dafür.
Der RA-1217 arbeitet in
den Betriebsarten AM, LSB, USB sowie CW. Beim Umschalten
von LSB/USB tritt ein Frequenzversatz auf, so daß bei
ECSS-Empfang nach der Wahl des ungestörteren
Seitenbandes nachgestimmt werden muß.
Als Standardbandbreiten hat das Gerät drei Filter
eingebaut mit 8, 3 und 0,2 kHz. Zusätzlich können zwei
weitere Filter bestückt werden, wobei Bandbreiten von 13
- 6,5 1,2 - 0,5 zur Verfügung stehen. Bei meinem
Exemplar ist neben den Standardfiltern noch das 1,2-kHz-Filter
vorhanden, welches aufgrund nicht allzu steiler Flanken
auch noch für Sprache eingesetzt werden kann und sich
als starke Waffe gegen QRM jeglicher Art bewährt hat.
Neben dem Trennschärferegler sitzt der auf einer Achse
kombinierte Regler für Lautstärke und manuelle HF-Verstärkung.
Darüber ist noch der BFO-Regler montiert. In der Mitte,
über der Frequenzanzeige, sitzt das S-Meter, welches
mittels eines Schalters auch die NF-Leistung anzeigen
kann. Links von diesem genauen Instrument gibt es noch
einen Drehschalter für einen externen VFO, rechts
daneben einen Clarifier zur Feinabstimmung, z.B. von SSB-Stationen.
Praxis
In der Praxis konnte sowohl die Bedienung als auch die
reine Empfangsleistung wirklich überzeugen. Nach einigen
Trockenübungen bei ausgeschaltetem Gerät war das
Bedienkonzept des Empfängers klar und als gelungen
entlarvt. Daher wurde zunächst der 25m-Langdraht,
welcher mittlerweile via Balun und Koaxkabel ins Shack
abgeleitet wird, mittels eines BNC-Steckers an den RA-1217
angeschlossen. Als Kopfhörer verwendete ich den Yaesu YH-77,
welcher guten Tragekomfort mit einer ausgezeichneten Übertragungsqualität
verbindet. Vergleichsgerät war der Yaesu FRG-100 an
derselben Antenne, mittels Weiche auf beide Empfänger
geführt.
Den Test begann ich auf 21800 kHz am frühen Nachmittag,
wo Radio Ukraine International mit einem Programm in
Russisch nur ein ausgesprochen dünnes Signal produzierte.
Hier gab es gleich die erst Überraschung, denn der Yaesu,
welchen ich wegen der Gesamtheit seiner Leistungen überaus
schätze, war dem RACAL in Sachen Verständlichkeit
deutlich unterlegen, da der Sender bei ihm in stärkeres
Rauschen (bei vergleichbarer Bandbreite) eingebettet war.
Dies zeigt auch die hohe Empfindlichkeit des RA-1217
selbst in den oberen Bereichen, welche gerade bei alten
Empfängern oft rapide abnimmt.
Nächster Kandidat war Radio Kairo auf 17770 kHz mit
arabischer Musik. Hier zogen beide Empfänger bei starkem
Signal nahezu gleich und der RACAL wartete mit einer
rauscharmen, unverzerrten Wiedergabe auf, welche ich
einem frühen volltransistorisierten Gerät nicht
zugetraut hätte. Wenn ich nicht gewußt hätte, daß der
RA-1217 ein Produkt der Halbleitertechnologie ist, so hätte
ich sicherlich auf ein Röhrengerät getippt. Da die
damaligen Transistoren technologisch mit den modernen
wohl nicht mithalten können, muß dies zum großen Teil
an dem wohl durchdachten Aufbau der Schaltung liegen. Zur
guten Wiedergabe tragen sicherlich auch die Quarzfilter
bei, welche - an heute üblichen Werten gemessen - keinen
überragenden Formfaktor haben. Dieser ist jedoch nur in
seltenen Fällen ein wirklicher Nachteil, denn meistens
sorgt gerade die schlechte Flankensteilheit noch für
eine gute Verständlichkeit.
Die eigentliche Trennschärfe ist ausgesprochen gut und
kann mit modernen Geräten mithalten. In den
internationalen Rundfunkbändern ist man mit dem 3-Khz-Filter
bestens bedient. Nachbarkanalstörungen sind kaum
wahrnehmbar und das demodulierte Signal klingt
keinesfalls dumpf. Wenn mindestens 10 kHz ober- und
unterhalb des Nutzsignals keine Station sendet, kann man
mit dem 8-kHz-Filter arbeiten und so den NF-Frequenzgang
noch etwas erweitern. Öfter benötige ich jedoch das 1,2-kHz-Filter,
welches gerade in den Tropenbändern (ECSS-Betrieb) und
beim Amateurfunkempfang eine hervorragende Trennschärfe
mit noch brauchbarer Verständlichkeit kombiniert. Mit
einem steilflankigen Filter dieser Bandbreite wäre -
zumindest ohne IF-Shift oder Passbandtuning - keine
Sprachwiedergabe möglich. Der Formfaktor von ca. vier
jedoch sorgt für eine NF, die zwar keine Bässe mehr
enthält, aber das erstklassig gereinigte Signal auch
schwacher Sender gut verständlich zu Ohr bringt. Im 90-m-Band
konnte ich einige knifflige Stationen gerade mit diesem
Filter gut aufnehmen, und es waren viele Details verständlich.
Ein schönes Beispiel hierfür war der Empfang von ZBC
Harare auf 3306 kHz gegen 20 Uhr UTC. Das Signal kam
selbst in den Spitzen kaum über S = 2 hinaus und wurde
von einem kräftigen CW-Sender beeinträchtigt. Mit dem
Yaesu war unter Verwendung des messerscharfen 2-kHz-Quarzfilters
(Modifikation!) Harare im ungestörteren Seitenband zwar
hörbar, jedoch litt die Sprachverständlichkeit etwas
unter der hervorragenden Flankensteilheit. Erst nach dem
Einstellen eines Trägerversatzes von einigen 100 Hertz
ließ sich der Afrikaner berichtsreif aufnehmen. Mit dem
1,2-kHz-Filter des RA-1217 war ebenfalls im ungestörteren
Seitenband die CW-Station fast unhörbar und die Verständlichkeit
war der des Yaesu mindestens ebenbürtig. Diese Situation
ließ sich gleich zum Test des 200-Hertz-CW-Filters
heranziehen. Also schnell den BFO des RACAL auf Stellung
"=", das CW-Filter geschaltet und mit dem
Regler BFO-Tune auf bestes Signal abgestimmt. Der Erfolg
war beeindruckend. Das Morsesignal kam sauber getrennt
von jeglichem "Schmutz" aus dem Kopfhörer. Nun
noch die Zeitkonstante der AGC auf langsam gestellt oder
- noch besser - auf Handregelung gegangen und das Signal
ist bestens bearbeitet, um z.B. von einem Dekoder entschlüsselt
zu werden. Da sich der Empfänger in Puncto
Empfindlichkeit sowie Trennschärfe also durchaus mit
neueren Geräten messen lassen kann, bleibt noch ein
Blick auf das Großsignalverhalten. An ein frühes
Transistorgerät sollte man hier von vornherein keinen
allzu hohen Maßstab anlegen. An leistungsfähigen
Antennen sind selbst unter Verwendung des eingebauten
Preselektors in den Abendstunden zahlreiche
Geisterstationen hörbar.
Diese konzentrieren sich jedoch hauptsächlich auf die
Bereiche zwischen starken Rundfunkbändern Hier muß der
Abschwächer oft auf minus 30 dB (!!) gestellt werden, um
Ruhe auf der Frequenz zu bekommen. Auch ein normales Anpaßgerät,
wie z.B. das FRT-7700, hilft hier nur wenig, so daß ein
hochwertiger externer Preselektor ratsam erscheint. Wer
ein solches Gerät nicht besitzt und die Hobbykasse
bereits durch den Erwerb des RACAL geplündert hat, kann
mit gutem Erfolg auch die umschaltbare Loopantenne,
welche ich in wwh 4/95 vorgestellt habe, verwenden (auch
in Verbindung mit einem Langdraht). Diese arbeitet mit
dem RA-1217 erstaunlich gut zusammen, was mich selbst,
ehrlich gesagt, etwas gewundert hat. Normalerweise
erwartet ja ein professioneller Empfänger auch einen
ebensolche Antenne. Hier spielt wohl die hohe
Empfindlichkeit des RACAL die entscheidende Rolle. Unter
Benutzung dieser Antenne sind auch die Großsignalprobleme
in nahezu allen Fällen verschwunden.
Fazit
Sowohl die ausführliche Erprobung als auch die normale
Empfangspraxis ergeben ein recht klares Bild vom RACAL RA-1217.
Es handelt sich um einen einfach zu bedienenden Empfänger
mit ausgesprochen guten HF-Leistungen (abgesehen von der
Großsignalfestigkeit), welche nicht nur den reinen
Programmhörer mehr als zufrieden stellen dürften,
sondern auch den fortgeschrittenen Dxer. Dieser erhält
mit den Filtern mit drei und 1,2 kHz starke "Medizin"
gegen die meisten Störungen, und wenn er das Gerät in
Verbindung mit einem externen Preselektor und vielleicht
mit einem NF-Filter (Notch) betreibt, so ergibt das eine
Station, gegen die viele moderne Empfänger alt aussehen.
Der von diesem Händler geforderte Preis ist der Leistung
des Gerätes auf jeden Fall angemessen, ein neuwertiges
Gerät mit vergleichbaren HF-Eigenschaften wäre deutlich
teurer. Nicht außer Acht lassen darf man natürlich die
Tatsache, daß der Empfänger doch recht viel Platz im
Hobbyraum erfordert und über keine Möglichkeiten verfügt,
Frequenzen direkt einzugeben oder zu speichern. Wer darüber
hinweg sieht, ist mit dem RA-1217 erstklassig bedient,
nostalgische Gefühle gibt es gratis dazu.