Die amerikanische Elektronik-Warenhauskette
Radio-Shack mit dem Markenzeichen"Realistic"
ist mit über 7000 Filialen in aller Welt ein Gigant auf
dem Elektronikmarkt. Das Angebot reicht vom einzelnen
Widerstand bis zum kompletten, voll ausgebauten
Microcomputer. Dazwischen finden sich Hi-Fi-Anlagen,
Gebrauchselektronik, CB-Funk und Empfänger für jegliche
Wellenbereiche. Das neueste Modell ist der hier getestete
DX-300, ein Allbereichs-Empfänger nach dem
Wadley-Prinzip. Der Empfangsbereich liegt mit 10 kHz - 30
MHz am unteren Ende fast konkurrenzlos niedrig.
Gefälliges Aussehen, digitale Frequenzanzeige und gute
Ausstattung bei relativ günstigem Preis runden das Bild
eines in die derzeitige Marktsituation passenden
Empfängers ab.
Das
Gerät
Ein großer Teil der Bedienungselemente
konzentriert sich auf der linken Seite der optisch
dreigeteilten Frontplatte. Links oben ist die sparsam
markierte Skala für den getrennt abzustimmenden
Preselektor. Der Knopf darunter nimmt diese Abstimmung
vor, während der Knebelschalter unten links die Bereiche
- sechs insgesamt - umschaltet. Nicht abgestimmt werden
kann der Bereich 1, von 10 bis 150 kHz. Eine rote LED
unter der jeweiligen Skala zeigt den geschalteten Bereich
an. Rechts neben der Preselektoranzeige liegt das
beleuchtbare S-Meter, eingeteilt in S-Worte bis S9+20 dB.
Darunter befindet sich der Feinabstimmknopf, Bereich +/-
1.2 kHz bei 180 Grad Drehung.
Die drei Schalter darunter haben folgende Funktionen:
1. Antennensignalabschwächer mit den Positionen - 20 dB,
0 dB und - 40dB,
2. Skalenbeleuchtung, Neutralstellung, Batterietest,
3. NF-Tonfilter mit den Positionen schmal, mittel und
breit.
Beherrschendes Element der Frontplatte ist das mittlere
Feld mit der roten LED-Frequenzanzeige (Auflösung 1 kHz)
und dem konzentrischen Abstimmungsknopf. Der innere
Rastknopfring schaltet die MHz-Bereiche 0 - 29; der
äußere, vorne liegende Drehknopf nimmt die Abstimmung
innerhalb dieser 1 -MHz-Bereiche vor. Dabei entspricht
eine Umdrehung 67.5 kHz Frequenzänderung. Ein
exzentrisch gelagerter Drehstift ermöglicht schnelles
"Durchkurbeln" des Bereiches. Im rechten Feld
dominiert ein großer Lautsprecher, darunter drei weitere
Knebelschalter.
Von links:
1. HF-Verstärkungseinsteller
2. NF-Verstärkungseinsteller
3. Betriebsartenschalter mit den Stellungen LSB/CW,
USB/CW, Bereitschaft(NFaus), AM, AM plus Störbegrenzer.
Eine Buchse (Klinke) für niederohmige Kopfhörer
komplettiert die Bedienungelemente der Vorderseite. Auf
der Rückseite des DX-300 befinden sich zwei
Antennenanschlüsse: eine SO-239 Coax-Buchse für 50-75
Ohm Antennenimpedanz und zwei Schraubklemmen für
hochohmige Langdrahtantennen bzw. Erde. Der
Antennenabschwächer wirkt nur auf den Coax-Eingang. Für
einen externen Lautsprecher und ein aufnehmendes
Tonbandgerät liegen Ausgänge in Form von RCA-Cinch-
Buchsen vor. Eine Schraubklemme "Mute" schaltet
- wenn mit Masse verbunden - den Empfänger stumm. Eine
Buchse für japanische Miniaturstecker ermöglicht
mittels externer Taste die Verwendung des Empfängers als
Morseübungsgerät.
Das Batteriefach für sechs Babyzellen ist über eine
kleine Klappe zugänglich. Externer 12-Volt- Anschluß
ist ebenfalls möglich. Damit kann das Gerät vielseitig
in Betrieb genommen werden. Netzanschluß ist ebenfalls
vorhanden, und zwar für 110/ 220 Volt. Ein eingelassener
Tragegriff an der rechten Seite und eine Stabantenne (140
cm) vervollständigen die Ausstattung. Das Gerät steht
auf möbelfreundlichen Hartgummifüßen mit leichter
Erhöhung der Vorderseite. Das Gehäuse ist sauber
verarbeitet. Die Bedienungsanleitung - viersprachig -
geht auf Antennen- und Empfangspraxis hinreichend ein,
liefert jedoch nur sparsamste technische Daten und eine
sehr magere Andeutung der Schaltungseinzelheiten. Ein
Schaltbild wird beigefügt.
Die Schaltung
Das Wadley-Prinzip wurde hinreichend
ausführlich beschrieben; hier wird deshalb nicht näher
darauf eingegangen. Praktisch handelt es sich um einen
Dreifach- Überlagerungsempfänger. Als Zwischenfrequenzen
werden benutzt:
1. ZF 54.5 - 55.5 MHz
2. ZF 2 - 3 MHz
3. ZF 455 kHz
Im Zuge der 455 kHz-Verstärkung liegt das in dieser
Schaltung selektionsbestimmende sechspolige
Keramikfilter. Der Frequenzzähler benutzt eine moderne
hochintegrierte IC- Schaltung. Der Rest der
schaltungstechnischen Auslegung entspricht dem in dieser
Preisklasse üblichen Standard und bietet keine
erwähnenswerten Höhepunkte, mit Ausnahme des ersten
Mischers, der sehr gute MOSFETs verwendet, um
Übersteuerungen zu vermeiden. Das Fehlen eines echten
Produktdetektors für SSB wurde als schwerwiegender
Mangel bemerkt.
Betriebsergebnisse
Die schlechten Empfindlichkeitswerte in
Verbindung mit den noch schlechteren Werten für
Selektion ließen im Empfangstest keine Höhepunkte
erwarten. Die Stabantenne ist falsch angepaßt. Empirisch
wurde eine Länge von 172 cm als günstiger ermittelt.
Der AM-Empfang ist gerade noch brauchbar, mit Ausnahme
der MW- und LW-Bereiche. Hier ist in den Abendstunden
kein störungsfreier Empfang mehr möglich. Dieses
Problem kann auch eine Rahmenantenne nicht korrigieren.
In den KW-Bereichen ist - je nach Bandbelegung - guter
AM- Empfang möglich, der durch Anschluß einer
Dipolantenne noch verbessert werden kann. Der
Abschwächer ist hier ein brauchbares Hilfsmittel, um
starke Stationen im Regelbereich der AGC zu halten.
Abstimmung und Feinabstimmung lassen sich gut handhaben.
Zusammen mit sachgerechter Bedienung des HF-Einstellers
und der Preselector- Abstimmung ist teilweise echtes DXen
möglich. Der NF- Bandbreitenschalter kann nur das
Klangbild ändern, nicht jedoch störende Sender
ausblenden. SSB-Empfang ist nur bedingt möglich und die
Tonqualität (dünn) ist zu keiner Zeit befriedigend. Gut
ist die Frequenzstabilität, jedoch war aufgrund des
Fehlens eines echten Produktdetektors und ungünstiger
Ablage des Seitenbandes (SSB-Trägerversatz) das
Einstellen von Seitenbandstationen sehr mühsam.
Das S-Meter - sonst recht brauchbar ausgelegt - stellt
bei SSB und CW den Betrieb ein, eine sinnlose
Schaltungsauslegung. Als recht praktisch wurde die
Aufteilung der Bedienungselemente empfunden; auch die
Anzeige des gewählten Preselector- Bereiches durch LED
konnte gefallen. Der Bereich 0.01 - 0.15 MHz ist mit dem
Preselector nicht abstimmbar, aber hier sollte ohnehin
mit angepaßten Langdrahtantennen gearbeitet werden.
Technisch wäre eine selektive Abstimmung für diesen
Bereich auch schwierig zu realisieren. Schalter und
Knöpfe arbeiten leichtgängig und vermitteln ein
positives Gefühl.
Obwohl dieses Gerät wegen der Abmessungen kein
Kofferradio ist, ist die Möglichkeit des Batterie- oder
Akkubetriebs eine begrüßenswerte Alternative. Der
innere Aufbau ist typische Großserienfertigung: ziemlich
lieblos eingesetzte Bauteile, viele Drahtverbindungen und
ein recht unübersichtlicher Aufbau.
Die gravierenden Mängel des DX-300 lassen zuerst auf
einen Fertigungsausreißer schließen. Eine Anfrage bei
zwei Besitzern dieses RX bestätigen jedoch die in diesem
Test gesammelten Erkenntnisse.
Kritik und Wertung
Für den europäischen Markt und den hier
vorherrschenden Hörgewohnheiten ist dieses Gerät kaum
geeignet. Der relativ günstige Preis kann die
Mittelmäßigkeit dieses Empfängers etwas mildern. In
dieser Preisklasse sind nicht viele Geräte im Angebot.
Zu bemängeln sind vor allem die sehr schlechte Selektion
und das Fehlen einer wirksamen Bandbreitenschaltung. Für
DXer mag zwar SSB nur gelegentlich interessant sein (wer
hört nicht schon mal gerne bei den Profis rein); wenn
diese Betriebsart aber bei einem Gerät vorgesehen ist,
so sollte auch brauchbarer Empfang möglich sein. Die nur
durchschnittliche Empfindlichkeit wird dem DX-300 nicht
angelastet, obgleich Yaesu-Geräte gezeigt haben, was mit
dem Wadley-Prinzip erreicht werden kann. Der Schalter
wide/ norrnal/ narrow suggeriert eine - nicht vorhandene
- Bandbreitenschaltung: eine unnötige Augenwischerei,
auch wenn der Schalter mit Audio (NF) beschriftet ist.
Mag das Gerät auf dem US-Markt wohl recht erfolgreich
sein, so wird es in Europa und insbesondere in
Deutschland auf dem ohnehin hart umkämpften Markt einen
schweren Stand haben. Try again, Tandy.
Realistic DX-300: Technische Daten und Meßwerte
Hersteller Tandy Corporation
Vertrieb Radio Shack
Gerätetyp Stationsempfänger mit Netz-, Batterie- und
Akkubetrieb
Schaltungstyp Wadley dreifach Super mit Quarzsteuerung
Frequenzbereich 0.01 bis 30 MHz
Frequenzanzeige digital, 5-stellige rote LED, 1 kHz
Auflösung
Absolute Frequenzgenauigkeit +/-181 Hz
Frequenzstabilität +/- 430 Hz/12 Stunden
Betriebsarten USB, LSB, CW, AM
Antennen Stabantenne 145 cm, Coax SO-239, Klemmen für
Drahtantenne und Erde
Besonderheiten abstimmbarer Preselector, Stummschaltung,
Antennenabschwächer, mit externer Taste:
Morseübungsgerät
HF-Teil
Empfindlichkeit: in uV an 50 Ohm bzw. 1 KOhm bei
BC
0,1 MHz - 1.5 MHz für 26 dB S+ N/N
2 MHz - 30 MHz für 6dB S+N/N
Modulation AM, 400 Hz, 30 Prozent
| Frequenz (MHz) |
AM breit |
SSB / CW |
| 0.1 |
65 |
- |
| 0.5 |
48 |
- |
| 1 |
21 |
- |
| 2 |
16 |
- |
| 5 |
3,4 |
1,5 |
| 7 |
3,1 |
1,5 |
| 10 |
3,0 |
1,2 |
| 15 |
3,0 |
1,2 |
| 20 |
3,0 |
1,2 |
| 25 |
2,6 |
0,9 |
| 30 |
2,1 |
0,7 |
Trennschärfe
(kHz) 7 MHz + 1 MHz
| |
-6 dB |
-60 dB |
| breit |
5.2 |
16.3 |
Spiegelfrequenzsicherheit
bei keiner ZF und keiner Betriebsfrequenz schlechter als
56 dB, mit Ausnahme von 3.730 MHz: - 32 dB
HF-Regelung +/- 15 dB, mit Abschwächer 21 dB / 37 dB
AGC ja, aber stets von HF-Regelung- Potentiometer
abhängig
NF-Teil
Leistung 0.8 W Sinus bei 10% Klirrfaktor
Frequenzbereiche breit: 80 - 7750 Hz; Mitte, 80 - 6250
Hz; schmal: 80 - 5300 Hz;+/- 3 dB bei 2/3 Leistung
Störbegrenzer: gute Wirkung gegen Prasselstörungen
Lautsprecher ca. 12 cm Durchmesser
Leistungsaufnahme 14 Watt bei Netzbetrieb; 9 Watt bei
Batterie-/Akkubetrieb
Stromversorgung Netz: 110/220 Volt
Batterie: 6 x Babyzelle; Akku: externer Anschluß vorhanden
Malse 36 x 14 x 26 BHT in cm
Gewicht 6.25 kg mit Batterien
Bestückung 1 LS-IC, 3 IC, 37 Transistoren
Preis ca. DM 700.-
FTZ-Nummer keine