Salut 001 ist ein Reiseempfänger sowjetischer Produktion, der bereits 1977
auf der Leipziger Messe vorgestellt wurde. Er wurde
seinerzeit in Zusammenarbeit mit der DDR entwickelt und
stellte zum damaligen Zeitpunkt ein komfortables Gerät
dar, das dem Stand der Technik entsprach.
Der Salut 001 ist von seiner Konzeption her ein Weltempfänger. Er verfügt über
12 Empfangsbereiche, die sich in den UKW-Bereich, einen
geteilten Mittelwellen-, Langwellen- und acht
Kurzwellenbereiche aufgliedern. In den
Kurzwellenbereichen 2 bis 8 (49- bis 13 m Band) arbeitet
er als Doppelsuper. Der Empfänger besitzt Anschlußmöglichkeiten
für Außenantenne für UKW-, LW-, MW- und KW-Empfang,
Tonbandgerät für Aufnahme und Wiedergabe oder
Schallplattenabspielgerät, Außenlautsprecher und Kopfhörer.
Die Konzeption enthält folgende Merkmale:
- stufenweise Bandbreitenregelung in den Wellenbereichen
LW, MW & KW
- Sendervorwahl (Senderspeicher) - feste Abstimmung auf
vier Sender in den MW- und LW- Bereichen
- abschaltbare automatische Scharfabstimmung (AFC) auf
allen Bereichen
- stufenlose Höhen- und Tiefeneinstellung
- Senderabstimmanzeige
- zwei Teleskopantennen für UKW, KW
- zwei Ferritantennen für MW und LW
- automatische Umschaltung vom Senderspeicher auf
Skalenantrieb bei Berührung des Abstimmknopfes
- automatisches Einschalten der Skalenbeleuchtung bei
Berühren des Abstimmknopfes
- abschaltbare Mutingschaltung im UKW-Bereich
- automatisches Ausschalten des Empfängers (Sleep- Automatik
Ausstattung
Auffallend an dem Gerät sind acht Festsenderspeicher
(vier für AM und vier für FM), die über Sensortasten
abgerufen werden können, wobei der abgerufene Speicher
mit LEDs angezeigt wird. Jeder Senderspeicher ist mit
einer Skala versehen, die als Orientierung bei der
Einstellung eine wertvolle Hilfe darstellt. Der
Abstimmknopf ist ebenfalls mit einem Sensorkontakt
versehen, bei dessen Berührung sich das Gerät auf
Handabstimmung umschaltet und die Skalenbeleuchtung
aufleuchtet. Diese technische Lösung scheint interessant,
da sie die Skalenbeleuchtung nur für den eigentlichen
Abstimmvorgang aktiviert und so Strom spart und die unzugänglichen Skalenlampen schont. Bei Netzbetrieb wäre es jedoch wünschenswert,
die durch ihre Farbgestaltung schwer ablesbare Skala ständig
zu beleuchten. Überdies ist eine Zuordnung der
Wellenbereiche zu den entsprechenden Skalenabschnitten
schwer zu erkennen.
Das Gerät verfügt über
eine AFC- und eine Mutingtaste, die besser AFC-Aus und
Muting-Aus heißen müßten, da sie die Funktion negieren.
Die schaltbare AFC funktioniert bei FM und AM, sie verfügt
über einen großen Haltebereich und einen ausreichenden
Fangbereich. Die Mutingtaste schaltet das Gerät beim
Abstimmen nicht stumm, sondern senkt lediglich den NF-Pegel
um etwa 12 dB ab, so daß bei vorheriger Zimmerlautstärke
das Zwischensenderrauschen zwar nicht übermässig stört,
aber doch deutlich zu hören ist. Es ist zu vermuten,
dass dieser Effekt beabsichtigt ist, um bei der im UKW-Bereich
recht ungenauen Skala das Auffinden eines bestimmten
Senders zu erleichtern.
Für die AM-Bereich existiert eine ZF-Bandbreitenumschaltung,
die sich als sehr hilfreich erweist, es wäre jedoch günstiger,
wenn sich die Bandbreite stufenlos einstellen ließe.
Zur Ausstattung des Gerätes gehört ein Sleeptimer, der
es ermöglicht, das Gerät nach einer vorwählbaren Zeit
zwischen zehn und vierzig Minuten abzuschalten.
Der Salut kann wahlweise aus dem Netz, sechs R20-Zellen
oder aus einer externen Gleichspannung von 12 Volt
betrieben werden. Anstelle der beiden Tasten wäre es bei
dieser Betriebsspannung allerdings günstiger gewesen,
eine automatische Netz-Batterie-Umschaltung mit Hilfe von
Dioden vorzunehmen. Eine weitere Besonderheit ist das
Indikatorinstrument, das durch seine Aussage über die
anliegende Feldstärke sowohl in den AM-Bereichen als
auch bei FM eine wertvolle Einstellhilfe darstellt. Es
wird gleichzeitig als (schaltbare) Batteriekontrolle
verwendet.
Für den UKW-Bereich ist eine dreh- und schwenkbare
Teleskopantenne vorhanden. In den AM-Bereichen kommen
Ferritantennen bzw. für Kurzwelle eine starre 1,20 Meter
lange Teleskopantenne (siehe Bild 1) zum Einsatz. Auf der
Geräterückseite befindet sich eine Skalenscheibe, die
Ortszeiten in verschiedenen Städten der Welt angibt.
Empfangsverhalten
Zwei Empfänger wurden über einen Zeitraum von vier
Wochen betrieben. Eines der Geräte war vom Hersteller
falsch abgeglichen, die Skalen stimmten nicht, was einen
neuen Abgleich erforderlich machte. Zum Abschluss der
Untersuchungen wurden die Hauptparameter gemessen (siehe
Tafel).
Im UKW-Bereich konnten in Berlin alle verfügbaren Sender
in ausreichender Qualität empfangen werden, wobei die
Teleskopantenne ausserhalb von Berlin auf ihre volle Länge
ausgefahren und gerichtet werden musste. In Dresden
wurden mit eingeschobener Teleskopantenne die fünf
Ortssender, mit ausgezogenem Stab auch Cottbus und Karl-Marx-Stadt
empfangen. Dabei traten Kreuzmodulationen auf, eine Folge
des Bipolartransistors im nur dreifach abgestimmten Tuner
und der selbstschwingenden Mischstufe. Beim UKW-Empfang
fiel auf, daß die Klangsteller (Höhen und Tiefen
getrennt) eine für den NF-Verstärker (A 210) nicht mehr
zu verkraftende Anhebung verursachen, so daß der
Klirrfaktor bei aufgedrehten Höhen und Tiefen bereits
bei geringen Lautstarken stark ansteigt. Zudem sind die
Schiebesteller für Lautstarke und Klang sehr schwergängig
und lassen eine reproduzierbare Einstellung kaum zu.
Der AM-Empfangsteil kann vom Prinzip her als gut eingeschätzt
werden, obwohl er für ein derartig aufwendiges Gerät
hinter den Erwartungen in Bezug auf Empfindlichkeit, Störfestigkeit
und Frequenzkonstanz zurückbleibt. Die AM-Sensortasten
sind für Lang- und Mittelwelle nutzbar, bei Kurzwelle
ist die Trennschärfe zu gering. An dem in Dresden
erprobten Gerät fiel die generell zu geringe Großsignalfestigkeit
auf. Dieser Effekt wurde uns auch von einigen Lesern bestätigt.
Die Skalengenauigkeit in den AM-Bereichen war bei dem in
Berlin betriebenen Gerät wesentlich besser als im UKW-Bereich.
Es gewährleistete ein relativ sicheres Auffinden von
Kurzwellensendern bekannter Frequenz, was durch das stark
gespreizte KW-Band begünstigt wird. Ein weiterer
Nachteil ist, daß bei allen Betriebszuständen das
mechanische Schwingen des zur Abstimmspannungsgewinnung
genutzten Transverters zu hören ist, wobei sich die Störungen
nicht auf den Fremdspannungsabstand auswirken (rein
mechanisch).
Aufbau
Die Elektronik ist auf 13, in unterschiedlichen
Ebenen stehende, teils gekapselte und schwer zugängliche
Leiterplatten verteilt. Zwischen Schwingkreiskapazität
und -induktivität auf KW 2 (49 m Band) liegen sechs in
Reihe geschaltete Kontakte statt nur einem. Wegen der Vor-,
Zwischen- und Ozillatorkreise und deren
Ankoppelwicklungen müssen so bei 6 MHz 42 Kontakte im
Schwingkreisbereich (linker Tastensatz) und sechs weitere
im rechten Tastenschalter geschlossen sein und sicheren
Kontakt geben, auch bei mehrjähriger Nutzung. Die
kapazitive Verkopplung der alle Schalter durchlaufenden
Leiterzüge von Eingang und Oszillator dürfte auch die
Ursache für die Antennenabhängigkeit bei Kurzwelle sein.
Vor dem Auswechseln der Netzsicherung ist ein die
Sicherungsklappe arretierender Stahldrahtring, den man
schwer findet, zu entfernen. Neben diesem Hinweis fehlt
in der Bedienungsanleitung ein Hinweis zum Anschluss des
mitgelieferten dreipoligen UKW-Antennenflachsteckers: An
die beiden äußeren Stifte ist der Außenleiter des 75-Ohm- Koaxialkabels anzuschliessen.
Gesamturteil
Das Grundkonzept des Gerätes ist gut, wenn auch
nicht mehr modern. Es stellt trotz der genannten Mängel
eine Bereicherung unseres Marktes dar. Mit dem Salut 001
liegt ein Gerät vor, das als Weltempfänger für
mittlere Ansprüche sicher seine Freunde finden wird,
obwohl er über zehn Jahre zu spät kommt. Trotzdem macht
es Spass, mit ihm die Kurzwellenbereiche nach fernen
Sendern abzugrasen.
Interessant wäre, vom Importeur zu erfahren, wer dieses
aufwendige, mit deutlichen Mängeln behaftete Gerät vor
dem Import geprüft hat. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt
wird die Qualität eines derartigen Weltempfängers nicht
durch die Zahl der verwendeten Leuchtdioden oder durch
verchromte Sensorkontakte bestimmt, sondern zum Beispiel
durch ein digitales Abstimm- und Anzeigesystem mit
elektronischen Sendespeichern, digitale Frequenzeingabe,
hohe Empfindlichkeit, hohe Großsignalfestigkeit und
Frequenzkonstanz aller Stufen.
Empfangserfahrungen
Auf den LW- und MW-Bereichen verschlechtert eine Außen-
oder Teleskopantenne die Qualität durch Störgeräusche.
Auf KW 1 bis KW 8 ist der Empfang mit Teleskopantenne
besser. Auf KW 2 bis KW 8 wird der Oszillator durch die
Zusatzantenne verstimmt, es macht sich eine deutliche Berührungsempfindlichkeit bemerkbar.
Bei LW und MW wird die Teleskopantenne eingeschoben. Wird
sie beim Empfang von KW 2 bis KW 8 wieder ausgezogen,
dann ist der zuvor eingestellte Sender weg und muß
mehrere Millimeter weiter auf der Skala wieder gesucht
werden.
Bei AM-Betrieb sollte das
Gerät nicht geerdet werden, und es sollte keine externe,
geerdete UKW-Antenne angeschlossen sein. Beides erhöht
auf dem AM-Bereichen infolge der ungenügenden Großsignalfestigkeit
den Störgeräuschpegel stärker als das Nutzsignal. Bei
abstimmbarem Netzbrummen auf AM sollte Batteriebetrieb
erfolgen (Netzstecker ziehen!)
Durch den konstruktiven Aufbau kann es beim Umschalten
von AM auf FM zum gleichzeitigen Aufleuchten mehrerer
Leuchtdioden der Senderwahltasten kommen. Durch
nochmaliges Drücken der gewünschten Sensortaste ist die
Abstimmung wieder möglich.
Aus radio fernsehen elektronik Nr. 38/1989 mit freundlicher Genehmigung der Redaktion und des Verlages VEB Verlag Technik Berlin.
Messwerte:
| Bereich |
Bereichsgrenzen |
rauschbegrenzte
Empfindlichkeit |
Spiegel-
selektion |
Trenn-
schärfe |
Bandbreite
breit - - - - - - - - - - schmal |
| UKW |
86,73...106,99 MHz |
1,5 uV
an 75 Ohm |
- |
- |
- |
- |
| LW |
142...361,2 kHz |
34 dB/uV |
25 dB |
34dB |
|
|
| MW1 |
512,1...838,9 kHz |
33 dB/uV |
44 dB |
56 dB |
3,5 kHz |
2,25 kHz |
| MW2 |
839,4...1555 kHz |
24 dB/uV |
34 dB |
61 dB |
|
|
| KW1 |
4,68...5,14 MHz |
25 dB/uV |
55 dB |
70 dB |
3,3 kHz |
2,2 kHz |
| KW2 |
5,78...6,19 MHz |
25 dB/uV |
66 dB |
|
|
|
| KW3 |
6,93...7,42 MHz |
25 dB/uV |
60 dB |
|
|
|
| KW4 |
9,33...9,91 MHz |
29 dB/uV |
60 dB |
|
|
|
| KW5 |
11,47...12,15MHz |
32 dB/uV |
60 dB |
|
|
|
| KW6 |
14,86...15,64 MHz |
31 dB/uV |
60 dB |
|
|
|
| KW7 |
17,45...18,09 MHz |
29 dB/uV |
60 dB |
|
|
|
| KW8 |
21,15...22,09 MHz |
30 dB/uV |
60 dB |
|
|
|
f zF2 AM 462,251 kHz
© Ing. Mario Tauche und Ing. Holger Weinberg, kurier 15 / 1990