Der NASA HF-4E ist als Nachfolger des Target HF-3
konzipiert. Er wird jetzt von der Firma SSB Electronic
angeboten. äußerlich hat sich fast nichts verändert.
Im Inneren sind zehn Speicherplätze und eine AM-Bandbreitenschaltung
hinzugekommen.
Der HF-4E hat ein
einfaches Plastikgehäuse mit den Maßen 18,5 x 17 x 6,5
cm (B x T x H). Auf der Vorderseite befinden sich von
links nach rechts folgende Bedienelemente: Der
kombinierte Lautstärke und Ein-/Aus-Schalter (Volume),
darunter der Frequenz-Feinabstimmknopf (Clarify), dann
das grün beleuchtete LC-Display mit den Angaben zur
Frequenz (auf 1 kHz genau), der Betriebsart (AM, USB, LSB)
sowie der Feldstärkeanzeige in Balkenform. Unter dem LC-Display
sind vier Tasten angebracht für die Funktionen
Betriebsartenwahl (MOD), Wechsel zwischen Speicherbetrieb
und VFO-Betrieb (RCL), Rückstellen auf die Frequenz von
Speicher 1 (RST) und Speichern der im VFO-Betrieb gewählten
Frequenz auf einen der 10 Speicherplätze bzw. ebenfalls
Wechsel zwischen VFO- und Speicherbetrieb (MEM); ganz
rechts ist der große, schwere und schön leichtgängige
VFO-Abstimmknopf.
Auf der Oberseite des Gerätes
ist ein 9,5 cm großer Lautsprecher eingebaut. Auf der Rückseite
findet man den Antennen-Abschwächer-Schalter, die PL-Antennenbuchse,
den Spannungsversorgungsschalter für eine optional
lieferbare Aktivantenne, eine Buchse "Data out"
zum Datentransfer, den AM-Bandbreitenumschalter, eine
Buchse für einen externen Lautsprecher bzw. Kopfhörer
und die Spannungsversorgungsbuchse für das im
Lieferumfang enthaltene 12-Volt Netzteil. An der Gahäuseunterseite
kann man einen Bügel ausklappen, der den Empfänger in
Schräglage bringt.
Bedienung
Nach dem Einschalten des Gerätes erscheint immer die
auf Speicherplatz 1 abgespeicherte Frequenz; das
geschieht auch, wenn man den Lautstärkeregler nach ganz
links dreht, ohne das Gerät völlig auszuschalten. Wenn
man also mal schnell den Ton abschalten will, ist dies
sehr ärgerlich. Die Frequenzeinstellung erfolgt in
kleinsten Schritten ab 1 kHz. Da der HF-4E keine Möglichkeit
zur direkten Frequenzeingabe über eine 10er-Tastatur hat,
muß man jede gewünschte Frequenz mit dem VFO-Knopf
einstellen. Dabei wird man zwar durch den mechanischen
und elektronischen Schwungradeffekt unterstützt, aber
man trifft fast nie die Wunschfrequenz auf Anhieb, da die
vier unterschiedlichen Abstimmgeschwindigkeiten ziemlich
plötzlich wechseln. Dieser Schwungradeffekt wird in der
Bedienungsanleitung sogar noch als Vorteil gegenüber
einer 10er-Tastatur angepriesen!? Oft passiert es, daß
man nur einige Kilohertz weiterdrehen möchte und dabei
ungewollt ein- bis zweihundert kHz weiterrutscht, Um zum
Beispiel zwei Frequenzen direkt miteinander vergleichen
zu können muß man einen der 10 Speicherplätze "opfern",
wobei dies auch nicht gerade unproblematisch ist. Man muß
zur Speicherprogrammierung die in der Bedienungsanleitung
geschilderten Schritte sehr aufmerksam durchführen, um
nicht versehentlich den falschen Speicherplatz zu löschen.
Die Speicherplatznummer selbst wird mit jeweils einem
Segment der Balken-Feldstärkeanzeige dargestellt, das
bedeutet also, daß das S-Meter im Speicherbetrieb nicht
zur Verfügung steht!
Höreindruck
Sehr positiv fällt die hohe Empfindlichkeit des NASA
HF-4E auf, auch schwache Signale werden -klar und verständlich
wiedergegeben, Dazu trägt auch der hell abgestimmte NF-Frequenzgang
bei. Das breitere ZF-Filter bietet bei ungestörten (stärkeren)
Stationen ebenfalls eine angenehme Klangcharakteristik.
Bei anderen Empfängern verstimmt man fast schon
automatisch die Nennfrequenz um 1-2 kHz, um den Klang
etwas "aufzuhellen"; das ist hier nicht nötig,
In eng belegten Bändern läßt sich dieser Vorteil aber
nicht so oft nutzen, da die 6-KHz-Bandbreite nicht
sonderlich steilflankig ausgefallen ist, so daß
Nachbarstationen gerne von der Seite hereinsplattern.
Schaltet man dann aber auf das schmale 2,6-kHz-Filter,
sind die Nachbarkanalstörungen beseitigt. Zur besseren
Verständlichkeit empfiehlt sich ah-er dennoch das
leichte Verstimmen um 1-2 kHz in Richtung des weniger
gestörten Seltenbandes. Das 2,6-kHz-Filter ist
dankenswerterweise recht steilflankig ausgefallen.
Interferenzpfeifen tritt mit dem schmalen. Filter nicht
auf, auch starke Stationen werden sauber getrennt.
Beim Drehen über Rundfunkbänder mit hohen Signalpegeln
hört man ein deutliches "Plop'' zwischen den
einzelnen kHz-Schritten, wobei dieser Effekt abnimmt, je
schwächer die Signale weren.
Der HF-4E läßt abends
eine Außenantenne wie z.B. die FD-4 nur mit Abschwächer
zu, da sonst Großsignalstörungen in Form von "Hintergrundsirren"
vor allem auf den hochfrequenten Bändern auftritt. Bei
Kopfhörerbetrieb bemerkt man ein Grundrauschen des NF-Teils,
das auch nicht verschwindet, wenn die Lautstärke ganz
heruntergeregelt wird. Bei Lautsprecherbetrieb stört
dies jedoch nicht, Im Bereich etwas oberhalb von 10 MHz
sind einige Spiegelfrequenzen zu verzeichnen.
Die AGC arbeitet in AM
zufriedenstellend, in SSB jedoch wirkt sie etwas nervig,
da sie auch in sehr kurzen Sprechpausen das Rauschen
hochregelt. Suchempfang ist auf SSB durch die 1-kHzSchritte
nur bedingt ein Vergnügen, da man fast jeden neuen
Sender mit der Feineinstellung nachregeln muß. Außerdem
stimmt auf SSB die Frequenzanzeige nicht mit der
Senderfrequenz überein. Bei USB muß man 2 kHz höher,
bei LSB 2 kHz tiefer als die Nennfrequenz wählen. Die
hohe Empfindlichkeit wirkt sich aber auch auf SSB recht
positiv aus. Es ist hierbei nur das 2,6-kHz- Filter
geschaltet, was manchmal aber auch zu breit ist.
Fazit
Der NASA HF-4E hinterläßt einen zwiespältigen
Eindruck. Einerseits zeigt er im Bereich Bedienkonzept
deutliche Schwächen wie z.B. bei der Speicherverwaltung
und der Frequenzeinstellung. Andererseits liegt die
eigentliche Empfangsleistung, also Empfindlichkeit, Verständlichkeit
und Trennschärfe bei Einsatz des schmalen AM-Filters über
den Erwartungen, die man an ein Gerät der 600-Mark-Klasse
stellt, wenngleich nützliche Details wie
Synchrondetektor und RF-Gain hier fehlen. Das Gerät ist
auch über den Technischen Klubdienst der ADDX zum Preis
von DM 599.- zu bekommen.