Während viele andere Hersteller schon seit einiger Zeit Weltempfänger mit
vollsynthetischer Frequenzaufbereitung und
Mikroprozessorsteuerung anbieten, bringt Yaesu erst jetzt
ein Gerät dieser Art auf den deutschen Markt. Die Firma
Richter & Co., Hannover stellte uns dankenswerterweise den neuen FRG-8800, der etwa DM 1.800.-
kostet, für Testzwecke zur Verfügung.
1. GERÄTEBESCHREIBUNG
Wie der FRG-7700 besitzt der 8800 ein zweigeteiltes
Stahlblechgehäuse, auf einer Seite einen Tragegriff und
auf der anderen Füsse zum Abstellen. Allerdings sind die
Abmessungen und das Gewicht etwas geringer. Das macht den
Neuling jedoch nicht zum idealen Reisebegleiter; denn er
bringt immer noch 5 kg auf die Waage und ist in der
serienmässigen Ausstattung nur für Netzbetrieb (100;
120; 220 und 240 Volt) ausgelegt. Es besteht jedoch die Möglichkeit
einen Gleichstromanschluss (120 - 1 A) nachzurüsten. Zusätzlich
werden für den Uhren- bzw. Speicherbetrieb drei
Mignonzellen benötigt. Diese verhindern, dass die
entsprechenden Daten bei gezogenem Netzstecker vergessen
werden.
Wie beim FRG-7700 stört schon bei der ersten
Inbetriebnahme die unglückliche (zu nahe) Lage des
Lautstärkeeinstellers zum Hauptabstimmknopf. Besser
gelost ist jedoch die Bedienung der Uhr. Über einen
Drehschalter lässt sich die gewünschte Funktion anwählen
1. bzw. 2. Zeitzone, Ein- und Ausschaltzeit für den
Timer mit zwei Buchsen (Ruhe- und Arbeitskontakt) an der
Rückseite und die Sleep-Funktion bis maximal 59 Minuten.
Da im sehr groben LCD-Anzeigefeld leider nur eine
Digitalanzeige vorgesehen ist, kann man mit dem
Drehschalter auch die Empfangsfrequenz zur Anzeige
bringen. Die Eingabe der Zeiten erfolgt recht bequem über
die Zehner-Tastatur, die natürlich auch zur
Frequenzeingabe dient. Leider macht die "TIMER-ON"-Taste
einen recht wackeligen Eindruck. Und nicht nur diese,
sondern auch die für die Bandbreitenumschaltung, die
Regelzeitkonstante, den Störaustaster ( zweistufiger
Zeitkonstantenumschalter an der Rückseite) und die
Dimmertaste für das indirekt grün beleuchtete Display
haben diese unerfreuliche Eigenschaft. Ausserdem ist die
Stellung der Tastschalter nicht sehr gut zu erkennen.
Wahrend die Anordnung der in Gruppen zusammengefassten 37
(!) Tasten recht sinnvoll ist, ist das von der Bedienung
nicht unbedingt zu sagen. Manche Funktionen bzw. Eingaben
werden im Display angezeigt, manche nicht; manche werden
durch Piep-Ton (Lautstärke an der Rückseite einstellbar)
quittiert, manche wieder nicht; bei manchen geschieht
auch beides und bei manchen ist man eben auf das Erkennen
der Stellung angewiesen. Aber man kann sich an fast alles
gewöhnen.
Gewöhnungsbedürftig oder
zumindest anders als üblich sind auch die Möglichkeiten
der Frequenzwahl:
a) Direkte Frequenzeingabe über die
Tastatur in zwei Schritten. Dabei müssen die Eingaben für
die MHz und kHz-Werte durch die entsprechenden Tasten
abgeschlossen werden. Z.B. Radio Luxemburg 6090 kHz: "6"
dann "MHz"-Taste und "90" und dann "kHz"-Taste.
Das scheint zunächst unpraktisch zu sein, aber wenn man
z.B. innerhalb eines Bandes nur den kHz-Wert verändern
will, muss man nur den neuen Wert eingeben und mit der "kHz"-Taste
quittieren. Ebenso lassen sich auch die MHz-Werte
getrennt verändern.
b) Manuelle Abstimmung: Mit dem
Hauptabstimmknopf lassen sich die Frequenzen noch genauer
einstellen. Wird die Taste "FAST" gedruckt
ergibt eine Umdrehung des Knopfes 125 kHz in 500 Hz-Schritten,
in der "SLOW"-Stellung sind es 6,25 kHz in 25
Hz-Schritten. Im Display wird der Wert allerdings nur auf
100 Hz genau angezeigt. Durch die "D.LOCK" Taste lässt
sich die Hauptabstimmung blockieren um versehentliches
Verstellen zu verhindern.
c) Speicherbetrieb: Gewünschte Frequenz
nach a) oder b) einstellen, Betriebsart (AM, LSB, USB, CW,
FM) und gegebenenfalls die Bandbreite vorwählen. Nach
Auswahl von einem der 12 Speicherplatze mit dem
Drehschalter erfolgt mit Betätigung der "UFO M"-Taste
das Speichern. Der Abruf geschieht durch Drucken der
Taste "MR". Mit dem Drehschalter können dann alle
gespeicherten Frequenzen angewählt werden. Eine Veränderung
der gespeicherten Frequenz ist nur im Bereich + 500 Hz
mit der Feinabstimmung, die jedoch nicht auf die
Frequenzanzeige wirkt, möglich. Um z.B. die Bandbreite
der AM von breit auf schmal umzuschalten, muss der
Speicherinhalt zunächst in die Hauptabstimmung mit der
Taste "VFO" übernommen werden. Dann gehts.
Die neuen Werte können dann natürlich gleich wieder mit
"VFO M" zurückgeschrieben werden. Beim
Speicherbetrieb erscheint im Display automatisch die
Speicherplatznummer, sie verschwindet, wenn man auf die
Hauptabstimmung zurückschaltet. Das geschieht üblicherweise
durch die "VFO"-Taste, man empfangt dann wieder
die zuletzt eingestellte Frequenz.
d) Sendersuchlauf: Der Bereich für den
Suchlauf wird durch zwei benachbarte Speicherplatze
festgelegt. Das Suchen beginnt nach dem l:)nicken der
Taste "P SCAN" bei der Frequenz des eingestellten
Speicherplatzes in Richtung der Frequenz des nächsthöheren
Speicherplatzes. Die Schrittweise entspricht dem
eingestellten Wert der Hauptabstimmung und die
Stoppschwelle wird mit dem "SQUELCH"-Einsteller,
der zugleich bei allen Betriebsarten als Stummschaltung für
nicht empfangswürdige Signale dient (Anzeige "BUSY"
im Display), vorgegeben. Der Suchlauf stoppt wenn eine
ausreichend starke Station gefunden wurde, ein erneutes
Starten kann dann mit der Taste "PAUSE" eingeleitet
werden. Das automatische Anhalten kann durch einen im Gerät
eingebauten Schalter auf manuellen Betrieb umgestellt
werden: das Stoppen erfolgt dann auch, mit der ,"PAUSE"-Taste.
Leider ist das Arbeiten in der Praxis in den Rundfunkbändern
sehr unerfreulich. Da ist einmal die nicht dem
Senderabstand angepasste enge Rasterung man trifft sie in
der Sendermitte und beim Weitersuchen muss die "PAUSE"-Taste
besonders bei starken Stationen manchmal sehr oft gedrückt
werden. Da die Stoppschwelle gleichzeitig die
Einschaltschwelle für das NF-Teil ist, passiert es oft,
dass nach dem Halt infolge Schwund ein- und ausgeschaltet
wird. Ausserdem können schon kleine Knackstörungen den
Suchlauf stoppen - ohne Nutzsignal.
e) Speichersuchlauf: Hier gibt es zwei Möglichkeiten
und zwar: Suchlauf für alle Speicherplatze mit der "M
SCAN" Taste oder nur für - mit der "M SELECT"-Taste
markierte Speicherplatze - mit der "S SCAN"-Taste.
Allerdings funktioniert das ganze auch nicht besonders
gut. Es entfallt zwar das häufige Betätigen der "PAUSE"-Taste,
dafür stört aber das zu trage Ansprechen der
automatischen Verstärkungsregelung (auch bei kurzer
Zeitkonstante). Die Folge: Eine Station, deren Signal über
der Stoppschwelle liegt, aber auf einen sehr starken
Sender folgt, wird einfach übergangen.
So, das wären die serienmässigen Möglichkeiten der
Frequenzwahl. Aber es befindet sich an der Rückseite des
Gehäuses noch eine Buchse, die die Bezeichnung "CAT"
tragt. Das hat nichts mit der derzeitigen Katalysator-Euphorie
zu tun, sondern es bedeutet ComputerAided-Transceiver
Ober diese Buchse lassen sich viele Funktionen des FRG-8800
mit einem Heimcomputer steuern. Es ist jedoch noch ein
spezielles Interface hierfür erforderlich. Damit sind
die Anschlussmöglichkeiten an der Rückseite des Gerätes
noch nicht voll erschöpft. Da keine Antenne eingebaut
ist, gibt es selbstverständlich entsprechende Buchsen
und zwar. eine UHF-Buchse und eine Klemme für 50 Ohm
Impedanz, eine weitere Klemme für 500 Ohm, sowie Klemmen
für Erdung und Stummschaltung beim Betrieb in Verbindung
mit einem Sender. Ausserdem besteht die Möglichkeit,
Aktivantennen mit Energie zu versorgen (11 V, 50mA), man
kann einen externen Lautsprecher und über die "LINE OUT"
-Buchse z.B. einen Funkfernschreib-Decoder anschliessen.
Zu guter Letzt besteht noch die Nachrüstungsmoglichkeit
Für einen UHF-Konverter (die Empfangsfrequenz wird dabei
vollständig im Display angezeigt). Dann erlischt die FTZ-Nummer
für den normalen Betrieb, die der FRG-8800 nur für den
Bereich von 150-26000 kHz besitzt.
An der Frontseite befinden
sich schliesslich noch der Einsteller für die Tonhöhe,
ein stufenloser Abschwächer bis maximal55 dB,
Buchsen für Kopfhörer und Tonaufnahmen. Das Display
weist noch eine Besonderheit auf, nämlich ein
pseudoanaloges Balken-S-Meter, das für den Bereich von S
1 bis 59 + 60 dB ausgelegt ist und zusätzlich die SINPO-Code-Werte
angibt.
Die deutschsprachige Bedienungsanleitung ist recht übersichtlich
gegliedert und enthält neben den technischen Daten auch
Hinweise Ober den Betrieb des FRG-8800 in Verbindung mit
einem Heimcomputer. Leider ist keine Schaltung beigelegt,
selbst ein Blockschaltbild fehlt.
Vergleicht man dieses mit dem des FRG-7700, wird man, was
den Signalweg anbetrifft kaum Unterschiede feststellen.
Der FRG-8800 ist also auch ein Doppelsuper mit den
Zwischenfrequenzen 47,055 MHz und 455 kHz. Direkt vom
Antenneneingang gelangt das HF-Signal zu den automatisch
umschaltenden Bandfiltern (unterteilt in acht Bereiche).
Der Abschwächer wirkt wahrscheinlich auf die erste HF-Stufe.
Der erste Oszillator schwingt wie gewohnt oberhalb der
Empfangsfrequenz und in der 1. ZF sorgt ein Quarzfilter für
eine gute Vorselektion. In der 2. ZF werden dagegen
keramische Filter eingesetzt - für die breite Bandbreite
eines der Murata-Serie CFW, für die schmale CFM. Für
den BFO finden keramische Schwinger mit 453,5 bzw. 456,5
kHz Verwendung. Dies wird natürlich bei der
Frequenzaufbereitung berücksichtigt und jeweils die Trägerfrequenz
im Display angezeigt. Die NF-Endstufe mit 1,5 Watt
Ausgangsleistung sorgt in Verbindung mit dem eingebauten
Lautsprecher für den klassenüblichen Ton, also nichts für
HiFi-Fans.
2. MESSERGEBNISSE
Fast alle Messwerte liegen auf erfreulich hohem Niveau.
Lediglich die Anzahl der Eigenpfeifstellen und zum Teil
auch deren Intensität fallen aus dem Rahmen. Aber auch
der FRG-7700 ist in dieser Disziplin bekanntlich kein
Musterknabe, trotz der vergleichsweise simplen
Frequenzaufbereitung. Bei der Spiegelfrequenzsicherheit
handelt es sich durchweg um die Werte der 2. ZF d.h.,
dass sehr starke Stationen auch 2 x 455 = 910 kHz
unterhalb ihrer Nennfrequenz gehört werden und den
Empfang anderer Stationen beeinträchtigen können. Das S-Meter
muss bei der Nennfrequenz allerdings schon Werte von S9 +40
dB oder mehr anzeigen. Aber solche Werte sind keine
Seltenheit. Als erfreulich genau erwies sich das S-Meter
übrigens im Test. Die Anzeige ist durch die
pseudoanaloge Darstellung bei dem üblichen Schwund
leider in der Regel recht unruhig, ausserdem ist die Dämpfung
nicht optimal ausgelegt.
3. EMPFANGSERGEBNISSE
Normalerweise halten Batterien für den Uhren- bzw.
Speicherbetrieb mehr als ein Jahr - beim SONY ICF-2001
sind es sogar weit mehr als 2 Jahre. In der
Bedienungsanleitung auf Seite 6 verspricht Yaesu zwar
auch eine Lebensdauer von einem Jahr. Dies wird jedoch
schon auf Seite 8 etwas eingeschränkt, nämlich dann,
wenn das Gerät öfter vom Netz abgenommen wird, können
die Batterien eventuell eher erschöpft sein. Aber was
heisst .,eher"? Messungen ergaben' dass die
Stromaufnahme mit 5mA extrem hoch ist, die Lebensdauer
der Batterien betragt also bei gezogenem Netzstecker nur
gut eine Woche. Und was passiert, wenn die Batterien leer
sind? Keine oder fehlerhafte Anzeigen im Display; kein
Ton oder Dauerpiepen aus dem Lautsprecher! Was denkt der
ahnungslose Käufer? Natürlich: Garantiefall ! (Dachte
ich auch, bis ich die Ursache herausfand. Warum steht so
etwas nicht in der Bedienungsanleitung?)
Doch nach einiger Gewöhnung ist der FRG-8800 leidlich
sicher zu bedienen. Um einen Sender einzustellen, kann
man auf die unglücklich ausgelegten Suchlauffunktionen verzichten,
woran auch sehbehinderte Kurzwellenhörer
ihre Freude haben. Das Gerät lässt sich durch
ausklappbare Füsse vorn in eine angenehme Schräglage
bringen. Wem das nicht genügt, der kann die als Zubehör
beigelegten Verlängerungen anschrauben.
Da, wie bei Geraten dieser Art üblich, keine Antennen
eingebaut sind, ist man auf externe Wellenfänger
angewiesen. Und diese dürfen recht kräftige Signale
liefern. Mir gelang es jedenfalls mit meiner 12 m-Aussenantenne
nicht, den Yaesu zu überladen. Zur Not gibt es auch noch
den Abschwächer. Eine Anpassung mittels T-Filter ist
meist nicht notwendig und bringt nur etwa eine S-Meterstufe
mehr. Das gilt zumindest für die verwendete Antenne.
Der FRG-8800 gehört nicht zur Kategorie der besonders "ruhigen"
Empfänger. In den Bereichen zwischen den Rundfunkbändern
gibt es immer wieder undefinierbare Geräusche. Da hilft
auch der Störbegrenzer nicht. Er zeigt nur bei starken
Funkstörungen eine geringe Wirkung, dafür mindert er
die Tonqualitat allerdings meist auch nicht merklich.
a) Mittel- und Langwelle
Trotz der guten Empfindlichkeitswerte liegen die
Empfangsleistungen nur auf recht gutem, aber nicht
hervorragendem Niveau. Bei gleichen Antennen liegen die
Ergebnisse in kritischen Situationen meist etwas unter
denen des Vergleichsgerätes. Am besten schnitt eine
Ferritantenne mit Verstärker ab.
Die breite Bandbreite ist dem 9 kHz-Raster gut angepasst
und verhindert Interferenzpfeifen in der Regel vollständig.
Nur in kritischen Situationen schwache Sender
neben starken oder beim Empfang von Stationen zwischen
dem Raster - ist der Einsatz der schmalen Bandbreite
sinnvoll. Im Vergleich zum FRG-7700 bietet der Neuling
keine Vorteile. Insgesamt betrachtet ist er ihm sogar
leicht unterlegen.
b) SSB-Empfang
Fortschritte sind auch hier zu verzeichnen. Die
Randbedingungen stimmten zwar auch beim FRG-7700, doch
haperte es an einer wirklich klaren Wiedergabe der
Sprache. Hier ist der Neuling merklich besser, ohne
jedoch die Klasse eines ICOM IC-R 70 zu erreichen. Alles
andere ist gut gelungen. Dazu gehören die mit nur 25 Hz
gerasterte Hauptabstimmung, die schaltbare
Regelzeitkonstante, die gute Frequenzstabilität und die
Möglichkeit auch die Betriebsart zu speichern.
c) Kurzwelle BC
Etwas grösser scheinen die Differenzen bei den kurzen
Wellen zu sein. Während der FRG-7700 leichte Schwächen
in den Tropenbändern und bei Frequenzen über 20 MHz
aufwies, hat der FRG-8800 diese Mangel abgelegt und
liefert auch in diesen Bereichen Spitzenleistungen. Dabei
muss natürlich immer die schmale Bandbreite benutzt
werden, die einen fast idealen Kompromiss zwischen
Trennscharfe und Tonqualität darstellt. Das bedeutet
freilich nicht, dass eine veränderliche Bandbreite mit
zusätzlichem Notchfilter die Empfangsleistungen nicht
weiter steigern konnte.
4. ABSCHLUSSBEWERTUNG
Gutes zu verbessern ist schwierig, Gutes zu verwässern
dagegen leicht. Beides haben die Yaesu-Entwickler
geschafft. Die Empfangsleistungen des FRG-8800 im
Kurzwellenbereich sind unter allen Bedingungen fast
makellos. Das trifft für Mittel- und Langwelle jedoch
nur mit Einschränkungen zu. Wahrend der FRG-7700
bedienungstechnisch gut gelungen war und nur leichte
Mangel aufwies, wurden diese beim FRG-8800 übernommen
und noch weitere hinzugefügt. Trotzdem wird er wohl
seinen Weg machen und besonders auch bei den Computer-Freaks
viel Anklang finden.