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RussiaTestbericht Euromatic 001
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überarbeitet am 20.6.2004 |
Kofferradio Euromatic 001 aus der UdSSR - Preiswunder mit vielen inneren Werten
Nur 159 DM für ein
vollwertiges Kofferradio mit allen Wellenbereichen unter
besonderer Berücksichtigung der Kurzwelle sind nicht
viel. Und natürlich kommt der Euromatic 001 aus dem Osten.
Nur nicht von ganz soweit weg, wie man vielleicht im
ersten Moment denkt. Er ist nämlich in der UdSSR
gefertigt. Achtmal Kurzwelle und automatische Frequenzkontrolle in jeder Betriebsart!
Außerdem ist noch der UKW-Bereich mit 87,5 MHz bis 108 MHz mit eingebaut. Man sieht also, hier ist ein Kurzwellenempfänger mit breiter Spreizung entstanden, wie er bei der vorhandenen Analogmessung zum sicheren Auffinden der stärksten Sender wichtig ist. Außerdem stehen insgesamt acht Stationstasten zur Verfügung, je vier für UKW und vier für die anderen Bereiche. Zur Speicherung dient einfach ein Potentiometer, wie man es z. B. von älteren Fernsehgeräten her kennt. Angewählt werden die Speicher übrigens mit Sensortasten. Eine LED zeigt an, welcher Speicher eingestellt ist. Das eigentliche Besondere beim Euromatic 001 aber ist - außer des Preises - eine AFC-Schaltung zur optimalen Sendereinstellung in allen Frequenzbereichen - auch auf Kurzwelle! Wir kennen die Abstimmung bisher eigentlich fast nur nur dem UKW-Bereich, wo sie das Signal automatisch für besten Empfang "auf Mitte" zieht. Nun ist sie - meines Wissens zum ersten Mal bei einem Kurzwellenempfänger für Hobbyzwecke - auch für die Betriebsart AM realisiert worden. Dort bietet eine solche Schaltung gleich mehrere Vorteile: man braucht die Station nicht mehr mit dem Handrad optimal einzustellen, was gerade für Newcomer eine oft frustrierende Sache ist und bei Frequenz-Instabilitäten des Empfängers läuft nicht gleich auch noch der Empfang weg. Des weiteren werden bei eingeschalteter AFC hauptsächlich die stärksten Stationen erfaßt. Selbstverständlich ist diese Einstellhilfe abstellbar, was besonders für die Jagd nach schwächeren Sendern nützlich ist. Die Regler für Lautstärke, Baß und Höhen sind als Schieberegler ausgebildet, und der Empfänger verfügt über eine eigenwillige Sleep-Lösung, mit der sich die Zeit bis zum automatischen Ausschalten zwischen 10 und 30 Minuten einstellen läßt. Mich erinnert sie an die Eieruhren, aber funktionell ist auch diese Lösung. Die Einstellung der Wellenbereiche geschieht über Tasten auf der Oberseite des Empfängers. Die Frequenzen werden auf einer Horizontalskala abgelesen, die ebenfalls über einen Sensor nur solange beleuchtet wird, wie man den metallenen Knopf zur Sendereinstellung berührt halt: eine ungewöhnliche praktische Lösung zur Batterieersparnis! Zur Abschätzung der relativen Empfangsfeldstärke steht ein S-Meter zur Verfügung, das außerdem auf Knopfdruck zum Überprüfen der Batteriespannung dient. Der Euromatic 001 enthält ein Netzteil und zur Aufbewahrung der Netzschnur hat man sich mit einer Haspel etwas wirklich Besonderes einfallen lassen. Es wird nur soviel von dem Kabel ausgerollt, wie man benötigt. Lässt man dann das Kabel vorsichtig los, blockiert der Mechanismus, und es ragt in der gewünschten und benötigten Länge aus dem Gerät. Das Design des Empfängers entspricht bis in die Alu-Zierleisten auf den Seiten hinein recht genau dem Grundig - Geschmack von vor etwa 10 Jahren, der ja schon damals nicht unbedingt als der letzte Schrei in Sachen Industriedesign galt. (Heute, das sei der Gerechtigkeit halber hinzugefügt, ist ein Empfänger wie der Grundig Satellit 400 mit dem Prädikat "if" für beispielhafte Industrieform ausgezeichnet, wie erst auf der letzten Hannover-Messe zu sehen war.) Zwei große Teleskopantennen - eine kippbare für UKW und eine starre für Kurzwelle - vervollständigen das Bild dieses ungewöhnlichen Ernpfängers, der so ganz ohne den üblichen mikroprozessor-kontrollierten Schnickschnack auskommt. Die Bedienungsanleitung macht leider nur genau das, was sie sagt; sie leitet zur Bedienung an. Das recht ausführlich und in einem Deutsch, bei dem manchmal selbst der neueste DDR-Duden (Leipzig, 1987) versagt: so z.B. "Basisspezifikationen" für "Technische Daten" oder "Kontrastecker" für "Buchse". Allerdings ist manche aus dem Japanischen "eingedeutschte" Bedienungsanleitung weitaus schwieriger zu verstehen! Über die technischen Innereien hingegen läßt sich die Bedienungsanleitung nicht aus, nicht einmal, ob man nun einen Doppel- oder einen Einfachsuper vor sich hat. Eine der wenigen technischen Angaben ist recht rätselhaft, handelt es sich demnach doch um ein "Durchlaßband Phasenkontrolle für Lange Welle, Mittelwelle und Kurze Welle". Also, genug der müden Theorie, hinein in die spannende Praxis. Mit der Bedienung müßte man sich erst ein wenig vertraut machen, es ging dann aber wie geschmiert. Zuerst einmal probierten wir den Trennschärfetest zwischen Luxemburg und Bayerischem Rundfunk aus. Spätestens hier muß angezeigt werden, daß der Euromatic zwei - nicht näher spezifizierte - Bandbreiten besitzt. Die breite hat 18 kHz bei -50 dB, die schmale etwas weniger. Das reicht für eine eindeutige Trennung bei gleichstarken Sendern dann aus, wenn man ein wenig neben der Frequenz abstimmt. Wie verhält sich nun in einem solchen schwierigen Fall die automatische Frequenzkontrolle auf Kurzwelle? Wir stimmten den Empfänger so ab, daß zwischen RTL und BR3 akustischer Gleichstand herrschte und schalteten dann die AFC ein: Recht klar war dann der Bayerische Rundfunk zu hören, der zu dieser Zeit im übrigen das stärkste Signal lieferte - wie sich leicht am parallel dazu betriebenen NRD-525G bestätigen ließ. Schon gleich zu Beginn des
Praxistestes staunten wir über den voluminösen Klang
des Gerätes. Da merkt man, daß man auf Platz und
Gewicht in der UdSSR nicht so achtet wie im mikrosüchtigen
Japan - eine Wohltat für die Ohren! Die Sensorschalter für die Festfrequenzen - daran muß man sich erst gewöhnen, zumal die Verarbeitung des Gerätes nicht perfekt ist - wie bei diesem Preis auch gar nicht anders zu erwarten. Im wenig kritischen AM-Bereich gibt es keine Probleme mit der Wiederkehrgenauigkeit. Irritierend ist nur für mikroprozessor-Verwöhnte, daß beim Umschalten des Kurzwellenbandes z. B. eine andere Station gewählt wird. Die Speichertasten sind also immer nur im Zusammenhang mit dem eingestellten Wellenbereich zu sehen. Die Umschaltung von Speicher auf Handrad klappt auf Berührung. Berührt man den metallenen Kranz des Handrades, so ist sofort statt der Speicherfrequenz die vorher eingestellte Station zu hören. Mir hat dieser Empfänger recht gut gefallen, weil er für einen Spottpreis ungewöhnliche Lösungen bietet. Er ist für alle Rundfunkhörer geeignet, die einen guten Klang suchen und auf ihr (Taschen-)Geld achten müssen. Die AFC für AM war sicherlich das Überraschendste bei diesem Gerät, eine solche Innovation hatte ich nicht erwartet. Frequenzbereiche: siehe Text Bezug Lange Electronic, Postfach 1192, 5778 Meschede d: Rundfunkempfänger Salut 001, kurier 15 / 1990 © wwh ??? |
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