Nachdem sich Siemens vor einiger Zeit vom Produktbereich der
Unterhaltungselektronik zurückgezogen hatte, sah es eine
Zeitlang so aus, als wäre der deutschsprachige Markt
einer Reihe von sehr interessanten Reiseradios beraubt.
Doch dann kam alles ganz anders: Denn da Siemens es
anstelle eigener Konzepte zu entwickeln vorgezogen hatte,
die Geräte der in Taiwan beheimateten Firma Sangean
unter dem eigenen Firmennamen anzubieten, waren die früheren
Siemens-Weltempfänger im Prinzip weiterhin auf dem Markt
erhältlich. Nur eben unter dem Namen Sangean - und
vorerst nicht in Deutschland. Doch das hat sich
mittlerweile geändert: Geht es um den Bereich der
Weltempfänger, hat Sangean auf dem Weltmarkt einen ähnlich
guten Namen wie Sony. Und es gibt sogar Gerüchte, daß
Grundig USA (nicht zu verwechseln mit Grundig Deutschland!)
und Sangean das Projekt Satellit 900 noch nicht endgültig
begraben haben. Doch das ist Zukunftsmusik. Wir beschäftigen
uns nachfolgend mit einem der schon heute verfügbaren
Radios von Sangean, das man als einfaches Einsteigergerät
bezeichnen kann.
Ausstattung
Der Sangean ATS 303 bietet die Grundausstattung eines
Reiseradios: Untergebracht in einem schwarzen Gehäuse im
Format 170 x 110 x 35 mm (B x H x T) empfängt das Gerät
die Wellenbereiche Mittelwelle (520 - 1.710 kHz), Kurzwelle
(SW1: 2.300 - 7.300 kHz & SW2: 9.500 - 26.100 kHz; auf
Umschaltung werden nur die für den Hörfunk zugeteilten
Kurzwellenbereiche empfangen) und UKW (87.5 - 108.0 MHz;
stereo über Kopfhörer). Der Wechsel zwischen den
Wellenbereichen (FM, MW, SW1, SW2) erfolgt über einen
Schiebeschalter auf der Oberseite des Empfängers. Die
Frequenzabstimmung geschieht entweder mit Hilfe eines
aktivierbaren Suchlaufs oder mittels Aufund Abtasten in
Schritten von 9 oder 10 kHz auf Mittelwelle, 5 kHz auf
Kurzwelle und 100 kHz auf UKW. Pro Wellenbereich (FM, MW,
SW1, SW2) stehen fünf Speicherplätze zur Verfügung, in denen oft gehörte Frequenzen abgelegt werden können.
Sowohl Speicherung als auch Abruf der Speicher sind sehr
unkompliziert gelöst: Jedem Speicherplatz ist im
jeweiligen Wellenbereich eine eigene Taste zugeordnet.
Das großzügig dimensionierte LC-Display zeigt entweder
die gehörte Frequenz und gegebenenfalls zusätzlich den
gerade aktivierten Speicherplatz an, oder die aktuelle
Uhrzeit. Das Gerät ist mit einer Weck- und
Einschlaffunktion ausgestattet, kann also auch als
Reisewecker seinen Dienst versehen. Im Falle eines zu
schwachen UKW-Empfangs läßt sich auf Mono-Betrieb
umschalten. Für den Empfang von Kurzwelle und UKW dient
ein 72 cm langer Teleskopstab, der sich in allen Ebenen
auf besten Empfang ausrichten läßt. Für den Empfang
der Mittelwelle wurde die übliche Ferritantenne ins Gehäuse
integriert. An der rechten Gehäuseseite befinden sich
Buchsen zum Anschluß eines Kopfhörers und für die
externe Stromversorgung (6 Volt; gängige Buchsennorrn).
Zumeist wird man dieses Reiseradio mit Hilfe von vier
Mignonzellen mit Energie versorgen, deren Batteriefach
auf der Rückseite zugänglich ist, gleich unterhalb
einer ausklappbaren Stütze für den
bedienungsfreundlichen Betrieb in Schrägstellung. Der
nach vorne strahlende Lautsprecher klingt bei UKW-
Empfang ein wenig hoch - eine schaltbare Tonblende ist
nicht vorhanden -, und erreicht eine beeindruckende
Lautstärke, auch wenn man diese aufgrund sonst
auftretender Verzerrungen nicht zu hoch wählen sollte.
Die 13 Drucktasten auf der Frontseite lassen sich für
einen sicheren Transport gegen eine versehentliche Betätigung
sperren. Im ausgeschalteten Zustand wird auf dem Display
die Uhrzeit angezeigt. Zum Lieferumfang zählt neben der
Bedienungsanleitung eine Frequenzliste, in der auch
einige grundlegende Informationen zum Thema Kurzwelle
gegeben werden.
Empfangspraxis
Ausstattung und Bedienung stellten schon vor
Testbeginn klar, daß es sich beim ATS 303 um ein
Reiseradio handelt, das in erster Linie preisgünstig die
weltweiten Empfangsmöglichkeiten der Kurzwelle erschließen
will. Und dies bestätigte sich auch recht bald während
der praktischen Erprobung: Tagsüber war es ratsam bei
der Frequenzwahl darauf zu achten, daß sich der nächste
starke Sender in einem Abstand von mindestens 10 kHz zur
gewünschten Station befand, um zu heftige Störungen zu
vermeiden. In den Abendstunden gesellten sich gleich zwei
weitere Probleme zu der offensichtlich zu groß gewählten
Filterbandbreite im Kurzwellenbereich: 1.) Die
ansteigenden Signalpegel sorgten für eine Überladung
der Eingangsstufe und ein Auftauchen von Mischprodukten.
2.) Eine offensichtlich nicht ausreichende
Weitabselektion ermöglichte es, daß sich die Signale
starker Stationen auf benachbarten Frequenzen miteinander
mischten. So war gegen 17.00 UTC auf 6075 kHz nicht nur
die Deutsche Welle zu hören, sondern auch der Bayerische
Rundfunk von 6085 kHz. Da der Empfänger über keinen
zuschaltbaren Abschwächer verfügt, ließen sich die
Auswirkungen der geschilderten Problematik erst dann
mildern, als die Teleskopantenne fast ganz eingeschoben
wurde. Dies ist ein gangbarer Weg, auf den ein Kurzwellen-
Einsteiger jedoch wohl nur in den seltensten Fällen
kommen wird. Auch die große Zahl von Mischprodukten außerhalb
der eigentlichen Rundfunkbänder der Kurzwelle werden den
Einsteiger verwirren. Das Bedienungskonzept läßt es
ratsam erscheinen, häufig mit den fünf pro
Wellenbereich zur Verfügung stehenden Speicherplätzen
zu arbeiten. Dort wird man die jeweils am besten hörbaren
Frequenzen ablegen, um sich auf deren Empfang zu beschränken.
Fazit
Basierend auf den im Test gemachten Erfahrungen, möchte
man den ATS 303 als den derzeit einzigen Empfänger von
Sangean bezeichnen, der nur bedingt empfehlenswert ist.
Hingegen sehr empfehlenswert wäre es, den ATS 303 gründlich zu überarbeiten, um diesen auch in Europa zu jeder
Tageszeit - also auch in den Ahendstunden - sinnvoll
betreiben zu können. In seiner derzeitigen Ausführung
schrecken die gezeigten Probleme des Empfängers eher ab,
als daß sie Einsteiger zur intensiven Nutzung des
Informationsmediums Kurzwelle ermuntern können. Der
Listenpreis für den ATS 303 beträgt derzeit DM 159,-. Für DM 198.- erhält man beim Technischen Klubdienst der ADDX
e.V. den Sangean ATS 305, der nicht nur auf Kurzwelle ein
merkbar besseres Empfangsverhalten als der ATS 303 zeigt,
sondern bei UKW-Empfang auch noch über eine RDS-Funktion
verfügt (Anzeige des Sendenamens im Display).