Optik
Wer sich die Ansicht
des RK 665 vor Augen führen möchte, braucht lediglich
im WRTH 92 die Seite 44 aufschlagen, wenn das Gerät
gerade nicht beim Fachhändler vorrätig ist. Im Design
weicht der RK 665 nämlich nur unwesentlich in einigen
Zierstreifen von seinem Ursprungsmodell, dem ATS 818 von
Sangean ab. Technisch sind die beiden Geräte absolut
identisch, soweit wir das beurteilen konnten.
Bedienungselemente und Funktionen
Um mit der Zusammenfassung zu beginnen: der RK 665 läßt sich sehr
komfortabel bedienen und steht größeren Heimgeräten
diesbezüglich kaum nach. Der Unterschied liegt im Detail.
Das Display z.B. ist zwar groß und gut lesbar, aber nur
wenn man das Gerät über die ausklappbare Stütze schräg liegend betreibt. Stellt man den RK 665 senkrecht auf den
Tisch, ist der Kontrast der Anzeige deutlich schlechter.
Bei längerem Betrieb wird man aber ohnehin den Empfänger
schräg stellen, da in dieser Stellung alle Schalter,
Regler und Knöpfe an bequemsten erreichbar sind. Mit
voll ausgefahrener Teleskopantenne gibt es dann auch
keine Standfestigkeitsprobleme.
Hat man den Empfänger
eingeschaltet, bleibt einem die Wahl unter vier
verschiedenen Möglichkeiten zur Frequenzeinstellung im
Bereich von 150 bis 29999 kHz und UKW von 87.5 bis 108
MHz:
1.) Die direkte Eingabe über Zahlentasten (auf 1 kHz
genau)
2.) Scannen mit den up/down-Tasten, übrigens mit
automatischem Stopp bei stärkeren Sendern (im 5 kHz -
Raster bzw. 9 oder 10 kHz auf Mittelwelle)
3.) über den "klassischen" Drehknopf (in 1 bzw.
5 kHz - Schritten gerastert)
4). über die Anwahl von Senderspeichern (18 für SW, je
9 für MW, LW und FM)
Außerdem kann man zwischen den Meterbändern 120 bis 11
m direkt mit zwei Tastendrücken springen. Eingestellt
wird dann die zuletzt im entsprechenden Meterband
verwendete Frequenz. Also quasi eine zusätzliche
Speichermöglichkeit für jedes Meterband. Durch diese
Direktanwahl ist ein schneller Wechsel zwischen
Frequenzen einer Station auf verschiedenen Meterbändern
möglich.
Einige kleine Haken gibt
es jedoch:
zu 1.) So muß vor jeder direkten Frequenzeingabe zuerst
die "Frequenz"-Taste betätigt werden, denn in
der Grundeinstellung befindet sich das Gerät im "Speicher"- Modus, d. h. man wählt mit jedem Tastendruck einen Speicherplatz an. Diese Eingabeprozedur ist etwas gewöhnungsbedürftig.
zu 2.) Der automatische Sendersuchlauf mit den up/down-Tasten
ist für FM recht nützlich, bei SW jedoch eher lästig.
zu 3.) Der Drehknopf hat die etwas seltsame Eigenschaft
bei einem Richtungswechsel genau eine Rasterung (1 oder 5
kHz je nach eingestellter Feinheit) tot zu bleiben. Erst
mit dem zweiten "Klick" bewegt sich die
Frequenz um 1 bzw. 5 kHz in die entgegengesetzte Richtung.
Beim genauen "Auspendeln" des Signalmaximums
eines Senders ist das etwas störend.
Gegen versehentliches Verstellen eines Senders gibt es
zwei Lock-Funktionen. Die "schärfere" von
beiden blockiert sogar das Ein- und Ausschalten des Gerätes,
was z.B. im Reisegepäck sehr sinnvoll ist.
Die Speicheranwahl ist, wie bereits erwähnt, ohne
Umschaltung sofort möglich. über eine (Speicher 1 bis 9)
bzw. zwei (Speicher 01 bis 09) Tastenbetätigungen sind
die 18 SW-Speicher erreichbar. Die Speicher (SW) sind mit
gängigen Standardfrequenzen, wie z.B. DW und RöI
vorbelegt, können aber alle umprogrammiert werden.
Die Stromversorgung des RK
665 erfolgt über 4 Monozellen. Als Backupversorgung
dienen 3 Mignonzellen. Sie sollen den Verlust der
Speicherinformationen (Frequenzen, Uhrzeit) bei
Batteriewechsel oder bei abgeschaltetem Netzteil
verhindern. Zum einfachen ungesicherten Betrieb sind sie
aber nicht notwendig. Bei Batteriebetrieb zeigt der RK
665 nach dem Ausschalten einige Sekunden lang über die S-Meter-Anzeige den Batteriezustand an. über das mitgelieferte Netzteil
kann der Empfänger an 220V angeschlossen werden.
Weitere erwähnenswerte Funktionen des RK 665 sind die Fähigkeit
zwei unabhängige Uhrzeiten (Zeitzonen) anzuzeigen, z.B.
UTC und Lokalzeit. Sowohl für Reisende als auch im
stationären Betrieb eine oftmals nützliche Funktion.
Ferner bietet das Gerät verschiedene von Radioweckern
her bekannte Funktionen, wie eine "Einschlafautomatik"
(1 Stunde) und Weckfunktionen. Wecken lassen kann man
sich per Radio oder durch das "humane Wecksystem".
Das bedeutet, daß der Weckton in Intervallen lauter wird,
bis der Schlafende irgendwann nachgibt.
Das S-Meter ist, wie auch andere Einzelheiten des Gerätes,
gewöhnungsbedürftig. Die feine Balkendarstellung täuscht eine sehr hohe Genauigkeit vor. In Wirklichkeit sind es
aber "nur" 7 Stufen. Warum 7? Das bleibt wohl
Geheimnis der Entwickler von Sangean. Erwähnenswert ist
noch, daß der MW-Bereich schon bis 1710 kHz geht (USA läßt grüßen).
Der eingebaute Lautsprecher bietet dank seiner Größe (etwa
50% der Frontfläche des Gerätes) einen angenehmen Klang.
Die eingebaute Teleskopantenne muß von Zeit zu Zeit
festgezogen werden (Kreuzschlitzschraube am Schwenkgelenk).
Die als Beilage mitgelieferten zwei Frequenzlisten sind
von äußerst konträrer Qualität. Das "Wave-Handbook" ist so veraltet, daß es schon wieder aktuell ist. Dort
ist z.B. das längere Schweigen von Radio Kuwait spurlos
vorübergegangen. Ferner werden Sender wie Radio RSA in
Deutsch oder RBI gelistet. Eher was fürs Museum.
Die zweite Liste mit deutschsprachigen Sendungen,
bearbeitet von einem kommerziellen Verlag, ist deutlich
besser ausgearbeitet und aktueller.
Als Resümee zur Bedienung des RK 665 kann man
konstatieren, daß das Gerät nach Gewöhnung an kleine
Eigenarten recht komfortabel zu bedienen ist.
Empfangseigenschaften
Hiermit kommen wir zu den Knackpunkten des RK 665.
Der Anschluß einer externen Antenne geschieht etwas
ungewöhnlich über einen 3.5mm Klinkenstecker, hat aber
den Vorteil, das damit automatisch die interne Antenne
abgeschaltet wird.
Der SSB-Betrieb bietet "nur" einen einfachen
BFO. Seitenbandauswahl ist also nicht möglich, damit
auch kein "ECSS-Betrieb". Die Einstellung des
BFO bedarf etwas Fingerspitzengefühl. Die vorhandene RF-Regelung ist eigentlich überflüssig, da sie keinerlei Einfluß
auf die Empfangseigenschaften hat. Sie wirkt eigentlich
nur als zweiter Lautstärkeregler.
FM (UKW): Mit der eingebauten Teleskopantenne lassen sich
nicht nur starke Lokalsender, sondern auch weiter
entfernte schwach einfallende Stationen empfangen. Dank
des großzügig konzeptionierten Lautsprechers ist die
Audioqualität dabei gut. Stereoempfang ist durch Anschluß
eines Kopfhörers möglich.
AM: Wenn der RK 665 bisher noch einen recht guten
Gesamteindruck ohne gravierende Schwächen machte, so muß
er beim AMEmpfang doch erheblich Federn lassen. So fällt
als erstes auf, daß der Empfang über die eingebaute
Teleskopantenne auf Kurzwelle einen recht müden Eindruck
macht. Während diese geringe Empfindlichkeit in einem
Frequenzbereich von ca. 9 bis 15 kHz nicht so sehr ins
Gewicht fallt, ist man speziell auf den Tropenbändern
von der fast schon gespenstischen Ruhe verblüfft. Es
sind lediglich die starken Sender (wie z.B. Kiev auf 4940
kHz oder Radio Ala auf 5040 kHz) brauchbar zu empfangen.
Mittlere Stationen (Bsp. Ghana auf 3366 kHz oder
Mauretanien auf 4845 kHz), die auf anderen Geräten noch
brauchbar zu empfangen sind, bereiten schon erhebliche
Probleme. Neben der schlechten Empfindlichkeit kommt als
zweiter Effekt besonders bei einsetzender Dunkelheit
hinzu, daß der Empfänger recht schnell übersteuert und
diverse "Geisterfrequenzen" produziert.
Arbeitet man mit der eingebauten Stabantenne, braucht man
sehr viel Fingerspitzengefühl, um die richtige Länge
der Antenne abzupassen, so daß einerseits die
Empfindlichkeit nicht zu stark gedämpft wird und
andererseits keine übersteuerungseffekte auftreten. Bei
dieser Arbeit nutzt der eingebaute RF-Regler überhaupt
nichts. Weder beeinflußt er das
Empfindlichkeitsverhalten (S/N-Verhältnis) noch hat er
Auswirkungen auf Ubersteuerungseffekte oder
Geisterfrequenzen. Er wirkt schlicht als zweiter Lautstärkeregler.
Etwas Abhilfe, zumindest in Bezug auf die Empfindlichkeit,
bietet der Einsatz einer externen Antenne. Aber bitte
Vorsicht! Ein 50m Langdraht überfordert den RK 665. Ein
paar wenige Meter sind das Maximum. Außerdem ist
unbedingt (!!!) eine Matchbox (Pi-Filter) erforderlich,
um übersteuerungseffekte vernünftig in den Griff zu
bekommen.
Umwälzende Verbesserungen sind aber auch mit einer
externen Antenne nicht zu erreichen. Im Tropenband
konnten einige mittelstarke Sender mit besserer Qualität
empfangen werden. Schwache Stationen oder gar Exoten
waren nicht auszumachen.
Die besten Ergebnisse sind
mit dem RK 665 in den mittleren bis hohen
Kurzwellenbereichen zu erzielen. So konnte ich z.B.
Myanmar auf 7185 kHz empfangen (mit externer Antenne (ca.
5m Draht) und Matchbox) und zwar nur unwesentlich
schlechter als mit einem ESKA-modifizierten NRD 535 DG
und 50mLangdraht. Das war aber der Ausnahmefall!
Die umschaltbare Bandbreite bringt im 5kHz-Raster der
Kurzwelle teilweise recht gute Ergebnisse, besonders bei
leichten Störungen von Nachbarkanälen. Extreme Störeinflüsse
können aber natürlich nicht bewältigt werden.
Fazit
Empfindlichkeit und übersteuerungsfestigkeit sind
nicht gerade die Stärken des RK 665. Als Reiseempfänger,
um mit der Heimat in Verbindung zu bleiben, ist der Empfänger
durchaus geeignet. In Verbindung mit seinem recht guten
Klang und den verschiedenen Weckfunktionen ist er sicher
ein angenehmer Reisebegleiter.
Wer den RK 665 als DX-Maschine auf der Jagd nach
exotischen Stationen einsetzen will (besonders in den
Tropenbändern), wird jedoch mit Sicherheit enttäuscht.
Eine externe Antenne mit Matchbox bringt zwar
Verbesserungen, versetzt aber keine Berge.
Die Entwickler sollten sich bei dem Gerät über
Empfindlichkeit, Antennenanpassung und Dynamik noch mal
einige Gedanken machen. Hilfreich wäre eine
Antennenanpassung, wie sie früher an den Satelliten
vorhanden war (über Drehko). Das Netzteil sollte in
Hinblick auf Weltreisende zwischen 110 und 220V
umschaltbar sein.
Technische Daten Siemens RK 665
Frequenzbereich: 150kHz - 30 MHz AM, 87,5 MHz - 108 MHz
FM
Digitale Frequenzanzeige: auf 1 kHz genau
PLL-Doppelsuper: 1. ZF 49,995 MHz, 2. ZF 450 kHz
Stromversorgung: vier 1,5V-Mignonzellen + drei
Mignonzellen, bzw. extemes Steckernetzteil (beigepackt)
Antennen: eingebaute Ferritantenne (LW/MW)
Teleskopantenne (UKW/KW)
Anschlußbuchse: für ext. Antenne, externe
Stromversorgung, Kopfhörer
Abmessungen: ca. 300x 190 x 80 mm
Gewicht: ca. 1,8 kg (ohne Batterien)
Preis: ca. 448 DM (Fachhandel)
Der Siemens RK 670
unterscheidet sich von diesem Gerät hauptsächlich durch
einen eingebauten Radiorecorder, der das Gewicht auf ca.
2 kg hebt, der Preis liegt bei 498 DM.