Siemens erweiterte
kürzlich sein Programm an Weltempfängern um den RK 670.
Neu an diesem Gerät ist nicht unbedingt das Empfangsteil,
denn es orientiert sich weitgehend an dem des bewährten
RK 661, sondern der integrierte Cassettenrecorder. Durch
den Einsatz der ebenfalls vorhandenen Schaltuhr können
mit dem neuen RK 670 Sendungen automatisch auf Cassette
aufgenommen werden. Das Gerät ist für unter DM 500,- im
Handel erhältlich.
Die deutsche Bedienungsanleitung bietet in knapper Form
alle nötigen Angaben für einen problemlosen Betrieb. Wünschenswert
wäre zusätzlich eine kurze Einführung in die
Besonderheiten und eventuell auftretende Probleme des
Kurzwellenempfangs oder doch zumindest ein Verweis auf
entsprechende Fachliteratur. Auf diese Weise könnte es
"Newcomern" erspart werden, den weltweiten
Kurzwellenempfang nach kurzer Zeit enttäuscht wieder
aufzugeben.
Das beiliegende "Wave Handbook" enthält überwiegend
veraltete Angaben, beispielsweise sind noch Radio Berlin
International und Radio Kuwait gelistet, ebenso wie die
schon seit geraumer Zeit eingestellten deutschsprachigen
Sendungen von Radio Canada International und Radio RSA.
Siemens war sich der mangelnden Aktualität des "Wave
Handbook" anscheinend bewusst und hat dem RK 670
eine "Tabelle deutschsprachiger Sendungen auf
Kurzwelle" beigelegt, die besser recherchiert
erscheint, als die Vorgängerliste.
Das Gehäuse im Format (BxHxT)
30,3 x 19,1 x 6,7 cm und mit einem Gewicht von 1,8 kg
macht einen robusten Eindruck, der seitlich angebrachte
Lautstärkeregler erscheint jedoch ein wenig wackelig.
Mittels eines Bügels auf der Rückseite kann der Empfänger
in eine bedienungsfreundliche Schräglage gebracht werden,
der Empfänger verfügt jedoch auch über genug
Standfestigkeit für einen aufrechten Betrieb. Auf der
Vorderseite befinden sich neben Cassettenfach und
Lautsprecher das Display sowie 33 Tasten und Schalter.
Das angenehm übersichtliche, gut einsehbare und
beleuchtbare Display enthält ständig Informationen über
die aktuelle Uhrzeit, Signalstärke und eingestellte
Frequenz. Die Anzeige der Signalstärke ist nur bedingt
aussagekräftig, ausserdem hat man sich für die ungewöhnliche
Einteilung von "S1" bis "S7"
entschieden.
Es lassen sich zwei verschiedene Uhrzeiten eingeben und
wahlweise darstellen. Ausserdem bietet die Uhr eine
"Sleep-Funktion", durch die sich der Empfänger
nach 60 Minuten automatisch abschaltet. Der RK 670 läßt
sich auch als Wecker benutzen: Man kann sich entweder
durch Musik aus dem Radio oder durch einen immer lauter
werdenden Piepton aus dem "Land der Träume"
zurückholen lassen.
Der Empfänger
Der RK 670 empfängt den Bereich 150 - 29999 kHz (Lang-,
Mittel- und Kurzwelle) sowie 87.5-108 MHz (UKW). UKW-Empfang
ist über Kopfhörer auch in Stereo möglich. Die
Frequenzabstimmung kann auf verschiedene Arten geschehen:
An der rechten Gehäuseseite befindet sich ein grosser
Drehknopf, über den wahlweise in 1 oder 5 kHz Schritten
abgestimmt werden kann. Ü:ber eine numerische Tastatur
auf der Vorderseite kann die gewünschte Frequenz auf I
kHz genau direkt eingegeben werden. Eine Scan-Funktion
sucht den gewünschten KW-Frequenzbereich in 5 kHz-Schritten
ab und stoppt bei starken Signalen. Auf Mittelwelle läßt
sich der Kanalabstand von 9 auf 10 kHz umstellen. Schließlich
können insgesamt 45 Frequenzen (18 auf Kurzwelle, je 9
auf Lang-, Mittel, und Ultrakurzwelle/UKW) abgespeichert
werden. Die Frequenzen oft gehörter Stationen werden
hier abgelegt und bei Bedarf abgerufen. Einige Speicherplätze
sind bereits ab Werk belegt, können jedoch leicht geändert
werden. Die Frequenzabstimmung kann gesperrt werden, so
daß ein versehentliches Verstimmen oder Ein- oder
Ausschalten unmöglich wird. Die Stromversorgung erfolgt
entweder durch das mitgelieferte Steckernetzteil, durch
vier Monozellen oder durch eine Autobatterie. Für den
internen Speicher sind ausserdem drei Mignonzellen nötig.
Für den Empfang von Amateur-, See- oder Wetterfunk
besteht die Möglichkeit des SSB (Einseitenband)-
Empfangs. Mittels eines BFO wird exakt auf beste Verständlichkeit
abgestimmt, auch wenn die Frequenz selbst nur auf 1 kHz
genau eingestellt werden kann. Für den Bereich 150 -
29999 kHz stehen zur Verringerung von Nachbarkanalstörungen
zwei verschiedene Bandbreiten zur Verfügung. Die
Bandbreitenumschaltung hilft etwas, könnte jedoch
verbessert werden. Ü:ber eine Tonblende kann man die Tonhöhe dem persönlichen Geschmack anpassen, ein "RF Gain"
bietet die Möglichkeit zur stufenlosen Verringerung der
Empfindlichkeit.
Wie bereits erwähnt, gleicht das Empfangsteil des RK 670
weitgehend dem des älteren RK 661, es handelt sich also
vom Konzept her keinesfalls um einen DX-Empfänger. Die
Empfindlichkeit ist ausreichend für den Empfang
internationaler Sender, der Empfänger macht einen sehr
ruhigen Eindruck. Allerdings erscheint die eingebaute
Teleskopantenne ein wenig "taub" zu sein. Es
ist eine Anschlußbuchse für eine externe Antenne
vorhanden und bereits 15 cm(!) Draht erzeugen teilweise
ein deutlich stärkeres Empfangssignal als der eingebaute
Teleskopstab und ermöglichen den Empfang auch schwacher
Lokalstationen auf Kurzwelle. Hat man so die Antenne
"verlängert" und das Eingangssignal erhöht,
ist mit dem Empfänger sogar echtes DX möglich: Bei
unseren umfangreichen Tests war das 60-Meterband plötzlich
voll mit auch schwächeren Stationen und sogar im 90-Meterband
waren zwei Stationen (Namibia und Ghana) zu hören.
Diese Ü:berraschung machte uns neugierig und wir
versuchten, weitere DX-Stationen zu hören: 5983 AWR
Guatemala, 5995 Mali, 7100 VORGAN, 7375 RFPI, 9115
Continental, 9585 Excelsior, 9735 Paraguay, 9661 Rumbos,
11805 Globo konnten innerhalb kurzer Zeit an einem Abend
gehört werden. Sämtliche Empfänge wurden übrigens durch zwei Kommunikationsempfänger der oberen
Preisklasse überprüft, um sicherzustellen, daß es sich
nicht um vom RK 670 erzeugte "Geisterempfänge
handelte. Ein wirklich erstaunliches Ergebnis. Es
bewahrheitet sich einmal mehr, daß sich ein vorsichtiges
experimentieren mit Drahtantennen auch bei Geräten mit
integrierter Antenne durchaus lohnen kann. Auch das
blosse Anfassen des Teleskopstabs kann bereits
Verbesserungen erzielen. Zur "Ehrenrettung" der
teuren Kommunikationsempfänger muß erwähnt werden, daß die ganz schwachen Stationen (z.B. 6325 VOK, 6724
Satelite) mit dem RK 670 auch nach Antennenexperimenten
nicht auf Anhieb gehört werden konnten.
Die erreichte Tonqualität der Lautsprecher des RK 670
ist gut und viel besser als z.B. beim teureren Sony ICF-2001
D. Kopfhörerbetrieb ist ebenfalls möglich, auf UKW in
Stereo (Umschaltung auf Mono ist möglich). Ein Kopfhörer
gehört leider nicht zum Lieferumfang. Der Empfang auf
Lang- und Mittelwelle sowie auf UKW ist akzeptabel und
der Preisklasse entsprechend, könnte eventuell ebenfalls
durch den Einsatz von Außenantennen verbessert werden.
Der Recorder
Neugierig auf den RK 670 machte der integrierte
Recorder, hatte sich doch der Autor in der Vergangenheit
schon mehrfach ein solches Gerät gewünscht, mit dem
problemlos bei Abwesenheit Sendungen mitgeschnitten
werden können. Und genau das bietet dieser "Kurzwellen-Radiorecorder".
Mit der integrierten Schaltuhr, die den Empfänger auch
zum Radiowecker umfunktioniert, kann ebenfalls der
Recorder gesteuert werden.
Die Aufnahmequalität ist ordentlich für ein Gerät
dieser Preisklasse, auf UKW können sogar Sendungen in
Stereo aufgenommen werden. Zuviel sollte man sich von den
Stereoaufnahmen jedoch nicht erwarten, so fehlt
beispielsweise eine Möglichkeit zur Rauschunterdrückung.
Die Aussteuerung wird automatisch geregelt, was für Lang-,
Mittel- und Kurzwelle in Ordnung ist. Der Recorder
erzeugt einen leisen Pfeifton im Empfangsteil. Bei
Aufnahmen sollte man daher den vorhandenen Schalter mit
der Bezeichnung "Beat Cut" auf die Position
"2" stellen. Nach dieser Massnahme ist in AM
und FM keine Beeinträchtigung des Empfangs mehr durch
den Recorder feststellbar. Zwei Leuchtdioden zeigen den
Betrieb des Recorders an, bei Wiedergabebetrieb schaltet
das Radio stumm.
In der Betriebsart SSB erzeugte der Recorder eine
deutliche Verzerrung des empfangenen Signals, die die
Verständlichkeit beeinträchtigt. Dieses mag bei stark
einfallenden Sendern ohne Bedeutung sein, könnte jedoch
bei schwächeren Signalen zu Problemen führen.
Wünschenswert wären ein Zählwerk und ein Anschluß, über
den der Recorder oder der Empfänger mit anderen Geräten
verbunden werden kann. Ansonsten hinterlässt der
Recorder einen positiven Eindruck, er erhöht den
praktischen Nutzen des Empfängers.
Fazit
Ein vielseitiges Gerät für Einsteiger, Programmhörer
internationaler Sender, Skipper und Dxer, die auch
ausserhalb des heimischen Shacks Kurzwellensendungen hören
und/oder z.B. DX-Sendungen aufzeichnen wollen. Für DX
ist der RK 670 ohne Aussenantenne nur bedingt einsetzbar,
was vom Konzept her allerdings auch nicht vorgesehen ist.
Reserven können jedoch leicht wie beschrieben
mobilisiert werden. Wünschenswert wäre die Erweiterung
des Lieferumfangs um eine Einführung in den
Kurzwellenempfang, einen stereotauglichen Kopfhörer und
eine kurze Drahtantenne. Dieser Kurzwellen-Radiorecorder
bietet sehr viel zu einem Preis, der aufhorchen läßt.