Wir haben das Gerät
bereits bei unserem Test des NASA HF-4E (s. wwh 3/98)
kennengelernt, zusammen mit dem Vertreter von Sony in
diesem Marktsegment, dem ICF-7600G. Von Grundig wären
hier noch der Yacht Boy 400 einzusetzen und der Yacht Boy
500. Damit erschöpft sich aber schon die Reihe der im
Preisbereich 300 bis 500DM relevanten aktuellen Geräte.
Als Prototyp war der Empfänger schon 1995 auf der
Internationalen Funkausstellung in Berlin gesichtet
worden (s. wwh 10/95), damals unter dem Label von Siemens
als RK-777. 1996 kam das in den USA und Taiwan ersonnene
Gerät in den internationalen Handel, zuerst in Fernost.
In Europa verspätete sich die Sache etwas, was mit dem
Ausstieg von Siemens aus diesem Markt zusammenhängen dürfte.
Jedenfalls scheint der Europa-Vertrieb, der über Holland
läuft, erst seit Herbst 1997 zu klappen. In Deutschland
wird das Gerät auch unter dem Namen TechniSat angeboten,
die technische Ausrüstung ist, soweit wir das nachprüfen
konnten, identisch. In den USA wird das Gerät unter
Radio Shack DX-398 in einer Verpackung ohne Netzteil
vermarktet.
Das Gerät kommt in einer kompakten Packung auf den Tisch.
Sie enthält neben dem Gerät eine Schutztasche aus
Kunstleder sowie eine mehrsprachige Bedienungsanleitung
samt Europa-Garantie. Der Kurzinformation zur Kurzwelle (in
Englisch) ist eine vom WRTH erarbeitete Frequenztabelle
angegliedert, die man sich aber getrost hätte sparen können,
Hinweise auf Fachliteratur und (natürlich!) die
Hobbygemeinschaften wäre u.E. sinnvoller gewesen. Im
Styroporcontainer finden sich noch ein relativ schweres
Netzteil, eine aufgerollte Wurfantenne und ein "Ohrwurm",
man kann auch sagen: Mini-Kopfhörer.
Das in einem ansprechenden Grauton gehaltene Gerät
sollte am Netz betrieben werden. Der Batterie-Verbrauch hält
sich zwar in Grenzen, bei mehrstündigem Betrieb in vemünftiger
Lautstärke, also nicht mit Kopfhörer, werden die
Batterien schnell erschöpft. Die Batterieanzeige scheint
übrigens nicht immer korrekt zu arbeiten. Wir empfehlen,
nicht die beigepackten Kopfhörer zu verwenden, sondern
offene wie den Sennheiser HD 30, der hier vor Ort stets
gute Dienst tut.
Die Frequenzeinstellung
kann auf mehreren Wegen erfolgen. Auf der rechten Seite
befindet sich ein Drehknopf mit zwei Geschwindigkeiten.
ähnlich dem Sony kann mit UP und DOWN auch stufenweise
durch den Frequenzbereich von 150 bis 29999 kHz gegangen
werden, sowie auf UKW von 87,5 bis 108 MHz. Im Scan-Modus
wird die jeweils nächste starke Station angefahren.
Praktisch und eigentlich schon selbstverständlich sind
die Speicherbänke. Hier werden nicht nur die Frequenzen
gespeichert, sondern auch die Modulationsart. Mit etwas
Geduld kann man auch bis zu 216 Stationen auf Kurzwelle,
dazu jeweils 18 Stationen auf Mittelwelle und UKW und 9
auf Langwelle manuell speichern. Glücklicherweise sind
29 internationale Stationen bereits vorprogrammiert, die
Frequenzen müssen aber teils aktualisiert werden. Beim
Eingeben einer Frequenz mit einem Speicherplatz z.B. 6075
erscheint im Display DW. Dreht man weiter mit dem
Abstimmrad, so bleibt DW über den gesamten
Frequenzbereich zu sehen. Selbst beim Eingeben einer
neuen QRG ohne vorheriges Ausschalten und ohne
Speicherplatz erscheint wieder DW. Ein kleiner
Softwarefehler, der sicher bald korrigiert wird.
Auf Kurzwelle ist die
Empfindlichkeit generell als gut zu bezeichnen. Dies gilt
für den Betrieb mit der Teleskopantenne. Je nach
Standort empfiehlt sich der Einsatz der Wurfantenne und,
wenn möglich, eine störungsfreie Erdung. So kann, trotz
leicht erhöhtem Rauschpegel, doch noch etwas mehr an
Nutzsignal herausgekitzelt werden. Bei zu starkem
Signalpegel empfiehlt sich, den RF Gain entsprechend
anzupassen. Obwohl das Gerät als Doppelsuper ausgelegt
ist, sind einige stärkere Spiegelfrequenzen notiert
worden, z.B. auf 5175, 5225 und 6340 (Betrieb mit
Teleskopantenne). Zwar kann man bei diesem Empfänger
eher als bei seinen Kollegen im Marktsegment mit allerlei
Hilfsantennen (aus Draht usw.) experimentieren, diese
sollten aber nie ohne zusätzliches Anpassteil betrieben
werden.
Vergleicht man das Signal akustisch mit dem des Sony ICF-7600G,
so sind dort die Signale rauschfreier, aber auch spitzer,
der Höreindruck war für zwei unserer am Praxistest
beteiligten OMs bei längerem Hören angenehmer. Sicher läßt sich da mit einem Dierking-Filter (o.ä.) noch etwas
machen, vor Ort hatten wir leider keines zur Hand.
Man hat in AM die Wahl unter zwei Filterbreiten: 6,5 kHz
(Sony: ca. 6) und 4 kHz (Sony: ca. 3,8). In der
schmaleren Position werden Seitenbandsplatter
weitestgehend unterdrückt, soweit nicht gerade ein
dicker 500 kW Brummer drauf sitzt. Hier wäre ein Filter
mit einem besseren shape factor ratsam - aber das hat
seinen Preis. Im Gegensatz zum Sony ICF-76OOG wird kein
Synchrondetektor angeboten, ebenfalls eine Preisfrage.
Als Frequenzschritte werden 5 kHz bzw. 1 kHz angeboten,
auf Mittelwelle kann zwischen 9 und 10 kHz gewählt
werden. SSB ist vorhanden, muß aber sehr feinfühlig
eingestellt werden.
Der UKW-Teil sei in der Bewertung nicht vergessen. Im
Vergleich bringen hier der YB 400 und 500 die besten
Ergebnisse. Der Sony ICF-7600 hält gut mit, beim ATS-909
sind aber Schwierigkeiten bei der Trennung ersichtlich.
Beispiel: Empfang bei Aachen, Radio Aachen auf 100,1 MHz
(400 W) und BRT Gent auf 99,9 MHz (20 kW) - BRT Gent
konnte nicht empfangen werden. Der ATS-909 ist eines der
wenigen portablen Geräte mit RDS auf UKW, der Sony ICF7600G
verfügt darüber z.B. nicht. Wertet man das Ansprechen
der Geräte auf geringe Signalpegel, so ist der YB 500
unschlagbar, gefolgt vom CONRAD RDS Manager, erst dann
kommt der ATS-909 mit einiger Verzögerung.
Fazit
Bei einem Marktpreis von ca. DM 429 bis ca. DM 459 (ca.
US $ 260) ist der Sangean ATS-909 sicher eine gute Wahl
als Reisempfänger. Ohne die kleinen Fehler hätte er fünf
Sterne gut verdient. Legt man auf RDS keinen besonderen
Wert, empfiehlt sich der Sony ICF-7600G. Wer dagegen großen
Wert auf RDS legt, wird sowieso zum Grundig Yacht Boy 500
greifen, auch wenn dieser etwas teurer ist. Serienmäßig
steilflankigere Filter würden dem ATS-909 gut anstehen,
eine selbst durchzuführende Filtermodifikation scheint
zu aufwendig. Auch ein Synchrondetektor ist ein Wunsch.
Aber vielleicht kommt das alles noch - mit einem anderen
Gerät von Sangean in einem höherpreisigen Marktsegment.
Technische Details
Sangean ATS-909, weitgehend identisch mit: Radio
Shack DX-398, TechniSat ATS-909, Roberts R861
Markteinführung 1996/97
Frequenzbereich: 150 - 29999 kHz; 87,5 - 108 MHz
Größe: 225 x 132 x 35 mm, Gewicht- ca. 880 g mit
Batterien
Netzteil beigefügt, alternativ 4 AA Batterien (bzw.
Akkus) notwendig
Preis: ca. DM 429 bis DM 459 (ca. US $ 260)
Preis-Leistungsverhältnis: **** (maximal möglich:
*****)