Das getestete Gerät CF-950S ist die
Kombination eines Mehrbereichsempfängers mit einem
leistungsfähigen Mono- Cassettenteil für Aufnahme und
Wiedergabe. Ein eingebautes Mikrofon und andere
schaltungstechnische Maßnahmen erlauben das Einblenden
von Kommentaren in eine laufende Aufnahme. Die Cassette
kann also als Stationslog benutzt werden.
Schaltuhrbetrieb ist auch für die Aufnahmefunktion
möglich. Der KW-Teil beruht auf dem des ICF-5900 W, nur
liegen die KW-Frequenzbereiche hier etwas anders: Ab 22
MHz geht nichts mehr. Batterie- und Netzbetrieb sind
möglich, obwohl aufgrund der Dimensionen ein tragbarer
Betrieb unwahrscheinlich erscheint. Das Schaltungsprinzip
ist aufwendig genug; die praktische Ausführung jedoch
nicht ganz tadelsfrei.
Gerätekonzept
Die Kopplung eines KW-Empfängers mit einem
Cassettenrecorder ist gut gelungen. Die Aufnahme
interessanter Passagen ist problemlos mit nur einer Taste
möglich; die Aussteuerung geschieht automatisch. Diese
automatische Aussteuerung arbeitet gut und ist frei von
den sonst bei Automatik- Recordern beobachteten
Schwächen wie Verzerrungen beim Regeleinsatz, falsche
Regelzeit und Dynamikkompression. Oberaus interessant ist
jedoch die Einblendtaste credit in: Zur
laufenden Aufnahme läßt sich der Kommentar einblenden,
z.B. Frequenz, Station, Signalqualität, Datum und Zeit.
Dabei bleibt die aufzunehmende Station hörbar, der
Sprachpegel des Kommentars liegt um ca. 8 dB darüber.
Die Aufnahmefunktion kann über die Buchse Remote mittels
Schaltuhr gestartet werden. Ohne den Radioteil
herabsetzen zu wollen erscheint der integrierte
Cassettenrecorder doch eine Klasse besser zu sein. Die
Gleichlaufwerte und sonstige relevante Daten sind ganz
ausgezeichnet. Der Klangeindruck einer Cassettenaufnahme
(UKW-Programm) ist bei Wiedergabe besser als das Original
- ein Effekt, der gelegentlich schon bei anderen Geräten
auf dem Hi-Fi-Sektor beobachtet wurde (bandabhängig).
Der KW-Teil benutzt die gleiche Technik wie der ICF-5900W
und leistet auch dasselbe. Bedauerlich ist die sehr
gedrängte Skalenteilung auf KW.
Testergebnisse
Formgebung und Bedienbarkeit: Lobenswert ist die
Größe der Bedienungselemente; hier läßt sich gut
schalten und walten. Das fast quadratische Hochformat
rückt Frequenzskalen und Abstimminstrument in den besten
Blickwinkel. Die Skalenbeleuchtung ist allerdings viel zu
schwach.
Ist die Einteilung der KW-Bereiche 1 und 2 noch gut zu
erkennen, so wird auf Bereich 3 ab 15 MHz die Erkennung
der Eichpunkte schon schwierig, und ohne Bandspreizung -
welche eine vorherige Eichung voraussetzt - läßt sich
das Potential des KW-Teils nicht ausschöpfen. Völlig
danebengeraten sind jedoch die MW- und die UKW-Skala: Auf
MW alle 100 kHz eine dicke Markierung, auf UKW alle 2
MHz, dazwischen gähnende Leere. Dabei ist die hier
verwendete Filmskala für feine und feinste Markierungen
hervorragend geeignet.
Uns ist durchaus bekannt, daß die Zusammendrängung der
Skala auf KW3 eine konstruktionsbedingte Notwendigkeit
ist, gegeben durch Delta C des Abstimmkondensators und
den zu überdeckenden Frequenzbereich. Eine Aufteilung in
vier Bereiche wäre jedoch zweckdienlicher.
Für die mangelhaften Skalen auf MW und UKW gibt es keine
Entschuldigung. Dabei ist der MW-Teil gar nicht schlecht
und verdient diese stiefmütterliche Behandlung nicht.
Die von 0 bis 10 reichende Linearskala hat zwar 100
Teilungen, ist aber eben eine Merkskala. Schade.
Das Gerät besitzt keinen richtigen Ein/Aus- Schalter;
diese Funktion übernimmt ein Mehrfachschalter mit
gewöhnungsbedürftigen englischen Bezeichnungen. Mit
zunehmender Testdauer wuchs bei uns das Verlangen nach
einem richtigen, eindeutigen Ein/Aus-Schalter.
Die Lage des Schalters für den Kalibrator ist
unglücklich gewählt; ersollte neben die Schalter für
AFC und BFO gesetzt werden. Die Anordung der
Bedienungselemente des Radioteils ist allgemein nicht gut
konzipiert; leider sind nachträgliche Änderungen nicht
möglich. Korrekterweise muß bemerkt werden, daß im
Gerätekonzept nicht viel Raum für Schalterplazierung
ist.
Das Gehäuse - ganz in schwarz - verzichtet mit Ausnahme
zweier übergroßer Chromgriffe an den Seiten auf
jeglichen Zierat. Trotz Hartkunststoffausführung macht
das gesamte Gerät einen wohltuend soliden Eindruck.
Der Cassettenteil ist leicht bedienbar. Zur Reinigung der
Köpfe ist das Cassettenfach abnehmbar. Dieses Fach
sollte stets geschlossen sein, weil sonst Staub und/oder
andere Dinge in die empfindliche Mechanik gelangen
könnten.
Eine ausführliche Bedienungsanleitung und reichhaltiges
Zubehör runden das Bild eines Mehrzweckgeräts mit
vielseitigen Einsatzmöglichkeiten ab.
Empfangsleistung
Antennenanpassung, HF-Handregelung und
Bandbreitenschaltung sind nicht vorhanden. Wie jedoch das
Doppelsuperprinzip vermuten läßt, ist die Leistung auf
KW ordentlich, aber nicht besser als bei dem viel
kleineren ICF-5900W. Mit der Teleskopantenne lassen sich
die gängigen Sendergut einfangen; richtig interessant
wird es jedoch erst mit Langdrahtantenne und Collinsfiiter.
Beim Test überraschte die Empfangsleistung angenehm: der
ICF-5900W reagiert nicht so gut auf die Drahtantenne.
SSB-Empfang ist möglich; die Feinabstimmung arbeitet
präzise genug. Auch ist der BFO erfreulich stabil. Die
Bandbreite ist jedoch zu groß um in den Amateurbändern
"mithören" zu können.
Die Ablesegenauigkeit der Bandspreizskala ist 2 bis 3
kHz. Auch hier ist eine genauere Teilung prinzipiell
möglich und kann auch nachträglich angebracht werden.
Der MW-Teil ist gute Mittelklasse; die schlechte Skala
setzt den Gebrauchswert dieses Teils herab. Mit einer
abstimmbaren Ferritantenne ließ sich der Empfang
verbessern, ,jedoch ist die eingebaute Ferritantenne nur
nach einem Eingriff ins Gerät "totzulegen".
Für externe MW-Antennen ist dies jedoch notwendig.
Der UKW-Teil ist uneingeschränkt gut und liefert ein
sauberes, rauschfreies Signal in bester
Kofferradioqualität. Cassettenaufnahmen von UKW-Sendern
waren tadellos. Bei Aufnahmen, gleich auf welchem
Wellenbereich, treten keine Interferenzen mit dem
Oszillator des Cassettenteils auf.
Der NF-Teil liefert ein sauberes, verzerrungsarmes Signal
mit genügend hoher Leistung. Das Gerät ist daher auch
als Cassettenspieler interessant.
Nebensächliches
Der CF-950S ist außerordentIich
servicefreundlich: Skalennacheichung und Bandabgleich
sind ohne Ausbau des Chassis möglich. Das - bestellbare
- Servicehandbuch ist sehr präzise und zeigt sogar
Meßsender- und Meßgeräteanschlüsse.
Der hohe Stromverbrauch, verbunden mit kleiner
Batteriekapazität (vier Monozellen), macht
Portablebetrieb umständlich. Da Netzbetrieb so oft wie
möglich in Anspruch genommen werden sollte, wurde ein
Fach für das Netzkabel vermißt. Man kann sich damit
behelfen, das Kabel im - leeren - Batteriefach
unterzubringen.
Das Blockschaltbild läßt den schaltungstechnischen
Aufwand erkennen. Die saubere Aufteilung in
Funktionsblöcke erleichtert den Service. Die
Bandspreizeinrichtung arbeitet nicht auf MW, wohl aber
der BFO. Umgekehrt wäre es besser. Das Gerät wurde
gemessen wie erhalten. An den differierenden
Empfindlichkeitswerten ist unschwer zu erkennen, daß ein
Nachabgleich Verbesserungen bringen kann: Ohne größere
Probleme wurden im gesamten KW-Bereich Werte um 1.3 uV
erreicht.
Wertung und Kritik
Die Preis/Gegenwert- Relation des Gerätes ist
problematisch. Setzt man den Verkaufspreis des ICF-5900W
- und um dessen HF-Teil handelt es sich hier - in
Rechnung, so zahlt man einen hohen Preis für einen
Cassettenrecorder und ein ansprechendes Design.
Lobenswert ist der Mut von Sony, dieses Gerätekonzept
auf den Markt zu bringen. Aber Radio- Cassettenrecorder
gibt es wie Sand am Meer. Da dieses Gerät sich jedoch am
DX-Markt orientiert, sollte der HF-Teil auch konsequent
auf DX ausgelegt sein. Zumindest wäre eine bessere
Skalenteilung auf MW und KW3, HF-Handregelung und
Bandbreitenschaltung zu fordern. Die enorme
Vielseitigkeit des Gerätes ist immerhin ein Trost für
ein im Ansatz lobenswertes, aber nicht konsequent
durchgeführtes Konzept. Die Auslieferung dieses Modells
endete Anfang 1980; Restbestände sind derzeit für
ungefähr DM 500.- erhältlich.
Sony CF-950S Technische Daten und Meßwerte
Hersteller Sony
Vertrieb Fachhandel
Geratetyp DX-Kofferradio mit Cassettenrecorder
Schaltungstyp Wadley Superhet (KW)
Frequenzbereiche KW 1,6 - 22,1 MHz, MW und UKW
Frequenzanzeige Analog mit +/- 1 kHz Auflösung
Ablesegenauigkeit 2 - 3 kHz
Absolute Genauigkeit -
Frequenzstabilität bei DeltaT von 10° C 2 kHz,
innerhalb 1 Stunde 1 kHz
Besonderheiten Eichbare Feinabstimmung auf KW.
Leistungsfähiger Cassettenteil mit direkter
Aufnahrnemöglichkeit des Radioprogramms plus Einblendung
von Kommentaren. Klangstarkes DX-Koffergerät.
HF-Teil
Empfindlichkeit
in uV an 50 Ohm bzw. 1 KOhm bei BC
0.1 MHz - 1.5 MHz für 26 dB S+ N/N
2 MHz - 30 MHz für 6dB S+N/N
Modulation AM, 400 Hz, 30 Prozent
| Frequenz (MHz) |
AM |
| 0.2 |
38 |
| 0.5 |
34 |
| 1 |
28 |
| 1.5 |
28 |
| 2 |
1.4 |
| 5 |
2.2 |
| 7 |
2.5 |
| 10 |
1.1 |
| 15 |
3.0 |
| 20 |
2.1 |
Trennschärfe
(kHz): 7 MHz +/- 1 MHz
Spiegelfrequenzsicherheit 65 dB
Zf-Festigkeit 68 dB
AGC-Regelbereich mehr als 45 dB
Abstimminstrument S1 = 3 uVolt, Mitte = 23 uVolt, Ende =
3500 uVolt
Antennen Teleskopantenne 150 cm, Ferritantenne
Antennenanschluß Klemmtasten für Antenne, Erde
Sonstiges Schalter für HF-Empfindlichkeit (Iocal/DX);
UKW-Empfindlichkeit 2.4 uV/26 dB S+N/N
NF-Teil
Leistung, Sinus 1.5 Watt, 10% THD
Frequenzgang 80 - 12 000 Hz
Tonblende Bass, Höhen, je +/- 6 dB
Störbegrenzer -
Lautsprecher 25 Ohm, 10 x 15 cm
Anschlüsse Tonaufnahme, -wiedergäbe, Cassettenstop,
Ohrhörer, Kopfhörer, Stereoadapter
Stromversorgung Netz 110/220 Volt eingebaut; Batterie
vier Monozellen
Leistungsaufnahme ca. 11 Watt mit Cassettenteil
Maße 43 x 30 x 15 BHT in cm
Gewicht 5.65 kg mit Batterien
Bestückung 13 ICs, 29 Transistoren, 11 Dioden
Zubehör Betriebsanleitung, Leercassette, Reinigungsset
FTZ-Nummer U-185
Preis ca. DM 550,-