Der neue Empfänger CRF-V21 von Sony zeigt einmal mehr,
wie Rundfunkgeräte der Zukunft aussehen können. Weder
einmal ist es diesem japanischen innovativen Unternehmen
gelungen, etwas völlig Neues auf den Markt zu bringen,
mit dem zumindest die nicht gerechnet haben, die nicht
bereits hinter vorgehaltener Hand schon zuvor informiert
worden waren.
Der CRF-V21 empfängt in der auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin
vorgestellten Version alle Frequenzen von 9 kHz bis 30
MHz durchgehend mit einem Frequenzraster von wahlweise 10
Hz und 1 kHz. Hinzu kommen serienmäßig der UKW-Bereich
von 76 MHz bis 108 MHz, sowie die Satellitenfunkfrequenz
137,62 MHz. Hier senden Satelliten in FAX Wetterfotos aus
geringer Höhe, die sich dank hervorragender Auflösung für
regionale und lokale Wettervorhersagen eignen. Mit einem
METEOSAT-Konverter und einem entsprechenden, ebenfalls
von Sony erhältlichen Antennensystem sowie einem
Konverter ist der Empfang dieses geostationären
Satelliten auf 1.691 MHz und 1.694,5 MHz möglich. Auch
hier: FAX-Empfang erlaubt eine weiträumige
Wettervorhersage.
Als echte Sensation lassen sich die FAX-Bilder mit einem
integrierten Drucker gleich für das Logbuch ausgeben!
Die Auflösung ist recht gutwie zahllose Printouts
auf der Ausstellung zeigten. Für Fachleute: Die Auflösung
beträgt 860 Punkte mit 16 Graustufen. Über FAX hinaus
hat man auch an die Funkfernschreibfreunde gedacht und
einen kompletten RTTY-Decoder eingebaut, der automatisch
Sendungen in Baudot erkennt und dekodiert - zahlreiche
Nachrichtenagenturen ebenso wie Wettersendungen oder
Funkamateure.
Ein weiteres wichtiges Merkmal sind Bedienungskonzept und
Informationsdisplay. Das Bedienungskonzept orientiert
sich eindeutig an der Computertechnik mit Menüs und
alphanumerischer Steuerung. So lassen sich bis zu 350
Frequenzen mit allen notwendigen Daten einschließlich
einer Senderkennung aus Buchstaben und Ziffern speichern.
Gottseidank verfugt der Empfänger aber zudem - für
Suchempfang - über ein ganz normales Handrad zum
Frequenzwechsel- Die ganze Computerherrlichkeit ist übrigens
durch die RS-232C-Schnittstelle auch von außen aus
ansteuerbar. Die Bedienung der zahllosen Funktionen wird
durch das riesige LCD-Feld erleichtert. Als weitere
Neuerung, die mit Sicherheit Schule machen wird, ist ein
integrierter Spektrumanalyzer zu erwähnen, der wahlweise
im HF- und im NF-Bereich funktioniert. Im HF-Bereich läßt
sich ein Bereich von 200 kHz darstellen: jedes Signal als
keine Säule. Mit einem Zeiger kann dann in Betriebssart
"Empfang" auf das gewünschte Signal gefahren
werden. Eine solche Einrichtung - diese hier arbeitet mit
einem erstaunlichen guten Dynamikbereich von ca. 60 dB -
ist bisher nur als zudem nicht einmal preiswertes Zubehör
zu erwerben. Besonders für Bandanalysen eignet sich
diese Einrichtung und für das Absuchen leer
erscheinender Bänder. Im NF-Bereich leistet der
Spektrumanalysator vor allem bei der präzisen
Einstellung von RTTY und FAX-Signal sehr gute Dienste. In
der Betriebsart Funkfernschreiben werden Mark und Space -
die beiden Signale eines RTTY-Zeichens - als zwei kleine
und klar voneinander getrennte Berge dargestellt. Daraus
läßt sich im übrigen auch die Shift - der Abstand
beider Signale - ersehen. In FAX wird mit dem NF-Spektrumanalysator
ebenfalls die Einstellung sehr erleichtert.
Wie gut sich mit dem Empfänger arbeiten läßt, konnten
zahllose Interessenten auf der Funkausstellung bereits
ausprobieren Radiowelt-Tester Rainer Lichte
verdiente sich am Sony-Stand ein paar Extra-Groschen und
beriet die Hörer.
Wann nun das Gerät ausgeliefert wird, zu welchem Preis
und ob es überhaupt in die Bundesrepublik kommt, waren
alles offene Fragen. Jens von Coburg, Marketingmanager
dieses Bereiches "Zunächst einmal gehen die beiden
funktionstüchtigen Geräte sowie ein Schaustück nach
Tokyo zurück. Die Serienfertigung soll erst im März
1988 aufgenommen werden.« Bei einem geschätzten Preis
in der Größenordnung von etwa 7.000 DM wird der Kreis
potentieller Käufer eingeschränkt. Von Coburg sucht
daher seine Kunden im Bereich der Funkamateure und der
Freizeitskipper. Ob das Gerät überhaupt in der BRD
verkauft wird, ist noch unsicher. Mit Sicherheit bekommt
der Empfänger in der ausgestellten Version keine FTZ-Nummer.
Andererseits dürfen aber gerade Funkamateure derartige
Geräte auch ohne FTZ-Nummer kaufen und betreiben. Jeder,
der das Gerät gesehen hat, würde es jedenfalls außerordentlich
schade finden, wenn dieser aufsehenerregende Empfänger
"draußen" bleiben müßte.
Von seinem Konzept besonders der leichten Bedienung und dem hochinformativen
LC-Display her wird der CRF-V21 eine Trendsetter-Rolle für
Kurzwellenempfänger der 90er Jahre haben. Auch der ICF-2001
und der ICF-2001D aus dem selben Haus waren Geräte, die
die Konkurrenz immer noch nicht verkraftet hat - so groß
ist der Vorsprung und der Wille, fortschrittliche
Technologie auch durchzusetzen.