Der CRF-320A ist das Spitzenmodell der
Weltempfänger von Sony: ein Gerät, das durchgehenden
Empfang auf allen KW-Bereichen (in 29 Bändern), dazu
UKW, MW und LW bietet und bei dem der technische Aufwand
so hoch getrieben wurde, wie kaum zuvor bei einem
Portabel-Gerät.
Am deutlichsten können Funktion und Grundkonzept am
Blockschaltbild abgelesen werden. Läßt man einmal die
ganze PLL-Schaltung und die Frequenzzählung weg, bleibt
eine übliche Doppelsuper- Schaltung. Der VFO wirkt dabei
in der ersten Stufe und der zweite Oszillator ist fix.
Die 1. ZF beträgt 45.145 MHz, die 2. ZF liegt bei 0.455
MHz. Der 2. Oszillator ist quarzstabilisiert und schwingt
auf 45.6 MHz. Der 1. Oszillator ist ein VCO (Voltage
Controlled Oscillator) und damit ein Teil der PLL-
Schaltung. Diese ist auch notwendig, da bei hohen
Frequenzen stabile Oszillatoren schwierig zu realisieren
sind. Während die Grobabstimmung (MHz) mit Hilfe von
Drehschaltern eine Art Bereichswahl darstellt, ist die
Feinabstimmung (kHz) mit einem VFO (Variable Frequency
Oscillator) von 3.455 bis 2.455 MHz ausgeführt. Die
Anzeige der MHz am Digitaldisplay erfolgt als direkte
Dekodierung der Schalterstellungen der Bereichswahl,
während die kHz das Zählergebnis der VFO-Frequenz
darstellen (die MHz-Stellen werden dabei nicht
angezeigt).
Die PLL-Schaltung gestattet es, die VCO-Frequenz mit
einem Bezugsoszillator zu vergleichen und bei
Abweichungen den VCO nachzuregeln. Bei diesem Konzept
hängt aber die Stabilität des Empfängers nicht nur vom
Bezugsoszillator sondern auch von der Stabilität des VFO
ab. Dieser wird über den Mischverstärker bei A und B in
den PLL-Kreis eingemischt.
Offensichtlich um beim Design der Frontplatte freie Hand
zu haben, wurden keine HF-Leitungen zu den Schaltern
geführt bzw. die dafür erforderlichen Schirmmaßnahmen
umgangen. Alle HF-Kreise werden über Dioden freigegeben
oder gesperrt. Dies erfordert zwar einen erheblichen
Aufwand an zusätzlichen Bauelementen, an den Schaltern
liegen dafür aber auch nur unkritische Gleichspannungen.
Aufbereitung des HF-Signals
Eine mehrstufige HF-Selektion sorgt dafür, daß
keine unerwünschten Frequenzen an die Mischstufe
gelangen und dort zu Spiegelfrequenzen führen. Auch
werden durch die Vorselektion die Probleme der
Kreuzmodulation an der ersten HF-Stufe in Grenzen
gehalten.
Zunächst wird mit einem Tiefpaß der Bereich oberhalb 35
MHz gedämpft; dadurch werden UKW- und TV-Störungen
vermindert. Daran angeschlossen ist eine umschaltbare
Bandsperre, die wahlweise oberhalb oder unterhalb von 7
MHz wirksam wird. Nun gelangt das Signal an die erste
HF-Stufe, welche (selbstverständlich) mit einem
Dual-Gate FET bestückt ist. Hier wird auch erstmals die
Regelung wirksam. (Es ist allgemein üblich, die erste
HF-Stufe zu regeln, da sonst bei starken Signalen
hoffnungslos alle nachfolgenden Stufen übersteuert
werden). Nach dieser Vorselektion folgt ein mehrstufiger
verteilter Bandpaß, der mit fünf umschaltbaren
Bereichen das gesamte KW-Band überdeckt. Dieser
besonders aufwendige Bandpaß wird über Dioden
aktiviert, sodaß die einzelnen Funktionsgruppen optimal
aufgebaut werden konnten.
Es folgt die erste Mischer. Als symmetrischer
Gegentaktmischer mit nachfolgendem symmetrischen
ZF-Filter ausgeführt, liefert er ein Minimum an
unerwünschten Mischprodukten an den Ausgang. Die
Verstärkung der 1. ZF wird durch einen geregelten
Dual-Gate FET besorgt. Die nun folgende hochwirksame
Störbegrenzung rechtfertigt den schaltungstechnischen
Aufwand. Dabei wird in einer eigenen Mischstufe das
Signal zu einer dynamisch geregelten Pegelüberwachung
geleitet. Diese tastet beim Auftreten einer Impulsspitze
(Zündfunken) die ZF gegen Masse. Die ZF wird damit
abgeschaltet. Die Lücke im Signal dauert oft nur wenige
Mikrosekunden und ist daher nicht erkennbar.
Der BFO ist für das obere und untere Seitenband mit
einem getrennten Quarzoszillator ausgestattet. Eine
Feinabstimmung ist leider nicht vorhanden - damit ergeben
sich beim Empfang schmalbandiger SSB-Signale die
bekannten Probleme in der Abstimmung.
Bandbreitenregelung
Die Umschaltung ist wieder mit Dioden gelöst.
Zwei getrennte keramische Filter wprden mit einer
Bandbreite von 7 kHz (WIDE) oder 4 kHz (NARROW)
aktiviert. Beim Umschalten auf USB oder LSB wird noch ein
zusätzliches sehr enges NF-Filter eingeschaltet, ehe das
Signal der NF-Endstufe zugeführt wird. Untere
Grenzfrequenz etwa 300 Hz, obere ca. 3 kHz. Damit werden
Rausch- und Brummstörungen sicher ausgeblendet. Bei
CW-Empfang wird dieses Band auf 800 Hz +/- 200 Hz
eingeengt.
PLL-Schaltung
Kurz eine prinzipielle Erklärung: Ein VCO
(=spannungsgesteuerter Oszillator) liefert seine vorerst
ungeregelte Ausgangsfrequenz (Freilauffrequenz) an eine
Vergleicherstufe. An diese liefert auch ein
Bezugsoszillator sein Signal. Sind nun beide Signale
ungleich, genauer gesagt: nicht in Phase, liefert die
Vergleicherstufe eine Spannung, welche den VCO so
abstimmt, daß dessen Ausgangsfrequenz gleich der
Bezugsfrequenz wird.
Dieses System ist also ein geschlossener Regelkreis,
dessen Sollwert vom Bezugsoszillator geliefert wird.
Ausschließlich von seiner Genauigkeit hängt die
Genauigkeit der Ausgangsfrequenz ab (beim CRF 320A muß
noch der Fehler des VFO dazuaddiert werden). Das
besondere Problem von PLLs in KW-Empfängern liegt in der
Abstimmung. Während manche Typen auf vollen
Synthesizer-Betrieb ausgerichtet sind, hat man es hier
nur für die MHz-Abstimmung eingesetzt. Für die
kHz-Abstimmung wurde ein stabiler VFO (3.455 bis 2.455
kHz) vorgesehen. Mit Hilfe von zwei Zwischenmischern
(A,B) werden alle Oszillatoren (1. Osz., 2. Osz., VFO) in
den PLL-Kreis eingeschaltet. Die Frequenzsynthese für
die MHz-Abstimmung erfolgt über einen stellbaren
Vorwärts/ Rückwärtszähler. Daß dieser durch die
Bereichsschalter über zusätzliche Transistoren
angesteuert wird, ist allerdings ein eher entbehrlicher
Aufwand.
Frequenzanzeige
Die MHz-Stellen der gut lesbaren Leuchtziffern
werden direkt von den Bereichswahlschaltern gesteuert,
die damit auch den Teiler im PLL-Kreis in die richtige
Stellung bringen. Lediglich die kHz-Stellen werden direkt
gewählt. Die Torzeit des Zählers wird dabei vom
Bezugsoszillator des PLL-Kreises gesteuert, so daß auch
hier keine Ungenauigkeiten entstehen können. Die analoge
Darstellung der VFO-Abstimmung auf einer Linearskala
kommt dem Bedürfnis des Herstellers nach Perfektion
entgegen - obwohl die erzielbare Genauigkeit der
Digitalanzeige mit +/- 1 kHz für schmalbandigen Empfang
unzureichend ist. Bei einer Verbesserung dieser Anzeige
wäre allerdings bereits die Ungenauigkeit der
Quarzoszillatoren zum Vorschein gekommen.
Zusammenfassung
Beim CRF 320A wurde ein ideenreiches Konzept
verwirklicht, dem allerdings die entscheidende
Generallinie fehlt. So wurde z.B. ein aufwendiger Timer
integriert, während man beim Aufwand andernorts (z.B.
beim BFO) beinahe knausrig war. Einzelne Detaillösungen
führen zu unnötigem technischen Aufwand (so wurde z.B.
in den Regelteil des Netzgerätes viel Know-How gepackt -
doch handelte man sich durch dieses getastete Netzteil
mit seinen steilen Schaltflanken viele Störungen ein,
die nur durch Kunstgriffe wieder weggebracht werden
konnten). Auch dürfte die Entwicklung des Gerätes so
lange gedauert haben, daß viele Details mittlerweile von
der technischen Entwicklung überholt worden sind.
adxb-oe
Sony CRF-320: Technische Daten
Hersteller Sony Corp., Japan
Vertrieb Fachhandel
Gerätetyp Stationsempfänger
Schaltungstyp Wadley-Dreifachsuper mit Quarzsteuerung
Frequenzbereiche 1.60 - 30 MHz sowie LW, MW, UKW
Frequenzanzeige digitale LED-Anzeige
Analogskala für jeden Bereich
Ablesegenauigkeit +/- 1 kHz mit Digitalanzeige
Besonderheiten LED-Timer
Empfindlichkeit
0,7 uV bei -3 dB S/N
Trennschärfe (kHz) +/- 6 kHz bei -60 dB in Stellung
schmal
Spiegelfrequenzsicherheit besser als 65 dB
Abstimminstrument vorhanden
Antennen 2 Teleskopantennen, Ferritantenne für MW und LW
Antennenanschlüsse Klemmbuchsen für UKW, KW und
MW-Antennen
NF-Teil
Leistung, Sinus 2 Watt, 10% THD
Tonblende Höhen, Tiefen, jeweils +/- 8 dB
Lautsprecher 12 cm Lautsprecher
Stromversorgung Netz 110/220 Volt umschaltbar, Kabelfach;
Batterie acht Monozellen, externe Gleichspannung 12 Volt
Leistungsaufnahme ca. 12 Watt
Maße 45 x 31 x 21 BHT in cm
Gewicht 13 kg mit Batterien
Bestückung 19 ICs, 93 Transistoren, 42 Dioden
FTZ-Nummer U-185
Preis DM 4000.-