Der ICF-5900W hat zwar ein ähnliches Hochformat wie der Captain 55 resp. 77,
im hochformatigen Gehäuse steckt allerdings ein ausgewachsener Doppelsuper
mit einem gänzlich unterschiedlichen Bedienkonzept.
In seinem Äusseren gleicht der ICF-5900W den Empfängern aus Sony's
Captain - Reihe, allerdings ist er mit 22 x 23 x 10 cm und einem Gewicht von
2,2 kg etwas "kräftiger" geraten.
Der Empfänger wird mit drei 1,5V - UM-1 Batterien oder alternativ einem
AC-456C Netzadapter betrieben.
Die Anordnung der Bedienelemente auf der Frontplatte ist auch bei diesem
Gerät etwas unkonventionell ausgefallen: In der Mitte des oberen Frontplattenabschnitts
findet sich eine Filmskala, ähnlich wie beim Captain 77, das Gerät verfügt
aber über drei Kurzwellenbereiche, und die 0,25 MHz-Marken verdienen einige
Beachtung, handelt es sich doch um zum Betrieb wichtige Eichmarken.
Der Hauptabstimmknopf ist rechts von der Filmskala plaziert, der grosse Drehknopf
darunter ist der Feinabstimmknopf mit der +/- 125 kHz - Interpolationsskala,
der Bandbereichsschalter finder sich rechts daneben.
Links neben der Frequenzskala ist der wichtige Schalter für den 250 kHz-Eichmarkengeber
und darunter das S-Meter, das auch zur Batteriestandsanzeige dient.
Auf der linken Frontplattenseite finden sich die als separate Drehregler
ausgeführten Bass- und Höhenregler und der Lautstärkeregler, gleich daneben
der Hauptschalter, der Empfindlichkeitsschalter DX/LOCAL und der BFO-Schalter.
Die versenkbare Teleskopantenne auf der oberen Frontseite des Empfänger springt
auf Knopfdruck heraus und muss zum Empfang ganz ausgezogen werden, alternativ kann
an die Schraubklemmen an der Rückseite auf eine Langdrahtantenne und Erdung
angeschlossen werden.
Mit dem POWER-Schalter wird der Empfänger eingeschaltet und der Lautstärkeregler
soweit aufgedreht, dass ein Rauschen hörbar wird. Der Empfindlichkeitsregler
soll auf DX stehen, der BFO ausgeschaltet sein. Mit dem Bandbereichsschalter
wird zum Empfang im 49m-Band der Bereich SW1 eingestellt - mit dem Hauptabstimmknopf
kann nun auf Senderjagd gegangen werden.
Um gezielt einen Sender auf einer bekannten Frequenz aufzusuchen wird mit der
Hauptabstimmung die nächste Eichmarke aufgesucht, um dann mit der Interpolationsskala
die entsprechende Differenz zur Eichmarke einzustellen. Um die Deutsche Welle
auf 6075 kHz zu empfangen wird zum Beispiel mit Druck auf den Crystal Marker -
Schalter der Eichmarkengeber aktiviert und auf die 6,0 MHz - Marke aufgesucht,
die Hauptabstimmung auf Zero Beat (d.h. Verschwinden des tieffrequenten Pfeiftons)
eingestellt, die Interpolationsskala (BAND SPREAD DIAL) muss dabei in Mittelposition
auf 0 stehen. Nun wird auf der Interpolationsskala nach rechts in die Position
zwischen den 70 und 80 kHz - Marken abgestimmt: die Deutsche Welle sollte erklingen.
Sinngemäss muss für Frequenzen bis 125 kHz unterhalb der im 250 kHz liegenden
Eichmarken nach links gedreht und die Frequenz von der Eichmarkenfrequenz
subtrahiert werden. 6220 kHz werden also abgestimmt, indem die Eichmarke für
6,25 MHz aufgesucht und auf - 30 kHz mit der Interpolationsskala abgestimmt
wird. Für die Frequenz 15565 kHz muss im Band zwei die Eichmarke 15.5 MHz aufgesucht
und auf + 65 kHz abgestimmt werden, nun gilt die Frequenzskala mit 500 kHz als
Mittel- / Nullpunkt.
Das Abstimmprocedere macht die Handhabung des ICF-5900W etwas umständlich,
es ist aber nicht zu vergessen, dass der Empfänger neben dem Barlow Wadley XCR-30 und
vielleicht dem RF-2200 von Panasonic in der Mitte der Siebzigerjahre eines der
wenigen Geräte mit einer brauchbaren Frequenzablesung war.
So behält er seinen Platz als Sammlergerät und Meilenstein in der Entwicklung
von Kurzwellen - Reiseempfängern, wenn auch die Handhabung sich mit den Geräten
mit PLL-Synthese mit der Erscheinung des ICF-7600D schlagartig massiv vereinfachte.