Kurzbeschreibung des Gerätes
Viel moderne Technik bei geringem Gewicht, so könnte
man den ICF 6800W von Sony umschreiben. Obwohl nicht
unbedingt als Portable konzipiert, wiegt er
einschliesslich Batterien nur 5 9 kg. Er verfügt über 29
KW-Bänder (AM SSB/ CW), lückenlos abstimmbar zwischen
1,6 MHz und 30 MHz, sowie MW und UKW. Erstmals in
semiprofessionellen Kommunikationsempfängern dieser
Preisklasse fand das Prinzip der Frequenzsynthese
Anwendung. Ein quarzgesteuerter PLL-Synthesizer (PLL =
phase locked loop = phasengerasteter Reglerkreis)
ermöglicht hochstabilen Empfang von KW-Stationen. In
diesem Wellenbereich ist der RX als Doppelsuper
ausgelegt, während er bei MW und UKW als Einfachsuper
geschaltet ist.
Auf MW und den KW-Bändern lässt sich jede Station
kHz-genau an der fünfstelligen ausschaltbaren
Digitalanzeige ablesen. Ausserdem enthält die
Frontplatte für diese Wellenbereiche eine sehr dekorativ
wirkende Analogskala. Für UKW steht eine gesonderte
kleine Skala zur Verfügung, hier ist die Digitalanzeige
unwirksam. Der Empfänger ist in einem stabilen
Kunststoffgehäuse mit den Abmessungen 45,3 x 18,4 x 22,7
cm untergebracht, in dessen Oberseite das aufklappbare
Batteriefach eingelassen wurde. Die vorderen
Plastikfüsse sind in der Höhe um ca. 10 mm verstellbar,
wodurch der RX auch in einer leicht schrägen Lage
aufgestellt werden kann. Die Stromversorgung des Gerätes
kann wahlweise über Netz oder Batterie (6 Monozellen)
erfolgen. Betrieb Über ein 12 V-Autobordnetz ist
ebenfalls möglich, allerdings nur mittels eines
speziellen SONY-Adapterkabels.
Erfahrungsbericht
Technische Aufmachung, Bedienung des Gerätes
Das attraktive Gehäuse des ICF 6800 erweckt einen
sehr positiven optischen Eindruck. Sämtliche
Bedienungselemente wurden recht geschmackvoll auf der
Frontplatte angeordnet. Hier lässt sich ein neuer Trend
feststellen, dem immer mehr Hersteller folgen: der Rx
soll nicht nur in den 'heiligen' Shack, sondern auch in
die gute Stube passen. Aber nicht nur die äussere
Aufmachung ist eindrucksvoll! Hier wurde mit viel Erfolg
der Versuch unternommen, die Bedienungselemente auch
bedienungsfreundlich anzubringen. Der griffige
Abstimmknopf der Hauptskala, rechts unten an der
Froneplatte angeordnet, ermöglicht bequeme
Stationseinstellung, auch während einer längeren
DX-Nacht. Kleiner Schönheitsfehler: der
Lautstärkeregler sollte links aussen sitzen. Dadurch
liesse sich vermeiden, dass man häufig am Tiefenregler
dreht.
Ungewohnt, aber äusserst bequem, ist die Einlassung des
Batteriefaches in der Oberseite des Gerätes. Nach
Aufklappen des Deckels lassen sich die sechs Monozellen
unkompliziert einlegen; ein Herumdrücken des Empfängers
entfällt also.
Die externen Anschlüsse für Antenne und Erde sind als
Klemmbuchsen ausgeführt (Masse, KW-Antenne, MW-Antenne).
Ausserdem ist noch eine SO 239-Koaxialbuchse für
KW-Antennen vorhanden. Zur Umschaltung von Teleskopstab
auf Aussenantenne dient ein kleiner Schiebeschalter.
Dieser Schalter, sowie die oben erwähnten
Anschlussbuchsen sind am oberen Rand der Rückseite
angebracht und daher sehr leicht zugänglich.
Das gut ablesbare, beleuchtete Kombinationsinstrument
Feldstärkeindikator/ Batterieanzeige besitzt nach meinem
Geschmack die idealen Abmessungen. Leider werden
Feldstärkeunterschiede auf der zwischen 0 und 9
unterteilten Skala im wesentlichen linear angezeigt; dies
führt bereits bei mittelstarken Stationen zu einem
Endausschlag des Zeigers. Angebrachter wäre eine
S-Meter-Schaltung mit logarithmischer Anzeige.
Wie vollzieht sich nun die
Stationseinstellung beim ICF 6800? Möchte man
beispielsweise die Frequenz 15130 kHz einstellen, so geht
man folgendermassen vor:
1. den äusseren Hebel des zweiteiligen Dekadenschalters
auf 10 (MHz) schieben,
2. den inneren Knopf auf 5 (MHz) stellen;
3. mittels Abstimmknopf die Hauptskala auf die Marke 130
(kHz) einstellen;
4. den Zeiger des Preselectors etwa auf den Wert 15 (MHz)
bringen.
Die Hauptskala zeigt also
nur den kHz - Wert der eingestellten Station an (gleiches
Prinzip wie bei den Empfängern FRG-7, XCR 30, SSR 1).
Die vollständige Frequenzablesung erfolgt an der
Digitalanzeige. Dies hört sich zwar etwas kompliziert
an, in der Praxis wurde jedoch ein Frequenzwechsel von z.
B. 3,568 MHz auf 27,125 MHz in 18 Sekunden vollzogen.
Freunde, wir grasen die Bänder weiss Gott nicht mit der
Stoppuhr ab (hi); das Beispiel sollte lediglich andeuten,
wie schnell notfalls ein Frequenzwechsel möglich ist.
Die Hauptskala besitzt eine Bandbreite von 1000 kHz und
ist in 10 kHz-Schritte unterteilt (2.5 mm Abstand
zwischen den Strichen). Um sie zu überstreichen, werden
neun Umdrehungen des Abstimmknopfes benötigt. Somit ist
eine recht feinfühlige Stationseinstellung
gewährleistet, welche auch bei SSB-Empfang ausreichende
Resultate liefert. Ein zusätzlicher kleiner BFO-Regler
konnte allerdings noch von Nutzen sein! Der Antrieb
arbeitete spielfrei, nach erfolgter Eichung an einem
kleinen Justierrad unterhalb der Skala ist über den
gesamten Bereich eine Ablesegenauigkeit von mindestens 5
kHz möglich.
Die fünfstellige Digitalanzeige erlaubt, jede Frequenz
im MW- und KW-Bereich auf 1 kHz genau abzulesen. Die
Leuchtdioden arbeiten flackerfrei; beim vorliegenden
Testgerät wurden keinerlei Empfangsstörungen durch die
Anzeige festgestellt. Allerdings: die einzelnen Segmente
sind zu leuchtschwach ausgelegt. Zur Tageszeit, selbst
bei bedecktem Himmel, war die Ablese etwas schwierig. Ein
besonders Extra des ICF 6800: bei SSB-Betrieb verschieben
sich die kHz-Ziffern der digitalen Anzeigeeinheit
entsprechend des gewahrten Seitenbandes um 2 kHz nach
oben (LSB) bzw. nach unten (USB). Somit ist auch bei
dieser Betriebsart die genaue Arbeitsfrequenz direkt
abzulesen.
Einige Bemerkungen zum Antennenverstärker:
Hat man, wie oben beschrieben, eine Station eingestellt,
so äussert sich die richtige Abstimmung des Preselectors
in einer deutlichen Empfangsverbesserung. welche auch
optisch durch einen scharfen 'peak' des S-Meters
angezeigt wird. Die zugehörige, zwischen 1,6 MHz und 30
MHz grob geeichte Skala hilft Fehlabstimmungen zu
vermeiden. Dies ist wichtig, da andernfalls das
Nutzsignal von Fremdstationen 'vermatscht' wird-
vergleiche hierzu auch KURIER Nr. 5/78. S. 10).
Mit Hilfe des 'RF Gain'-Reglers lassen sich zu hohe
Antennenspannungen stufenlos herabsetzen. Ohne diese
Massnahme würden starke Signale die Eingangsstufe
übersteuern, Verzerrungen in Form von
Kreuzmodulationsstorungen waren die Folge. Der Benutzer
wird allerdings feststellen. dass die Nadel des
Feldstärkeindikators mit diesem Regler häufig nicht auf
'Null' zu bringen ist. Dies ist speziell bei externem
Antennenbetrieb in den überbelegten Bändern der Fall.
Anmerkung in eigener Sache: Der ICF 6800 wurde mir etwas
kurzfristig zugesandt. Dieser Umstand wäre an sich nicht
weiter erwähnenswert, wenn ein präziser- Messsender zur
Verfügung gestanden hatte. Eigene Messungen, mit
Ausnahme der Langzeitstabilität und der empirisch
gewonnenen Selektionskurven, konnten daher nicht
durchgeführt werden. Unglücklicherweise enthielten auch
weder die Bedienungsanleitung noch des Service-Manual
Angaben über Bandbreite, Empfindlichkeit sowie
Spiegelfrequenzdämpfungen. Solche Daten sind für uns
DX-er sehr von Interesse; sie wurden daher beim
Hersteller angefordert. Da die Messwerte bei
Redaktionsschluss noch nicht vorlagen, werden sie
gegebenenfalls in einem späteren KURIER veröffentlicht.
Um dieses Manko etwas auszugleichen, habe ich in den
folgenden Ausführungen einerseits Erfahrungswerte
zugrunde gelegt (Bandbreite), andererseits den Rx in
zahlreichen Nächten unter verschiedenen
Antennenbedingungen getestet (Empfindlichkeit,
Kreuzmodulationsfestigkeit). Auf diese Weise sollte der
Versuch unternommen werden, allen Interessenten ein
möglichst objektives Bild von der Empfangsqualität des
Gerätes zu vermitteln, wenngleich unter Verzicht auf
Messdaten.
Der ICF 6800W ist mit einer wirksamen zweistufigen
Bandbreitenregelung ausgerüstet. In Stellung 'wide'
(breit) betragt die Bandbreite ca. 7,5 - 8 kHz (-6 dB),
womit eine gute Musikwiedergabe bei nicht allzu dicht
nebeneinander liegenden Stationen gewährleistet ist. Zum
wirklichen DXen, gleichgültig, ob man nun gerade die
Mittelwelle oder Kurzwelle durchforstet,: geht man auf
Stellung 'narrow (schmal). In diesem Fall ist mit
ca. 4 - 4,5 kHz - eine befriedigende Bandbreite gegeben.
Nochmals: Es handelt sich um Näherungswerte., 'welche
durch Vergleich mit anderen Empfängern bekannter
Selektivität zustande kamen.
Eingangs wurde erwähnt, dass der Empfänger seine Oszillatorfrequenz mittels
quarzgesteuertem PLL-Synthesizer erzeugt. Meines Wissens
nach arbeitete bereits das SONY-Spitzengerät "CRF
320" nach diesem Verfahren. Mittlerweile führte
eine günstige Preisentwicklung zum universelleren
Einsatz der dazu notwendigen integrierten Schaltkreise.
Hochwertige CB-Geräte z. B. machen sich schon seit
längerer Zeit dieses Prinzip zunutze, um Quarze
einzusparen. War der normale Rohrenempfänger
hinsichtlich der eingestellten QRG ausgesprochen
unstabil, ein nach dem Wadley-Loop-Prinzip arbeitendes
Gerät schon hochstabil (s. KURIER 5/78, S. 9), so preist
die Industrie das neue Verfahren häufig als ultrastabil
an. In der Tat zeigt ein über sechs Stunden andauernder
Test ausgezeichnete Frequenzstabilität: Weniger als 80
Hz ( ! ) Abweichung im oben genannten Zeitraum. Die an
der Frontseite des Rx angebrachte
"timer"-Buchse hat bei derart geringer Drift
volle Berechtigung. Hier lässt sich über eine
zusätzliche Schaltuhr der Empfänger schwachstrommässig
ein- und ausschalten, zu jeder beliebigen (Nacht-) Zeit,
versteht sich. Sollte auf der interessierenden QRG
wirklich "was los" gewesen sein, so bringt es
der Cassettenrecorder am nächsten Tag ans Licht.
Betätigt man bei
Batteriebetrieb die "Light/Batt''-Taste, so bleiben
d!e Skalen ungefähr 20 sec. Iang erleuchtet, um danach
automatisch zu erlöschen. Damit leistet auch der ICF
6800 seinen kleinen Beitrag zum Thema
'Energiesparen (hi').
Das Gerät verfügt über
ein ausgeklügeltes Stromversorgungssystem mit zwei
mehrstufigen Spannungsstabilisatoren. Kleiner
Wermutstropfen: die Schmelzsicherung fehlt, daher
Vorsicht bei ausländischen Steckdosen! So soll laut
Aussage eines OM z.B. in der Schweiz zwischen den 220 V
und 38O V-Dosen eine täuschende Ähnlichkeit bestehen.
-Puff- Die Reparatur kostete ihn allerdings keinen
Pfennig; der Hersteller leistete nämlich Vollgarantie.
Empfangsqualität, Antennentests
Beobachteter Zeitraum: 18. 4. bis 4. 6. 79
1. 60 m-Tropenband
genutzte Antennen: Eingebauter Teleskopstab (120 cm)
Aussenlangdraht (I = 20 m, 11 m über Grund.
N/S-Richtung) ; SWL. 7 - Mehrfachdipol; Anpassgerät
Die ausgezeichnete
Empfindlichkeit des ICF 6800 zeigte sich gleich bei
seiner ersten Inbetriebnahme. Am 18. 4. wurde gegen 1730
GMT Dar-es-Salam/Tanzania (5050 kHz) mit 0 = 3 ~
empfangen. Der Rx bezog sein Signal lediglich Ober den
120 cm langen Teleskopstab. Der Preselector arbeitete
einwandfrei; richtig abgestimmt brachte er die Nadel des
Instruments auf Marke 9. Das übliche Tropenband-QRM
verminderte allerdings die Gesamtbeurteilung auf obigen
Wert. Bei Anschluss eines longwire wurde der Empfänger
sehr stark überladen, wobei die auftretende
Störkomponente (Rauschen) die Quantität auf höchstens
0 = 1 erniedrigte. Auch ein Nachregeln des Preselectors
brachte keine Verbesserung. Einrichtungen dieser Art
dienen eben ausschliesslich zur Verbesserung der
Weitabselektion und haben mit einem Anpassgerät nichts
zu tun. Danach wurde durch Zurückdrehen des
RF-Gain-Reg!ers die Signalanpassung so lange vermindert,
bis die Störkomponente verschwand. Dies war bei Marke 1
der zwischen O und 9 laufenden Skala der Fall. Resultat:
die Station tönte nunmehr zwar wieder sauber aus dem
Lautsprecher trotz Aussenantenne zeigte das S-Meter aber
bloss noch den Wert 7 an.
Ähnliche Feststellungen
wurden im gesamten Zeitraum gemacht. Ungewöhnlich guter
Teleskopempfang von afrikanischen und südamerikanischen
Stationen (R. Nairobi, Kenya 4815 kHz; Lagos, Nigeria
4990 kHz; R. Rumbos/VE:4970 kHz; La Voz del Norte,
Kolumbien 4875 kHz; R. Bolivar/VEN 4770 kHz; etc.).
Während eine unangepasste Langdrahtantenne ungünstige
Verhältnisse brachte. Die Empfindlichkeit des Rx ist so
hochgezüchtet, daß manche starke Station sogar mit
eingeschobenem Stab lesbar war.
Wie wirkt sich nun ein
Anpassgerät (Collinsfilter) auf die Wirkung der
Langdrahtanterne aus? Speziell bei schwachen Stationen
machten sich etwas höhere Feldstärken gegenüber dem
Stab bemerkbar, wobei Kreuzmodulationsstörungen
gleichzeitig in den Hintergrund traten Beim vorliegenden
Testgerät mussten allerdings auch weiterhin die Signale
mit dem HF-Regler gedrosselt werden, um Störungen zu
vermeiden. Auch eine SWL-7 wurde am Rx erprobt; sie
brachte keine nennenswerten Verbesserungen gegenüber dem
angepassten 'Longwire. Vorteil: man spart ein
Anpassgerät, da wegen des zugehörigen Symmetriegliedes
der Empfänger über Koaxkabel niederohmig gespeist wird.
Zusammenfassend sei schon
an dieser Stelle bemerkt, dass ICF 6800-Besitzer generell
auf teure Antennen verzichten können. Wer die
Aussenantenne nicht missen mochte. sei es aus Gründen de
Richtwirkung oder als Bewohner eines Stahlbetonb!ocks,
sollte den einfachen Langdraht benutzen. Unerlässliches
Zubehör: ein Collinsfilter wie in der
ADDX-Einführungsbroschüre "Stimmen aus aller
Welt" beschrieben.
2. BC-Bänder
Zusätzliche Antenne: 19 mb -Dipol mit Fritzel
Breitbandbalun
Jene DX-er, welche speziell an den internationalen Auslandsdiensten
interessiert sind, können auf eine externe Antenne voll
verzichten, es sei denn, der Shack befindet sich
innerhalb eines Stahlbetonbaues. Waren mit dem
Teleskopstab bereits Tropenband-"Statiönchen"
mit Leistungen von 50, 20, 10, ja 1 kW zu hören, so
steht wohl der Empfang von Rundfunkgiganten in den
dichtbesiedelten Power-Bändern gewiss ausser Frage. Eine
kuriose Beobachtung: im 25 mb wurde eine schwache Station
überhaupt erst wahrgenommen, nachdem man den Stab
eingeschoben hatte! Die unmittelbaren Nachbar-QRGs waren
nämlich von derart starken Sendern besetzt, dass die
eingezwängte Station durch Seitenbandstörungen
gänzlich unhörbar war. Dieser Effekt trat auf, obwohl
der Bandbreitenschalter auf "schmal" stand. Die
beste Trennscharfe im Zwischenfrequenzkreis ist
wirkungslos, wenn der (die) Störsender als moduliertes
Nutzsignal den ZF-Kanal übersteuern, so steht es in der
einschlägigen Fachliteratur. In puncto
Kreuzmodulationsfestigkeit haben die SONY-lngenieure den
Rx nicht optimal ausgelegt. Die hohe Empfindlichkeit des
ICF 6800 bedingt in den dicht besiedelten Bändern
Kreuzmodulationsstörungen.
Statten wir nun dem 19 mb einen Besuch ab, zu einer Zeit,
wo noch nicht alle Stationen ihren Service aufgenommen
haben: in den frühen Morgenstunden.
Ende April war der Empfang von Radio Tahiti (15170 kHz)
möglich und konnte mit SINFO 34433 beurteilt werden. Der
Austausch von Teleskop durch die Langdrahtantenne
bewirkte Störungen, unter denen das Signal der
Pazifikstation verschwand. Abhilfe brachte wieder der
RF-Gain-Regler, welcher beim Zurückdrehen das QRM
verschwinden liess; allerdings auf Kosten der
(Nutzsignal-)Feldstärke. Sie war jetzt lediglich noch
mit S = 2 zu bewerten. Bessere Resultate lieferte ein 19
mb-Dipol mit Breitbandbalun. Sein Fusspunktwiderstand
betragt 50 Ohm; für diesen Wert ist laut
Herstellerangaben auch der Antenneneingang des ICF 6800
ausgelegt Die Gesamtqualität konnte man jetzt mit 0 = 4
beurteilen. Richtige Anpassung einerseits, sowie gute
Richtungscharakteristik andererseits machen sich eben
hier bemerkbar. Nachdem sich das Band in den Tagesstunden
wieder gefüllt hatte, wurden allerdings auch mit dem
Dipol keine nennenswerten Verbesserungen mehr erzielt.
Favorit war wieder der Teleskopstab.
Im 13 mb arbeiten vergleichsweise wenig Stationen;
häufig sind freie Nachbarkanäle anzutreffen.
Entsprechend lässt sich hier die Empfindlichkeit des Rx
voll ausnutzen. Sogar eine unangepasste, auf 10 m
verkürzte Langdrahtantenne brachte gegenüber dem Stab
deutlich bessere Ergebnisse. Der Auslandsdienst des
Herstellerlandes auf 21610 kHz verursachte im ersten Fall
einen S-Meter-Ausschlag von 9, wahrend er bei
Teleskopbetrieb auf 3 - 4 zurückfiel.
3. Amateurfunkbänder
Zusätzliche Antenne: Wendelantenne (I = 4,3 m) mit
Collinsfilter
Es wäre zu viel verlangt,
von einem Weltempfänger jene Extras zu erwarten, wie sie
bei speziellen Amateurgeräten üblich sind. Dennoch
konnte Anfang Juni im 20 mb eine US-Station, im 15 mb ein
Amateur aus Tel Aviv mit klarer SSB-Wiedergabe
aufgenommen werden. Bei Seitenbandempfang erwies sich die
Frequenzversetzung der Digitalanzeige als nützliches
Hilfsmittel.
Besonders erwähnenswert ist die Tatsache, dass im 80 und
40 mb von allen mir zur Verfügung stehenden
Antennenformen eine 4,3 m lange Wendelantenne mit
Anpassgerät die besten Ergebnisse brachte. Es wäre auch
geradezu etwas vermessen vom eingebauten Teleskopstab,
speziell im langwelligen 80 mb, optimale Leistungen zu
erwarten. Prinzipiell handelt es sich bei der genannten
Antennenform um einen Viertelwellenstrahler, dessen Draht
auf eine Glasfiberrute gespult wurde. Genaue Windungszahl
und Stablänge hängen vom gewünschten Frequenzbereich
ab und müssen berechnet werden (nähere Einzelheiten:
"RPB"-Band Nr. 107, S. 32-83; Franzis-verlag,
München).
Dx-er. welche mit dieser Anordnung experimentieren
mochten, haben vor allem auf möglichst kurze Verbindung
zwischen Wendelantenne und dem hier unerlässlichen
Collinsfilter zu achten. Bei sorgfältigem Aufbau und
richtiger Abstimmung von Anpassgerät und ICF-Preselector
erreicht man eine ausgezeichnete Vorselektion der
eingestellten Station.
In den höheren Amateurfunkbändern (20-, 15-, 10- mb)
zeigte wiederum der Teleskopstab gute Ergebnisse.
4. Mittelwelle
Zusätzliche Antenne: Rahmenantenne mit Verstärker
(F = 0,7 qm), modifiziertes MW-Anpassgerät
Der MW-Empfangsteil des
ICF 6800 wurde nur als Einfachsuper ausgelegt; ein
Konzept, dem sich auch die meisten in- und ausländischen
Hersteller anschliessen. Hervorzuheben ist allerdings die
Tatsache, dass auch in diesem Wellenbereich die gleiche
Frequenzstabilität wie auf den KW-Bändern vorliegt;
auch die Bandbreitenumschaltung ist wirksam.
Mit der eingebauten. Ieider nicht abschaltbaren
Ferritantenne sind tagsüber mehr oder weniger weit
entfernte Lokalstationen hörbar; abends ist durchaus
auch Mitteleuropa-Empfang möglich. Ohne Aussenantenne
kann allerdings von MW-DXing keine Rede sein. Schade,
dass der Preselector erst ab 1,5 MHz funktioniert;
dadurch entfällt die Möglichkeit, den oberen MW-Bereich
zwischen 1 MHz und 1,6 MHz über das auf Kurzwelle
wirksame Doppelsuperprinzip zu empfangen. Der externe
MW-Antennenanschluss ist sehr niederohmig ausgelegt,
ideal für eine Rahmenantenne, aber unbrauchbar für den
"nackten" Langdraht. Longwire-Fans brauchen
aber nicht zu verzagen: hier hilft nämlich wieder das
Collinsfilter weiter.
Allerdings empfehle ich den Bau eines gesonderten
MW-Anpassgerätes, welches sich ausgezeichnet am ICF 6800
bewahrt hat. Abb. 3 (siehe Seite 14) zeigt das Schaltbild
des Gerätes; man erkennt, dass nur ein Drehkondensator
(C) notwendig ist. Die Anpassung wird durch einen
gemischt induktiven-kapazitiven Spannungsteller erreicht.
Einzelteile:
Spule: 100 Windungen versilberter Kupferdraht 1 mm
Durchmesser; Aussendurchmesser der Spule :5 cm;
Anzapfungen: etwa an der 10. und 40. Windung (der genaue
Wert muss erprobt werden, da er vom verwendeten
Drehkondensator abhängt);
Doppeldrehkondensator, z. B. 20 pF - 750 pF-Regelbereich;
zweistufiger Schalter;
Die Spule ist auch fertig zu erhalten und kann bei
folgender Firma bezogen werden: Ing. Hannes Bauer,
Postfach 1060, Bamberg; Best.-Nr. 39-501016.
Es besteht die Möglichkeit, die ganze Anordnung in ein
Gehause aus Plastik oder Aluminium zu bauen. Keinesfalls
sollte allerdings ein Eisen- bzw. Stahlgehäuse benutzt
werden.
Da wahrend des getesteten Zeitraumes sehr ungünstige
MW-Bedingungen vorlagen (vgl. den geomagnetischen
"A-lndex" in SKALA Nr. 24/79, S. 12), kann ich
das .MW-Verhalten des Empfängers nur an zwei Beispielen
demonstrieren.
a) Tagesempfang (1230
GMT3, Leipzig 531 kHz)
eingebaute Ferritantenne: Indikatoranzeige bei voll
aufgedrehtem HF-Regler: 0,5; leise Musik und etwas
Rauschen;
20 m Langdraht (ohne Anpassgerät) Indikatoranzeige bei
voll aufgedrehtem HF-Regler: 0,75; Rauschen etwas
geringer. dafür aber Störung durch Telegrafiesender;
20 m Langdraht (mit Anpassgerät): Indikatoranzeige: 9!
SINFO 55555; kein Rauschen, klare Modulation;
Rahmenantenne mit Verstarker: Indikatoranzeige grösser
als 9; SINFO 55555;kein Rauschen klare Modulation; (hier
ist kein Anpassgerät notwendig)
Durch Drehen der Rahmenantenne erreichte ich schliesslich
den Empfang von Beromünster (5OOkW, mit SINFO 343433.
Die Interferenz I = 3 kam natürlich durch Leipzig
zustande.
b) Nachtempfang (0200
GMT), Madrid 585 kHz
eingebaute Ferritantenne: Indikatoranzeige: bei voll
aufgedrehtem HF-Regler. 0; kein Signal;
20 m Langdraht (mit Anpassgerät): Indikatoranzeige: 8,5;
SINFO 332-332-3;
Rahmenantenne (mit Verstärker): Indikatoranzeige: 9;
SINFO 44343-4.
Im letzten Fall macht sich die Verringerung elektrischer
Störungen (N = 4) sowie der frühe AGC-Einsatz des
Empfangers (F = 3) günstig bemerkbar.
5. UKW-Teil
Von einem Weltempfänger verlangt man im Allgemeinen
nicht die FM-Qualitat einer HiFi-Anlage. Unter diesem
Aspekt lässt sich der UKW-Teil des ICF 6800 befriedigend
beurteilen. Auch in diesem Wellenbereich fällt die hohe
Empfindlichkeit des Rx auf. Die erste Freude kann
allerdings geschmälert werden, falls am Wohnort eine
FM-Station in Betrieb ist: Kreuzmodulationsstörungen.
Dieser Effekt lässt sich durch segmentweises Einschieben
des Teleskopstabes vermeiden, jedoch auf Kosten der
Empfindlichkeit.
6. Schlussbemerkungen
Exzellente Empfindlichkeit sowie hohe elektrische und
mechanische Qualität zeichnen den ICF 6800 von SONY aus.
Da das Gerät bereits mit Teleskopantenne ungewöhnliche
Leistungen zeigt, liegt hier auch der ideale Empfänger
für ''Holiday-DXing" vor. Am Urlaubsort verzichtet
man ohnehin aus Gründen der Bequemlichkeit häufig auf
das Anbringen einer Aussenantenne. Obwohl der Rx nicht
direkt als Portable konzipiert wurde, lässt er sich wohl
immer irgendwo im Auto unterbringen.
Wir danken der SONY GmbH,
dass sie uns den Empfänger sieben Wochen für Testzwecke
zur Verfügung stellte. Desweiteren gilt mein Dank für
kritische und anregende Bemerkungen den OM Jürgen Velke,
Matthias Neumann (Bremerhaven), Jürgen Stein (Bremen)
sowie meinen antennenfreundlichen Hausbesitzern Frau
Schakel und Frau Kratz.
TECHNISCHE DATEN
Schaltung UKW/MW: Superhet
KW: Doppel-Superhet
Quarzgesteuerter PLL-Synthesizer
UKW: 87.5108 MHz
KW: 1,630 MHz (187,510 m)
MW: 5301.605 kHz (566187 m)
UKW: Teleskopantenne
KW: Teleskopantenne, Aussenantennenanschlüsse
(5075 Ohm) UHF-Anschluss (5075 Ohm)
MW: Eingebaute Ferritstabantenne,
Aussenantennenanschlüsse (niedriger Impedanz)
Lautsprecher ca. 10 cm
Durchmesser
Ausgangsleistung 900 mW (bei 10% Klirrgrad) bei
Gleichstrombetrieb
Eingang Schaltuhr-Anschlussbuchse (Minibuchse)
Ausgänge Aufnahmeausbangsbuchse (Minibuchse,
Ausgangspegel 0,8 mV ( - 60 dB) Ausgangsimpedanz 1 kOhm
Ohrhörerbuchse (Minibuchse) für 8-ohmigen Ohrhörer
Kopfhörerbuchse (Klinkenbuchse) für 8-ohmigen
Kopfhörer
Stromversorgung
Ausführung für Kanada: 120 V Wechselspannung. 50/60 Hz
Ausführung für andere Länder: 110, 120 220 oder 240 V
Wechselspannung einstellbar, 50/60 Hz
9 V Gleichspannung
sechs Mono zellen
(IEC-Batteriebezeichnung R20)
12 V Autobatterie mit
gesondert lieferbarem Sony Autobatteriekabel DCC-130
Leistungsaufnahme 9 W Wechselspannung
Abmessungen ca. 453 x 184 x 227 mm (B/H/T) einschl.
vorspringender Teile und Bedienungselemente
Gewicht ca. 5. 9 kg einschl Batterien
Mitgeliefertes Zubehör Netzkabel,
Antennenanschlussstifte (4), ,,Short Wave Guide"
Gesondert lieferbares Zubehör Autobatteriekabel DCC-130
Kopfhörer DR-7, DR 35; Ohrhörer ME-20H
Verbindungskabel RK-69H (Ministecker an Ministecker, zum
Verbinden mit einem Tonbandgerät)
Anderungen, die dem technischen Fortschritt dienen,
bleiben vorbehalten.