Der IC F 6800 ist ein tragbarer Weltempfänger für Netz- und Batteriebetrieb. Er
empfängt Kurzwelle lückenlos von 1 MHz bis 30 MHz und
hat zusätzlich getrennte MW- und UKW- Teile. Die
Frequenzanzeige ist digital, mit Ausnahme des
UKW-Bereiches. Der KW-Teil ist in 29 Bänder zu je 1 MHz
aufgeteilt; die Schaltung arbeitet als Doppelsuper in PLL-
Technik. Die jeweiligen Oszillatoren sind quarzgesteuert.
Ein aktiver Preselector, HF-Handregelung, schaltbare
Bandbreite und SSB-Empfangsmöglichkeit zeigen, daß hier
ein kompromißloses DX-Gerät kunstruiert wurde. Das
handliche Gerät im Quaderformat ist sauber verarbeitet,
Antennenanschlüsse und Batteriefach sind gut
zugänglich.
Das Gerät
Die Bedienungselemente sind handgerecht plaziert
- mit Ausnahme des Lautstärkestellers, der ganz links
außen sitzen sollte. Der Abstimmknopf ist wohltuend
groß und sehr griffig. Neben der Digitalanzeige hat das
Gerät eine sehr große, gut lesbare Analogskala. Diese
ist mechanisch nacheichbar und kann flutlichtartig
beleuchtet werden. Für UKW ist eine getrennte Kreisskala
mit eigenem Abstimmknopf vorhanden.
Die gewünschten Wellenbereiche werden mit den drei
Drucktasten in der Mitte oben gewählt. Rechts schließt
sich der Betriebsartenschalter an, mit den Stellungen AM
wide, AM narrow, USB und LSB/ CW. Mittels des
konzentrischen Zweifach-Rastschalters daneben werden die
je 1 MHz breiten KW-Bänder gewählt.
Dieser Schalter arbeitet in Dekadenstufen: der
KnebeIschalter außen selektiert 0, 10, 20 MHz, der
Drehschalter innen die Einerstellen von 0 - 9. Beispiel:
Einstellung auf 6.155 MHz. Dekadenschalter auf 0,
Einerschalter auf 6, Digitalanzeige/ Analogskala auf .155
bringen, fertig. Die Analogskala ist sehr genau geeicht.
Bei Mittelwelle kann der gesamte Bereich auf dieser Skala
wie auch auf der Digitalanzeige abgelesen werden.
Die HF-Regelung ist stets automatisch, läßt sich jedoch
mittels des Einstellers RF-Gain in wäiten Grenzen
beeinflussen. Darunter liegt der Knopf für den bei KW
stets getrennt abzustimmenden Preselector. Das große,
gut lesbare S-Meter ist von 1 bis 10 geteilt und besitzt
eine zusätzliche Skala zur Batteriekontrolle. Unter
diesem Instrument befinden sich kleine Drucktasten, die
über elektronische Schalter geräuschlos Beleuchtung und
Digitalanzeige ein- und ausschalten. Der große
Knebelschalter links neben dem S-Meter schaltet den
Empfänger ein und aus. Einsteller für Lautstärke,
Bässe und Höhen befinden sich am unteren linken
Geräterand. Kopfhörer, Ohrhörer, Tonaufnahmegerät und
ggf. eine Schaltuhr lassen sich über Buchsen auf der
Vorderseite anschließen.
Die vorderen Gerätefüße sind höhenverstellbar. Das
Batteriefach befindet sich unter der großen Weltkarte
(mit Zeitzonen) auf der Oberseite des Gehäuses. Dieser
Deckel äßt sich in aufgeklapptem Zustand arretieren.
Die 120 cm lange Teleskopantenne besitzt ein
Dreh-/Knickgelenk und liegt in einer Aussparung am
hinteren Geräterand. Die Stabantenne kann abgeschaltet
werden; als externe Antennenanschlüsse sind vorhanden:
Koaxbuchse SO-239 (UHF) sowie Klemmtasten für hochohmige
Drahtantennen, getrennt für Kurzund Mittelwelle.
Netzbuchse und Netzspannungsumschalter sind zusammen mit
dem Sicherungshalter auf der Peräterückseite zu finden.
Dort befindet sich auch eine Buchse für den Anschluß
einer externen Gleichspannungsquelle (9 Volt). Damit ist
über einen Reduzieradapter mobiler Betrieb möglich. Die
Griffe an den Seiten stehen etwas vor; hier kann ein
Tragegurt befestigt werden.
Betriebsergebnisse
Die mit diesem Empfänger erzielten Ergebnisse
sind ganz ausgezeichnet, wie schon die bemerkenswerten
technischen Daten ahnen lassen. Trotzdem sagen
Empfindlichkeitswerte nichts darüber aus, wie
außerordentlich leicht sich dieses Gerät schwierigen
Empfangssituationen anpassen läßt. Mit der eingebauten
Stabantenne kommen, wenn das Band "offen" ist,
Stationen aus USA im 1 1 -m-Rand auf Anhieb ein. Nach
Anschluß einer angepaßten Außenantenne wurden die
Leistungen mit einem vollkommerziellen Gerät verglichen.
Dem Sony konnten nur wenige Schwächen nachgewiesen
werden, die in der Bandbreitenschaltung und dem
Großsignalverhalten des Eingangskreises liegen.
Der Preselector arbeitet gut und erlaubt optimale
Anpassung an Außenantennen, auch Langdrahttypen. Die
beim ICF 6700 bemängelte Abflachung der Selektionskurve
ab 20 MHz konnte hier nur bedingt festgestellt werden.
Ein Nachstimmen des Preselektors innerhalb eines 1 MHz-Bandes
ist nur in Ausnahmefällen nötig: eine große
Bedienungserleichterung. Die Frequenzbezeichnung auf
dieser Skala könnte allerdings genauer sein. Bei der
Prüfung der Anzeigegenauigkeit und Stabilität des
Gerätes ergab sich ein Grundfehler der Anzeige von + 82
Hz; die Langzeitkonstanz ist mit +/- 120 Hz/12 Std.
bemerkenswert gut. Sinkende Batteriespannung bis zum Ende
des grünen Feldes im Anzeigeinstrument hat keinerlei
Einfluß auf die Frequenzgenauigkeit.
Das Anzeigeinstrument hat eine ideale Charakteristik. Es
ist sehr flink und Fluttererscheinungen lassen sich sehr
gut erkennen. Leider ist die Treiberschaltung des
Instrumentes zu empfindlich ausgelegt bzw. die Kennlinie
ist nicht logarithmisch.
Die "Zugriffszeit" zu einer beliebigen Frequenz
liegt für die erreichbare Absolutgenauigkeit von 1 kHz
bei weniger als 10 sec., einschließlich abgestimmtem
Preselector! Schon mit der eingebauten Stabantenne ist
ernsthaftes DXen möglich; leider schränken die
ungünstig plazierten Tragegriffe die Mobilität stark
ein.
Wertung und Kritik
Die Kritik an diesem Empfänger beschränkt sich
auf wenige Details. Vermißt wurde eine Umschaltung der
Frequenzeinstellung von grob auf fein; eine
Feinabstimmung ist nicht vorhanden. Mit neun Umdrehungen
des Abstimmknopfes werden 1 MHz abgedeckt; saubere
SSB-Abstimmung erfordert da eine sehr ruhige Hand. Für
normale Gegebenheiten arbeitet die Bandbreite
"schmal" recht gut. Es fehlt aber doch die den
Empfangsmöglichkeiten des Gerätes angepaßte
Filtersteilheit. Hier könnte ein besseres Filter Wunder
wirken. Die Stellung "breit" ist nur bei
wirklich leeren Nachbarkanälen einsetzbar. Das
Großsignalverhalten ist leider nicht optimal und damit
verbunden ist ein Spiegelfrequenzprublem. Dies tritt aber
nur auf, wenn der Eingang deutlich überladen wurde, z.B.
Tropenbandempfang mit Langdraht. Die Beleuchtung der
Preselectorskala und deren Markierungen lassen zu
wünschen übrig. SSB-Betrieb ist - bis auf die
Einstellung der Station - problemlos möglich; die um 2
kHz versetzte Anzeige des "echten" Trägers auf
der Digitalanzeige ist eine Arbeitserleichterung. Der
RF-Gain-Einsteller erlaubt bestmögliche Pegelanpassung
für die Signalaufbereitung im Produktdetektor.
Anzeigegenauigkeit, Stabilitat, Bedienbarkeit und
verwertbare Empfindlichkeit der Gesamtschaltung sind gut
bis sehr gut. Auch der MW-Teil kann erfolgreich für DX
eingesetzt werden. Dazu sollte man eine Rahmen- oder
Ferritantenne benutzen.
Der UKW-Empfang ist sauber und trennscharf, eine
brauchbare Zugabe für gelegentliche Musikberieselung
oder den Straßenzustandsbericht. Insgesamt ist der Klang
nur mittelmäßig; mit knapp 1 Watt läßt sich nun
einmal kein Hi-Fi machen.
Zusammenfassung
In Anbetracht der Relation Preis/ Leistung/
Bedienbarkeit/ Mobilität ist der ICF 6800 W derzeit kaum
zu übertreffen. Von der Konzeption her ein Kofferradio,
erreicht dieses Gerät durchaus die Leistung eines
Stationsempfangers. Diese Vielseitigkeit, verbunden mit
den guten Empfangsleistungen, macht diesen RX
empfehlenswert. Für den ambitionierten DXer ist hier ein
vielseitiges Gerät mit erheblichem Bedienungskomfort
verfügbar, für Amateure ein brauchbarer
Allzweckempfänger, der überall gute Dienste tut und
praktisch jeder Empfangssituation gerecht wird.
Sony ICF 6800 W: Technische Daten und Meßwerte
Hersteller Sony
Vertrieb Fachhandel
Gerätetyp tragbarer Stationsempfänger
Schaltungstyp PLL-Synthesizer
Frequenzbereiche KW 1 - 30 MHz in 29 Bändern, MW, UKW
Frequenzanzeige rote fünfstellige digitale Anzeige, gute
Analogskalen
Ablesegenauigkeit +/- 1 kHz
Absolute Genauigkeit +/- 82 Hz
Frequenzstabilität bei DeltaT von 10°C +/- 445 Hz;
innerhalb 1 Stunde +/- 200 Hz
Besonderheiten Mobiler, gut ausgestatteter DX-Empfänger
mit eingebauten Antennen und Lautsprecher. Vielseitige
Einsatzmöglichkeiten, gute Empfangsleistungen
HF-Teil
Empfindlichkeit: in uV an 50 Ohm bzw. 1 KOhm bei
BC
0,1 MHz - 1.5 MHz für 26 dB S+ N/N
2 MHz - 30 MHz für 6dB S+N/N
Modulation AM, 400 Hz, 30 Prozent
| Frequenz (MHz) |
AM breit |
AM schmal |
SSB |
| 0.2 |
- |
- |
- |
| 0.5 |
31 |
18 |
- |
| 1 |
24.5 |
14.6 |
- |
| 1.5 |
24.5 |
14.5 |
- |
| 2 |
1.3 |
0.8 |
0.3 |
| 5 |
1.3 |
0.7 |
0.3 |
| 7 |
1.5 |
1.1 |
0.3 |
| 10 |
1.8 |
1.2 |
0.4 |
| 15 |
1.8 |
1.2 |
0.6 |
| 20 |
2 |
2.1 |
0.5 |
| 25 |
1.8 |
1.3 |
0.3 |
| 30 |
1.9 |
1.3 |
0.3 |
Trennschärfe (kHz) 7 MHz + 1 MHz
| |
-6 dB |
-60 dB |
| breit |
4.8 |
17.3 |
| schmal |
3.1 |
7.8 |
Spiegelfrequenzsicherheit besser als 58 dB
Zf-Festigkeit besser als 65 dB
AGC-Regelbereich mehr als 70 dB
Abstimminstrument S1 = 1 uVolt, Mitte = 5 uVolt, Ende =
100 uVolt
Antennen Stabantenne 120 cm, Ferritentenne abschaltbar
Antennenanschlüsse Koax SO-239, getrennte Klemmtasten
für MW und KW
Sonstiges Preselector, abstimmbar und geregelt. Analogskala
nacheichbar. UKW-Empfindlichkeit 2.6 uV/26 dB S+N/N
NF-Teil
Leistung, Sinus 0.9 Watt, 10% THD
Frequenzgang 70 - 6 200 Hz, +/- 3 dB
Tonblende Höhen, Tiefen, jeweils +/- 7 dB
Störbegrenzer -
Lautsprecher 8 Ohm, 10 cm Durchmesser
Anschlüsse Ohrhörer, Kopfhörer, Aufnahme,
Zeitschaltuhr
Stromversorgung Netz 110/220 Volt eingebaut; Batterie
sechs Monozellen; Externe Gleichspannung 9 Volt
Leistungsaufnahme ca. 6.5 Watt; Batteriebetrieb 4.2 Watt
Maße 45.3 x 18.4 x 23 BHT in cm
Gewicht 6.4 kg mit Batterien
Bestückung 7 lCs, 10 FET, 56 Transistoren, 33 Dioden
Zubehör Anleitung, DX-Einführung
FTZ -Nummer ja
Preis ca. DM 1400.-