SONY ICF-SW1 S - Der Kleine aus dem Koffer
Was niemand auf Anhieb vermutet, sieht man vor sich ausgebreitet, wenn
man das stabile graue Kunststoffköfferchen öffnet: eine
vollständige Empfangsausrüstung für alle
Rundfunksender. Sony, schon immer Vorreiter für
Innovationen und neue Ideen, hat da was kreiert, was
sicherlich bald Nachahmer finden wird.
Es wurde aber auch an alles Notwendige gedacht. Von der
Aktivantenne (mit vier Mignonzellen zu speisen), die auch
mittels Saugnapf bis zu drei Meter vom Empfänger
entfernt z.B. am Hotelfenster befestigt werden kann, über
das universell verwendbare Netzgerät und einen stereofähigen
Kopfhörer, ist neben dem Empfänger alles vorhanden, was
man zum fast problemlosen Rundfunkempfang braucht. Das
Gerät ist übrigens auch unabhängig von den
Zusatzteilen zu betreiben.
Rundfunkempfang, aber auch nur diesen und nicht mehr,
denn das kleine Empfängerchen, lediglich mit zwei
Mignonzellen bestückt und auch mit der versenkbaren
Stabantenne zu betreiben, läßt sich im
Kurzwellenbereich bis 26,1 MHz nur in jeweils 5 kHz-Schritten
abstimmen. Das reicht allemal für gut hereinkommende
Stationen, aber Empfangsverbesserung durch
Nebenbeiabstimmung oder gar SSB-Empfang sind nicht möglich.
Aber das entspräche wahrscheinlich auch nicht dem
Konzept von Sony, die eben Rundfunkempfänger für
weltweiten Empfang anbieten, aber keine Amateurfunkempfänger
oder kommerziellen Geräte. Im Lang- und
Mittelwellenbereich ist eine Schrittweite von 3 kHz bei
Langwelle und eine von 9 auf 10 kHz umschaltbare auf
Mittelwelle vorgesehen. lm UKW-Bereich wird das Raster
auf 50 kHz gesetzt. Das ist in jeder normalen
Empfangslage eine befriedigende Lösung.
Der Empfänger ist auf Anhieb gut zu bedienen und läßt
in seinem Eingabe und Anzeigenteil keine Wünsche offen.
Wer sich über zu kleine Knöpfe und Tasten beschwert, muß
sich ein größeres Gerät beschaffen, denn die Grösse
der Tasten und Knöpfe wird auch von der Größe des Gerätes
selbst bestimmt. Trotzdem ist der SW1S "innen größer
als aussen" - denn was an Empfangsleistung
festzustellen ist, reicht fast an den größeren Bruder,
den 2001 D, heran. Ohne jedoch dessen Möglichkeiten zur
Empfangsverbesserung zu haben, wie kleinere
Einstellschritte, genauere Anzeige, SSB-Empfang und
Filterwahl. Der äußere Eindruck ist der Art, wie ihn höherwertige
Technik heute oft bietet, nämlich ausgezeichnet.
Trotzdem ist die Schrittweite der Frequenzeinstellung auf
Kurzwelle mit 5 kHz das große Handicap dieses Empfängers.
Es ist durchaus möglich, daß bei wesentlich preisgünstigeren
Geräten mit analoger Abstimmung (dann fehlt natürlich
wieder die digitale Frequenzeingabe) ein Sender besser
eingestellt werden kann.
Nicht nur mit der Normtastatur kann die Frequenz
eingegeben werden, sondern auch mit der UP- und DOWN-Taste
läßt sich der Sender einstellen, so ist auch der
Suchlauf möglich. Zehn Frequenzspeicher sind belegbar
und auf Tastendruck abzurufen. Die Betriebsart "AM"
oder "FM" braucht nicht vorgewählt zu werden,
sondern stellt sich automatisch bei Aufruf des Speichers
ein. Bei Tasteneingabe der Frequenz muß man natürlich
den jeweiligen Bereich (UKW, KW, MW, LW) vorwählen.
Die eingebaute Digitaluhr zeigt die eingestellte Zeit im
24 h-Takt an, wenn das Gerät ausgeschaltet ist. Schaltet
man ein, erscheint die zuletzt eingestellte Frequenz auf
der Digitalanzeige, und, wenn aufgerufen, auch die
Speichernummer. Die Uhr läßt sich als Timer und als
Einschlafautomatik mit unveränderlicher Vorlaufzeit von
65 Minuten verwenden. Wichtig und immer zu beachten ist
der Schutzschalter mit der Bezeichnung KEY PROTECT, der
verhindert, daß sich das Gerät beim Transport selbst
einschaltet und daß gerade dann die Batterien leer sind,
wenn man das Gerät braucht. Die Batterien reichen übrigens
bei täglichem Betrieb von ca. 30 Minuten, die Zeit eines
normalen Nachrichtenblockes mit Kommentar, rund drei
Wochen und sind damit für eine normale Reisedauer
ausreichend. Hört man öfter und länger, so empfiehlt
es sich, das Netzgerät zu benützen.
Zusammenfassend kann man
feststellen, daß hier mit einer guten ergonomischen
Bedienung ein leistungsfähiger Miniaturempfänger zu
einem stolzen Preis angeboten wird. Die in diesem Preis
enthaltenen Zubehörteile und den Koffer muß man natürlich
auch berücksichtigen.
Wir sahen bei der Firma
Radio Kölsch in Hamburg, der wie übrigens für die
leihweise Überlassung des SONY SW1S danken, einen SONY
2001 D, der mit Aktivantenne und Kopfhörer im Set nur
300 DM mehr kostet - den würden wir in jedem Falle
vorziehen. Es sei denn, wir haben eine besondere Vorliebe
für Miniaturgeräte.