Verpackungskünstler: Sony ICF - SW 1000T
Schaut man sich
einmal die Entwicklung der letzten Jahre im Bereich
mobiler Geräte der Unterhaltungselektronik an, so ist
unschwer ein deutlicher Trend in Richtung
Miniaturisierung zu erkennen. Der sogenannte Walkman
beispielsweise ist nur noch unbedeutend größer als die
Musik-Cassette selbst. Und auch Weltempfänger haben
teilweise eine beeindruckende Winzigkeit erreicht bei
gleichzeitig erstaunlicher Bedienungsvielfalt. So schien
es nur konsequent, sich an die Entwicklung einer
reisetauglichen Weltempfänger / Radiorecorder-Kombination
zu wagen. Mit dem neuen ICFSWIOOOT bietet Sony als
Vorreiter der Miniatuisierung - beinahe schon
erwartungsgemäß - nun ein solches Gerät an.Fairerweise
soll nicht verschwiegen werden, daß es bereits mehrere
Ansätze für derartige Geräte gegeben hat. Sowohl
Grundig als auch Sony hatten schon Weltempfänger mit
integriertem Cassettenrecorder im Programm. Beide Geräte
verfügten allerdings nur über einen eingeschränkten
Frequenzbereich und eine analoge Frequenzanzeige, deren
Ablesegenauigkeit sehr zu wünschen übrig ließ. Aktuell
bietet Siemens mit dem RK-670 bzw. RK-770 einen - bei
Verwendung einer zusätzlichen externen Antenne recht
leistungsfähigen und zudem preiswer ten Weltempfänger
mit integriertem Cassettenteil an, der gerne zur
automatischen Aufzeichnung von AM- oder FM-Sendungen (also
Hörfunk) verwendet wird. Dessen Größe macht das Gerät
allerdings nur für den heimischen, jedoch im Normalfall
kaum für Empfangsbetrieb auf Reisen geeignet. Und auch für
den Mitschnitt von Wetterfunksendungen in SSB eigneten
sich bisherige integrierte Weltempfänger- Recorder-
Kombinationen nur sehr bedingt.
Der Empfänger
Es ist schon erstaunlich: Auf der IFA '95 in Berlin
war der ICF-SW1000T erstmals mehr zufällig und unangekündigt
- am Stand von Sony zu entdecken. Es fand sich am
ansonsten durchaus beeindruckenden Pressestand jedoch
niemand, der über das neue Gerät Auskunft geben konnte.
Kurz vor Weihnachten kam der SW1000T dann - erneut
unangekündigt und nur durch Zufall im Schaufenster zu
entdecken - in den Handel. Keine der sonst üblichen
Pressemitteilungen oder sonstiges Material war zuvor
verschickt worden. Ob man bei Sony herausfinden will, mit
wie wenig Informationsarbeit man ein neues und durchaus
interessantes Gerät in den Handel bringen kann? Auch in
anderen europäischen Ländern scheint man bei Sony diese
merkwürdige Form der Markteinführung gewählt zu haben.
Es darf darüber spekuliert werden, welche Ursachen zu
dieser völligen Vernachlässigung von PR geführt haben.
Auf den ersten Blick hat der Empfänger eine gewisse Ähnlichkeit
mit dem ICF-SW 7600G. Tatsächlich hat man jedoch das
weitgehend unveränderte Empfangsteil des Sony ICF-SW 100
genommen und in ein (deutlich) gröberes Gehäuse gesetzt.
Zur Erinnerung: Beim SW 100 handelt es sich um den
derzeit kleinsten Weltempfänger mit Digitalanzeige,
Frequenzbereich 150 kHz - 30 MHz in AM, LSB/CW, USB und
Synchrondetektor mit schaltbaren Seitenbändern, außerdem
UKW 76-108 MHz (über Kopfhörer in stereo). Zudem verfügt
der SW-100 über eine ganze Reihe von Speicherplätzen,
die zur besseren Übersicht auch noch alphanumerisch
benannt werden können. Dies alles findet Platz in einem
Gehäuse von der Größe einer Compact Cassette. Ohne zu
übertreiben ein Wunderwerk der Technik. Nach diesem
Exkurs in die aktuelle Modellandschaft der Weltempfänger
zurück zum neuen ICF-SW 1000T. Das Gerät hat das Format
16,5 x 10,5 x 4 cm (Breite x Höhe x Tiefe) und wiegt ca.
500 Gramm (einschließlich Batterien). Vom
Erscheinungsbild her ist der Empfänger damit etwas
gedrungener geraten im Vergleich zu anderen Geräten der
Taschenbuch-Größenkategorie. Für Empfangsbetrieb
verlangt der SW 1000T nach lediglich zwei Mignonzellen für
die Stromversorgung. Will man auch den Recorder nutzen,
ist dafür eine zusätzliche Mignonzelle nötig. Zum
Lieferumfang gehören Schutztasche, Stereo-Ohrhörer,
Trageschlaufe (inkl. Gerätestütze), Ansteck-
Stereomikrofon für externe Aufnahmen, externe
Drahtantenne AN-7 1, ein wie gewohnt hoffnungslos
veraltetes "Wave Handbook" mit Frequenzangaben
und Anschriften internationaler Sender, und eine
mehrsprachige Bedienungsanleitung. Letztere kann man als
durchaus gelungen bezeichnen, wenn auch teilweise etwas
konfus gegliedert. Es werden dort eine Menge praktischer
Tips gegeben, die Anfängerfehler vermeiden helfen; man
erklärt sogar Zweck und Empfang der Betriebsarten SSB
und CW.
Empfangen wird der gesamte Frequenzbereich von 150 kHz
bis 30 MHz (Lang-, Mittel-, Grenz- und Kurzwelle) sowie
UKW 76.0-108.0 MHz (in stereo über Kopfhörer). Für Hörfunkempfang
im Bereich 150 kHz bis 30 MHz stehen die Betriebsarten AM
und AM-SYNCH (oberes und unteres Seitenband getrennt
schaltbar) in Abstimmschritten von I oder 5 kHz zur Verfügung
(Lang- und Mittelwelle: I oder 9 bzw. 10 kHz-Schritte).
Auf UKW kann in 50 Hz-Schritten abgestimmt werden. Anders
als etwa bei vergleichbaren Weltempfängern anderer
Hersteller der Fall, haben die Sony-Techniker ihrer
neuesten Entwicklung wie zuvor schon bei den Modellen SW7600G
und SW100 - keine schaltbare zweite Bandbreite mit auf
den Weg gegeben. So steht eine Bandbreite von etwa 6 kHz
im Normalbetrieb auf Lang-, Mittel-und Kurzwelle zur Verfügung.
Die Möglichkeit einer Bandbreitenumschaltung von "breit"
auf "schmal" ist nützlich zur Unterdrückung
von möglichen Nachbarkanalstörungen. In den auf
Kurzwelle für Hörfunk vorgesehenen Frequenzbereichen
wird in einem Kanalabstand von lediglich 5 kHz gesendet,
so daß Störungen von stark einfallenden Nachbarkanälen
recht häufig vorkommen. Beim SW1000T hilft hier die
bereits erwähnte Betriebsart AM-SYNCH recht effektiv
weiter, die die fehlende Bandbreitenumschaltung ersetzt.
SYNCH steht für eine technische Einrichtung namens
Synchrondetektor, die einerseits eine Unterdrückung von
Nachbarkanälen erlaubt, und andererseits dazu dient, die
auf Kurzwelle häufig als Folge von Empfangsschwankungen
(Fading) auftretenden Verzerrungen auszugleichen. Zur
Beseitigung des Fadings wird das vom Sender ausgestrahlte
Trägersignal im Empfänger unterdrückt und statt dessen
intern ein eigenes - stabiles - Trägersignal erzeugt,
das exakt mit dem Trägersignal des Senders
synchronisiert ist. Darüber hinaus erlaubt diese Technik
den Empfang nur eines der beiden Seitenbänder (oberes
bzw. unteres Seitenband), aus denen ein
amplitudenmoduliertes (AM) Signal zusätzlich zum Trägersignal
besteht. Befindet sich die störende Station
beispielsweise oberhalb des zu empfangenden AM-Senders,
so schaltet man im SYNCH-Betrieb auf das untere
Seitenband um und von dem Störer ist im Idealfall kaum
noch etwas zu hören. Nachdem Sony diese Technik zu
Beginn der 80er Jahre erstmals in dem Modell ICF-2001D präsentierte,
starten heute Immer mehr Hersteller ihre Spitzenmodelle
mit einer entsprechenden Schaltung aus.
SSB-Empfang
Auch die Ausstattung eines portablen Weltempfängers
ist heute nicht mehr komplett, wenn neben einem durchgängigen
Empfangsbereich nicht auch die Möglichkeit des
Einseitenbandempfangs (SSB bzw. USB und LSB) vorgesehen
ist. Zwar experimentieren auch einige wenige Hörfunksender
noch mit der Einseitenbandtechnik (SSB - Single Side Band),
der Haupteinsatzbereich von SSB liegt jedoch - abgesehen
natürlich von den Funkamateuren - bei den
professionellen Funkdiensten, die nach wie vor zahlreich
die Kurzwelle nutzen. Am ehesten für den nicht-Profi
nutzbar sind wohl noch die Wetterberichte, die regelmäßig
und zu festgelegten Zeiten von Seefunkstationen rund um
den Globus für die zivile Seeschiffahrt ausgestrahlt
werden. Wer also mit dem Segelboot unterwegs ist, kann
sich mit Hilfe des ICF-SW1000G leicht über die jeweils
aktuelle Wetterprognose informieren. Den SSB-Empfang mit
einem Gerät dieser Größenordnung betreffend, bleibt
kaum ein Wunsch offen: Abstimmung auf 100 Hz genau (Anzeige
auf I kHz), zudem direkte Umschaltrnöglichkeit zwischen
USB und LSB.
Frequenzabstimmung
Mehrere Wege führen zur gewünschten
Empfangsfrequenz: Zunächst einmal kann die direkte
Frequenzeingabe über ein Tastenfeld erfolgen. Als
Orientierungshilfe für sehbehinderte Nutzer ist die
Zifferntaste "5" mit einer Erhebung versehen.
Darüber hinaus besteht noch die Möglichkeit, per
Tastendruck in den schon erwähnten Schrittweiten über
die Bänder ab- oder aufwärts zu "wandern".
Schließlich bietet das Gerät eine Suchlauffunktion, die
auf UKW und Mittelwelle zwar ihren Sinn haben mag, auf
Kurzwelle hingegen erfahrungsgemäß besser nicht
eingesetzt werden sollte, will man den gesuchten Sender
nicht versehentlich "überspringen", da dessen
Signal für die Ansprechschwelle des Suchlaufs vielleicht
gerade zu schwach ist.Wer nur bestimmte Sender hören
will, kann deren Frequenzen auch in den insgesamt 30
vorhandenen Speicherplätzen ablegen, die unabhängig vom
Frequenzbereich zur Verfügung stehen. Organisiert sind
die Speicherplätze auf drei "Seiten" zu je 10
Speichern. Hat man die gewünschte "Seite"
einmal gewählt, ruft man den gewünschten Sender durch
einfaches Drücken einer der Zifferntasten auf.
Gespeichert wird neben der Frequenz (in SSB auf 100 Hz
genau; sonst mit einer Genauigkeit von 1 kHz bei
Frequenzen unterhalb von 30 MHz bzw. 50 kHz auf UKW) auch
die Betriebsart, also AM, SYNC-USB, SYNCH-LSB, USB, LSB/CW.
Damit steht auf Tastendruck jederzeit die optimale
Einstellung für den jeweiligen Sender zur Verfügung, ob
nun Rundfunk, Wetterfunk oder die regionale SSB-Runde im
80m-Band. Darüber hinaus können zwei weitere Frequenzen
auf den beiden zusätzlichen, für Weckbetrieb
zugewiesenen Speicherplätzen abgelegt werden (dazu später
mehr). Erstaunlicherweise können den Speicherplätzen
nicht alphanumerischen Bezeichnungen gegeben werden und
auch die Funktion Weltzeituhr ist nicht implementiert.
Erstaunlich ist dies deshalb, weil der SW100, der ja dem
SW1000T seinen Empfangschip spendiert hat, diese nützlichen
Funktionen aufweist und damit prinzipiell auch beim neuen
Gerät zur Verfügung stehen müssten.
Display & Uhr
Die jeweilige Empfangsfrequenz inklusive Betriebsart
und der eventuell aufgerufene Speicherplatz werden über
ein übersichtliches und kurzzeitig beleuchtbares LC-Display
angezeigt, das am besten direkt von vorne ablesbar ist.
Außerdem liefert das Display Informationen über den
Betriebszustand des Cassettenlaufwerks. Ist der Empfänger
ausgeschaltet, wird die aktuelle Uhrzeit angezeigt. Auch
während des Empfangsbetriebs kann auf die aktuelle
Uhrzeit umgestellt werden, allerdings nur für ca. 10
Sekunden. Danach springt die Anzeige wieder auf die
Frequenz um. Zwei verschiedene Weckzeiten sind
programmierbar, zu denen die in den beiden zusätzlichen
Speicherplätzen abgelegten Frequenzen aktiviert werden.
Die Programmierung wird auch dann ausgeführt, wenn der
Empfänger bereits eingeschaltet ist und eventuell gerade
eine andere Frequenz gehört wird. Eine Festlegung der
Zeitspanne, die das Gerät eingeschaltet bleiben soll,
ist möglich in 10 Minuten- Schritten zwischen 90 und 10
Minuten. Auch eine Einschlaffunktion ("Sleep")
mit einer Dauer von 90-10 Minuten ist in 10er-Schritten
definierbar.
Anschlüsse
Anschlußmöglichkeiten sind vorhanden für Kopfhörer,
externes Mikrofon, externes Netzteil und externe Antenne.
Der vorhandene Antennenausgang gibt 3 Volt zur Versorgung
der als Zubehör erhältlichen Aktivantenne AN-100A ab.
Bei Verwendung anderer externer Antennen, sollten diese
also entweder induktiv gekoppelt oder per Klemme direkt
an den (eingeschobenen) Teleskopstab angeschlossen werden!
Auch die mitgelieferte Drahtantenne wird nicht am
Antennenausgang, sondern per Klipp am Teleskopstab
befestigt.
Bedienbarkeit
Sämtliche für Empfangsbetrieb wichtigen
Bedienungselemente befinden sich gut erreichbar auf der
Frontseite des Empfängers. Doppelbelegungen von Tasten
wurden weitestgehend vermieden. Frequenzeingabe,
Speicherung von Frequenzen und das Abrufen von
Speicherinhalten sind unkompliziert gelöst. Etwas
schwieriger wird es, wenn es um die Programmierung der
beiden Timer geht. Man muß schon recht genau aufpassen,
um nicht versehentlich den falschen Timer zu aktivieren.
Dies gilt umso mehr, wenn man zusätzlich die Möglichkeit
der automatischen Aufzeichnung von Sendungen nutzen will.
Die Tasten für den Recorder fanden ihren Platz auf der
Oberseite des SW1000T, wo sie während des
Empfangsbetriebs etwas schwer zugänglich sind. Insgesamt
muß man den Entwicklern jedoch ein trotz der Vielfalt
der Funktionen noch übersichtliches Bedienungskonzept
bescheinigen. Um beim Transport ein versehentliches
Einschalten oder Verstellen zu verhinden, kann ein
Grossteil der Tasten (einschließlich der Weckfunktion!)
mittels eines rastenden Schiebeschalters gesperrt werden.
An den Gehäuseseiten finden sich noch Schiebeschalter für
Tonblende, Umschaltung stereo/mono, und Abschwächer.
Der Recorder
Den Technikern von Sony ist das Kunststück gelungen,
in einem gegenüber dem bewährten Modell SW7600G im
Prinzip kaum größeren Gehäuse - etwas tiefer, dafür
die Front etwas kleiner - noch einen vollwertigen Stereo-Cassettenrecorder
mit sämtlichen üblichen Recorder-Funktionen
unterzubringen. Die Bandartenwahl (Normal/Ferro, Chrome,
Metal) erfolgt bei Wiedergabe automatisch. Für die
Aufnahme können hingegen kurioserweise nur Normal-Cassetten
verwendet werden, nicht aber die qualitativ besseren und
nur noch unwesentlich teureren Chrome-Cassetten. Die
Ursache hierfür liegt in dem gegenüber der Wiedergabe (20-18.000
Hz) eingeschränktem Frequenzgang bei Aufnahmebetrieb (70-8.000
Hz), den das Gerät bietet. Vor- und Rückspulen mit Mithörton
ist möglich (Cue/Review). Nach der Aktivierung der
Aufnahmefunktion braucht das Gerät etwa 2 Sekunden bis
zum tatsächlichen Start der Aufnahme, was für einen
vollständigen Mitschnitt wichtiger Sendungen oder bei
Mikrofonaufnahmen berücksichtigt werden sollte. Zur
Unterdrückung eventuell durch den Recorder generierter
Störtöne beim AM-Empfang verfügt der SW1000T über
einen dreistufigen Schalter zur Aktivierung eines
entsprechenden Filters. Die Ausstattung mit Autoreverse-Laufwerk
(beide Cassettenseiten werden automatisch hintereinander
gespielt) macht zunächst nicht recht Sinn und kann zu
Verwirrungen führen: Welche Seite spielt denn nun gerade?
Doch da diese Funktion auch bei Aufnahmebetrieb nutzbar
ist, stehen bei Verwendung einer C90-Cassette die
gesamten 90 Minuten für automatischen Aufnahmebetrieb
zur Verfügung, was den praktischen Nutzen der
automatischen Aufnahmefunktion ganz erheblich steigert.
Die dafür notwendige Bedienung ist allerdings insgesamt
recht komplex und man tut gut daran, sich zuvor intensiv
mit den Bedienungsschritten zu beschäftigen. Über einen
Mikrofonanschluß können auch externe Tonquellen über
den Recorder des SW1000T mitgeschnitten werden ein
geeignetes Stereo-Ansteckmikrofon wird mitgeliefert. Will
man über die Mikrofonbuchse z.B. den Ton aus einem
anderen Empfangsgerät dem Recorder zuführen, sollte man
ein spezielles Überspielkabel mit integriertem
Widerstand verwenden. Die Aussteuerung des aufzunehmenden
Signals übernimmt zwar grundsätzlich eine Automatik,
jedoch wird diese kaum mit den außerhalb von
Mikrofonanwendungen üblicherweise wesentlich höheren
Pegeln zurechtkommen: Verzerrungen wären die Folge.
Das Mikrofon wird übrigens automatisch aus dem Empfänger
mit Strom versorgt ("Plug-in-Power") und sollte
auch nur an Aufnahmegeräten mit dieser Technik verwendet
werden. Da durch das auf der Rückseite des Empfängers
zugängliche Cassettenlaufwerk keine ausklappbare Stütze
mehr integriert werden konnte, um den SW1000T in eine
bedienungsfreundlichere Schräglage zu bringen, hat man
in die Trageschlaufe ein in die Rückseite steckbares Plättchen
integriert, das bei Bedarf die Funktion der Stütze übernimmt.
Eine einfache wie praktische Lösung.
Die Praxis
Das Empfangsverhalten des SW1000T wurde mit dem der
Modelle SW100 und SW7600G verglichen, den derzeitigen
Spitzenreitern in ihrer jeweiligen Größenklasse. Allen
Empfängern wurden als Batterien frische Alkalizellen
spendiert. Außer Konkurrenz wurde ein zehn Jahre alter
ICF-2001D mit ins Rennen geschickt, dessen
Empfangsleistungen nach wie vor überzeugen. Die
Empfindlichkeit des SW1000T auf Kurzwelle reicht ohne
Einschränkung für den Empfang der stärkeren Sender aus,
wobei sich vor allem auf den oberen Bändern der Einsatz
der mitgelieferten Drahtantenne empfiehlt. Beim Rundfunk-DX
in den Tropenbändern bei 5 MHz erwies sich der SW1000T
ebenfalls als recht tauglich, jedenfalls die gängigen
Sender aus Afrika, Asien und Südamerika betreffend. Der
erste Eindruck: Durchaus respektabel. Für Überraschung
sorgten Empfangsversuche im 80m-Amateurfunkhand: 8P9DX
kam ohne Zusatzantenne auf 3800 kHz LSB schwach aber doch
deutlich lesbar durch. Die sehr klare SSB-Wiedergabe fiel
bei dieser Gelegenheil positiv auf. Bei S8B-Empfang muß
- wie schon beim SW100 - um ca. 200 Hz von der tatsächlichen
Frequenz verstimmt werden, um eine optimale Verständlichkeit
Zu erzielen. Auf 20m kam EA9AU mit dem SW7600G einen
Hauch besser als mit dem SW1000T, der Unterschied in der
Empfindlichkeit in diesem Frequenzbereich ist jedoch
unerheblich. CW-Empfang ist mit einem Gerät dieser Art
wegen der zu großen Filterbandbreite naturgemäß kein
Vergnügen. Der Empfang mit dem Doppelsuper zwischen 150
kHz und 30 MHz kann insgesamt als gut bezeichnet werden,
auch im Vergleich zu anderen Empfängern dieser Größe.
Auf UKW (Einfachsuper) reicht das Gerät lange nicht an
einen Yacht Boy 500 heran, bringt aber die lokalen Sender
in einwandfreier Qualität.
Beim Einsatz der SYNCH-Funktion fiel auf, daß diese mit
frischen Batterien recht gut funktioniert. Sind die
Batterien hingegen nicht mehr ganz so frisch, rastet der
SYNCH auch bei stärksten Signalen nur widerwillig ein.
Unter diesem Gesichtspunkt erscheint die Verwendung von
Akkus nicht ratsam, da diese nicht an die Leistung von
Alkalizellen heranreichen. Zudem konnte festgestellt
werden, daß dem kräftigen Signal der Deutschen Welle
auf 6075 kHz nach Aktivierung der SYNCH-Funktionen ein
bei Kopfhörerbetrieb deutlich merkbares Brummen hinzugefügt
wurde. So ganz überzeugen konnte die SYNCH-Funktion also
leider nicht. Das Gerät geht sparsam mit Batteriestrom
um: ca.20 Stunden Empfang, um die 3 Stunden
Aufnahmebetrieb sind möglich. Werden die Batterien für
den Empfangsbetrieb zu schwach, blinkt ein entsprechendes
Symbol, das zum baldigen Batteriewechseln mahnt. Dieses
Symbol geht über zur dauernden Präsenz, wenn die
Batterien nicht mehr für einen weiteren Empfangsbetrieb
ausreichen: das Gerät schaltet sich aus bzw. läßt sich
nicht mehr anschalten. Für Radio und Recorder sind
jeweils ein eigenes Symbol zur Anzeige des
Batteriezustands vorgesehen.
Aus gutem Grund verfügt der SW1000T über eine Reset-Taste,
die bei Bedarf - weil versenkt angebracht - nur mit einem
Bleistift oder einer Nadel betätigt werden kann. Wer mit
einem Computer arbeitet, wird die "Reset-Taste"
kennen, die als letzter Rettungsanker dient, wenn einmal
"nichts mehr geht" (Stichwort: Programmabsturz).
Wie zuvor schon beim SW100 der Fall, kann es nämlich
vorkommen, daß sich keine der Funktionen mehr aufrufen läßt.
Zu einer Art "Programmabsturz" kann es auch
beim SW1000T kommen, nämlich wenn die Batterien zu
schwach geworden sind - erkenntlich am entsprechenden
Symbol im Display -, diese aber nicht baldigst
ausgetauscht werden. Selbst wenn man nun frische
Batterien einsetzt, kann es vorkommen, daß der Empfänger
sich noch immer nicht einschalten läßt und das Symbol für
die zuvor zu schwachen Batterien unverändert erscheint.
Verhält sich der Empfänger wie beschrieben, so ist mit
Sicherheit das "Programm" des SW1000T abgestürzt,
um einen Reset kommt man nicht herum. Die
Bedienungsanleitung geht an keiner Stelle in
ausreichendem Maße auf diese Möglichkeit ein, erst
recht nicht auf den Seiten mit dem Titel "Störungsüberprüfungen"!
Sony hätte sich potentielle Garantiefälle oder
Kundennachfragen ersparen können, wenn man sich in der
Bedienungsanleitung ein wenig mehr mit der Funktion
"Reset" beschäftigt hätte. Dieses Problem(chen)
läßt sich umgehen, wenn man das (als Zubehör und gegen
Aufpreis) erhältliche Steckernetzteil verwendet. Wer
jedoch auf Batteriebetrieb angewiesen ist, tut gut daran,
sich den Inhalt der Speicherplätze sicherheitshalber zusätzlich
auf einem Zettel zu notieren, denn mit dem Reset geht
nicht nur die aktuelle Uhrzeit, sondern auch der
selbstprogrammierte Inhalt der Speicherplätze verloren.
Andere Weltempfänger dieser Größe arbeiten mit vier
Mignonzellen. Doch da man die Empfangstechnik des SW100
in den SW1000T übernommen hat, muß auch dieser mit nur
zwei Mignonzellen auskommen (drei bei Recorderbetrieb).
Diese reichen zwar wie erwähnt für durchaus ansehnliche
ca. 20 Stunden Empfangsbetrieb aus (bei Verwendung von
Alkalizellen), jedoch entzieht der Empfänger auch im
ausgeschalteten Zustand den Batterien Leistung. Dieser
schon vom SW100 her bekannte Umstand kann für Überraschung
sorgen, wenn der SW1000T über längere Zeit nicht
eingesetzt wurde und dennoch die Batterien verbraucht
sind! Ein weiteres Argument dafür, wichtige Frequenzen
zusätzlich zu notieren, und immer einen Satz frische
Ersatzbatterien in Reserve zu halten. Dies bewahrt vor
unangenehmen Ueberraschungen, die laut Murphy sowieso
immer erst dann eintreten, wenn man es überhaupt nicht
gebrauchen kann.
Das Cassettenlaufwerk wird elektronisch über Drucktasten
gesteuert. Bei der Programmierung von automatischen
Aufnahmen wird die Mechanik tatsächlich auch erst dann
in Betrieb gesetzt, wenn die programmierte Zeit erreicht
ist, wodurch die Andruckrolle geschont wird. Ein kleiner
Nachteil dieser Technik ist, daß man beim Spulen keinen
unmittelbaren Zugriff hat, wenn man sich eine kurze
Stelle mehrmals anhören möchte. Weder ein System zur
Rauschunterdrückung noch ein Bandzählwerk sind
vorhandlen. Vor allem letzteres wäre nützlich gewesen.
Vermißt wurde auch ein Line-Ausgang für den Einsatz
externer Aufnahmegeräte (geht zur Not auch über den
Kopfhörerausgang). Insgesamt gesehen arbeitet das
Cassetten-Laufwerk mit seiner Möglichkeit der
automatischen Aufzeichnung von Sendungen einwandfrei.
Fazit
Bei Sony achtet man sehr genau darauf, daß sich die
verschiedenen Modelle in ihren Features und Bedienungsmöglichkeiten
nicht allzu sehr ins Gehege kommen und man sich nicht
eine etwaige Konkurrenz im eigenen Haus schafft. Nur so
ist zu erklären, daß man zwar im wesentlichen die
Empfangsschaltung des SW 100 in den SW1000T übernommen
hat, ohne jedoch die Möglichkeit der alphanumerischen
Speicherbenennung ebenfalls zu übernehmen.
Der Empfang mit dem Gerät macht Spaß, beim ICF-SW1000T
handelt es sich zweifellos um einen vollwertigen Weltempfänger.
An diesem Allround-Gerät gibt es nur wenig auszusetzen,
vom recht ansehnlichen Verkaufspreis vielleicht einmal
abgesehen. Denn für deutlich weniger als die rund 800.-
DM, die man derzeit für den SW1000T hinblättern muß,
bekommt man separate Weltempfänger und Mini-Cassettenrecoder,
die man einfach per Überspielkabel miteinander verbinden
kann. Doch wer unbedingt ein kompromißlos
reisetaugliches Universalgerät haben will, das Empfänger
und Cassettengerät (und Diktiergerät und Reisewecker)
in sich vereint, für den ist der SW1000T nicht nur die
erste, sondern auch die derzeit einzige Wahl. Allerdings
hätte zumindest ein externes Steckernetzteil gerne zum
Lieferumfang gehören dürfen. Das Gerät ist auch
besonders interessant für Skipper, die automatisch
Seewetterberichte aufzeichnen wollen, ob diese nun über
Hörfunk in AM oder über Seefunk in USB ausgestrahlt
werden. Funkamateure werden die für ein derartiges Gerät
ungewöhnlich gute SSB-Wiedergabe schätzen, die
allerdings immer noch nicht an einen Reise-Kommunikationsempfängers
wie den Lowe HF- 150 heranreicht.