Auf den ersten Blick könnte man meinen, beim neuen Sony-Weltempfänger
ICFSW 12 hätte man es mit einem Gerät von der Klasse
eines SW-100 zu tun, dem derzeit kleinsten vollwertigen
Weltempfänger mit allen Betriebsarten und digitaler
Frequenzanzeige. Doch der ICF-SW12 spielt in einer völlig
anderen Liga. Der Empfänger ist in einem Kunststoffgehäuse
mit dem Format 11x3x9 cm (inklusive überstehender Teile)
untergebracht und wiegt 230 Gramm, einschließlich der
notwendigen beiden Batterien der Größe Mignon. Der
Anschluß eines externen Netzgerätes ist nicht möglich,
wohl aber der eines Kopfhörers (MonoKlinkenbuchse auf
der linken Gehäuseseite). Letzterer befindet sich nicht
im Lieferumfang. Mitgeliefert wird hingegen eine Lithium-Knopfzelle,
die zum Betrieb der Uhrenfunktion dient und laut
Hersteller ca. ein Jahr halten soll. Eine auf 47 cm Länge
ausziehbare Teleskopantenne läßt sich in sämtlichen
Ebenen schwenken. Ein mitgeliefertes Faltblatt gibt
Auskunft über Sendefrequenzen einer Handvoll
Auslandsdienste.
Wie schon vom ICF-SW 100 her bekannt, gelangt man zu den
Displays des ICF-SW 12, indem man die obere Hälfte des
Radios aufklappt ("Notebook-Prinzip"). Die dann
im "Deckel" sichtbare numerische Ziffernanzeige
(beleuchtbar) gehört leider ausschließlich zu der
vergleichsweise umfangreichen Uhrenfunktion des Radios;
diese kann als Weltzeituhr dienen oder als Wecker, Im
unteren Teil des SW1 2 befindet sich das eigentliche
Radio, mit dem die Bereiche UKW (85.7-108 MHz),
Mittelwelle (530 - 1.605 kHz) und Kurzwelle (neun
Teilbereiehe: ca. 4,750-5.060, 5.900-6.200, 7.100 - 7.350,
9.400-9.990, 11.600-12.100, 13.570 - 13.870, 15.100-15.800,
17.480-17.900, 21.450-21.750 kHz) empfangen werden können.
Damit fehlen neben der Langwelle auch das 75m- und 11m-Rundfunkband.
Letzteres wird mit zunehmender Sonnenaktivität in den
kommenden Monaten und Jahren wieder an Bedeutung gewinnen.
SSB- Empfang ist nicht möglich, Frequenzspeicher sind
keine vorhanden, und: die Frequenzabstimmung erfolgt
manuell auf einer analogen Skala. Die Bandwahl geschieht
über einen rastenden Schiebeschalter, wie er auch von
anderen Weltempfängern mit analoger Frequenzabstimmung
bereits bekannt ist. Auf der rechten Gehäuseseite finden
sich Drehregler für die manuelle Frequenzabstimmung
sowie zur Regelung der Lautstärke.
Empfangspraxis
Die Tatsache, daß in der ohnehin knappen
Bedienungsanleitung die Beschreibung, der Uhrenfunktionen
(Weltzeituhr, Wecker etc.) fast mehr Raum einnimmt als
die Anleitung für den Radioempfang, ist symptomatisch für
den ICF-SW12. Während der eingebaute Lautsprecher einen
gerade noch akzeptablen Klang liefert - eine Tonblende
ist allerdings nicht vorhanden -, erlebt man eine kleine
Überraschung, will man einen der heute üblichen Stereo-
Kopfhörer an der vorhandenen Kopfhörerbuchse betreiben.
Denn diese ist nur für Mono-Betrieb ausgelegt, d.h. ein
Stereo-Kopfhörer kann nur mit Hilfe eines zusätzlichen
Adapters sinnvoll betrieben werden, will man nicht
lediglich auf einer Seite des Kopfhörers hören.
Solcherlei unüberlegte Kleinigkeiten war man von den
Weltempfängern dieses Herstellers bislang nicht gewohnt.
Dennoch: Über Kopfhörer klingen starke Kurzwellensender
deutlich besser als über den eingebauten Lautsprecher,
so daß man sich unbedingt einen entsprechenden Adapter (stereo
auf mono) im Fachhandel besorgen (oder selbst zusammenlöten)
sollte. Auch die manuelle Frequenzanzeige ist in der
verwirklichten Art und Weise kaum zeitgemäß, da diese
alles andere als genau ist und das Auffinden eines
bestimmten Senders schnell zum Glücksspiel gerät. Es
ist auch keine Hilfsskala vorhanden, anhand der man sich
orientieren könnte. Ebenso sucht man eine Beleuchtung
der Frequenzskala vergebens.
Immerhin kann man dem Gerät eine gute Frequenzstabilität
und Empfindlichkeit bescheinigen, die auch den Empfang
der stärkeren Tropenbandsender im 60-Meterband ermöglicht.
Doch da man es offensichtlich mit einem Einfachsuper zu
tun hat technische Angaben sucht man in der beiliegenden
Beschreibung weitestgehend vergebens - tummeln sich z.B.
um 5 MHz diverse Signale (Mischprodukte), die dort nicht
hingehören. Die Trennschärfe auf Kurzwelle reicht aus,
um die stärkeren Sender in akzeptabler Qualität zu
empfangen. Für die optimale Abstimmung auf einen Sender
ist allerdings eine ruhige Hand erforderlich, die
Einsteiger vielleicht zunächst nicht haben. Eine rote
LED zeigt an, wenn ein starker Sender empfangen wird Laut
Hersteller soll ein Batteriesatz (2x Mignon) für 35
Stunden Empfang ausreichen; hier wirkt sich der Verzicht
auf digitale Frequenzanzeige und Speicher stromsparend
aus. Die Uhrenfunktion hat mit der Knopfzelle ihre eigene
Stromversorgung.
Fazit
Beim ICF-SW12 handelt es sich um die Minimallösung
eines Weltempfängers, die sich durch das
Erscheinungsbild den Anschein von modernem HighTech gibt.
Insgesamt gesehen, ist der SW12 nicht in dieselbe
innovative Sony-Tradition einzuordnen, die Geräte wie
2001D, SW77, SW55, SW100, SW40 oder SW7600G
hervorgebracht hat. Sicherlich reicht die
Empfangsleistung des SW12 aus, uni den Programmen der großen
Auslandsdienste zuzuhören -sofern man den gewünschten
Sender findet. Richtig Freude kommt dabei allerdings aus
genannten Gründen kaum auf. Wir freuen uns schon auf den
nächsten Weltempfänger aus dem Hause Sony, der dem Ruf
des Herstellers wieder besser gerecht wird. Der ICF-SW 12
ist für DM 159,- im Fachhandel erhältlich.