Der Sony ICF-SW 33 - eine Uhr, mit Weltempfänger
In dem Bestreben, noch
eine Marktnische zu bedienen, hat Sony einen neuen,
kleinen Reiseempfänger konzipiert, der Mittelwelle, elf
Kurzwellenbänder und UKW bietet. Vor allem aber hat das
Gerät umfangreiche Uhrenfunktionen mit Orts- Weltzeitumschaltung
(fünf programmierbare Zeitzonen, für die Städtenamen
abgespeichert und angezeigt werden können), Sleep-Timer
und Einschalttimer für zwei beliebig vorzuwählende
Frequenzen. Das Uhrendisplay ist nicht abschaltbar, so daß
das Gerät auch im ausgeschalteten und verriegelten
Zustand als Digitaluhr arbeitet, die beim Testgerät in
zwei Tagen allerdings um etwa eine Minute nachging.
Das kleine Gerät ( 15,5 x 93 x 30,5 mm, ca. 400 g mit
Batterien) hat ein dunkelgraues, sehr stabil wirkendes
Gehäuse und kommt in einer Stofftasche mit zusätzlicher
Drahtantenne zum Anklemmen an die Teleskopantenne. Die
Anordnung der Bedienelemente ist weitgehend durchdacht,
die Tasten sind angenehm groß, die Front wirkt nicht überladen.
Man kann die Bedienvorgänge in kurzer Zeit erlernen, das
Abspeichern einmal gefundener Sender ist sehr einfach.
Bei der ersten Inbetriebnahme empfiehlt es sich
allerdings, den Arbeitstisch erst einmal ganz leerzuräumen.
Die Bedienunganleitung, ursprünglich im Format der
Kartonverpackung, entfaltet sich (Origami ist ein altes
japanisches Vergnügen.. .) auf das stolze Plakatformat
von 58 x 53 cm! Nur gut, daß man die Anleitung nach
kurzer Zeit nicht mehr braucht.
Mit dem rückseitigen Aufklappbügel steht das Gerät
sicher auf seinen Gummiecken. Das Display ist gut
abzulesen. Während des Radiobetriebs werden die Uhrzeit
und die Zeitzone nicht angezeigt, können aber kurzzeitig
abgerufen werden. Eine Abstimmanzeige (S-Meter) ist nicht
vorhanden, dafür aber eine winzige rote LED, die bei
starken Signalen aufleuchtet.
Gegen unbeabsichtigtes Einschalten im Reisegepäck ist
das Gerät dadurch geschützt, daß die ON / OFF-Taste in
einem Schiebeschalter integriert ist, der die
Einschalttaste in der LOCK-Position sperrt. Auch andere
Tasten, die man nicht versehentlich drücken sollte, sind
in großzügig bemessene Fingermulden versenkt. Es ist
lobenswert, daß diese mit der Fingerkuppe zu erreichen
sind und nicht nur mit dem spitzen Fingernagel oder dem
Kugelschreiber; wie man dies in dieser Geräteklasse
leider oft findet. Mit der KEY PROTECT Taste kann während
des Betriebs die Funktion aller anderer Tasten gesperrt
werden. Das tröstet allerdings nur wenig darüber hinweg,
daß sich auf der oberen Schmalseite rechts drei nicht
versenkte Tasten befinden, die ein Rechtshänder fast
unweigerlich berührt, wenn er das Gerät von hinten hält.
Zwei dieser Tasten sind klein: Batterietest und
Aktivierung der Zeiteinstellung. Letztere Funktion muß
man zudem länger gedrückt halten, so daß hier nichts
passieren kann. Die dritte Taste ist aber 1,5 cm breit
und fast nicht zu verfehlen. Damit schaltet man - leider
nur zu oft aus Versehen - die Displaybeleuchtung ein. Die
Batterie-Lebensdauer ist ohnehin nicht üppig (max. 11
Stunden mit 3 Mignonzellen) und wird dadurch unnötig
verkürzt. Auf Reisen kann das schon ins Gewicht fallen,
und ein Reiseempfänger soll das Gerät ja schließlich
sein.
Eine reine Einhand-Bedienung ist auch bei abgestelltem
Gerät nicht möglich. Eine Bandumschaltung auf Kurzwelle
erfordert nämlich das Halter der METER BAND Taste, während
man gleichzeitig mit der TUNE UP/DOWN die Bänder
umschaltet. Diese Bedienelemente liegen aber rund 7 cm
auseinander.
Nun aber zu den Betriebsergebnissen. Der Empfang
entspricht dem Niveau, das man von einem kleinen
Doppelsuper ( 1. ZF: 21,44 MHz, 2. ZF 450 kHz) erwarten
kann. Die Trennschärfe ist ausreichend für das 5- kHz-
Raster auf Kurzwelle. Der Klang ist gut mit guter
Sprachverständlichkeit. Mit dem Klangschalter können in
der Stellung NEWS die Höhen weiter beschnitten werden,
was manche Störgeräusche mildert. Die Empfindlichkeit
ist angemessen. allerdings mit der kurzen Teleskopantenne
(60 cm) auf Kurzwelle nicht auszunutzen. Hier hilft die
im Lieferumfang enthaltene Drahtantenne, die sich in
einem praktischen Spulgehäuse befindet. Sie steigert die
Empfangsmöglichkeiten vor allem auf den derzeit gegen
Abend rasch nachlassenden oberen Kurzwellenbändern ganz
beträchtlich. So war z.B. RAE Buenos Aires aus
Argentinien auf 15345 kHz mit der Teleskopantenne gar
nicht zu hören. kam dann aber mit der halb abgespulten
Drahtantenne recht ordentlich herein. Auch auf der
Mittelwelle gehen tagsüber selbst schwächere Stationen.
Auf Mittelwelle wird im 9-kHz-Raster geschaltet (umstellbar
auf das 10-kHz-Raster), auf Kurzwelle betragen die
Abstimmschritte 1 kHz. So kann man bei gestörten Sendern
auf die Flanke des Signals gehen, ein großer Pluspunkt
in dieser Geräteklasse.
Leider folgt hier auch schon das größte ABER: Das Gerät
hat keine Frequenz-Direkteingabe über eine
Zehnertastatur. Außer den Speicherplätzen (je 5 für MW,
KW und UKW sowie die zwei unabhängigen Timer-Speicher)
gibt es nur die Möglichkeit, über die UP/DOWN-Tasten
oder den Suchlauf abzustimmen. Letzterer läuft nur in
eine Richtung und bleibt auf der abendlichen Mittelwelle
oder auch im 49-m-Band so oft stehen, daß das Scannen
des gesamten Bereichs mehrere Minuten dauert.
Schneller geht es aber auch nicht mit den UP/DOWN-Tasten.
Zwischen den Abstimmschritten rauscht das Gerät zudem
heftig auf. Das ist auf Mittelwelle bei den 9 kHz-Schritten
nicht so schlimm, zumal man da von Signalmitte zu
Signalmitte springt, was weniger unschöne Geräusche
verursacht. Auf Kurzwelle kommt es bei der 1kHz-Schrittweite
jedoch zu einem an eine Dampflokomotive erinnernden
rhythmischen Zischen, das mit der Zeit zur Tortur werden
kann. Wer z.B. die BBC auf 9410 kHz hört und nun wissen
mochte, oh der Empfang auf 9750 kHz nicht besser sei, hört
das Geräusch 340 mal beim Abstimmen nach oben. 285 mal
beim Abstimmen nach unten. Zum Glück springt die
Abstimmung am Ende eines Meterbandes jeweils zum anderen
Enge. Für die Prozedur braucht das Gerät etwa ½ Minute.
Als Ausweg bleibt nur, die interessierenden Frequenzen
auf die Speicherplätze zu legen, aber um das zu tun, muß
man sie auch erst einmal auf die mühsame Art suchen.
Wenn man die Suchlauffunktionen beschleunigen möchte,
indem man den auf der Rückseite befindlichen Dämpfungsschalter
bedient, sieht man sich enttäuscht. Die Dämpfung ist so
bemessen, daß der Suchlauf fast gar nicht mehr
stehenbleibt (ganze 5 Stationen auf Mittelwelle und auf
UKW nur noch ein 3 km entfernter 1-kW-Sender waren stark
genug!). Immerhin kann man auf diese Art und Weise recht
rasch in die Nähe der gewünschten Frequenz kommen. Man
muß nur reaktionsschnell den Suchlauf im richtigen
Moment abschalten und den rückseitigen Schalter wieder
auf DX bringen.
Auf UKW kann das Gerät nicht überzeugen. Die ZF-Trennschärfe
wurde auf UKW für europäische Verhältnisse viel zu
breit gewählt. Hierzu paßt der Luxus von 50-kHz-Abstimmschritten
überhaupt nicht. Die beiden Abstimmöglichkeiten werden
dadurch fast unbrauchbar. Bei 403 hörbaren
Abstimmschritten zwischen den Bandenden wird man bald die
Geduld verlieren. Der Suchlauf ist aber noch viel
langsamer: Da er allein von den Signalstärken gesteuert
wird, bleibt er nicht nur in der Signalmitte stehen,
sondern mehrmals alle 50 kHz innerhalb der Scheunentor-Bandbreite.
Zwei tröstende Anmerkungen: Dieses Problem tritt in
Weltgegenden mit geringerer UKW-Senderdichte nicht so
sehr in Erscheinung. Außerdem kann man es durch das
Einschieben der Teleskopantenne mildern.
Das Gerät bringt auf UKW einen brauchbaren Mono-Klang über
den eingebauten 6,6 cm-Lautsprecher (max. 200 mW ). Über
Kopfhörer kann es Stereo (wird im Display nicht
angezeigt) mit sehr guter Kanaltrennung und voluminösem
Frequenzgang wiedergeben. Leider verdirbt einem das zu
breite ZF-Filter wieder die Freude: Beim Test war keine
einzige UKW-Station, auch nicht der 3 km entfernte
Ortssender. ohne Nebengeräusche zu empfangen. Einen
Umschalter für Monobetrieb über Kopfhörer sucht man
allerdings vergeblich. Sony sparte leider auch schon bei
anderen Weltempfängern an diesem Punkt besonders gern.
Fazit<br>
Als Ergebnis bleibt ein kleines Weltradio mit starken
Uhrfunktionen und gutem Empfang auf Mittel- und Kurzwelle
für etwas unter 300 DM. Die reichlich bemessenen
Abgrenzungen der KW-Rundfunkbänder lassen es einen
vergessen, daß kein durchgehender Empfangsbereich zur
Verfügung steht wie sollte man den auch ohne direkte
Frequenzeingabe bewältigen? Der Reisende in Europa hätte
sich vielleicht noch das Langwellenband gewünscht.
Technische Daten Sony ICF - SW 33
POSITIV:
- klein und stabil
- leicht zu erlernende Bedienung
- gute Empfangseigenschaften auf MW und KW
- reichhaltige Uhr-/Timerfunktionen
NEGATIV:
- schlechte UKW-Eigenschaften
- umständlicher Frequenzzugriff
- lästige Abstimmgeräusche
Preis-Leistungs-Verhältnis: *** (bei maximal *****)
Frequenzbereiche:
Mittelwelle
531 - 1710 (9-kHz-Raster)
530 - 1710 (10-kHz-Raster)
Kurzwelle:
| 3700 - 4200kHz |
6950 - 7450 kHz |
13375 - 14000 kHz |
21320 - 21950 kHz |
| 4650 - 5150 kHz |
9375 - 10000 kHz |
14975 - 15600kHz |
25475 - 26100 kHz |
| 5800 - 6300 kHz |
11525 - 12150 kHz |
17475 - 18100kHz |
|
UKW: 87,50 - 108,00 MHz
Zwischenfrequenzen: 1. ZF:
21,44 MHz, 2. ZF: 450 kHz
Stromversorgung: 3 Mignonzellen
Abmessungen 16,5 x 93 x 30,5 mm
Prüfnummer: ja
Gewicht: ca. 400 g mit Batterien