Mit Abmessungen von 194x 127 x 39mm, einem Gewicht von
900 Gramm einschliesslich Batterien und einem Preis von
DM 798.- (laut Sony-Preisliste) ist der ICF-SW55 als
Reiseempfänger der gehobenen Klasse einzustufen. Er wird
in einem stabilen Kunststoff-Schalenkoffer geliefert, der
außer dem Gerät selbst noch folgendes Zubehör enthält:
- 6-Volt-Netzteil (umschaltbar
110-120V, 220-240V)
- dünne Kunststoff-Schutztasche
- Drahtantenne AN-71 in einer Aufrollbox
- Stereo-Ohrhörer
- Antennenadapter
- amerikanischer Netzadapter
- kurze Einführung in den Kurzwellenempfang (leider
nur in Englisch)
- mehrsprachige Bedienungsanleitung
- Kurzanleitung (Faltkarte)
- Frequenzhandbuch
- Übersicht der ab Werk programmierten Sender und
Frequenzen
Der SW-55 ist gut verarbeitet. Das Gehäuse wirkt sehr stabil, alle
Bedienungselemente sind leichtgängig und trotzdem präzise.
Die Frontseite wird von einem grossen LC-Display
beherrscht. Darum angeordnet sind die Funktionstasten.
Die Bedienelemente auf der rechten Seite dienen der
Frequenzeinstellung. Das Rad für die Handabstimmung ragt
etwas aus dem Gehäuse heraus und läßt sich gut
bedienen. Weiter ist ein Verriegelungsschalter "Key
Protect" und ein Umschalter für die Abstimmschritte
"fast/slow/lock" vorhanden. Die Schrittweite
beträgt bei "fast" 1 kHz im AM-Bereich und 500
kHz auf UKW, bei "slow" 100 Hz auf AM und 50
kHz auf UKW. Bei "lock" ist die Abstimmung
gesperrt. Weiter unten befindet sich die Frequenztastatur.
Bei direkter Frequenzeingabe muß nicht, wie bei den
letzten Sony-Geräten üblich, vorher jedesmal die AM-
bzw. FM-Taste gedrückt werden. Das ist nur beim Wechsel
von AM auf UKW oder umgekehrt notwendig. Bei AM können
auch nur die MHz eingegeben werden, z.b. "6" für
6 MHz. Bei FM muß der Dezimalpunkt nicht eingetippt
werden. Rechts unten sind die Tasten für die
Schrittabstimmung "step" angebracht. Die
Abstimmschritte liegen wie folgt fest:
- LW = 3 kHz
- MW = 9 / 10 kHz
- KW = 5 kHz
- UKW = 50 kHz
Durch längeres Drücken der "stop -Taste wird
der Suchlauf aktiviert. Weitere Tasten dienen der
Wellenbereichsumschaltung (FM / AM) bzw. der Anwahl der
Rundfunkbänder (AM-Band +/-). Links unten sind die
Tasten für Speicher-, Timer- und Alarmeinstellung
angebracht. Es lassen sich je fünf Timer- und
Alarmzeiten programmieren. Bei der Alarmeinstellung hat
man die Wahl zwischen "stillem Alarm", bei dem
nur ein Wecksymbol im Display blinkt, und neun
verschiedenen Wecktönen. Bei Timerbetrieb lassen sich
bis zu fünf Einschaltzeiten einschliesslich
Betriebsdauer eingeben. Über die Anschlüsse "line
out" und "remote" können so
timergesteuerte Aufnahmen gemacht werden. Es stehen 125
Speicher zur Verfügung. Sie sind in 25 "Seiten"
mit je 5 Speichern unterteilt. Für jede Speicherseite
kann ein 8-stelliger alphabetischer Name eingegeben
werden. Ab Werk sind bereits alle wichtigen
Auslandsdienste mit Sendernamen und 1-5 Frequenzen
vorprogrammiert. Wählt man z.B. über einen Wippschalter
die Speicherseite 6 an, so erscheint im Display "BBC".
Über die Speichertasten M 1 -M5 können jetzt fünf
verschiedene BBC-Frequenzen abgerufen werden.
Die Speichertasten sind
doppelt belegt. Drückt man die Taste "AM Funktion",
dann dienen sie zur Einstellung folgender Parameter:
- M1 = CAL (AM-Kalibrierung)
- M3 = 9 / 10 kHz
- M4 = Mode (Betriebsart AM / USB / LSB)
- M5 = W / N (Bandbreite wide / narrow)
Die Uhr wird nach Drücken der Taste "time set"
auf der Oberseite mit dem Handrad eingestellt. Mit den
Tasten links neben dem Display lassen sich folgende
Zeitanzeigen schalten:
- UTC / Local (Umschaltung der Zeitanzeige)
- Time Diff. set (Eingabe der Zeitverschiebung von
UTC zu Local)
- Summer on / off (Auf die Lokalzeit wird eine
Stunde addiert)
- Night / Time Diff. (Auf einer stilisierten
Weltkarte werden wahlweise die Tag/Nacht-Zonen der Erde [leider
ohne Berücksichtigung der Jahreszeit] oder die
eingestellte Zeitzone [Lokalzeit] angezeigt.
- World Time (Hiermit läßt sich die Ortszeit
verschiedener Weltstädte abrufen.
Links oben ist der
verriegelbare Ein-/Aus-Schalter, der Sleep-Schalter, der
das Radio nach 60, 45, 30 oder 15 Minuten ausschaltet,
sowie die Standby-Taste zum Aktivieren der Timer/Alarm-Funktion.
Die Display-Beleuchtung wird durch eine Taste auf der
Oberseite eingeschaltet. Wird keine Frequenzabstimmung
vorgenommen, dann erlischt sie nach kurzer Zeit. Sie läßt
sich aber auch vorzeitig durch einen weiteren Druck auf
die gleiche Taste wieder ausschalten. Der Lautsprecher
befindet sich im Inneren des Gerätes und strahlt durch
eine Öffnung oberhalb des Displays nach außen. Die
rechte Schmalseite enthält einen Schieberegler für
Lautstärke, einen dreifach-Klangschalter und einen Mono-/Stereo-Umschalter.
An der linken Schmalseite befinden sich in einer
Vertiefung ein dreistufiger Empfindlichkeitsschalter
sowie folgende Anschlüsse:
- externe AM-Antenne (schaltet eingebaute Antenne ab)
- Schaltausgang (3,5 mm Klinke)
- Kopfhörer (3,5 mm Klinke)
- externe Stromversorgung (6V, + auf Innenleiter)
Der Stromverbrauch ist für ein Gerät, das mit
Mignonzellen betrieben wird, zu hoch: ca. 80-100 mA bei
AM (abhängig von der Signalstärke des empfangenen
Senders und der Lautstärke) ca. 60-100 mA bei FM ca. 65
mA zusätzlich bei eingeschalteter Beleuchtung ca. 0,3 mA
zur Speicherpufferung bei ausgeschaltetem Gerät.
In der Praxis machten sich zwei Nachteile bei der
Bedienung des Empfängers bemerkbar: Werden Frequenzen außerhalb
der Rundfunkbänder eingestellt, dann wird die
Betriebsart automatisch auf "USB narrow"
umgeschaltet (in den Amateurfunkbändern unterhalb von 10
MHz auf "LSB narrow") In diesen Fällen muß
jedesmal von Hand erst die AM Funktion gedrückt werden,
um dann mit den Speichertasten M4 und M5 die Betriebsart
und eventuell Bandbreite wieder zurückzustellen.
UKW-Empfang
Die Empfindlichkeit auf UKW ist hoch. Dadurch lassen
sich schon mit der Teleskopantenne viele Sender in Stereo
empfangen. Für UKW läßt sich leider keine externe
Antenne anschließen. Die Trennschärfe sollte bei
heutigen Geräten allerdings besser sein, um bei der
mittlerweile hohen Senderdichte benachbarte Stationen gut
trennen zu können.
Anders als bei den kleineren Empfängern von Sony läßt
sich beim SW-55 der Suchlauf in beide Richtungen starten.
Er hält auch nur auf Sendermitte an. Endlich gibt es nun
auch bei Sony einen Mono-/Stereo-Umschalter. Der Klang
ist mit Ohrhörern einfach hervorragend für einen
Weltempfänger. Der eingebaute Lautsprecher klingt zwar
auch passabel, aber durch den versteckten Einbau im
Inneren des Gerätes geht doch viel an Klang verloren. Am
Aufnahmeausgang liegt ein wesentlich höherer Pegel an
als bei den kleineren Sony-Empfängern.
LW-/MW-Empfang
Auf Lang- und Mittelwelle fällt zunächst die sehr gute
Richtwirkung der Ferritantenne auf. Die Empfindlichkeit läßt
zu den Bandenden hin etwas nach. Das Gerät läßt sich
gut mit einer Rahmenantenne betreiben, indem man es in
den Rahmen hineinstellt (induktive Kopplung). Auf diesen
Bereichen fiel der SW-55 ebenfalls wegen seines guten
Klangs auf - solange man das breite Filter benutzt. Es
trennt im 9-kHz-Raster zufriedenstellend. Sendet auf
einem Nachbarkanal allerdings ein Ortssender, dann ist
ein deutliches Übersprechen zu hören. Leider werden auf
Langwelle einige Frequenzen durch eigenerzeugte Störungen
(Pfeiftöne) beeinträchtigt. So war z.B. Atlantic 252
immer von einem Pfeifton überlagert, der auf anderen Geräten
nicht zu hören war. Auf Mittelwelle war bei schwachen
Sendern häufig ein leises Summen zu hören. In der Nähe
eines Mittelwellensenders ist dessen Spiegelfrequenz auf
der Langwelle zu hören.
Kurzwelle
Der Kurzwellenteil des SW-55 hinterliess einen zwiespältigen
Eindruck. Die Empfindlichkeit auf den oberen Bändern ist
sehr gut. Auf dem 11-m Band konnten alle Stationen in
etwa gleicher Qualität empfangen werden, wie auf einem
Kenwood R-5000 mit Aktivantenne ARA 60. Das schmale ZF-Filter
liefert bei SSB eine sehr gute Sprachverständlichkeit.
Bei AM klingt es allerdings schon so dumpf, daß die
Verständlichkeit stark leidet. Das breite Filter ist nur
einzusetzen, wenn die Nachbarkanäle frei sind. Dann ist
auch der Klang auf Kurzwelle hervorragend. In den unteren
Kurzwellenbändern kommt es in der Regel weniger auf
Empfindlichkeit als auf Trennscharfe an. Zwei gleich
starke Sender mit S kHz Abstand werden vom schmalen ZF-Filter
sauber getrennt. Ist ein Sender allerdings wesentlich
schwächer, dann ist er nur mit zum Teil starken
Nachbarkanalstörungen zu empfangen. Im oberen Bereich
des 60-m Bandes traten vereinzelt Spiegelfrequenzen aus
dem 49-m Band auf.
© Bernd Klaus & Joachim
Salisch
Erfahrungen mit dem Sony ICF-55
Nachdem der Sony
ICF SW 55 schon in einigen Zeitschriften getestet wurde,
mochte ich den KURIER-Lesern über meine ersten
Erfahrungen mit dem Gerät berichten. Erwartungsfroh
packte ich den Empfänger aus und nachdem ich mich mit
der Bedienungsanleitung vertraut gemacht hatte, nahm ich
ihn gleich mit in meinen Shack auf dem Dachboden. Dort
folgte erstmal eine große Enttäuschung. Sowohl auf den
normalen Rundfunkbändern und besonders auf den Tropenbändern
stellte ich eine große Anzahl von Geisterstationen fest.
Selbst KBC Nairobi auf 4934 kHz, eine der stärksten
Tropenbandstationen, war vor Störungen fast nicht zu hören.
Auch die Stellung "Local" des
Empfindlichkeitsschalters brachte keine Abhilfe. An die
Stellung "DX" oder gar das Anschließen der
mitgelieferten Wurfantenne AN-71 war nicht zu denken.
Dieses mangelhafte Großsignalverhalten ist wohl der
Preis, den man für die Empfindlichkeit der neuen
Reiseempfänger zahlen muß. Ähnliches machte sich auch
schon beim Satellit 700 bemerkbar. Hier sollte man DM 50.-
für den ADDX-Preselector opfern, damit bekommt man das
Problem gut in den Griff.
Als nächstes testete ich den SW-55 im Schlafzimmer in
meiner Kellerwohnung. Neben dem Einsatz auf Reisen möchte
ich das Gerät hauptsächlich dort als Zweitgerät
betreiben. Hier fiel das Ergebnis ganz anders aus. Nur
mit der Teleskopantenne in der Stellung "DX"
war der Empfang noch leicht verrauscht, nach Anschließen
der Wurfantenne und Plazierung derselben in Fensternähe
besserte er sich erheblich. Die großen internationalen
Stationen kamen auch vorher gut herein. Aber nun war auch
der Tropenbandempfang sehr überzeugend. Auch die schwächeren
Afrikaner im 60- und 90-m Band waren jetzt gut zu hören.
Großsignalprobleme waren nun nicht mehr festzustellen.
Als nächstes schloß ich die Sony Aktivantenne AN-1 an
das Gerät an und in der darauffolgenden langen Nacht
traute ich meinen Ohren nicht. Der SW-55 brachte u.a.
Stationen wie Radio Andahuaylas (PRU), Centinela del Sur
(EQA) und sogar Radio Cultural aus Guatemala auf 3300 kHz
klar herein. Auch bolivianische Stationen konnten mit
Hilfe des SSB-Betriebs aus den üblichen Ttopenbandgeräuschen
herausgefiltert werden. Zwar zeigt das Display nur auf 1
kHz genau an, es kann aber auf 100 Hz genau abgestimmt
werden, was auch sehr gut gelingt und sicher mit zu dem
ausgezeichneten SSB-Empfang beiträgt.
Auch die fernöstlichen und pazifischen Volmet-Sender (Auckland
13282 kHz) waren, wenn auch schwach, zu hören. Aber das
lag an den hochsommerlichen Ausbreitungsbedingungen, denn
auch auf meinem Kenwood R-5000 kamen sie nicht in der
sonst üblichen Lautstärke herein. Am darauffolgenden
Tag konnte sich sogar ABC Alice Springs auf 4835 kHz
gegen Mali durchsetzen und mit Hilfe des sehr schmalen
Filters auch gut von der afrikanischen Station getrennt
werden.
Auf Mittelwelle gelang mir nachts der Empfang von RNE
Tenerife auf 621 kHz. Alles in allem sind das
Empfangsergebnisse, die meines Erachtens weit überdurchschnittlich
für einen Reiseempfänger sind. Und die Kombination SW-55/AN-1
kann wirklich überzeugen. Hatte ich beim ICF 2001D das
Gefühl, die AN-1 bringe nicht mehr Zuwachs an Signalstärke
als ein angeschlossener Langdraht, so führt die Antenne
beim SW-55 zu einer echten Empfangsverbesserung.
Daneben bietet der SW-55 auch noch nützliche
Kleinigkeiten wie z.B. eine Weltzeituhr. Mit dem Drehen
des Abstimmknopfes kann man sich sämtliche Zeitzonen der
Erde anzeigen lassen. Unter jeder Uhrzeit finden sich die
wichtigsten Städte in dieser Zone. Auf eine;
stilisierten Weltkarte wird angezeigt, in welcher Zone
man sich momentan befindet. Sogar die Hell- und
Dunkelzonen der Erde werden grob angezeigt.
Die 125 Stationsspeicher. die man in 25 Gruppen zu 5
Stationen auch mit Namen versehen kann, sind ja bei neuen
Empfängern schon obligatorisch. Kleine Kritikpunkte
sollten allerdings nicht verschwiegen werden. Daß sich
beim Einschalten der Beleuchtung in SSB-Betrieb die
Frequenz um 100 Hz verstellt, müßte nicht sein. Ebenso
störend ist es, daß sich die Beleuchtung des Displays
nach einigen Sekunden ausschaltet, sofern keine Taste
bedient wird. Die "5" in der Tastatur hat
keinen Tastpunkt, was sich für Blinde negativ bemerkbar
machen wird. Auch wenn man im Bett im Dunkeln nochmal
eben einige Frequenzen eingeben mochte, greift man meist
daneben.
Der grösste Kritikpunkt meiner Meinung nach ist jedoch,
daß man die Umschaltung von AM/USB/LSB und vom schmalen
auf das breite Filter nicht direkt vornehmen kann,
sondern über ein spezielles Menü gehen muß, was die
Sache doch sehr umständlich macht. Zumal der Empfänger
Frequenzen, die ausserhalb des Rundfunkbereiches liegen,
automatisch auf SSB einstellt. Es passiert mir sehr oft,
daß ich beim Umschalten eine andere gespeicherte Station
abrufe, weil ich mal wieder vergass, das Menü anzuwählen.
Aber diese Nachteile verblassen gegen das, was der SW-55
sonst zu Bieten hat.
Geliefert wird das Gerät in einem Köfferchen, ein
Konzept, welches sich schon beim SW-1S bewährt hat. Im
Koffer befindet sich der Empfänger mit zusätzlicher
Schutztasche, der Netzadapter, ein US-Stecker, die
Wurfantenne in praktischer Aufrollbox, ein Ohrhörer, der
UKW-Stereoempfang ermöglicht, sowie die
Betriebsanleitung incl. der Kurzanleitung zum Stellen des
Timers, eine Broschüre mit allgemeinen Tips zum
Kurzwellenempfang und das Wave-Handbook, welches mal
wieder auf den neuesten Stand gebracht wurde.
Mein abschließendes Fazit:
Sony bietet mit dem SW-55 ein Gerät an, das in
Empfangsleistung und Ausstattung auf dem Sektor der
Reiseempfänger seinesgleichen sucht. Sowohl Senderjäger
als auch Programmhörer kommen mit dem SW-55 voll auf
ihre Kosten.