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Sony Corporation, TokyoTestbericht Sony ICF - 2100 D
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überarbeitet am 21.12.2002 |
"Badewanne" und "Schuhkarton"
von Jürgen Bast
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Doppelsuper, 1. ZF 19,055 MHz, 2. ZF 455 kHz
Digitalanzeige, 1 kHz AM, USB/LSB, CW, FM-UKW |
Selektivität -6 dB/ -46 dB Sensitivität RF-Gain, Preselektor |
In Erfahrungsberichten und Vergleichstests ist der aktuelle Spitzenempfänger von Sony, der ICF SW-77, oft mit dem direkten Grundig-Konkurrenten Satellit 700 verglichen worden, Vergleiche mit dem Sony-Vorgängermodell ICF 2001D gab's eher sporadisch. Für Besitzer der Sony Top-Empfänger dürfte es interessant sein, mehr über die Stärken und Schwächen der beiden Modelle zu erfahren, die sich bei einem mehrwöchigen Praxistest herauskristallisiert haben. Über die technischen Konzepte von SW-77 und 2001D ist in der Fachpresse so viel veröffentlicht worden, daß ich darauf nur oberflächlich eingehen möchte. Schwerpunkt meines Artikels soll der praktische Umgang mit diesen Radios und natürlich die Empfangspraxis sein.
Mein Spitzname für den ICF SW-77? "Die Badewanne". Weil er merkwürdige Mulden hat in der Rückwand, und betont rundliche Formen. Wie eine Badewanne eben. Das Gerät wirkt sehr zierlich und formschön, die Teleskopantenne verjüngt sich nach oben überdurchschnittlich stark, ist in der Tat aber nicht sonderlich solide, sondern verbiegt sich leicht, wenn man damit irgendwo hängen bleibt (Vorhang überm Fenstersims etc.). Der SW-77 ist wie das Vorgängergerät mit einem Tragriemen ausgestattet, sicherlich keine optimale Lösung. Der 2001D läßt sich leichter bedienen als der SW-77, obwohl das aktuelle Gerät von den Möglichkeiten her mehr bietet. Der SW-77 kann 162 Frequenzen speichern, beim 2001D sind es gerade mal 40. Der Vorteil beim älteren Gerät: Es stehen 40 Speichertasten zur Verfügung, die sich blitzschnell und direkt anwählen lassen, beim SW-77 dagegen muß man sich mit dem Menü der Bedienungselektronik vertraut machen, das Studium der Anleitung ist also unumgänglich. In so manchem Gespräch mit Besitzern des SW-77 bekam ich Aussagen zu hören, die man so zusammenfassen könnte: "Wie das mit den Speichern läuft, hab ich immer noch nicht raus, ist mir zu kompliziert, die benütz ich gar nicht...". Auch das Drehrad der Hauptabstimmung ist für viele SW-77 Besitzer ein Ärgernis. Es läuft nicht so leicht wie beim SW-55, "Abrutscher" sind nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel, eine Fingermulde wird schmerzlich vermisst. Dazu Sony Deutschland: "Das Gerät ist in Japan konzipiert worden, wir können da nichts machen". Mein Brief an den Vertriebsleiter vom Herbst 1995 ist bis heute nicht beantwortet.
Für den ICF 2001D hat irgend jemand einmal die Bezeichnung "Schuhkarton" in einen Testbericht einfliessen lassen. Damit ist die äußere Erscheinung des Gerätes ziemlich treffend charakterisiert (wobei der 2001 D zu den feinen, schlanken "Schuhkartons" gezählt werden muß, er hat durchaus gefällige Züge).
Im Bereich der Kofferweltempfänger hat das Gerät einen legendären Ruf, nicht zu Unrecht. Im Vergleich mit den Lowe-Empfängern HF-150 und HF-225 Europa (an einer etwa 10 Meter langen Drahtantenne) musste ich immer wieder zur Kenntnis nehmen, daß der ICF 2001D in der Mehrzahl der Empfangssituationen mühelos mithalten konnte. oft nur an der Teleskopantenne, unter Zuhilfenahme des Minipreselectors ADDX-Pre-1. Nach meinem Eindruck ist die Empfindlichkeit des SW-77 kaum geringer als die des 2001 D. Das ältere Gerät kann jedoch den Vorteil eines für Kurzwelle optimalen Frequenzgangs für sich in die Waagschale werfen, und das selbst bei der Wiedergabe schwacher und schwächster Stationen. Der SW-77 bringt dagegen den für so manches japanische Gerät typischen näselnden, gequetschten Klang, der vor allem beim Einsatz des engen Filters die Verständlichkeit oft erschwert oder völlig unmöglich macht.
Empfangspraxis
Auf der Mittelwelle brachte der 2001D den ERF auf
1467 kHz um 21.30 MEZ in Filterstellung "Wide"
mit überragender Sprachverständlichkeit bei etwas stärkeren
Hintergrundgeräuschen. Der SW-77 war ruhiger, im Klang
flacher, in der Sprache weniger natürlich. Bei beiden
Geräten hatte ich den Synchrondetektor aktiviert,
Stellung USB.
Wechseln wir zur Kurzwelle. Der 2001 D spricht deutlich
besser auf den Pre-1 an als der SW-77. In Verbindung mit
dem Pre-1 macht der 2001D auch sehr schwache Signale hörbar.
Die folgenden Erfahrungen kamen ohne solche Hilfsmittel
zustande.
Radio Budapest auf 3975 kHz ließ sich mit dem 2001 D um
20.48 Uhr spürbar klarer und besser empfangen als auf
dem SW-77, der stärker rauschte und auch in der
Wiedergabe dumpfer war.
Radio Korea, das auf 7550 kHz recht schwach zu hören war,
kam auf dem 2001 D ebenfalls verständlicher im Synch-Betrieb,
der Synchrondetektor des SW-77 rastete gar nicht erst ein.
Der "Synch" des SW-77 ist brauchbare Signalstärken
vorausgesetzt wirklich gut, die Seitenbandtrennung ist
besser als beim Vorgänger.
Die Stimme des Freien China aus Taipeh ist mit dem 2001D
auf 9610 kHz um die berühmte Spur verständlicher als
beim Vergleichsgerät, der SW-77 wirkt unruhiger,
zappeliger.
Um 21.50 UTC fischt der SW-77 Radio Finnland auf 6120 kHz
in der Filterstellung "Wide" (und Sync USB)
sehr überzeugend aus dem Äther, während der
Synchrondetektor des 2001 D von einem starken Störer
merklich irritiert wird (Sprachwiedergabe gleicht
zeitweise einem schlecht eingestellten SSB-Signal). In
Filterstellung "Narrow" verschwindet der Spuk
schlagartig und der Empfang ist ähnlich gut wie beim SW-77.
Generell läßt sich sagen, daß der Synch des SW-77,
einmal eingerastet, eine stabilere Wiedergabe liefert als
der des 2001 D.
Shannon Volmet auf 2899 kHz kommt auf beiden Geräten gut,
der Empfang des 2001 D ist eine Spur klarer.
Uganda auf 5026 kHz um 23.00 Uhr: kaum Unterschiede,
brauchbarer Empfang.
Mali ist auf 4X35 kHz auf dem 2001 D am besten zu hören,
auf dem SW-77 verschwindet die Sprache bei Signaleinbrüchen
im Rauschteppich.
Togo auf 5047 kHz ist in Stellung Synch USB mit dem SW-77
etwas deutlicher als beim 2001D.
Yaoundé, 20.40 Uhr auf 4850 kHz: Auf beiden Geräten
"schimmert" die Sendung immer wieder durch, es
handelt sich um folkloristischen Gesang, auf dem
mitlaufenden Grundig Satellit 700 ist die Station so eben
zu erahnen.
HCJB auf 12005 kHz ist auf dem 2001 D kaum zu erahnen,
eine "zärtliche Handauflegung" sorgt für eine
merkliche Signalverbesserung, daß eine Dame am Mikrophon
ist, ist klar zu hören. Beim SW-77 verschwindet das
Signal fast völlig im Rauschen, und auf zärtliche
Gesten reagiert der SW-77 eher zurückhaltend.
AIR Delhi auf 11620 kHz kann der SW-77 dagegen besser an
den Lautsprecher bringen, mit deutlich weniger Nebengeräuschen,
in Filterstellung "Wide". Beim SW-77 kann man häufig
auch dann noch das breite Filter einsetzen, wenn beim
2001D längst zum engen Filter gewechselt werden muss.
Fazit
Natürlich lassen sich persönliche Vorlieben nicht
ganz verleugnen. Wenn ich wählen müsste zwischen den
beiden Geräten, ich wurde mich immer für den 2001 D
entscheiden. Die einfache und überzeugende Bedienung,
die immer wieder verblüffenden Empfangsleistungen sind für
mich die wichtigsten Gründe. 40 Speicher reichen mir völlig.
Wer mehr benötigt, ist mit dem SW-77 sicherlich besser
bedient. Auch der SW-77 ist ein ausgezeichneter
Kurzwellenempfänger, der dem 2001D auch in so mancher
Situation Paroli bieten kann. Auf UKW ist der SW-77
eindeutig erster Sieger, zumal er über Kopfhörer
Stereowiedergabe bietet. Der SW-77 läßt sich darüberhinaus
gut mit Akkus füttern, was beim 2001 D nicht so gut geht,
weil der Synchrondetektor bei niedrigen
Versorgungsspannungen zu Schwinggeräuschen neigt,
perfekt ist der 2001D keineswegs, weshalb sonst gibt es
inzwischen einen SW-77, dem diese Macke ausgetrieben
worden ist?
© Rolf - Dieter Wiedenmann, kurier 4 / 1996