Im Ausland schon länger auf dem Markt, in
einer postfrommen Version jetzt auch in Deutschland zu
haben: der ICF-7600W von Sony ist ein gediegener
Kleinempfänger mit fünf wichtigen KW-Rundfunkbereichen
plus MW und UKW. Sicherlich ist dies kein Gerät für den
ernsthaften DXer, sondern ein kleiner, vielseitiger
Reisebegleiter. Die äußere Ähnlichkeit mit der
Boy-Serie von Grundig ist verblüffend;der ICF-7600 wurde
jedoch schon 1978 im Ausland angeboten. Der kleine
Sony hat die FTZ-Nummer U- 185.
Das Gerät
Der ICF-7600 W könnte als kleines Kofferradio
klassifiziert werden, aber ein Taschenempfänger ist er
nicht mehr. Die geringen Abmessungen (18 x 3.2 x 12, B H T
in cm) machen das Gerät jedoch sehr transportabel. Die
solide Ausführung mit Aluminiumfrontplatte und teilweise
versenkten Bedienungselementen macht insgesamt einen
guten Eindruck. Bis auf den Drehknopf für die
Sendereinstellung sind alte Einstellorgane auf der
Vorderseite; das Gerät ist für liegenden Betrieb
konzipiert. Etwas mehr als die Hälfte der Gerätefront
nimmt der 7,7 cm grosse Lautsprecher ein. Dabei handelt
es sich um den gleichen Spezialtyp, der im ICF-6800 W
für den verblüffend guten Klang sorgt. Auf der rechten
Seite dominiert die Flächenskala für die KW-Bereiche
19, 25, 31, 49 und 75 Meter. Wohl wegen USA-Export fehlt
das 41 m-Band.
Daneben gibt es in schlecht lesbarer Ockerfarbe die
Skalen für MW, in grossen weißen Ziffern die
Markierungen für UKW. Diese Skalen sind einfach auf die
Gerätefront gedruckt. Der helle Streifen rechts außen
ist eine von 0 bis 10 unterteilte Hilfsskala ohne großen
Wert. Der vertikal laufende Zeiger ist auf den
KW-Bereichen silberfarben, auf der Hilfsskala rot.
Umgekehrt wäre die Farbwahl günstiger gewesen.
Allgemein erscheinen die Skalen für UKW und MW eher wie
ein Provisorium.
Links neben dem Fenster für die KW-Skalen hat der
Lautstärkesteller (Schiebepotentiometer) seinen Platz
gefunden. Gerade darunter befindet sich der
Schiebeschalter für die Klangbeeinflussung, mit den
Stellungen H (high), L (low) und NEWS (Nachrichten). H
und L sind normale Tonblenden, wobei die Stellung H
besonders bei UKW-Empfang die Möglichkeiten des exzellenten
Kleinlautsprechers zur Geitung bringen kann. Bei L werden
die Höhen deutlich abgesenkt. Interessant ist die
Stellung NEWS: mittels eines etwas aufwendigen RC-Filters
wird ein Frequenzgang "vorprogrammiert", der
dem typischen Modulationsinhaft von KW-Sendern
entspricht. Die Funktion entspricht praktisch einem
Präsenzfilter mit guter Sprachakzentuierung. Höhen und
Tiefen sind entsprechend gedämpft.
Rechts oberhalb des Klangschalters findet sich der
Wahlschafter für die fünf KW-Bänder; der KW-Bereich
selbst wird mit der darunter liegenden Drucklaste
angewählt. Rechts neben dieser Bereichstaste sind die im
gleichen Tastensatz untergebrachten Schalter für MW und
UKW. Eingeschaltet wird das Gerät durch Druck auf eine
der Bereichstasten SW, MW oder FM, ausgeschaltet durch
die kleine Taste rechts unten, die die jeweilige
Bereichstaste zurücksetzt und damit das Gerät
ausschaltet.
Oberhalb der FM-Taste befindet sich eine 1.5 mm große
LED, die bei genauer Abstimmung hell leuchtet. An der
rechten, oberen Schmalseite (tut mir leid, Linkshänder)
ist der Drehknopf für die Sendereinstellung. Dieser
Knopf ist recht klein und nur leicht geriffelt; die
Bedienung ist gewöhnungsbedürftig, da wegen der
geringen Gehäusetiefe der Knopf nicht umfaßt werden
kann. Eine 60 cm lange Teleskopantenne ist der
Wellenfänger für KW und UKW. An diese Antenne wird auch
eine eventuell zu benutzende Drahtantenne für KW
angeschlossen. Dabei gibt es ein interessantes Detail:
der an der Antennenspitze speziell ausgearbeitete und in
der Bedienungsanleitung erwähnte Anschlußpunkt ist
kapazitiv (!) mit der Schaltung gekoppelt. Dies geschieht
durch einen winzigen, in die Antennenspitze
eingearbeiteten Kondensator. Die Gründe sind eindeutig:
Sicherheit und Zwangsanpassung des Langdrahtes.
Tonbandaufnahmebuchse, Ohrhörerbuchse und eine
Trageschlaufe vervollständigen die Ausstattung des
Gerätes. Auf der Gehäuserückseite befindet sich eine
sauber ausgearbeitete Weltzeitkarte. Als Stromversorgung
werden vier kleine Stabzellen (AA) benötigt, oder man
schließt ein Steckernetzteil (nicht im Lieferumfang) an
die vorgesehene Buchse an. Fernerhin gibt es einen
12-Volt Adapter für Auto- und Campingbetrieb.
Die gesamte Schaltung läßt sich funktionsfähig in
Minuten ausbauen; sämtliche Abgleichpunkte sind ohne
Probleme erreichbar. Die Serviceanleitung (nicht im
Lieferumfang) ermöglicht auch dem Hobbyelektroniker
einen allfälligen Nachabgleich der Antennenkreise.
Betriebsergebnisse
Das Gerät wurde auf Reisen im In- und Ausland
getestet: in Hotelzimmern, Wohnungen, Fabriken und auf
Parkplätzen bei Reisepausen. In einem Hotelzimmer in
Holland konnten gegen 23 Uhr diese Ergebnisse erzielt
werden:
MW 43 Stationen sauber
KW jeweils 6 - 12 Stationen sauber,
FM 15 Stationen
sauber.
Die Empfangsleistung ist also durchaus zufriedenstellend.
In keiner Weise sind das jedoch die Frequenzskalen, die
schlecht abzulesen und zu weiträumig geteilt sind. Die
enorme Spreizung - ca. 300 kHz auf je 5 cm Skalenlänge -
läßt genug Raum für eine deutlichere Markierung.
Knöpfe und Schalter arbeiten einwandfrei. Die Stellung
NEWS der Tonblende ist auf KW ausgesprochen wirksam. Im
Freien reicht die maximale Lautstärke manchmal nicht, um
gute Verständlichkeit zu erzielen. Die Stabantenne sitzt
fest im Gehäuse und läßt sich in jeder Stellung
festsetzen; wichtig für UKW-Empfang. Die eingebaute
Ferritantenne zeigt auf dem MW-Bereich kaum Richtwirkung.
Wegen fehlender Bandbreitenschalter, HF-Einsteller,
S-Meter und Antennenanpassung wurden DX-Versuche nicht
ernsthaft durchgeführt.
Wertung und Kritik
Der ICF-7600 W ist ein angenehmer und
zuverlässiger Reisebegleiter für den KW-Interessenten.
Die Beschränkung der KW-Bänder auf die
Rundfunkbereiche, die dann mit enormer Spreizung
verfügbar sind, ließ das Fehlen einer Feinabstimmung
verschmerzen. Wegen der ungenauen Skalierung ist das
Auffinden der gesuchten Nachrichtenstationen nicht gerade
einfach. Man dreht eben, bis man Deutsch hört. Diese
Sender strahlen durchweg mit einer Leistung, die ihre
Sendungen unüberhörbar macht. Hier sehen wir auch das
Einsatzgebiet dieses Gerätes: Nachrichtensendungen des
In- und Auslandes zu hören. Ein - wenn auch noch so
kleines - Abstimminstrument wurde schmerzlich vermißt.
Die LED-Abstimmhilfe funktioniert nur auf UKW eindeutig.
Der Steuerkreis spricht leider auch auf Störgeräusche
an, und so dient die LED auf MW und KW eher als
Betriebsanzeige. Die Trennschärfe läßt trotz
Verwendung von Keramikfiltern zu wünschen übrig;
trotzdem entspricht die allgemeine Empfangsleistung auf
MW und KW der eines normalen grossen Kofferradios dieser
Preisklasse. Der UKW-Teil ist eher besser als in
größeren Radios; neben überraschend guten Werten für
Empfindlichkeit und Trennschärfe ist der erreichbare
Signal/ Rauschspannungs- Abstand bemerkenswert; er liegt
bei sehr guten 54 dB. Der Klangeindruck bei sauber
abgestimmten Sendern verblüffte so manchen zufälligen
Mithörer. Vom Tonbandausgang konnten tadellose Mono-
Aufnahmen mitgeschnitten werden. Im Ganzen gesehen ist
die Empfangsleistung dieses Kleinempfängers erstaunlich.
Als ein Mangel wurde das Fehlen einer gummierten Auflage
auf der Rückseite empfunden. Einige unschöne Kratzer
auf Möbeln zeigen diese Vergeßlichkeit der
Konstrukteure bleibend an. Die winzigen vorhandenen
Gummipunkte können gerade noch das Wegrutschen des
Gerätes bei der Bedienung verhindern. Fernerhin gibt es
keine Trage- oder Schutztasche. Die solide Ausführung
macht dies zwar nicht unbedingt notwendig, aber die
mattschwarze Farbe auf der Frontplatte hält nicht ewig.
Gravierendster Fehler ist aber das Nichtvorhandensein
eines S-Meters. Hier sollte Sony Abhilfe schaffen.
Empfangsmäßig ist dieser kleine Sony einem normalen,
großformatigen Kofferradio ohne DX-Auslegung mindestens
ebenbürtig. Im geringen Volumen ist wohl das größte
Positivum des ICF-7600 W zu sehen. Aufgrund des
Kleinformates sollten Bedienungsprobleme wie schlechte
Skala und fehlendes S-Meter in Kauf genommen werden,
obwohl technisch andere Lösungen denkbar wären. Die
Schaltung zeigt einige unkonventionelle Detaillösungen
und bedarf eines eingehenden Studiums. Insbesondere ist
ein Vergleich mit der Schaltung des Yacht-Boy 120
empfehlenswert.
Das Verhältnis Preis/Gegenwert ist für die Größe und
die damit verbundenen Vorteile noch akzeptabel.
Sony ICF-7600 W Technische Daten und Meßwerte
Hersteller Sony
Vertrieb Fachhandel
Gerätetyp kleiner Reiseempfänger
Schaltungstyp Superheterodyne
Frequenzbereiche
| KW1: 3.9 - 4.0 MHz |
KW2: 5.9 - 6.2 MHz |
KW3: 9.3 - 9.8 MHz |
| KW4: 11.7 - 12.0 MHz |
KW5: 15.1 - 5.5 MHz |
MW, UKW |
Frequenzanzeige Analogskala
Ablesegenauigkeit 10 kHz auf KW
Frequenzstabilität bei DeltaT von 10 Grad C +/- 1.5 kHz,
innerhalb 1 Stunde +/- 1 kHz
Besonderheiten Kleinformat, nur Rundfunkbänder
HF-Teil:
Empfindlichkeit: in uV an 50 Ohm bzw. 1 KOhm bei
BC
0,1 MHz - 1.5 MHz für 26 dB S+ N/N
2 MHz - 30 MHz für 6dB S+N/N
Modulation AM, 400 Hz, 30 Prozent
| Frequenz (MHz) |
AM
|
| 0.5 |
26 |
| 1 |
21 |
| 1.5 |
16 |
| 4 |
7 |
| 6 |
7 |
| 10 |
6 |
| 12 |
8 |
| 15 |
8 |
Trennschärfe
(kHz) 7 MHz + 1 MHz
| |
-6
dB |
-60
dB |
| breit |
6.1 |
17 |
Spiegelfrequenzsicherheit
besser als 42 dB
Antennen Stalbantenne 60 cm, Ferritantenne
Antennenanschluß Langdraht über Kondensator in der
Antennenspitze
Sonstiges UKW Empfindlichkeit 3.6 uV/26 dB
NF-Teil
Leistung 280 Milliwatt, 10% THD
Tonblende High, Low, Präsenz
Lautsprecher 7.7 cm Durchmesser, Spezialtyp
Anschlüsse Ohrhörer, Aufnahme
Stromversorgung AA-Zellen, 4 Stück; Steckernetzteil
über Schaltbuchse
Leistungsaufnahme 0. 1 - 0.25 Watt
Maße 18 x 12 x 3.5 BHT in cm
Gewicht 635 Gramm mit Batterien
Bestückung 13 Transistoren, 1 FET, 2 IC
FTZ-Nummer U-185
Preis ca. DM 275,-