Reisebegleiter SONY ICF-7600G
"Konkurrenz belebt das Geschäft" - ein altes Sprichwort, das
auch für den an Herstellern armem Markt für
kurzwellentaugliche Empfänger gilt. Es war darum
abzusehen, daß Sony dem Yachtboy 400 ein entsprechendes
Modell gegenüberstellen würde. Im Oktober kam er dann
endlich auf den Markt, der Sony ICF 7600G.
Für unseren Praxistest haben wir neben dem YB 400 auch
das Vorgängermodell zugezogen. Andere Mitbewerber können
derzeit in diesem Preis-Leistungsbereich nichts
entsprechendes bieten, aber bis zur nächsten
Funkausstellung (1995) wird sich das bestimmt noch ändern.
Die Abmessungen des ICF 7600G stimmen ziemlich mit denen
seines Vorgängers überein. Der YB 400 ist vom Volumen
her etwas größer, was wohl auch der Grund für den
besseren Klang ist; in ein größeres Gerät geht eben
auch ein größerer und in der Regel besserer
Lautsprecher gut zu plazieren.
Die Bedienungskonzepte von Sony und Grundig unterscheiden
sich. Während der ICF 7600G auf den Erfahrungen seines
Vorgängers basierend ausschließlich per Tastenfeld zu
bedienen ist, verfügt der YB 400 noch über ein Drehrad.
Neben der Frequenzeingabe über das Tastenfeld kann über
das rechts unten liegende kreisbogenförmige Tastenfeld
mittels je zwei UP- bzw. DOWN-Tasten abgestimmt werden.
Mit den inneren lassen sich Frequenzänderungen auf je I
kHz genau bewirken, die äußeren gehen auf Kurzwelle in
5 kHz-Schritten. Auf Mittelwelle sind 9- bzw. 10-kHz-Schritte
vorgesehen; der Umschalter sitzt sinnigerweise im
Batteriefach hinter den Batterien. Beim Vorgänger war
auf MW diese Auswahl nicht gegeben.
Nach wie vor schlecht gelöst ist die Einstellmöglichkeit
der Uhr. Falls man sich beim ersten Einstellversuch
vertut, sollte man ein RESET machen. Dies geht aber nur,
wenn man die Batterien aus dem Fach entfernt, nur dann
kommt man an diese Taste ... weshalb wir es bleiben ließen
und weiter auf unsere Chronographen am Handgelenk
vertrauten.
Wie bereits erwähnt orientiert sich das Gerät an seinem
Vorgänger. Die Zehner-Tastatur hat eine fühlbare
Markierung auf der Fünf. Der Schiebe-Druck-Schalter zur
Inbetriebnahme des Gerätes ist ebenso sinnvoll wie der
KEY PROTECT, der vor unabsichtlichem Einschalten und
damit unnötigem Stromverbrauch schützt. Apropos
Stromverbrauch: Im Gegensatz zum YB 400 mit seinen sechs
Batterien genügen hier vier. Trotzdem sollte man auf ein
Netzteil nicht verzichten, das allerdings bei beiden Geräten
nicht zum Lieferumfang gehört. Das Display ist etwas
kleiner geraten, zeigt aber die Daten in genügender Größe
und guter Lesbarkeit an.
Im Empfangsbereich von 150 kHz bis 22 MHz, den wir uns
ausführlicher anhörten, war die Empfindlichkeit als gut
bis sehr gut zu bezeichnen. Der Empfänger ist zwar als
Doppelsuper ausgelegt, doch einige Spiegelfrequenzen sind
vorhanden, jedoch längst nicht so viele wie bei seinem
Vorgänger. In den Abendstunden sind zwischen 5000 und
5200 einige starke Sender aus dem 49-m-Band zu vernehmen,
auch oberhalb 8 MHz waren nicht dorthin gehörende
Signale vernehmbar. Es sind jedoch keine eigentlichen
Rundfunkbänder betroffen. Wir haben das Gerät auch an
Aktivantennensystemen der Firma Grahn betrieben (GS2-SE
bzw. GS2) und stellten fest, daß damit die
Spiegelfrequenzen verschwanden und zudem das Signal etwas
kräftiger und vor allem rauschfreier wurde. Ein guter
Preselektor mit einer kurzen Wurfantenne könnte aber
durchaus auch die Spiegelfrequenzen zumindest vermindern.
Schlecht ist dabei allerdings, dass sich die eingebaute
Teleskopantenne, die etwas länger als beim Vorgängermodell
ist, nicht abschalten läßt, somit der externe
Antennenanschluß nicht optimal genutzt werden kann.
Der Sony ICF 7600G verfugt ab Werk nur über einen Filter
von ca. 5 kHz Bandbreite, der YB 400 verfügt über zwei
verschieden breite. Für die internationalen Kurzwellenbänder
ist dieses Filter gut bemessen, wenn die Stationen das 5-kHz-Raster
einhalten. Bei den Utility-Stationen und in den Tropenbändern
sieht es da schon etwas anders aus, wenn die Stationen
etwas enger beieinander sitzen. Einen gewissen Ausgleich
schafft hier der Synchrondetektor, dessen Seitenbänder
separat angewählt werden können. Sicher bastelt schon
der eine oder andere Pfiffikus an einer
Filtermodifikation, ob sich das aber rechnet ist eine
andere Sache, denn mehr als DM 100 wird wohl keiner dafür
anlegen wollen.
Der SSB-Empfang ist etwas besser als beim Vorgänger,
auch der YB 400 bringt keine so guten Ergebnisse. Die
Einstellung erfordert bei allen drei Geräten viel
Fingerspitzengefühl. Gewöhnungsbedürftig ist, daß man
zuerst mit der 1-kHz-Einstelltaste grob abstimmt und dann
mit einem rechts gelegenen Rändelrädchen SSB FINE TUNE
exakt abstimmt.
Im UKW-Bereich liegt der Yachtboy klar vorne. Der Sony
ist zwar verbessert worden, aber Stationen mit weniger
als 300 kHz Abstand sind nicht immer einwandfrei getrennt
worden. Unser Testbeispiel: In Nürnberg ist auf 100,3.
MHz das DeutschlandRadio (DLF) zu empfangen, auf 100,6
Antenne Bayern. Zudem klingt das Gerät auch über Kopfhörer
(Stereo wie beim YB) nicht so angenehm für europäische
Ohren wie der Yachtboy 400.
Wem können wir nun diesen
Reiseempfänger empfehlen? Wie sein Vorgänger und der
Yachtboy 400 ist er ganz sicher keine DX-Maschine. Er
reicht aber sehr wohl für den "Alltagsgebrauch",
insbesondere auf Reisen, und ist ein gutes Einstiegsgerät
für solche, die noch nicht wissen, ob sie sich mehr mit
der Kurzwelle beschäftigen möchten oder nicht. Der
Marktpreis von rund 328 bis 348 DM (Yachtboy 400: 338 bis
368) entspricht etwa zwei Monats-Taschengelder eines 14-jährigen,
weshalb man das Gerät gerade in Hinsicht auf bestimmte
Termine in Betracht ziehen sollte. Ein noch schärferes (engeres)
Filter oder eine Bandbreitenumschaltung wären eine nützliche
Weiterentwicklung gewesen. Wer bereits mit Sony-Geräten
Erfahrungen hat wird die Bedienelemente sinnvoll und
praktisch finden, auch wenn sie wegen des geringen
Platzes teils nicht allzu groß geworden sind. Das Gerät
ist mit geringen Einschränkungen auch für Blinde und
Sehbehinderte geeignet. Der Batterieverbrauch hängt von
den eingesetzten Batterietypen ab. Im Testbetrieb
erzielten wir Laufzeiten von 12 bis über 30 Stunden
Gesamtdauer im allerdings zeitweise unterbrochenen
Betrieb.
Technische Daten
Frequenzbereiche: LW: 150 - 529 kHz; MW: 530 - 1620
kHz; KW: 1621 - 29999 kHz; UKW: 87,5 - 108 MHz
Zwischenfrequenz: AM: 55,845 MHz / 455 kHz; UKW: 10,7 MHz
Ausgänge: Aufnahme (LINE OUT), Kopfhörer (kleine Klinke)
Stromversorgung: 6 V (4 Batterien) oder Netzteil (separat)
Abmessungen: ca. 192 x 118 x 33 mm
Gewicht: ca. 620 g inkl. Batterien
Zubehör im Beipack: Wurfantenne, Tragetasche und Wellenhandbuch
Preis: ca. DM 330,- / 340,-
Preis- /Leistungsverhältnis: ****(*)