Yaesus Popularität auf dem Kurzwellenempfängermarkt
ist in den vergangenen Jahren gestiegen und gefallen.
Ende der 70er Jahre war der FRG-7 eines der berühmtesten
Einsteiger-Geräte. Yaesu stellte die Produktion erst ein,
als man der Ansicht war, daß der Empfänger inzwischen
ein unzeitgemässes Outfit habe. Der Nachfolger FRG-7000
wurde schnell durch den FRG-7700 ersetzt. Beide sind
mittlerweile veraltet. Der FRG-8800 kam 1985 auf den
Markt und hatte einen guten Start, da es das erste Gerät
war, das grösstenteils mikroprozessorgesteuert war,
wodurch allerdings statische Entladungen von der Antenne
oder auch der Betrieb des Gerätes in sehr lufttrockener
Umgebung die Empfangsleistungen stark schwächen. Abhilfe
schaffte nur ein Aus- und Wiedereinschalten des Receivers.
Der FRG-8800 ist nun nicht mehr lieferbar und und FRG-100
kommt neu auf den Markt. In Japan ist das Gerät schon
seit August 1992 zu haben, in Nordamerika und Europa
musste man noch bis März 1993 warten. Der FRG-100 ist
preiswerter und zum Teil auch besser gelungen als sein
Vorgänger.
Der FRG-100 zeigt sich als kompakter, fast zierlicher
Empfänger zu einem günstigen Preis. Er lässt sich
sowohl für mobilen, als auch stationären Einsatz nutzen.
Die Maße sind 238 x 93 x 243 mm, das Gewicht beträgt 3
Kilogramm. Yaesu war in der Lage, das Gerät derart
kompakt anzubieten, da kein Trafo eingebaut wurde.
Stattdessen befindet sich im Lieferumfang ein Netzteil.
Alternativ kann man den Empfänger über eine
Autobatterie speisen. Der FRG-100 hat bei einer
angenehmen Lautstärkeeinstellung einen Verbrauch von ca.
1,1 Amperestunden. Der Empfangsbereich liegt zwischen 50
und 30.000 kHz durchgehend. Das Gerät kann Signale in AM,
LSB, USB und CW empfangen. Eine Zusatzoption für
Schmalband-FM ist erhältlich. Auf den ersten Blick ist
die Gehäusevorderseite einfach überschaubar. Der
Drehknopf zur manuellen Frequenzsuche dominiert die
rechte Seite der Front. Eine analoge Signalstärkeanzeige
und ein Flüssigquarz-Display, das Frequenz, Empfangsart,
Memory-Hinweise und die Uhrzeit darstellt, liegt im
oberen Bereich. Zwei Reihen von MODE- und SELECT-Knöpfen
sind in der Mitte plaziert. Zu beachten ist hier, daß
das Drücken einiger Knöpfe vor dem Einschalten des Empfängers
zu Systemkonfigurationsveränderungen führen kann.
Einige so mögliche Einstellmöglichkeiten sind wohl eher
kosmetischer Art, andere jedoch recht nützlich. Auf
diese Art läßt sich z.B. die Uhrzeit von 12-h auf 24-h-Anzeige
umstellen, es lassen sich Abstimmschritte verändern oder
bestimmte Filter als Standard den verschiedenen
Empfangsmodi zuweisen. Eine Feinabstimmung des ersten
Schwingkreises ist auch möglich. Dies ist nützlich,
wenn man die Eichung des Empfängers z.B. anhand von WWV
auf 15 MHz überprüfen will.
Frequenzeingabe
Der FRG-100 bietet eine Kombination von UP- und DOWN-Tasten
sowie den Drehknopf zur Frequenzabstimmung. Er verfügt
über keine Tastatur zur direkten Frequenzeingabe, es
besteht jedoch eine Anschlußmöglichkeit für
Frequenzfernbedienung via Computer auf der Geräterückseite.
Es ist verwunderlich, daß Yaesu keine Anschlußmöglichkeit
für eine kleine externe Tastatur anbietet, wie sie z.B.
für den Lowe erhältlich ist.
Eine Frequenzabstimmung über UP- und DOWN-Tasten ist natürlich
nicht so schnell und komfortabel wie über eine Tastatur.
Das ist besonders auffällig, wenn man z.B. auf 5955 kHz
eine unbekannte Station hört und vergleichen möchte, ob
es sich dabei um das gleiche Programm handelt, wie auf
21455 kHz.
Das Gerät verfügt über keinen Synchrondetektor, ist
aber bemerkenswert frequenzstabil. Das Abhören von AM-Stationen
in den Betriebsarten LSB oder USB erlaubt ein gutes
Ausblenden von Nachbarkanalstörungen. Die Tatsache, daß
sich der FRG 100 in 10-Hz-Schritten abstimmen läßt (im
SSB-Mode) bedeutet, daß Musikprogramme in SSB gehört
werden können, wenn der Sender sauber eingestellt wurde.
Speicherplätze
Der FRG kann bis zu 50 Stationen mit Frequenz und
Empfangsart speichern. Die Speicher sind leicht zu
programmieren und es gibt zusätzlich die Möglichkeit,
gestörte gespeicherte Frequenzen neu zu sortieren. Der
Inhalt der Speicherplätze kann über einen Knopf
abgerufen werden. Ausserdem sind die Speicherfrequenzen
als Ausgangspunkt für eine weitergehende Abstimmung
nutzbar. Ein Memory-Scannen ist ebenfalls möglich. Eine
Unterteilung der Speicherplätze in Fünfergruppen ist
ebenfalls möglich, wodurch auch nur Teile der Memory
gescannt werden können.
Yaesu ist bemüht, dem Benutzer alle Möglichkeiten des
FRG-100 in einem detaillierten Handbuch näherzubringen.
Es wird davon ausgegangen, daß man mit dem Manual in der
Hand vor dem Empfänger sitzt und sich an die Features
gewöhnt. Einige Einzelheiten erscheinen anfänglich
verwirrend und man wäre besser beraten gewesen, zusätzlich
eine Kurzanleitung für diejenigen anzubieten, die das
Gerät auspacken und mit ihm erst einmal nur kurz reinhören
wollen.
Der Empfänger hat zwei eingebaute Uhren, sodaß eine für
die Ortszeit und eine für UTC-Weltzeit genutzt werden
kann. Eine Timer-Funktion, die das Gerät zur gewünschten
Zeit ein- und ausschaltet, ist vorhanden. Die Timer-Funktion
ist aber nicht so ausgetüftelt wie die des Sony SW-77,
die das Gerät nicht nur anschaltet, sondern auch direkt
auf eine bestimmte Speicherfrequenz springt.
Empfindlichkeit
Die Meßergebnisse von "Media-Network" bei
Radio Nederland zeigten, daß die Empfindlichkeit im
unteren Bereich recht gering ist. Auf Mittelwelle wurde
sie gar bewußt reduziert, um zu verhindern, daß starke
lokale Mittelwellenstationen den empfindlichen
Eingangskreis überladen. Die Werte bei Kurzwelle zeigten
dann aber, daß der FRG-1OO extrem empfindlich ist,
vielleicht etwas zu empfindlich im Bereich zwischen 1,8
und 17 MHz. Natürlich kann die hohe Empfindlichkeit
nicht gleichgesetzt werden mit der Sicherheit, mehr
Stationen zu empfangen. Da der Eingangskreis so
empfindlich ist, daß Probleme der Intermodulation
auftreten, wird man unausweichlich den Signalabschwächer
nutzen und die Lautstärke höher drehen müssen. Der FRG-100
hat hierzu einen dreistufigen Abschwächer. Die besten
Ergebnisse wird man oft erzielen, wenn der Empfänger
abgeschwächt arbeitet. Folgende Tabelle zeigt die
Empfindlichkeit für 10 dB s+n/n, gemessen bei 60 %
Modulation:
| MHz |
AM wide |
AM narr. |
SSB/ CW wide |
CW narr |
| 0,131 |
2,58 |
2,30 |
0,51 |
0,44 |
| 0,200 |
1,28 |
1,20 |
0,23 |
0,18 |
| 0,300 |
1,00 |
0,80 |
0,20 |
0,17 |
| 0,490 |
0,73 |
0,65 |
0,16 |
0,06 |
| 0,5-1,8 |
2,75 |
2,60 |
- - |
- - |
| 1,8-17 |
0,73 |
0,65 |
0,17 |
0,10 |
| 17-30 |
0,52 |
0,50 |
0,17 |
0,10 |
Ein Signal ist jedoch nur
wirklich verständlich, wenn der Rauschabstand 20 dB beträgt.
Folgende Ergebnisse lieferte die Messung eines zu 60%
modulierten Signals auf 10,1 MHz:
| Filter |
Signal |
dBm |
| AM wide |
3,23 |
- 96,8 |
| AM narrow |
3,05 |
- 97,3 |
| SSB/CW wide |
0,68 |
- 110,4 |
Automatic Gain Control
Die Automatic Gain Control funktioniert ausgezeichnet.
Leider läßt sie sich aber nicht abschalten. Vor allem
beim Abhören von SSB-Signalen wäre es oft angenehmer,
die AGC auszustellen und Verzerrungen manuell mit der RF-Gain
auszublenden. Der FRG-100 ist so ausgelegt, daß sämtliche
eingehenden Signale per AGC auf ein gleiches Audio-Level
geregelt werden.
S-Meter
Das S-Meter des FRG-100 ist nicht besonders gut
ausgelegt. Bei unter 1 uV zeigt es zu wenig an. Bei 1,6
uV zeigt es exakt eine S-Stufe zuviel an. Der angezeigte
Bereich ist aber recht brauchbar für ein Gerät in
dieser Preisklasse.
Squelch
Die Squelch-Funktion ist nützlich, wenn man darauf
wartet, daß ein Signal auftaucht und das
Hintergrundrauschen zwischenzeitlich unterdrücken möchte.
Bei Scannern gehört ein Squelch zur Grundausstattung,
jedoch häuflg nicht bei Kurzwellenempfängern. Der
Squelch des FRG-100 enttäuschte, da der Regelbereich
viel zu eng ist. Dadurch ist kein effektiver Einsatz möglich.
Audio-Qualität
Der FRG-100 hat keine Klangblende. In einigen Fällen
können die Bässe den angeschlossenen Kopfhörer überfordern.
Der eingebaute Lautsprecher konnte überzeugen. Ein
extern angeschlossener Lautsprecher bringt sogar noch
besseren Klang.
Der NF-Verstärker liefert
maximal 1,8 Watt Leistung mit 10% Verzerrung. Bei
normaler Lautstärke betrug die Verzerrung rund 5% in AM.
Dies ist ein vertretbarer Wert, wenn auch die Verzerrung
beim SSBoder CW-Betricb nur rund 0,3% beträgt. Dies
bedeutet, daß die Verzerrung bei AM wohl eher vom Empfängerteil
stammen, als vom NF-Verstärker. Dies ist jedoch von
einem Empfänger dieser Preisklasse zu erwarten. Alles in
Allem kann die Audio-Qualität des FRG-100 als brauchbar
bis gut eingestuft werden. Die Verständlichkeit wird
durch die gemessenen Verzerrungen nicht beeinträchtigt.
Dynamik
Häufig veröffentlichen Hersteller ihre technischen
Meßwerte der Filter, bevor diese in den Empfänger
eingebaut wurden. Es ist jedoch möglich, daß in den
heutigen kompakten Empfängern Signale an den Filtern
"vorbeischleichen" und so die Dynamik
reduzieren. Es gibt deshalb eine international anerkannte
Meßmethode für den Dynamikbereich, die von den europäischen
Zulassungsstellen auch für die Genehmigung von
Marineempfängern angewandt wird, die sogenannte CEPT-Methode.
Die Vorgehensweise ist einfach. Der FRG-100 wird auf ein schwaches Signal
abgestimmt. Ein zweites moduliertes Signal wird an den
Empfängereingang gelegt und auf verschiedene, der auf
dem Empfänger eingestellten Frequenz naheliegenden
Frequenzen abgestimmt. So stellt man fest, wie stark die
dadurch entstehenden Störungen sind. Die im FRG-100
eingebauten Filter unterdrücken rund 50 dB. Teuere Empfänger
erzielen eine Unterdrückung von bis zu 60 - 70 dB. Für
einen Empfänger dieser Preisklasse ist ein Wert von 50
dB jedoch sehr gut.
Abschwächer
Auf der überfüllten europäischen Radioskala ist
ein Abschwächer kein Luxus. Der Abschwächer des FRG-100
kann auf 6, 12 und 18 dB eingestellt werden. Für 1,8 bis
17 MHz wird eine Abschwächung von 18 dB empfohlen,
oberhalb von 17 MHz reichen 12 dB. 6 dB kommen auf der MW
zum Einsatz, weil dort die Empfindlichkeit sehr gering
ist.
Fazit
Yaesu wollte einen besseren Empfänger als den FRG-8800
entwickeln, der nur rund 2/3 soviel wie dieser kosten
sollte. Dies ist gelungen. Der FRG-100 ist vom Empfang
her besser als der Lowe HF-150 und bietet mehr Details,
kostet aber auch mehr. Er erreicht nicht den
Empfangsstandard des Kenwood R-5000, ist aber dafür mit
einem empfohlenen Verkaufspreis von DM 1299.- deutlich
billiger.
Das Gerät wird über den
Technischen Klubdienst für DM 1259.- vertrieben und ist
laut schriftlicher Herstellerangabe ab Anfang März
lieferbar. Ferner stellen wir Überlegungen an, die AGC
regelbar und abschaltbar zu machen. Außerdem wird eine
Filtermodifikation mit keramischen Filtern unumgänglich
sein. Charly Hardt
Mit freundlicher Genehmigung © Jonathan Marks, RNMN Übersetzung &
Bearbeitung: Uwe Bräutigam
© kurier 5 / 1993